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Kants Neugier
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Selten findet man den Antrieb, der einen das Leben lang verfolgt, so klar formuliert wie bei Immanuel Kant, einem der größten Philosophen der Menschheit. Er steht am Ende seiner „Kritik der praktischen Vernunft“, und am Ende seines Lebens auf seinem Grabstein, zu seinem 200. Todestag 2004 stand er auf dem Titel des SPIEGEL: „Nichts erfüllt das menschliche Gemüt mit mehr Ehrfurcht und Bewunderung als der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“ Was wir nun tun, ist wissenschaftlich frivol: Wir wollen Kant in fünf Sätzen erklären. Kant war überzeugt, dass es nicht die Erfahrung ist, die uns allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten verschafft – denn sie müssten ja ständig neu bewiesen werden. Wo hört das Universum auf? Es hört nicht auf – doch wir können uns Unendlichkeit nicht vorstellen. Aber wir können es wissen.
Das ist Kants Neugier: Prinzipien des Wissens, die unabhängig von Erfahrung funktionieren. Diese Prinzipien „a priori“, unabhängig von der Erfahrung, sind Kants große Entdeckung: Im Denken können synthetische Urteile entspringen, Gesetze, denen etwas hinzugefügt wird, was unabhängig von Erfahrung ist, sondern dem Denken entspringt. Es wird also immer ein selbstständig denkendes und deshalb freies Wesen vorausgesetzt: Niemand, nur das Denken selbst kann Dir mitteilen, was wahr und falsch, gut und schlecht, was schön und hässlich ist. Kants Entdeckung (je)des Menschen als selbst denkendes und deshalb freies Wesen löste eine Revolution aus.
Das Zeitalter der frühen Aufklärung wurde die Ära der meinungsbildenden Medien, der Zeitungen. Schon 1700 gab es in Deutschland 58 Journale, zehn Jahre später waren es bereits 122 offizielle Zeitungen, weitere zehn Jahre später 241, gefüllt mit Sensationsgeschichten und Neuigkeiten aus der Gesellschaft, aber auch mit eine beträchtlichen Menge an historischem, politischem und philosophischem Inhalt. Trotz Zensur wurden bis 1790 in über 3.400 meist wöchentlich erscheinenden Journalen und Magazinen die Ideen der Leibniz-Wolff-Schule, von dem Königsberger Philosophen Immanuel Kant und anderer Vertreter diskutiert und verbreitet. Vor allem in den protestantischen Hochburgen, den Handelsstädten Leipzig, Frankfurt, Hamburg und den Universitätsstädten Halle und Jena erfreuten sich Zeitschriften immer größerer Beliebtheit. Immer stärker nahm auch die Zahl der kleinen Regionalzeitungen zu. Desgleichen erfuhren Bücher eine rasante Konjunktur. Waren es in den 1760er Jahren zwischen 2.000 und 3.000, so stieg die Zahl der Neuerscheinungen bis zum Ende des Jahrhunderts um fast 11.000 pro Jahr an. Und es wurde nicht nur von Intellektuellen gelesen. Auch ärmere und ungebildetere Schichten wurden ein Lesepublikum, das sich durchaus auch mit politischen und philosophischen Ideen, Texten, Gedichten und Romane der zeitgenössischen Dichter und Denker von Shakespeare bis zu den einschlagenden Werken von den politischen Ideen Montesquieus, Herders und Rousseaus, schließlich den poetischen Werken von Wieland, Lessing, Goethe und Schiller, der ein großes Interesse an der Verbreitung eines neuen, aufgeklärten Nationalgeistes hatte. Der Buchdruck erntete zum ersten Mal seine positiven Früchte: die der Individualität, der Persönlichkeit, des Menschen als „Zweck an sich“.