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Schwul-lesbischer Volleyball in Dresden und Berlin

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Auf diesem CSD lernte ich auch Ralph kennen, einen kleinen, untersetzten, glatzköpfigen Mann, der mir ins Auge fiel, weil ich versuchte, die Aufschrift seines T-Shirts zu entziffern. Er reckte sein Bäuchlein in meine Richtung: »Ich liebe Agneta, Barbara, Bette, Liza und Melissa. Ich kann also gar nicht schwul sein«. Ich konnte mich vor Lachen kaum noch auf der Bank halten. Über ein Bier kamen wir ins Gespräch. Ralph war auf dem Dresdner CSD, um die Werbetrommel für den Schwul-Lesbischen Sportverein »Der Bogenschütze« Dresden e. V. zu rühren, mit dem er für LGBTQ+- Sportveranstaltungen um den ganzen Globus reiste. Von ihm erfuhr ich von den Gay Games, den Euro Games und weiteren national und international stattfindenden Events mit Medaillen und Ranglisten. Für mich tat sich eine ganz neue Welt auf, hatte ich doch gedacht, dass ich nach meinem achtzehnten Lebensjahr aufgrund meines Alters keinen semiprofessionellen Volleyball mehr spielen konnte. Ich war einfach zu klein, um eine Volleyball-Karriere zu verfolgen.

Natürlich erzählte ich Ralph, dass ich ein Volleyballer sei und wahnsinnig gern zu einem Probetraining kommen würde. Doch vorher wollte ich noch von ihm wissen, was denn so anders an den queeren Wettkämpfen sei? Er meinte: »Es geht zuallererst darum, sich oder andere nicht auszuschließen. Jede Sport treibende Person ist eingeladen und muss auch keine besonderen sportlichen Anforderungen erfüllen. Die Teams melden sich selbstständig im für sie passendsten Level an, also A für die Profis, B +, B -, C+ und so weiter. Du kannst einfach du sein. Du musst dich nicht anpassen, darfst quieken oder laut aufschreien, vor Freude oder weil du den Ball nicht richtig getroffen hast.« Gebannt klebte ich an seinen Lippen, und nun wollte ich noch wissen, ob die Dresdner bei den Wettkämpfen mitmachen würden – es ging ja um meine Zukunft als Volleyballer.

»Nu gloar!«, entgegnete Ralph im schönsten Sächsisch. »Wir spielen im zweit- oder dritthöchsten Level, je nach Besetzung, unter anderem gegen Leipzig, Berlin, Frankfurt und Prag. Die Spieltage und Turniere werden von der austragenden Mannschaft organisiert. Bei Dresdner Turnieren bin ich immer das Maskottchen oder die Cheerleaderin, je nachdem, was wir gerade benötigen.« Ralph musste lachen. »Aber das Wichtigste ist, dass wir Spaß auf dem Feld haben und anschließend gemeinsam Essen und Feiern. Über die Jahre habe ich auf der ganzen Welt durch den Sport Freunde gefunden, die ich beim nächsten Turnier unbedingt wiedersehen will. Für transidente Menschen oder Personen, die sich einfach keinem Geschlecht zugehörig fühlen, sind die queeren Sportvereine und LGBTQ+- Sportveranstaltungen oftmals die einzige Möglichkeit, sportlich aktiv zu sein, ohne verspottet oder gar angegriffen zu werden.« Während er seine Telefonnummer auf einen Flyer der »Bogenschützen« schrieb, ergänzte ich: »Fairplay für alle, über die geschlechtlichen Spielregeln hinaus.«

Noch in derselben Woche nahm ich am Probetraining teil, auf das eine Reihe von Turnieren folgte. Mit den Dresdner Jungs spielte ich nicht nur in der Schwul-Lesbischen Volleyball-Liga, sondern trat neben nationalen Turnieren in Düsseldorf, Köln, Hamburg und Freiburg im Breisgau auch bei internationalen Wettkämpfen an. Nach einem ersten Turnier in Prag führte uns der Volleyball nach Mailand, nach Zürich und ins finnische Helsinki. Im vollgepackten Auto, per Zug oder Flugzeug ging’s dann von Dresden aus quer durch Europa. Mit meinem Umzug nach Berlin für mein Studium der Kunst- und Architekturgeschichte verlagerte sich der Schwerpunkt meiner sportlichen Laufbahn dann in die deutsche Hauptstadt, als Trainer und Spieler.


QUEERER SPORT WELTWEIT

Die internationale LGBTQ+-Sportgemeinschaft organisiert regelmäßige Turniere und Wettkämpfe in verschiedenen Sportarten. Für mich und mein Team heißt es dann: Tasche packen und immer dem Volleyball hinterher. Die International Gay and Lesbian Volleyball League ist ein europaweiter Wettbewerb, der in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Schweiz, Frankreich und Polen stattfindet. Die Gay Games, die Olympischen Spiele für die Community, haben sich seit 1982 in San Francisco zum größten internationalen LGBTQ+-Sportwettbewerb entwickelt. 2023 soll das Sportfest in Hongkong stattfinden, gefolgt von Valencia im Jahr 2026. Auf europäischer Ebene gelten für uns die seit 1992 regelmäßig stattfindenden EuroGames als das Sportereignis schlechthin. Mit Daan auf der Tribüne konnte ich 2016 in Helsinki die Bronzemedaille gewinnen. Besonders an diesen sportlichen Veranstaltungen ist, dass jede Person teilnehmen kann, unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Identität oder körperlichen Fähigkeiten. Ferner gibt es keine Qualifikationsnormen. Die Teilnehmer kommen aus vielen Ländern, auch aus solchen, in denen Homosexualität nach wie vor illegal ist und tabuisiert wird.

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