Читать книгу Gesetzlose Städte, raue Männer: Alfred Bekker präsentiert 9 Western - R. S. Stone - Страница 11
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ОглавлениеAls am folgenden Morgen die Sonne aufging, verließen sie San Xavier. McQuade hatte die Hände des Banditen vor dem Leib gefesselt, sodass er die Zügel führen konnte. Spencer Elliott ritt voraus, McQuade folgte zwei Pferdelängen hinter ihm. Neben dem Falben lief eine Zeitlang Gray Wolf her, doch der Wolfshund verschwand irgendwann, wahrscheinlich um sich ein Frühstück zu erjagen.
Zwischen den Felsen und Hügeln wob der Morgendunst. Auf dem ungenießbaren Büschelgras lag der Tau. Vogelgezwitscher begleitete die beiden Reiter. Der Tag versprach wieder höllisch heiß zu werden; jetzt schon stand die Sonne wie ein Fanal über dem östlichen Horizont.
Sie hielten sich nordöstlich, um den Santa Cruz River zu erreichen, dem McQuade mit seinem Gefangenen dann nach Norden bis Tucson folgen wollte.
Als sie den Fluss erreichten, hatte die Sonne den Morgendunst aufgezehrt und den Tau getrocknet. Im Ufergebüsch summten Hummeln und Bienen. Gray Wolf war noch nicht wieder aufgetaucht, doch McQuade brauchte sich keine Sorgen zu machen, denn der Wolfshund würde seine Spur immer aufnehmen und ihn finden.
Der Santa Cruz River führte nur wenig Wasser. Die Uferbänke waren breit, sandig und schlammig. Angeschwemmtes Astwerk, entrindet und bleich wie Gebeine lag es im ausgetrockneten Teil des Flussbettes.
„Wir tränken hier die Pferde“, rief McQuade, hob das rechte Bein über den Sattelknauf und ließ sich aus dem Sattel gleiten.
Spencer Elliott blieb auf dem Pferd sitzen, legte die gefesselten Hände auf das Sattelhorn, drückte die Arme durch und verlagerte das Gewicht seines Oberkörpers darauf. „Hör zu, McQuade“, stieß er hervor. „Ich mache dir jetzt ein Angebot.“ Erwartungsvoll fixierte er den Kopfgeldjäger, der den Falben bereits über den Ufersaum zum Wasser führte. „Ein Angebot“, wiederholte der Bandit, „das du kaum ausschlagen kannst. Es geht um eine Menge Geld.“
„Gib dir keine Mühe, Elliott“, versetzte der Texaner. „Zum einen gehe ich mit einem wie dir keine Geschäfte ein, zum anderen kann man mich mit Geld schon gar nicht locken. Und nun steig ab und führ dein Pferd zum Wasser. Ich möchte nämlich hier keine Wurzeln schlagen.“
Spencer Elliott verzog den Mund. Der Ausdruck, mit dem er McQuade anstarrte, war tückisch und voll Hass. „Ich hab aus dem Bankraub in Warren siebentausend Dollar in einem sicheren Versteck. Ich trete dir die Hälfte davon ab, wenn du …“
Der Kopfgeldjäger winkte ab und antwortete barsch: „Vergiss es, Bandit! Und nun …“
Elliott gab unvermittelt seinem Pferd die Sporen. Das erschreckte Tier vollführte einen Satz nach vorn, und ehe McQuade sich versah, rammte ihn das Pferd und er wurde regelrecht zur Seite katapultiert. Der Angriff war derart blitzartig erfolgt, dass der Texaner völlig überrumpelt wurde und keine Zeit mehr gefunden hatte, entsprechend zu reagieren. Nun lag er benommen bäuchlings im Schwemmsand, stemmte sich gegen die Nebel, die auf ihn zuzukriechen schienen, und ihn durchfuhr siedendheiß der Schreck, als ihm klar wurde, dass Elliott diese Chance eiskalt und skrupellos ausnutzen würde. Der Gedanke elektrisierte ihn regelrecht und er wollte sich herumwerfen, aber da landete der Bandit schon auf seinem Rücken und hämmerte ihm beide Fäuste mit aller Wucht auf den Hinterkopf. Im Schädel des Texaners schien eine Explosion stattzufinden, im nächsten Moment aber drückte Elliott McQuades Gesicht mit aller Kraft in den Schwemmsand und der Texaner hatte nicht mal mehr die Zeit, Luft zu holen.
