Читать книгу Couple of Men - Karl Christian Krause - Страница 25
Berlin, Berlin – und weiter
ОглавлениеUnd da war ich nun, zusammen mit meinen besten Freunden, bereit, durch die Berliner Nacht zu tanzen. Nach langem Hin und Her hatte Alessandro unsere Outfits für die Nacht abgesegnet. Jeder hatte sich eine meiner kurzen Hosen, Sporthosen oder Badehosen ausgesucht. Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg durch die kalte Märznacht zum U-Bahnhof Birkenstraße und weiter in Richtung Jannowitzbrücke. Normalerweise hätte ich eine Freitagnacht im SchwuZ verbracht, doch ab und an stand uns der Sinn nach einer aufregenden Abwechslung, gerade am Osterwochenende, das traditionell viele queere Partygänger in die Hauptstadt brachte. Im KitKat Club war die Atmosphäre schon sehr sex-positiv aufgeladen, das Publikum war gemischt, queer, hetero- und homosexuell. Im Vorraum des Tanzbereichs konnten wir uns um- und ausziehen und unsere warmen Wintersachen in einem Spint verstauen. Dann war es an der Zeit, sich unter die Leute zu mischen.
Wir waren früh dran, in Berlin beginnt eine Partynacht normalerweise nicht vor Mitternacht oder sogar noch später. Das machte uns aber nichts aus, denn wir waren gut gelaunt und freuten uns auf ein langes Wochenende. Nach und nach füllte sich der Club und die Musik wurde rauer. Ich verbrachte die Nacht an der Seite von Alessandro mit langen Tanzeinheiten zu richtig guten Sounds. Eines muss man den DJs in den Berliner Clubs lassen: Musik machen können sie allemal. Und so ließen wir uns von den Bässen treiben.
Es muss wohl gegen vier oder fünf Uhr morgens gewesen sein, als ich meine letzte Tanzrunde durch den Club unternahm, bevor ich so langsam Richtung Wohnung tänzeln wollte. Mit dem letzten Getränk in meiner Hand und einem langen Gähnen blieb ich plötzlich wie angewurzelt stehen. Ein wunderschöner, rotbärtiger Mann stand mir auf der anderen Seite der Tanzfläche gegenüber und grinste mich an. Meine Müdigkeit war wie weggezaubert. Liebe auf den ersten Blick? Nein, das konnte nicht sein. Ich wollte mich nicht verlieben, keine Beziehung, nachdem ich gerade eine längere und komplizierte Geschichte hinter mir hatte. Doch diesem Lächeln konnte ich kaum widerstehen. Noch dazu hatte der unbekannte Mann genau mein Outfit an, nur in einer anderen Farbe: ein kurzes, grünes Höschen, weiße Socken mit grünen Streifen um die Waden, Turnschuhe und eine grüne Cappy auf dem Kopf. Wir flirteten für eine Weile, von einer Seite der Tanzfläche zur anderen.
Alessandro beobachtete uns mit etwas Abstand, still und ohne unser Wissen. Plötzlich stand er vor mir, packte mich am rechten Oberarm und manövrierte mich durch die tanzenden Menschen auf die andere Seite der Tanzfläche, direkt vor die Füße des schönen Unbekannten.
»Wie heißt du?«, fragte Alessandro.
»Ich heiße Daan«, antwortete der Mann auf Englisch mit amerikanischem Akzent.
»Okay, Karl, das ist Daan. Daan, das ist Karl. Und jetzt genießt die Nacht.«
Selfie vor dem Berliner Fernsehturm
URLAUB ZU HAUSE
Auch wir haben »noch immer einen Koffer in Berlin«, hier haben wir uns kennengelernt, den CSD erlebt, hier habe ich studiert und Volleyball gespielt. Doch auch Hamburgs Architektur hat es uns angetan, ebenso wie die schwulenfreundliche Geschichte Münchens. Immer wieder besuchen wir Dresden, meine Familie, meine zwei Kinder. Scanne den QR-Code und erfahre mehr über queer-freundliche Reiseziele in Deutschland auf unserem Blog.