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Der Tod seines Kindes veränderte zutiefst Haydns Lebensweise … Schwermut überschattete seitdem sein sonst stets heiteres Gemüt. Charles Shermann, 1989

Michael Haydn hat immer im Schatten seines berühmten und erfolgreicheren Bruders Joseph gestanden; sein Talent, das nur in provinzieller Enge zur Geltung kam, ist dennoch fast ebenso hoch einzustufen. Auf einem Gebiet zumindest, dem der geistlichen Musik, ist Michael, nach dem Urteil namhafter Musikologen, seinem Bruder nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen. Joseph Haydn selbst hat an seinem Lebensende neidlos zugegeben, dass die religiösen Werke seines Bruders seine eigenen an Schönheit und Tiefe übertreffen. Mehr als ein Kenner geht so weit, Michaels Beitrag zur sakralen Musik über die kirchenmusikalischen Werke Mozarts zu stellen.

Der hohe Rang der über 40 Messen und etwa 200 geistlichen Chorkompositionen Haydns hängt sicher zusammen mit seiner ernst-grüblerischen Religiosität; sie führte ihn in Tiefen, die seinem Bruder, dem Gott einen unverwüstlichen Optimismus und ein so »fröhliches Herz« geschenkt, dass er ihm auch »fröhlich« dienen musste, verborgen blieben. Das klarste Beispiel, das diese Verschiedenheit illustriert, ist die Tatsache, dass Michael zwei oder drei Totenmessen komponierte, wohingegen Joseph sich nicht vom Requiem-Text inspirieren ließ. Die existenzielle Grundlage und Voraussetzung der ergreifenden Qualität des ersten Requiems (1771), eines »epochemachenden Meisterwerkes« (Carl de Nys), ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein persönlicher Schicksalsschlag: der Tod seiner einzigen Tochter Aloisia Josefa, eine bittere Erfahrung, die seinem kinderlosen Bruder erspart blieb.

Requiem für ein Kind

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