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19.
ОглавлениеWalburga konnte es kaum glauben. Nach einem stundenlangen, sehr anstrengenden Aufstieg hatten sie endlich eine ebene Stelle erreicht: den Pass, der sich nun in angenehmen Serpentinen den Hügel hinauf schlängelte. Sie konnte ein erleichtertes Lachen nicht unterdrücken, als sie ihre verkrampften Finger lösen konnte und sie sich nicht mehr in Schlamm und an rutschige Felsen krallen musste.
Sie blickte über ihre Schulter. Hinter ihr war Burkhart auf dem Boden zusammengesunken. Er atmete heftig, doch hatte auch er es geschafft, ohne großartig abzurutschen. Vor ihr standen Jacque und Morten bereits wieder auf ihren Beinen.
„Wie weit ist es noch?“, fragte Jacque.
„Vielleicht noch zwei Stunden. Nicht mehr als drei.“
Jacque nickte zufrieden. „Los, weiter. Je eher wir da sind, desto besser.“, wandte er sich an die Geschwister.
Burkhart kämpfte sich hoch. Wenn es um andere ging, konnte er sich besser aufraffen und über seine Grenzen gehen. Walburga wusste das, seitdem sie denken konnte, doch auch Jacque und Morten hatten das mittlerweile bemerkt.
„Ich kann es kaum abwarten, dort zu sein.“, sagte Burkhart.
Jacque lachte. „Frag' mal mich.“
„Immer langsam mit den jungen Pferden“, mischte sich Morten ein. „Erst einmal müssen wir noch dort ankommen. Wir wissen nicht, was auf dem Weg noch passiert. Oberste Jägerregel: Sei immer wachsam – du weißt nie, was dich erwartet.“
Er sah grinsend zu Walburga. Sie nickte, um ihm zu signalisieren, dass sie seinen Rat aufgenommen hatte.
Sie setzten ihre Reise fort, nun beschwingt, da sie das Gefühl hatten, das härteste Stück hinter sich gebracht zu haben und auch die bedrückende Atmosphäre des Waldes weit weg zu sein schien. Walburga ließ ihren Blick über die dunklen Wipfel der Bäume unter ihr schweifen. Von hier oben fühlte sie sich besser, stärker, sicherer.
„Ist es das?“, fragte Burkhart aufgeregt.
Er zeigte auf ein schlossähnliches Gebäude, das an einem Hang hing. Es hatte graue, dicke Steinmauern und kleine Türmchen, die sich an den Ecken des Gebäudes hochreckten. Kleine Fenster und ein stabiles Holztor sahen auf das Tal herab.
Morten lächelte. „Ja, das ist es. Für Novizen, die eintreten wollen, ist der Weg hierher schon die erste Aufnahmeprüfung. Wer nicht wirklich eintreten will, kehrt irgendwo auf dem beschwerlichen Weg wieder um.“
„Wie viele Mönche, Heiler und Novizen gibt es denn hier?“, wollte Burkhart wissen.
„Hmm, das weiß ich gar nicht genau ... Ich schätze so um die fünfzehn, vielleicht dreißig. Aber das wirst du ja bald erfahren.“ Morten zwinkerte ihm zu.
„Fast hätte ich nicht mehr daran geglaubt ...“, murmelte Jacque.
„Dass wir hier ankommen?“, hakte Morten nach.
Jacque nickte. „Entweder dass oder dass das Kloster gar nicht existiert.“
„Tja, wir haben's aber geschafft.“
Jacque ließ das Kloster nicht mehr aus den Augen. Hatte er sich einmal auf ein Ziel konzentriert, biss er sich mit aller Macht daran fest, um sich ja von nichts davon abhalten zu lassen.
Je näher sie dem Gebäude kamen, desto nervöser wurden sie. Bisher war nur Morten an diesem Ort gewesen und die Gedanken der anderen kreisten um die Frage, was sie wohl hinter den Mauern und dem Tor erwarten mochte. Jacque fürchtete sich sogar davor, dass das Kloster genauso verlassen war, wie es das Dorf Rhoyul gewesen war.
Schließlich standen sie vor den Toren und lauschten. Kein Laut war von hinter den Mauern zu vernehmen. Die Sonne hatte ihren Zenit schon seit wenigen Stunden überschritten und machte sich langsam daran, gen Horizont zu wandern.
Walburga schluckte. Sie hatte gedacht, die Zeit der Angst wäre zumindest für die nächsten Tage vorbei. Doch nun hatte sie eine ganz neue Art der Furcht ergriffen: Sie fürchtete sich davor, das Ziel leer und verlassen vorzufinden. Sie wusste nicht, was sie tun würde, wenn sich herausstellen würde, dass es hier niemanden geben würde, der ihnen würde helfen können.
Ihre Augen hingen auf Morten, wie er näher ans Tor trat. Er hob den Arm und wollte klopfte. Doch noch ehe seine Knöchel das Holz berührten, schwang die Tür wie von Geisterhand auf.