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Der Cowboy

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Die Kanzlei des Rechtsanwalts Dr. Breitenbach befand sich in einem modernen Bürokomplex mit Blick auf den alten Landtag. Da Kuiper angemeldet war und sich außerdem der Referenzen seitens Ursula und Carla Woker erfreute, wurde er ausgesucht höflich empfangen. Breitenbach, ein smarter, elegant gekleideter Mann in den Fünfzigern mit viel Haargel, begrüßte ihn mit einem kräftigen Händedruck. Auf Kuiper machte er einen ziemlich großkotzigen Eindruck.

„Ich bin überrascht, dass die beiden Damen den Fall jetzt erneut aufgreifen möchten“, sagte Breitenbach. „Glauben Sie mir - Ihr Kollege Langweser und ich haben alles, ich betone: alles getan, um Licht in diese Angelegenheit zu bringen. Ich gehe nicht so weit zu behaupten, dass beim Tod des bedauernswerten Herrn Woker Fremdeinwirkung vorlag. Der Fall ist nicht eindeutig zu klären. Jetzt und heute nicht mehr, jedenfalls. Herr Langweser sieht das genau so wie ich. Ich stelle Ihnen die gesamte Akte gerne zwecks Einsichtnahme zur Verfügung, glaube jedoch nicht, dass Sie zu neuen Erkenntnissen gelangen gelangen werden, Herr Kuiper. Natürlich bin ich gerne zu einer weiteren Kooperation bereit.“

‚Vor allem bist du gerne bereit, die beiden Damen weiter abzukassieren‘, dachte Woker.

„Gut“, fuhr der Rechtsanwalt fort. „Ich lasse die gesamte Akte in den Besprechungsraum gleich nebenan bringen. Getränke stehen dort zu Ihrer Verfügung. Wenn Sie Rückfragen haben - ich bin noch eine halbe Stunde lang in meinem Büro erreichbar.“

Breitenbach gab einer sehr jungen Frau, offenbar eine Auszubildende, entsprechende Anweisungen. Kuiper zog sich in den Besprechungsraum zurück, schenkte sich eine Tasse Kaffee ein und begann mit dem Studium der Unterlagen.

Dr. Breitenbach war in Kuipers Augen alles andere als ein sympathischer Mensch, aber er konnte offenbar etwas. Die Akte wies eine klare Struktur auf und enthielt alle relevanten Informationen, den Abschlussbericht des Kriminaloberkommissars Reith, Berichte des Privatdetektivs Langweser sowie die wichtigen Anlagen - Obduktionsergebnisse, Befragungsprotokolle, Aktennotizen. Kuiper las konzentriert Seite um Seite.

Helmut Woker hatte die Kneipe, in der er mit seinem Freund ein paar Bier getrunken hatte, gegen Mitternacht verlassen und sich alleine auf den Nachhauseweg gemacht. Er wollte ein Taxi nehmen. Beim nächsten Taxistand, der nur etwa zweihundert Meter weiter entfernt lag, war er nie angekommen. Die Polizei hatte sämtliche in Frage kommenden Fahrer befragt, ebenso etliche Anwohner auf der Strecke zwischen Kneipe und Taxistand. Es gab eine Zeugin, die glaubte, Woker beim Überqueren der Straße vor ihrem Haus gesehen zu haben - gefolgt von einem anderen Mann, den sie als sehr groß und hager beschrieb. Dieser zweite Mann habe dichtes, graues Haar gehabt, so die Zeugin, und sich auf eine ziemliche eigentümliche Art fortbewegt. ‚Irgendwie so wie ein Cowboy‘. Die Polizei hatte sich laut Aktenlage intensiv bemüht, diesen zweiten Mann als Zeugen ausfindig zu machen. Auch im Bericht des Kollegen Langweser tauchte der geheimnisvolle Mann auf. Aber seine Identität blieb im Dunkeln.

Kuiper lehnte sich erschöpft in seinen Sessel zurück. Den Block, der ihm zuvor von der Angestellten Dr. Breitenbachs ausgehändigt worden war, hatte er fast komplett mit Anmerkungen und Querverweisen vollgekritzelt. Inzwischen war es siebzehn Uhr geworden und die nette Auszubildende klopfte an und fragte höflich, aber etwas genervt, wie viel Zeit Kuiper denn noch benötige. Man schließe jetzt.

„Nur ein paar Minuten“, sagte Kuiper. Er schloss die Augen und überlegte. Die Angestellte wirkte ein wenig angesäuert, schloss aber mit einem höflichen Nicken leise die Türe.

Kuiper verharrte eine Zeit lang in seiner Meditationshaltung. Plötzlich fiel es ihm wieder ein. Dieser Mann mit dem Cowboygang. Natürlich! Er wäre nie darauf gekommen, hätte er nicht zuvor bereits den Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Woker und dem Fall der verschwundenen Millionärin Marion Hansen erhalten.

‚Mensch Meier‘, dachte er, ‚lang her, verdammt lang her.‘

Kuiper und die verschwundene Millionärin

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