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Kleine gefährliche Episoden zwischendurch

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Ich setzte mich in Zukunft lieber anderen Gefahren aus. Legosteine des Bruders wurden komplett verschluckt. Da fragte noch keiner nach Giften und ebenso wurde beim Fahrradfahren auf den Helm verzichtet und man schlug sich gefälligst mit dem ganzen Körper auf den Teer. Es war normal, dass man mit Schürfwunden an Ellbogen, Händen, sowie auf den Knien herumlief. Je dicker die Kruste, desto mehr war man Held unter den anderen Kindern. Übrigens hatte ich später ein Fahrrad mit Vollgummireifen und Stützrädern. In voller Fahrt kratzte ich mit den Stützrädern über die Straße, und wenn ein Gully Deckel kam, schepperte es durch den ganzen Körper. Meist knallte ich nach ein paar Metern irgendwo in die Brennnesseln (die waren hoch) oder ich fuhr in Nachbars Garten mit kaputtem Jägerzaun, dessen Holzstücke sich regelmäßig in meinen Bauch verpflanzten. Ob es damals eine Stelle an mir gab, wo mal keine Wunde zu sehen war, kann ich nicht sagen. Hab ich schon erzählt, wie ich diesen Gummiball mit Griffen geschenkt bekam? Mann, war das ein großer runder Ball, das sind die Dinger, die es heute für die Beckenbodengymnastik gibt. Bei mir war das damals aber richtig was fürs Herz oder sagen wir mal mehr, einmal nicht aufgepasst und man hob ab und stürzte samt Hüpfball über drei Stufen in die Botanik. Mein Aufschrei im Distelbusch erinnerte nicht nur daran, dass bei der letzten Gartenarbeit gepfuscht worden war, sondern dass ich einfach noch nicht lang genug für das Biest war. Also ließ Mutti die Luft aus dem gefährlichen Springball mit Griffen heraus und wusste ihn anschließend gut zu verstecken. Ich fühlte mich wie ein Mettigel dank Distelbusch. Auch die Prielflasche musste damals gekostet werden, was lag also näher, als das herrliche gelbe Gesöff mit den tollen Abziehbildern auf ex zu schlucken? Gut nicht auf ex, ich übertreibe wieder maßlos ... ein großer Schluck und ich schäumte los. Mutti sah es zum Glück früh genug. Man hätte mich auch als riesige Waschkugel in die Waschmaschine setzen können. Also musste ich erbrechen und damals fragte keiner, ob das richtig war. Muttis Finger im Hals stocherte meine zarte Speiseröhre in Fetzen ... so fühlte es sich jedenfalls an. Aber ich war sauber, ich musste nicht geputzt werden. Dass man mich mit Tonnen von Milch füllte, war auch keine Frage. Milch war für alles gut und hier durfte sogar die ganze Tüte mit dem Mund ausgesoffen werden. Immer rein damit, es war ein Entschäumer. Faszinierend fand ich auch den Fingerhut im Garten. Fingerhut hieß Gefahr. Finger rein und du musst sterben. Was lag also näher, als dieses Gebot zu missachten? Meine Finger passten auch noch genau hinein. Upps, dabei erwischt werden, hieß, "Machst du das noch mal, wirst du sterben, weil das giftig ist und nè Tracht Prügel bekommst du auch noch." Was denn jetzt? Erst sterben oder Tracht Prügel? Mutti schlug nie, sie drohte nur immer. Deshalb konnte man sich ja auch als Kind alles erlauben, man musste nur einen Schutzschirm in Sachen Leviten lesen aufbauen. Wenn sie ganz böse mit mir war, dann hat sie mir mit Hausarrest gedroht, dass zog. Ich war Freiheitskämpfer in der Wildnis, das wäre nicht gut gekommen. Ich weiß noch, wie ich den Kirschbaum in Nachbars Garten entdeckte. Der blühte so wunderschön. Unser Nachbar hatte das Teil gerade gepflanzt und ich hatte die Idee, Mutti einen großen Blumenstrauß zu schenken. Was lag also näher, als das junge Bäumchen samt Wurzel aus der Wiese zu ziehen. Schwupps ... die Erde flog mir um die Ohren und ich freute mich. Sollte Mutti doch eine große Vase für den Klumpen am Ende des Stammes nehmen. Ich also mit fallender Erde unter mir ins Haus gerast und stolz den Strauß Kirschbaum übergeben. Mutti nahm überrascht das Teil, guckte mich an und blickte sofort durch, was das war. Hatte der Onkel Nachbar doch überall erzählt, dass er Obstbäume angepflanzt hatte ... Upps????

»Bist du verrückt? Peeeeetraaaaa, was hast du jetzt schon wieder angestellt?« Mutti lief bitterböse mit dem Teil vor die Haustüre, rannte zum Geräteschuppen und holte eine Harke. Ich suchte in Gedanken nach meinem Pass, um das Land zu verlassen. Dann rannte sie rüber zum Nachbarn und brüllte zu mir:

»Ruf den Bestatter an und gib deine Maße durch!« Ich sah erstaunt zu, wie sie in Windeseile den Baum eingrub und dabei wohl nicht gesehen werden wollte. Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich hatte es doch nur gut gemeint und dachte, sie würde sich freuen. Also wollte ich in Zukunft lieber etwas basteln und Mutti keine Blumen mehr schenken. Pah!

Schuld war nur die Mustertapete! Sagt Mutter!

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