Er versuchte die Beine anzuziehen und einen Buckel zu machen, um den Banditen von sich abzuwerfen. Aber Elliott wog gut und gerne hundertsechzig Pfund und drückte McQuade mit seinem Gewicht unerbittlich auf den Boden. Der Kopfgeldjäger versuchte sich frei zu winden, spürte, wie ihm die Luft knapp wurde und drückte den Kopf in die Höhe, versuchte ihn zu drehen um den Mund und die Nase frei zu bekommen, doch der Bandit entwickelte Kräfte, die man bei ihm kaum vermutet hätte.
Rote Kreise begannen vor McQuades Augen zu tanzen. Er spürte deutlich den Willen des Banditen, ihn zu töten. Panik begann sich einzustellen. Die Lungen des Texaners begannen zu stechen und der Kopf drohte ihm zu zerplatzen. Er war schon auf der Schwelle zur Bewusstlosigkeit, als sich die Hände Elliotts jäh von seinem Kopf lösten, und der schwere Körper regelrecht von ihm herunterflog. McQuade hob das Gesicht und drehte den Kopf. Zwischen seinen Zähnen knirschte Sand, er spuckte aus, seine Lungen füllten sich wieder mit Sauerstoff und die roten Kreise vor seinen Augen verschwanden. Er setzte sich auf und das erste, was sein gequälter Verstand erfasste, war Gray Wolf, der über dem Banditen stand, dessen gefletschte Zähne ganz dicht vor dem Gesicht Elliotts waren und der aggressiv knurrte, geradezu fauchte.
„Gut so, Partner“, keuchte McQuade und erhob sich. Schwankend stand er, spürte noch einmal einen kurzen Anflug von Benommenheit und schloss die Augen. Der Schwindel ging vorüber und er ging beim Wasser auf das linke Knie nieder, um sich den Sand aus dem Gesicht und den Augenhöhlen zu waschen. Danach spülte er seinen Mund aus und als er sich wieder aufrichtete, hatte er seine Nöte so ziemlich überwunden.
Spencer Elliott lag auf dem Rücken, der schale Atem Gray Wolfs schlug ihm ins Gesicht. Der Angriff des Wolfshundes war derart überraschend erfolgt, dass der Bandit gar nicht zum Denken gekommen war. Elliott lag regungslos und wagte sich kaum noch zu atmen. Sein Herz raste und die Todesangst spülte wie fiebrige Schauer durch seine Blutbahnen. Panik verzerrte sein Bewusstsein und ließ keinen klaren Gedanken zu.
McQuade trat neben ihn hin und stieß hervor: „Die restlichen Meilen bis Tucson werden schätzungsweise nicht besonders erfreulich für dich. Aber das hast du dir selbst zuzuschreiben.“
Der Kopfgeldjäger wandte sich ab, ging zu seinem Pferd und holte eine etwa einen Yard lange Lederschnur aus der Satteltasche. Damit kehrte er zu dem Banditen zurück, fesselte seine Beine und gebot schließlich Gray Wolf, von Elliott abzulassen. Der Wolfshund wich zurück, blieb aber sprungbereit und ließ den Banditen nicht aus den Augen. McQuade holte das Pferd Elliotts und wuchtete den schweren Körper quer über den Pferderücken.
„Das kann doch nicht dein Ernst sein!“, presste Spencer Elliott zwischen den Zähnen hervor. Es klang geradezu entsetzt.
„Doch.“ Das war alles, was McQuade darauf antwortete. Er schwang sich auf den Falben, ritt an das Tier mit dem Banditen heran und angelte sich den langen Zügel. Dann trieb er seinen Vierbeiner an und das andere Pferd wurde mitgezerrt.