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3.5 Strukturelle SemantikSemantik
ОглавлениеNicht abwegig ist dann der Gedanke, dass es auch universelle Bedeutungsaspekte bei den Zeicheninhalten geben könnte. CHOMSKYChomsky (s. Kap. 3.4) dachte etwa daran, dass farbbezeichnende Wörter z.B. das Farbenspektrum, das ja physisch wahrnehmbar ist, in kontinuierliche Segmente einteilen würden, die zwar in verschiedenen Vorstellungen nicht identisch, aber nachvollziehbar seien.
Noch einen Schritt weiter gehen J.J. KATZ/J.A. FODOR (1963) sowie Manfred BIERWISCH (1967)1. Wie die Lautstruktur der natürlichen Sprachen auf der Basis eines universalen Inventars phonologischer Merkmale beschrieben werden kann, so soll das semantische Grundinventar einer SpracheSprache als Auswahl aus einem Universalinventar semantischer Merkmale beschreibbar sein. Hierzu können Kategorien wie „belebt-unbelebt“, „maskulin-feminin-neutrum“, die Differenzierungen in „Subjekt-Verb-Objekt“ oder auch Beschreibungskriterien des Raumes gehören (z.B. Dimensionalität, Vertikalität, Beobachterzentriertheit). Es gilt das aristotelische Kategorienmodell der klaren Abgrenzung und Zuordnung aufgrund gemeinsamer Merkmale.
Dies ist der Forschungsgegenstand der Strukturellen SemantikSemantik.2Geckeler In der semantischen Komponentenanalyse kann anhand der „Seme“ als den kleinsten inhaltsunterscheidenden Merkmalen die „BedeutungBedeutung als Semstruktur“ (HILTY) dargestellt werden. Die lexikalische Bedeutung, das „Semem“, ist der einer semantischen Analyse zugängliche, im Lexikon kodifizierte Teilaspekt von Bedeutung, der zusammen mit den grammatischen Bedeutungselementen (wie Modus, Tempus, Komparation) die Gesamtbedeutung sprachlicher Ausdrücke ergibt.
Analog zur Methode der Phonologie, die die Laute als Ausdrucksseite der Zeichen in einzelne phonologische Merkmale zerlegt, wird hier nach der Beschaffenheit der Inhaltsseite von Sprachzeichen gefragt. Dabei wird der Zeichencharakter aufgelöst und die Inhaltsseite nach bedeutungskonstitutiven Merkmalen als möglichen sprachlichen Korrelaten von Eigenschaften der außersprachlichen Wirklichkeit untersucht. Die Wortbedeutung wird als eine hierarchische Struktur von Bedeutungsmerkmalen aufgefasst, die dann beim Sprechen jeweils auf eine konkrete Satzbedeutung reduziert wird.
Die Analyse des Bedeutungsinhalts von frz. fauteuil (SESSEL) ergibt folgende Seme: ‘avec dossier’, ‘sur pied’, ‘pour une personne’, ‘pour s’asseoir’, ‘avec bras’, ‘avec matériau rigide’.
Mit dieser Methode können auch einzelsprachliche Wortfelder analysiert werden, wie z.B. die der Temperaturadjektive (gelé, froid, frais, tiède, chaud, brûlant), Altersadjektive (alt, jung, neu), Farbadjektive, Dimensionsadjektive usw. (vgl. GECKELERGeckeler 1973:25/31).
Bekannt ist auch das Beispiel von en. bachelor, das aus den Komponenten [+männlich], [+erwachsen], [–verheiratet] besteht. Hiergegen wird eingewendet, dass z.B. auch der Papst zwar ein „unverheirateter männlicher Erwachsener“ sei, aber doch wohl nicht den Prototyp des ‘bachelor’ darstelle (vgl. SNELL-HORNBYSnell-Hornby 1988:28).
Für die konkrete BedeutungBedeutung eines Wortes (Lexems) in der RedeRedes. parole kommt dem KontextKontext in seiner monosemierenden Funktion eine entscheidende Rolle zu. Die lexikalische Bedeutung eines isolierten Wortes ist „weitgespannt, vage, sozial und abstrakt“. Erst im Rahmen von Sätzen und Texten, wenn ein Sprecher mit Hilfe der kontextuellen Bedeutungen seine Meinung zum AusdruckAusdruck bringt, wird der Wortinhalt „engumgrenzt, präzise, individuell und konkret“ (WEINRICHWeinrich 1970:16). Der Grund ist, dass nur kompatible Seme in einem sinnvollen Satz zusammenkommen.