Читать книгу Goschamarie Bauernsterben - Stefan Mitrenga - Страница 22
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Kripo-Hubert quälte noch immer der Schlafmangel. Nachdem er die Nacht von Samstag auf Sonntag in Taldorf am Tatort verbracht hatte, war kaum Zeit zum Ausruhen gewesen. Erst als die Leiche abtransportiert war und die Spurensicherung alles mitgenommen hatte, was irgendwie von Belang sein konnte, war er nach Hause gegangen. Noch auf dem Weg ins Bett hatte sein Handy geklingelt, und sein Chef hatte ihn auf die Dienststelle beordert. Er hatte von dem Fall in Taldorf erfahren und meinte, er müsse sich einmischen.
Mit einem tiefen Seufzer hatte Hubert die Tür zu seinem Büro geöffnet und nur kurz einen Blick auf die Nachrichten in seiner Ablage geworfen, bevor er in das Büro seines Chefs gegangen war.
„Hallo, Hubert. Schön, dass du es noch einrichten konntest“, hatte sein Chef ihn begrüßt. Beide kannten sich schon seit fast dreißig Jahren und waren auch privat befreundet.
„Das ist ja ein ganz schöner Mist, was da in Taldorf passiert ist. Überrollt vom eigenen Traktor? Und das war sicher kein Unfall?“
„Dreimal vom eigenen Traktor überrollt“, hatte Hubert geantwortet. „Das war kein Unfall, Dirk.“
Sein Chef hatte die Augenbrauen zusammengezogen und die Nasenwurzel massiert. Irgendetwas bereitete ihm Kopfschmerzen.
„Das wird dein Fall, Hubert“, hatte er wie selbstverständlich gesagt.
Hubert war überrascht hochgefahren. „Aber Dirk, meine Fachgebiete sind Einbruch und Diebstahl. Was ist mit unseren Mord-Super-Cops? Haben die so viel zu tun?“
„Tatsächlich ist gerade nur Willy im Dienst. Der Berger ist im Urlaub und Joschka ist im Mutterschaftsurlaub … oder Vaterurlaub … oder wie man das nennt. Auf jeden Fall ist er nicht da.“
„Aber dann kann’s doch der Willy machen“, hatte Hubert vorsichtig eingeworfen, sein Chef hatte aber sofort den Kopf geschüttelt. „Vergiss es. Wenn ich dem noch einen zusätzlichen Fall gebe, meldet er sich mit Burnout für das nächste halbe Jahr krank. Glaub mir, Hubert: ich würde dich nicht einteilen, wenn es auch anders ginge.“
Er war aufgestanden und hatte ein Fenster zum Hinterhof geöffnet. Gedankenverloren hatte er eine Zigarette aus einem Softpack geklopft und angezündet. Das Rauchen war im ganzen Gebäude verboten, doch es hatte Vorteile der Chef zu sein. Außerdem war Wochenende.
„Und das ist doch eh dein Revier“, hatte er mit einem wissenden Lächeln gesagt.
„Was meinst du?“, hatte Hubert unschuldig nachgefragt, hatte aber geahnt, was kommen würde.
„Komm schon, verkauf mich nicht für blöd, Hubert! Dieser Mord an dem Pfarrer vor ein paar Wochen … das war sicher nicht allein der Zeitungsausträger, der den Fall aufgeklärt hat.“
„Aber im Bericht steht doch …“
„Was im Bericht steht, interessiert mich einen Scheißdreck“, hatte sein Chef ihn sofort unterbrochen.
„Ich kann mir ziemlich gut vorstellen, wie das tatsächlich abgelaufen ist. Aber lassen wir es doch alles so, wie es im Bericht steht. Dann bekommt auch niemand Ärger. Wenn du jetzt aber diesen neuen Fall absolut nicht haben willst, müsste ich doch nachforschen, was du gegen Taldorf hast, und ob das mit dem Pfarrer-Fall zusammenhängt.“
„Also gut“, hatte Hubert sich geschlagen gegeben. „Ich übernehme den Fall. Aber erst mal muss ich ins Bett.“
Ohne ein weiteres Wort hatte Hubert das Büro seines Chefs verlassen und war nach Hause gefahren. Er war ins Bett gefallen, ohne einen Wecker zu stellen. Sein Handy hatte er ausgeschaltet. Und wenn die Welt unterging: er musste irgendwann mal schlafen.
Er wachte erst am Montag um viertel nach elf auf. Zufrieden sah er auf sein Handy, das keine verpassten Anrufe anzeigte.
„Geht doch“, murmelte er verschlafen und setzte Kaffee auf.
Als er mit seiner Tasse am Tisch saß, tippte er mühselig eine Nachricht für seine Freunde.
„Ratet mal, wer Hermanns Mord untersucht? Richtig! Ich! Hätte gerne eure Hilfe. Diesmal offiziell. Mein Chef weiß Bescheid. Wir sollten uns treffen.“