Читать книгу Gesetzlose Städte, raue Männer: Alfred Bekker präsentiert 9 Western - R. S. Stone - Страница 14

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In Tucson brannten viele Lichter. Die Stadt begann sich auf die sündigen Nachtstunden vorzubereiten, in denen die arbeitsamen und gottesfürchtigen Menschen in ihren Betten schliefen, um am folgenden Tag ausgeruht zu sein und ihrem Broterwerb nachgehen zu können. Wenn die Stadt zur Lasterhaftigkeit erwachte, krochen die Glücksritter, Abenteurer, Geldhaie, Huren und – Banditen wie Ratten aus ihren Löchern und machten Tucson zu einem Sodom und Gomorrha der Plains.

Noch war es ruhig in der Stadt. McQuade begab sich auf Umwegen hinter das Sheriff’s Office, wo der Zellenanbau in absoluter Dunkelheit lag und lediglich kaltes Sternenlicht dem Dach einen vagen silbrigen Schein verlieh. Die drei kleinen, vergitterten Fenster der Zellen muteten an wie viereckige, schwarze Löcher in der mit hellem Adobelehm verputzten Wand.

McQuade wusste, dass es in dem Anbau sechs Zellen gab, nämlich drei auf jeder Seite des Flures. In dem ersten Käfig rechts war Elliott eingeschlossen. Zu seiner Zelle gehörte also das erste Fenster in der Wand gleich hinter dem Office.

Der Kopfgeldjäger kauerte im Schlagschatten des Pferdestalles, Gray Wolf lag neben ihm am Boden und hechelte leise. Die Geduld des Texaners wurde auf keine allzu lange Probe gestellt. Ein Schemen schob sich um die Ecke an der Rückseite des Zellenanbaus, verharrte einen Augenblick, sicherte um sich und witterte regelrecht in die Dunkelheit hinein, dann setzte er sich wieder in Bewegung, glitt geduckt an der Wand entlang und erreichte schließlich das Fenster zur Zelle Elliotts. Es lag hoch oben in der Wand und ein Mann konnte es nur mit dem ausgestreckten Arm erreichen.

„Spencer! He, Spencer! Hörst du mich?“

„Natürlich hört er dich!“, rief McQuade mit klirrender Stimme. „Kann ich dich ja auch hören.“

Der Schemen an der Wand fuhr wie von einer Tarantel gestochen herum, ein lästerlicher Fluch erklang, und im nächsten Moment wollte er in die Richtung fliehen, aus der er gekommen war.

„Schnapp in dir, Partner!“, gebot der Kopfgeldjäger mit scharfem Tonfall und Gray Wolf schnellte auch schon davon. Der Wolfshund schien dicht über dem Boden dahinzufliegen, und ehe die Gestalt beim Zellentrakt die hintere Ecke erreichte, wurde sie von dem schweren Wolfshund niedergerissen. Ein panischer Aufschrei erklang, dann das wütende Bellen Gray Wolfs.

McQuade lief zu dem Burschen hin, den Gray Wolf in Schach hielt, und zog ihm den Revolver aus dem Holster, dann befahl er dem Wolfshund, zurückzuweichen. Gray Wolf blieb jedoch sprungbereit tief geduckt am Boden und belauerte den Mann, den er gestellt hatte. Der Kopfgeldjäger richtete das Gewehr auf den Burschen, der immer noch wie erstarrt auf dem Rücken lag. „Steh auf, Hombre“, kommandierte der Texaner. „Und komm nicht auf dumme Gedanken, mein Freund, denn mein grauer Partner wird immer schneller sein als du.“

Der andere atmete zitternd aus, dann kämpfte er sich umständlich auf die Beine. „Zur Hölle, was soll das? Ich bin ein harmloser …“

„Spar dir das!“, fiel ihm McQuade schroff ins Wort und drückte ihm die Mündung der Henrygun gegen die Brust. „Dreh dich um, und dann Marsch!“

Der Kopfgeldjäger dirigierte den Burschen vor sich her auf die Straße und auf den Vorbau des Sheriff’s Office. Aus dem Fenster fiel Licht, Licht sickerte auch durch die Türritzen. „Klopf an, mein Freund. Wir sind doch höfliche Menschen, oder etwa nicht?“

Der Bursche befolgte den Befehl und gleich darauf wurde die Tür geöffnet. Licht flutete ins Freie und blendete sowohl McQuade als auch seinen Gefangenen. Es war Sheriff Troy Howell, dessen Gestalt das Türrechteck ausfüllte. „Sieh an“, presste er zwischen den Zähnen hervor, „der blondhaarigen Hombre, der sich schon am Nachmittag vor dem Office auf der Straße herumgetrieben hat.“

