Читать книгу Marionette des Teufels - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 13

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Noch in der Nacht hatte das Team um den Rechtsmediziner Professor Anton Wassly Sophia Weberknecht auf den Seziertisch gelegt und sich angesehen, was kein Mensch im Vorbeigehen je geahnt hätte: Ihr Blinddarm war latent entzündet, sie hatte eine Zyste an der linken Niere, vielleicht ihr nie geborener Zwilling, was gar nicht so selten vorkam. Gestorben war sie jedoch – und das relativ zügig – an der bekannten Kopfverletzung.

„Es liegt eine klare Impressionsfraktur vor, wobei die Tabula interna stärker gesplittert ist. Außerdem konnte ich mehrere konzentrische äquatoriale Bruchlinien finden.“

Hannes, der Franziska nach München in die Frauenlobstraße begleitet hatte, versuchte sich ganz stark auf die Worte des Professors zu konzentrieren. Trotzdem verstand er nicht, was dieser ihnen sagen wollte, bis seine Kollegin nachfragte. „Das heißt in einfachen Worten?“

„Das Schädeldach ist eingebrochen.“ Professor Wassly ergriff das weiße Tuch und enthüllte die obere Körperhälfte der toten Sängerin, sodass nicht nur das Gesicht und der zum Teil rasierte Kopf, sondern auch die Brust mit dem grob zusammengenähten Y-Schnitt zu sehen waren.

„Und mit was?“, Franziska räusperte sich ein wenig verlegen, während sie zusah, wie der Professor der Toten fast liebevoll die verbliebenen Haare aus dem Gesicht strich.

„Mit einem breitflächigen Gegenstand, der gut in der Hand lag. Es war keine glatte Oberfläche, aber da die Vertrocknungsspuren in den Haaren liegen, konnten wir die Zeichen nicht genau erkennen. Ein Kollege hat Fotos gemacht.“

„Kann es sein, dass sie nach dieser Verletzung noch handlungsfähig war?“

„Wohl kaum.“

„Gab es irgendwelche Abwehrspuren?“ Franziska warf dem Professor einen abschätzenden Blick zu. Er trug die dunklen Haare brav gescheitelt, seine Brille war randlos, das Gesicht frisch rasiert. Die Fünfziger lagen hinter ihm.

„Nein, entweder war sie arglos oder sie wurde überrascht, was kein Wunder wäre, denn der Schlag wurde von links hinten oben ausgeführt. Ich denke, sie stand dem Täter gegenüber, der holte mit der rechten Hand aus und schlug einmal zu. Er muss größer als sie gewesen sein.“ Der Pathologe hatte sich vor sie hingestellt und Franziska recht anschaulich seine Theorie vorgeführt. Dabei hatte sie sein dezentes Parfüm gerochen: sportlich fruchtig.

„Hatte sie Geschlechtsverkehr vor ihrem Tod?“ Franziska warf Hannes einen kurzen Blick zu, aber dieser schien keine Fragen zu haben. In Gedanken versunken starrte er auf das Gesicht der Toten.

„Nein, und auch nicht danach. Dem Täter ging es nicht um die Befriedigung des Geschlechtstriebs. Er war nicht besonders grausam zu ihr. Er hat sie mit einem Schlag getötet. Ich würde sagen, es war ein Totschlag im Affekt.“ Franziska nickte, das hatte sie auch gedacht, als sie die Sängerin zum ersten Mal in ihrem Bett gesehen hatte, dass sie friedlich gestorben war.

„Sie hat sich nicht gewehrt, weil sie gar keine Zeit dazu hatte. Vor ein paar Jahren lag eine Studentin aus Passau auf diesem Tisch. Die junge Frau war mit 27Messerstichen grausam getötet worden. Der Täter muss vor Wut wie von Sinnen gewesen sein. Dieses Mädchen“, nun sah auch er Sophia an, „hat zumindest nicht gelitten.“

„Und ist das alles?“ Eigentlich reichte es Franziska fürs Erste, aber Professor Wassly hatte tatsächlich noch etwas für sie. „Nein, eines noch. Sie hat ein Intimpiercing. Ist wohl niemandem aufgefallen, sie trägt es sehr verborgen. Wollen Sie es sehen?“

Franziska zögerte, verborgen konnte nur eines heißen.

„Ihr kriegt ein Foto, okay?“, schlug der Professor auf ihr ausdauerndes Schweigen hin vor.

„Ja, danke. Sonst noch was?“

„Wussten Sie“, der Professor sah von Franziska zu Hannes, „dass sich bei den meisten Tötungsdelikten in Deutschland Folgen stumpfer Gewalt nachweisen lassen?“

„Nein.“

„Doch. Vermutlich ist es am einfachsten, aus Wut kräftig zuzuschlagen. Mit der Faust, mit einer Latte oder einem Werkzeug, was eben gerade greifbar ist.“

***

Marionette des Teufels

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