Читать книгу Sprache als psychotherapeutische Intervention - Steven C. Hayes - Страница 14
1.5.1 Habituation
ОглавлениеEine der einfachsten Arten des Lernens ist die Habituation, was so viel bedeutet wie das Nachlassen von Reaktion auf einen Stimulus (oder einen Hinweisreiz aus der Umwelt). Habituation stellt sich ein, wenn ein Reiz regelmäßig wiederholt wird. Säuglinge erschrecken sich und fangen an zu weinen, wenn sie plötzlichen lauten Geräuschen ausgesetzt werden. Wenn dieselben Geräusche aber anhaltend auftreten, wird die Schreckreaktion abklingen und der Säugling kann möglicherweise trotz des Lärms schlafen. Wenn ein Organismus über ein zentrales Nervensystem verfügt, dann hat dies eine Rolle bei erfolgreicher Habituation (Thompson, 2009). Aber auch einzellige Organismen wie die Amöbe oder das Pantoffeltierchen sowie einzelne Zellen innerhalb von mehrzelligen Organisationen wie die Makrophagen des menschlichen Immunsystems zeigen Habituationsreaktionen (Harris, 1943; Nilsonne, Appelgren, Axelsson, Frederikson & Lekander, 2011). Diese Beobachtung legt nahe, dass Habituation schon so alt ist, wie es Zellen gibt. Sie stellt möglicherweise sogar die erste Form des Lernens dar. Habituation spielt bei einigen für die Behandlung bedeutsamen Phänomenen eine Rolle wie beispielsweise der Arousalreaktion in Gefahrensituationen. Oft werden die Effekte von Expositionstherapie mit Habituation erklärt, doch die tatsächlichen Mechanismen sind wahrscheinlich komplexer, denn Habituation mischt sich ohne weiteres mit anderen, phylogenetisch jüngeren Lernprozessen (Gallagher & Resick, 2012) einschließlich Sprachprozessen (Kirkanski, Liebermann & Craske, 2012).