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HITZEWALLUNGEN SIND EINE FEUERPROBE UND KEIN FLUCH
ОглавлениеEine sehr inspirierende Einschätzung von Hitzewallungen stammt von meiner guten Freundin und Kollegin, Dr. Deborah Kern, einer Gesundheitswissenschaftlerin und Mind-Body-Forscherin. Dieses Stück erschien ursprünglich in ihrem Blog www.drdebkern.com. Sein Besuch lohnt sich, ist er doch witzig und klug.
»Es ist Juli und überall im Land gibt es Hitzewellen. Ich bin keine Ausnahme. Ich bin eine lebende Hitzewelle. Mir ist heiß. Ich bin heiß! Seit Sonntagabend habe ich meinen ersten Schub Hitzewallungen erlebt. In der ersten Nacht waren es sechs, am nächsten Tag zwölf. Es klingt vielleicht verrückt, aber ich erwarte meine Hitzewellen mit einer gewissen nervösen Erwartung. Das liegt an Dr. Joan Borysenko. Obwohl sich die meisten Frauen vor Hitzewallungen fürchten, habe ich mich auf sie gefreut. Warum? Weil ich 1996 Dr. Borysenkos Buch »Das Buch der Weiblichkeit« (München 2006) gelesen habe und besonders eingenommen war von dem Kapitel über Menopause und Hitzewallungen. Damals mit Ende dreißig hatte ich noch nicht einmal meinen ältesten Sohn geboren, aber die Art, wie sie Hitzewallungen beschrieb, hatte etwas sehr Kraftvolles. Ich speicherte das ab und wartete darauf, irgendwann selbst an der Reihe zu sein.«
Im Folgenden gebe ich wieder, was Borysenko in ihrem Buch schreibt: »Im Alter von 47 gab eine mutige Französin mit Namen Alexandra David-Néel ihr privilegiertes und beschützes Leben auf. Sie ließ ihren Mann in Paris, rasierte sich den Kopf, kleidete sich in safranfarbene und purpurrote Roben und reiste um die halbe Welt zu den verbotenen tibetischen Bergen. Als Lama verkleidet gelang es ihr, einen Einblick in ein Kloster zu bekommen.
Während des Februarvollmonds nahm sie an einem Ritual teil, bei dem sich die Mönche in einer frostig kalten Höhle nackt auszuziehen, sich in nasse Tücher zu wickeln und diese mit eigens produzierter Körperwärme im Rahmen einer Meditation, genannt Tumo yoga, zu trocknen hatten. Wer die meisten Tücher trocknete, wurde als der würdigste Schüler betrachtet. Tumo bedeutet »grausame Frau« auf Tibetisch und steht unabhängig vom Geschlecht für die Lebensenergie eines jeden Menschen, welche in tausenden Kanälchen zirkuliert. Diese heißen Nadis und sind mit den Meridianen der Akupunktur vergleichbar.
Tumo yoga wurde vor allem aus spirituellen Gründen und nicht so sehr aus gesundheitlichen Gründen praktiziert. Im Rahmen einer Abfolge detaillierter Visualisierungen und dem Wiederholen heiliger Klänge hoben die Mönche die Energie der Lebenskraft von den unteren Energiezentren bis zum höchsten Kronenchakra über dem Scheitel. Dadurch erhofften sie sich das Vergehen von Irrtümern, falschen Glaubensmustern und Ich-Anhaftungen, die sie davon abhielten, die Natur ihres wahren Selbst zu erkennen.
Was hat nun Tumo yoga mit meinen Hitzewallungen zu tun? Tja, wie Dr. Borysenko in ihrem Buch ausführt, können Frauen in den Wechseljahren ihre Hitzewallungen wie die Mönche einsetzen: bewusst an die einschränkenden Selbstbilder, Irrtümer, Stressoren und Egoismen denken und sie den inneren Feuern der Veränderung anheimgeben. Sechs- bis zwölfmal täglich (und nächtlich) kann ich nun bewusst alles verbrennen, was mich von der vollen Verwirklichung meines Potenzials abhält. Das begeistert mich! Klar nehme ich noch bioidentische Hormone, ernähre mich gesund, mache Sport, Meditation und Yoga, damit die Hitzewallungen weniger häufig und heftig ausfallen. Doch wenn sie dann kommen, dann reite ich in froher Erwartung auf der Hitzewelle, dankbar für alles, was da verglüht.«
Dr. Kern hat in ihrem Anschreiben an mich noch Folgendes hinzugefügt: »Ich spüre wirklich, wie alte Bindungen im Feuer vergehen.« Versuchen Sie das doch auch einmal, und schauen Sie, was Kraftvolles daraus erwächst!