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1.6.1 Kontextuelle Hinweisreize definieren Beziehungen

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Wie gelingt der Schritt von der direkten Interaktion mit der Welt zum symbolischen Sprechen und Denken? Es beginnt damit zu erlernen, Dinge, die im Lernumfeld vorhanden sind, miteinander auf eine bestimmte Art und auf der Grundlage von Hinweisreizen, zu verknüpfen. Betrachten Sie das folgende Beispiel: Ein Kleinkind spielt ein pädagogisches Spiel, das darin besteht, dreidimensionale Figuren in dementsprechend geformte und farblich markierte Öffnungen zu stecken, die auf einem Brett angeordnet sind. Das Kind sieht sich das Brett an und erkennt Aussparungen in der Form von Dreiecken, Kreisen und Vierecken. Jedes Loch ist blau, rot oder gelb umrandet. Gleichzeitig liegt ein Haufen Plastikelemente in den Formen von Dreiecken, Kreisen und Vierecken und in den Farben Blau, Rot und Gelb vor seinen Füßen auf dem Boden. Durch Versuch und Irrtum lernt das Kind, die richtige Figur in Abhängigkeit von der Beziehung, die sie zu den Löchern hat, auszusuchen. Beispielsweise versucht es zunächst, ein Dreieck in ein rundes Loch zu stecken. Wenn es feststellt, dass die Ecken des Dreiecks verhindern, dass die Figur in das runde Loch passt, nimmt es eine neue Figur in die Hand und findet heraus, dass das runde Element, das keine Ecken hat, perfekt hineinpasst. Es ist begeistert, wenn die Figur im Loch verschwindet, und fährt damit fort, Figuren verschwinden zu lassen, indem es die Form der Elemente und die Aussparungen der Öffnungen passend miteinander verknüpft.

Nun stellen Sie sich vor, dass die Eltern in der Nähe sind, um zu helfen, während das Kind dabei ist zu lernen, die Objekte in die passenden Öffnungen zu platzieren. Wenn das Kind ein rotes Dreieck in das dreieckige Loch steckt, das rot eingefasst ist, rufen die Eltern: »Hurra!«. Wenn es aber stattdessen ein blaues Dreieck dort hineintut, sagen sie: »Nein, das ist nicht das richtige. Guck mal… welches hat die gleiche Farbe?« Weil das Kind noch nicht über Sprachkompetenzen verfügt, versteht es die verbalen3 Hinweisreize nicht, die die Eltern ihm gerade gaben. Möglicherweise nehmen die Eltern die Hand des kleinen Kindes, führen sie zum roten Dreieck und sagen: »Siehst du, das hat die gleiche Farbe,« und loben es, wenn es die Figur in das richtige Loch steckt. In dieser Situation schaffen die Eltern einen sozialen Kontext, der es dem Kind erlaubt, die Bedeutung eines kontextuellen Hinweisreizes zu erlernen, in diesem Fall das Word »gleich«, das die Art der Beziehung beschreibt, die die Farbe der Figur und die Farbe des Loches haben.

Sobald das kleine Kind gelernt hat, dass das Wort »gleich« eine Beziehung der Äquivalenz zwischen zwei Dingen herstellt, können seine Eltern ihm beibringen, andere Objekte und Ereignisse auf dieselbe Weise in Beziehung zu setzen, z. B. dass »Katze« und das in Fell gehüllte Lebewesen zu seinen Füßen das gleiche sind. Viele kontextuelle Hinweise können dieselbe Art von Beziehung herstellen (z. B. »ist«, »wie«, »ähnlich«, »gleich«). Sie müssen diese Beziehung nicht mit Worten ausdrücken. Beispielsweise kann Gleichheit durch die Anwendung von Symbolen wie »=» oder durch Gesten hergestellt werden, wie wenn man mit dem Zeigefinder auf jemanden zeigt, während der Namen laut ausgesprochen wird.

Dieses Beispiel verdeutlicht, wie Sprache sich zunächst auf der Basis von operantem Erlernen von Beziehungen entwickelt, die von Merkmalen des Lernkontextes bestimmt werden. In diesem Fall beruhte die Beziehung auf intrinsischen Merkmalen – der Form und der Farbe der Figuren und der Löcher. Zu erlernen, intrinsische Beziehungen zu entdecken, ist ein Vorläufer des symbolischen Lernens. Es ist nicht in sich selbst symbolisch und es ist auch keine Fähigkeit, über die nur Menschen verfügen. Säuglinge, Fische oder Tauben können mit Leichtigkeit Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Farben und Formen erlernen, aber sie können keine Werte miteinander vergleichen, die sozial festgelegt werden.

Sprache als psychotherapeutische Intervention

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