Der Sheriff trat zur Seite und McQuade tupfte den Burschen vor sich leicht mit dem Gewehrslauf an, was diesen veranlasste, in das Büro zu treten. Der Kopfgeldjäger folgte ihm und hinter ihm glitt Gray Wolf in den Raum. Howell drückte die Tür wieder ins Schloss und verriegelte sie. „Wo haben Sie ihn denn erwischt, McQuade?“

„Beim Zellentrakt, unter dem Fenster der Zelle, in der Spencer Elliott eingesperrt ist. Nachdem ich ihn anrief, versuchte er zu fliehen, doch gegen Gray Wolf hatte er keine Chance.“

Troy Howell trat vor den Blondhaarigen hin und sagte grollend: „Wie ist Ihr Name?“

Der Angesprochene räusperte sich, schluckte würgend und erwiderte schließlich: „Allan Chase.“

„Sind Sie einer von den dreien, mit denen Elliott hier in Tucson verabredet ist?“

„Was wollen Sie überhaupt von mir?“, fauchte Chase. „Ich kenne niemand, der Elliott heißt, schon gar nicht bin ich mit einem, der diesen Namen trägt, verabredet.“

„Es ist zwar sehr unwahrscheinlich“, mischte sich McQuade ein, „aber vielleicht kennen Sie tatsächlich nur Elliotts Vornamen. Er lautet Spencer. Sie nannten ihn vorhin zweimal, als sie unter dem Fenster standen. Ich hab es deutlich vernommen. Leugnen hat also keinen Sinn.“

Allan Chase schwieg verstockt und starrte den Sheriff, der vor ihm stand, trotzig an. „Ich denke, das haben wir gleich“, knurrte der Gesetzeshüter und nahm die Laterne vom Schreibtisch. „Folgen Sie mir, Chase.“

Er ging zu der Tür, die in den Zellentrakt führte.

„Schwing die Hufe, Hombre!“, gebot der Kopfgeldjäger und versetzte Allan Chase wieder einen leichten Stoß mit dem Gewehrlauf.

Troy Howell öffnete die Tür und das Licht kroch vor ihm her in den Flur und die sechs Käfige zu beiden Seiten. Als Allan Chase in den Korridor trat, riss es Spencer Elliott von der Pritsche, auf deren Rand er saß, regelrecht in die Höhe. „Verdammt, Allan …“

Erschreckt brach er ab. Zu spät. Mit dieser Reaktion hatte er Allan Chase verraten.

Sein Fehler wurde ihm sofort bewusst und er knirschte eine lästerliche Verwünschung.

Der Sheriff drehte sich zu Chase herum und grinste triumphierend. „Leugnen sie jetzt immer noch, Spencer Elliott zu kennen und mit ihm hier in Tucson verabredet zu sein?“

Allan Chase mahlte eine Weile mit den Zähnen, dass der Zahnschmelz knirschte, dann stieß er hervor: „Ja, wir sind mit Elliott hier in Tucson verabredet. Doch dann sah ich, wie ihn der Hombre mit dem grauen Hund quer über dem Pferderücken in die Stadt brachte und ihn hier ablieferte.“

„Was wollten Sie eben beim Zellenfenster?“, fragte der Sheriff. „Ihm eine Waffe zustecken?“

„Nein, ich wollte von ihm lediglich hören, was vorgefallen ist.“

„Sind Ihre beiden anderen Freunde auch schon in Tucson?“

„Nein. Ich erwarte sie morgen.

„Wie heißen sie?“

„Edwin Holbert und Jeff Parham.“

„Weswegen habt ihr euch in Tucson verabredet?“

„Wir sollen hier einen Job antreten.“

„Welchen Job?“

„Wir wurden engagiert, um Wagentransporte aus Tucson in die verschiedenen Teile des Landes und auch nach New Mexiko sowie Kalifornien zu begleiten.“

Der Sheriff und McQuade wechselten einen vielsagenden Blick, und Troy Howell knurrte schließlich: „Dass der Tucson-Ring keine großen Skrupel kennt, wusste ich ja schon immer. Dass er nun aber schon steckbrieflich gesuchte Banditen auf seine Lohnliste setzt, ist mir neu. – Werden Sie auch vom Gesetz gesucht, Chase?“

„Nein.“

„Dann muss ich Sie wohl oder übel laufen lassen“, brummte der Sheriff. „Geben Sie ihm seinen Revolver zurück, McQuade. Ich habe nichts in der Hand, um ihn zu seinem Kumpel in die Zelle zu sperren.“

Wortlos zog der Kopfgeldjäger den Colt aus dem Hosenbund und reichte ihn Chase, der ihn nahm und ins Holster rammte. Der Blick, mit dem er McQuade dabei ansah, beinhaltete ein tödliches Versprechen.

Gesetzlose Städte, raue Männer: Alfred Bekker präsentiert 9 Western

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