Читать книгу Schuld war nur die Mustertapete! Sagt Mutter! - Carmen Immel - Страница 9
Jetzt kommt´s, echt jetzt!
ОглавлениеNun ja und dieses Buch ist aus dem Grunde entstanden, weil man mir 2009 dazu riet. Eine Unfallversicherung bot mir Gespräche an. Ach so, ich hatte da noch einen Unfall, hätte ich fast vergessen. Das hatte mich wieder 3 von meinen 5 Leben gekostet. Also, alles, was gleich folgt, ist wirklich passiert! Ich habe die Geschichten ein wenig verändert, damit sich keiner von meinen damaligen Spielkameraden wiedererkennen kann. Nicht, dass der eine oder andere Nachbar auf die Idee kommt, mir nachträglich den Hintern zu versohlen. Auslöser war eine wirklich große und komische Panne und die Nachbehandlung in Form einer Therapie. Bis heute habe ich Kontakt zu der Fachtante, und wenn ich ihre Nummer wähle, dann kommt erst mal der Satz: "Naaa? Wie viele Pannen hast du bis jetzt überstanden und wie ist es dir ergangen?" Dann beginne ich so ähnlich wie:
"Auf die Sache mit dem Köter folgte das nächste Unheil, da war nämlich noch …" Die Fachtante lernte ich kennen, weil sie mich nach einem Hundebiss betreute. Einer meiner Superpannen übrigens. Ich nenne alle Hunde Köter, deren Größe den einen Dackel übersteigt. Deren Gesicht mehrfach vor die Wand gelaufen zu sein scheint und das Sabbern die Ekelgrenze eines menschlichen Wesen übersteigt. Nun kann man sich denken, welche Rasse ich beschreibe. Ich bin ein sehr tierlieber Mensch, wohl bemerkt. Der Köter mit dem eingedellten, sabbernden Gesicht, stand mir nun mal im Weg oder ich dem Köter? Die Welt war zu klein für uns beide, das wussten wir beide sofort. Ich überschritt anscheinend die Grenze seiner Welt und er öffnete seinen Rachen und verschlang mich. Der Köter war wirklich groß und sein Gebiss ebenfalls. Den Wesenstest hatte er damit nicht mehr bestanden und ich durfte 5 Wochen lang einarmig duschen und machen Sie mal alles mit der linken Hand. Ich bedenke auch den Latrinengang! Nach einem kurzen und harten Kampf zwischen der Versicherung des Hundes und meinem Anwalt kam man zu dem Schluss, dass der Hund das Opfer war und ich den Hund angefallen hatte. Ich warf mich auf ihn und biss ihn in die rechte Pfote. Der Hund musste seinen gebuchten Urlaub absagen und sich die rechte Pfote mit mehreren Stichen nähen lassen. Dies wird natürlich keine Abrechnung mit dem Besitzer des Köters, aber hierbei fiel auf, dass Hundebesitzer sich oft persönlich angegriffen fühlen. Das kam heraus, als ich mit anderen Leidensgenossen konfrontiert wurde. Wenn Hunde nicht ganz so reagierten, wie sie sollten, dann würden alle Geschütze aufgefahren, um aus dem Opfer, welches ich war, einen Täter zu machen. Wer war denn jetzt das Opfer? Die Sache ging gut aus für mich, ich bekam einen Euro für Verbandmull und ein Pflaster. Das fand ich sehr gut. Aber meine Versicherung bot mir etwas viel Besseres an. Ich durfte mich bei einer Therapeutin ausweinen. Das habe ich prompt in Angriff genommen. Es ging in den Gesprächen darum, dass ich das Erlebte nicht nur verarbeiten sollte, sondern man wolle sich kümmern, dass ich in Zukunft keine Ängste bekomme, wenn ich Hunde oder Köter sehe. Dazu gehörte auch die Vergangenheit meinerseits und die Therapeutin wollte Geschichten von mir hören, die mir als Kind oder in der Jugend passiert waren. Das hätte sie besser nicht getan. Ich fing an zu erzählen und sie grinste dauernd. Alles lief wie in einem Film vor mir ab und ich plapperte und plapperte und ab und zu wischte sich die Therapeutin vor Lachen die Tränen weg. Ok, da waren ein paar kuriose Sachen bei, dass es mir auch Mühe bereitete, ernst zu bleiben. Die Therapeutin hatte plötzlich einen Plan. Ich sollte alles, was ich erzählt hatte, aufschreiben und weiter überlegen, was ich noch so in petto hatte. Ich tat ihr den Gefallen und das Einzige, was sie machte, war hier und da in schallendes Gelächter auszubrechen. Jetzt überlegen Sie mal, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie von ihrer Therapeutin ausgelacht werden. Sie konnte ihren Job nicht mehr vernünftig ausführen und fand keinen Rhythmus mehr, um mit mir ins Gespräch zu kommen. Es folgte der Satz:
»Sie müssen ein Buch schreiben, das muss in die Welt!« Ich war platt wie ein Groschen, diesen Satz hatten schon viele zu mir gesagt. Was ein Groschen ist? Das ist die liebliche Münze aus den Zeiten vor dem Euro. Damals in den 70ern und 80ern, als es noch keine Handys gab, aber kratzende Strickstrumpfhosen und juckende Pudelmützen. Fürchterliche Farben in der Klamottenwahl und wenn man telefonieren wollte, bestieg man das eigentlich größte Handy aller Zeiten. Damals war vieles verpönt. Die Kinder hatten noch Respekt vor den Erwachsenen. Man hielt sich an Regeln im Haus, man ging ins Bett, wenn Mutti es befahl und man saß auch artig am Tisch, wenn zum Essen gerufen wurde. Man vertilgte fürchterliche Gemüsesorten aus dem Garten und ich weiß noch, wenn ich kotzen musste, weil es im Haus nach Rosenkohl stank. Zurück zu mir, als ich noch flüssig war. Ich bin ein sogenannter Unfall. Ich wurde also an der Mustertapete in hängendem Zustand gezeugt. Wie Papa das angestellt hatte, traute ich mich nicht zu fragen und beschloss dieses Thema im später folgenden Biologieunterricht zu besprechen. Gut, dass ich das nicht getan hatte!