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-Jenni- 28.04.2016, Donnerstag

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„Der war vielleicht mies drauf!“ Jenni schlürft an ihrem Frappé, während Carmen versucht, sich wieder zu beruhigen. „Wundert’s dich?“

„Aber dafür kannst du doch nichts!“

„Er macht jetzt eine schwere Zeit durch und ist anscheinend fertig mit den Nerven. An irgendwem muss er es auslassen. Das verkrafte ich schon.“

„Hm, da magst du wohl recht haben… Aber… Er sieht eigentlich ganz süß aus, findest du nicht?“

Carmens Gesichtsausdruck ist beinahe entsetzt.

„Was? Basti? Oh Gott, nein! Findest du?“

„Ja schon. Diese dunklen zerzausten Haare, groß, sportlich, Dreitagebart…“

„Nach drei Tagen hat jeder Mann einen Dreitagebart. Und jetzt schalt mal einen Gang zurück. Das ist mein Kollege, von dem wir hier reden.“

„Und deshalb wird er zur verbotenen Zone erklärt?“

Er schon.“

„Du stehst also auf den Kerl.“

„Natürlich nicht. Aber ich kann dir nur raten, dich von ihm fernzuhalten.“

„Ist er gefährlich oder was?“ Jenni muss lachen, als sie diese Frage stellt. Was für ein Gedanke! Ein Polizist!

Dem Anschein nach ein bisschen verwirrt, aber doch ein Polizist. Einer von den Guten. Ein Mann, der für Recht und Ordnung sorgt. Doch als sie von Carmen böse Blicke erntet, vergeht ihr das Lachen. „Er macht gerade viel durch“, beginnt ihre ältere Cousine. „Es ist also nicht gerade der beste Zeitpunkt, um ihn zu daten, wenn du das wissen willst.“

„Ein bisschen komisch ist er schon… Aber süß-komisch.“

„Lass es einfach bleiben.“

„Meinst du, er hat etwas mit den Morden zu tun?“

„Wohl eher kaum. Aber sein Verhalten kommt mir trotzdem etwas merkwürdig vor. So, als würde er etwas wissen, aber wir haben ihn schon mehrmals befragt.“

„Hör doch auf! Der soll den Täter schützen, oder was meinst du damit? Dieser Schnuckel? Wohl kaum.“

Carmen starrt nachdenklich in ihren Espresso und es entsteht eine Minute, in der keine der beiden ein Wort sagt. Jenni fühlt sich unwohl dabei, aber so plötzlich das Thema zu wechseln, käme selbst ihr nicht richtig vor. Vielleicht hatten ihre Cousine und Schnuckel-Basti ja mal was miteinander? Sie versucht, die nächste Frage nicht zu direkt zu formulieren: „Wie gut kennst du ihn denn?“

„So gut wie gar nicht. Er teilt sich sein Büro mit Ralf. Und nein, ich hatte mit keinem von beiden was!“

Das ging nach hinten los. Jenni wollte ihre Cousine damit nicht verärgern, aber ihr gefällt Sebastian, da muss man schon sichergehen, dass der Typ kein Freak ist oder so. „Das meinte ich doch gar nicht! Und… Kanntest du seine Familie?“

„Nein, wie denn auch? Von seiner Familie weiß ich nur das, was er bei seiner Aussage preisgegeben hat. Scheint ein sehr angespanntes Verhältnis gewesen zu sein. Wenn man es überhaupt Verhältnis nennen kann, wenn man jahrelang kaum ein Wort miteinander redet. Warum sich das zwischen ihnen so entwickelt hat, weiß nicht einmal Ralf. Sebastian und er sagen, dass der Kontakt einfach irgendwie mehr oder weniger abbrach, nachdem er von zu Hause ausgezogen ist.“

„Hm, okay. Aber das muss noch nichts heißen. Seine Familie kann man sich eben nicht aussuchen.“

„Komisch ist es trotzdem.“

„Und was hast du jetzt vor? Willst du ihn beschatten lassen?“

„Das ist nicht so einfach. Nur auf Verdacht kann man keinen überwachen. Dazu braucht man Beweise, und die haben wir nicht. Wir waren auch in seiner Wohnung, es war nichts auffällig.“

Die beiden trinken aus und sehen sich an. Carmen scheint schon zu ahnen, dass Jenni Gedanken hat, die ihr gar nicht gefallen werden und so sagt sie einfach nur: „Nein!“

„Was denn?“, fragt Jenni mit einem Grinsen im Gesicht.

Carmen legt ihren Kopf in beide Hände. „Bitte Süße, sag nicht, dass du das machen willst.“

„Komm schon! Wenn ihn im Dienst keiner beschatten darf, werde ich ihn ja wohl ein bisschen stalken dürfen.“

„Stalken? Das ist nicht dein Ernst.“

„Natürlich werde ich ihn nicht stalken, du meine Güte. Aber jetzt hör mir doch mal zu: Ich werde eurer Arbeit nicht im Wege stehen. Ich bin nur ein nettes kleines Mädchen, das ihm irgendwann mal unerwartet über den Weg läuft. Und wenn es der Zufall will, etwas Zeit mit ihm verbringt. Vielleicht bestätigt sich ja dein Verdacht und er ist toootal verrückt, dann ziehe ich sofort die Notbremse. Wenn das aber nicht der Fall ist, date ich einfach nur einen echt scharfen Feger, um den man mich beneiden wird.“

„Erstens, um den wird man dich nicht beneiden. Und zweitens, was eigentlich an erster Stelle stehen sollte: Was ist, wenn er tatsächlich verrückt ist? Und du dich auf einen Menschen einlässt, der zurzeit keine Nerven für sogenannte Dates hat? Gott bewahre, ich glaube zwar nicht, dass er dir etwas antun würde, aber man sollte ihm auf jeden Fall noch Zeit geben. Er scheint mir zurzeit sehr angespannt zu sein.“

„Herrgott nochmal! Er ist ein Mann, ich bin eine Frau. Wenn wir uns zufällig irgendwo begegnen und sich daraufhin ein Gespräch ergeben sollte, werde ich sicher nicht schreiend davonlaufen.“

Am Ende ist es Carmen, die die Notbremse zieht. Sie hebt die Hände und gibt sich geschlagen. „Na gut, du hast gewonnen! Triff dich ruhig mit ihm! Aber heul mir dann ja nicht die Ohren voll, weil er ein Arschloch ist.“

„Ich werde schon nicht rumheulen, keine Angst. Und was soll mir schon passieren?“

Negatio

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