Читать книгу Schuld war nur die Mustertapete! Sagt Mutter! - Carmen Immel - Страница 12
Muttis Putzeimer
ОглавлениеSie kennen bestimmt die Neugierde eines Kindes, wenn Mutti putzt, dann muss das natürlich ergründet werden. So ein Eimer Wasser mit viel Schaum ist höchst interessant und muss untersucht werden. Die anderen Kinder waren in der Schule. Natürlich war meine Mutter beschäftigt und konnte gerade nicht nach mir schauen, als ich feststellte, dass Wasser, warum auch immer, im Eimer bleibt. Ich liebte von Geburt an Wasser. Überall wo es blau schimmerte, meinte ich, Wasser zu sehen. Diese Neugier, warum das Wasser in dem Gefäß blieb, war für mich Grund, diesem nachzugehen. Ich war noch im Schlafanzug, saß am Küchentisch und total auf diesen Eimer konzentriert und sollte eigentlich meine Frühstücksbrote aufessen. Ich stand auf und ging zum Eimer und tauchte mein Brot erst mal in den Eimer und ein entsetzter Schrei von Mutti ließ mich ahnen, dass ich irgendwas falsch gemacht hatte. Ach das Kind machte wieder nur Unsinn und nicht mal in Ruhe putzen konnte Mutti. Nun, sie machte mir ein neues Brot, ermahnte mich und ich sollte mich an den Tisch setzen und nicht zwischen die Füße laufen. Warum an den Tisch setzen, wenn die Rundung des Eimers viel bequemer aussah? Draufgesetzt und stolz wie Oskar, passte wie angegossen. Ich aß mein Brot auf und bemerkte, dass der Inhalt des Eimers den Hintern hochkroch. Unangenehm! Aufstehen? Ging nicht. Ich saß fest. Mit den Händen den Eimer gepackt und versucht weg zu drücken. Ging nicht. Ich saß richtig tief im Eimer fest. Ich machte mit dem Finger so Meldezeichen wie in der Schule, ahnend das gleich eine Standpauke folgen würde. Ich rief leise nach Mutti und sie drehte sich dann um und verdrehte die Augen.
»Na, steh doch auf?«, sagte sie, tief schnaubend. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich mit dem Allerwertesten magisch vom Eimer angezogen würde. Auch musste ich fürchterlich dringend aufs Klo. Das Geschimpfe will ich hier gar nicht wiedergeben, eher das Erstaunen in ihrem Blick, weil der Eimer an mir festhing. Der war voll Wasser. Sie kam näher und guckte ungläubig auf mich runter. Die Hand auf den Mund, überlegend, was das jetzt war, ein kurzer Lacher und dann bitterböse. Sie zog und zerrte an mir, verzweifelte und schimpfte. Versuchte mit Schmierseife meinen Hintern gleitfähig zu machen, dann mit Priel und dann rief sie vor Verzweiflung erst mal die Tante an und schimpfte ins Telefon und fragte nach Rat. Ich saß immer noch im Eimer und musste aufs Klo und bekam Durst. Es fing auch an, zu schmerzen. Vor Verzweiflung packte Mutti mich samt Eimer und goss das Wasser erst mal seitlich und über mich raus. Ich war jetzt nass, durstig, musste aufs Klo und hatte keine Lust mehr in dem Ding zu sitzen und wurde unruhig. Es klingelte und die Tante kam rein und schaute mich wie vom Donner gerührt an. Der überlegende Blick, die Hand fühlend an ihrem Kinn, am Kopf gekratzt und dann lachte sie schallend los. Sie schlug sich auf die Schenkel vor Lachen. Dann irgendwann zerrte sie zusammen mit Mutti an dem Eimer und mir rum. Ich hörte was von Aufschneiden und Sägen und weitere fürchterliche Arten, mich vom Eimer zu befreien, bis es endlich plopp machte. Ich schlug nass klatschend auf den Küchenboden auf. Schlimm, wenn zwei Hausfrauen in Schürzen oben in luftiger Höhe aus vollem Rohr lachen und man vor Schmerz tagelang nicht zu sitzen weiß. Seit diesem Tag hatte ich eine Zeit lang großen Respekt vor runden Öffnungen. Peinlich auch, dass Mutti und die Tante überall herum erzählen mussten, was ich wieder angestellt hatte. Ich war doch Ästhet und keiner musste wissen, dass ich im Schlafanzug festgesaugt war. Aber nöööö, typisch Waschweiber. In Zukunft wollte ich morgens fertig anzogen in meine Pannenwelt starten.