Читать книгу Heiden, Christen, Juden und Muslime - Anna Ehrlich - Страница 10
Mithras, der Stiertöter
ОглавлениеAber noch war es nicht so weit, denn seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert gab es eine neue Religion, den Mithras-Kult, einen geistigen Kriegsdienst (militia), der so recht für harte Männer und Soldaten geeignet war und der patriarchalischen Gesellschaftsordnung der Römer entsprach. Es handelte sich dabei um eine sehr weit entwickelte Religion mit stark ethisch-moralischer Ausrichtung, der jedoch das weibliche Element völlig fehlte. Mithras ist nicht der oberste Gott, über ihm stehen die ewig dahinfließende Zeit und der göttliche Herrscher Jupiter-Oromazdes, der Herr des Himmels und des Guten, dem Ahriman, der Geist der Finsternis, gegenübersteht. Mithras steigt aus dem Felsen empor und erleuchtet die dunkle Nacht. Durch die Tötung des göttlichen weißen Stiers als Schöpfungsakt wird er zum Urheber des irdischen Lebens. Die Tötung und das Festmahl, das Mithras danach zusammen mit Sol einnahm, waren die zentralen Kultinhalte und sind auf allen Mithrasreliefs dargestellt. Die Anhänger des Kultes mussten sich bei der Einweihung ungefähr achtzig körperlichen und seelischen Prüfungen unterziehen und einen Eid (sacramentum) ablegen, dann folgte ein feierliches Mahl als Abbild der himmlischen Glückseligkeit. Die Eingeweihten bemühten sich, im Kampf des Guten gegen das Böse ihrem Gott über sieben Weihegrade (corax/Rabe, nymphus/ Bräutigam, leo/Löwe, miles/Soldat, perses/Perser, heliodromus/Sonnenläufer und pater/Vater) immer näher zu kommen. Nach dem Tod stiegen ihre Seelen durch die Planetensphären zur Unsterblichkeit auf. Der Titel ihres höchsten Priesters war »pater patrum« (abgekürzt papa). Wie verbreitet der Kult war – er wurde von etlichen Kaisern gefördert, vor allem von Diocletian – zeigt sich an den zahlreichen Mithräen, die man gefunden hat. Anlässlich des Kaisertreffens von Carnuntum im Jahre 308 ließen die dort versammelten vier Herrscher ein Mithräum restaurieren, was dessen Wichtigkeit beweist.
Der Mithrasstein von Sterzing (Vipiteno)