Читать книгу Gut durch die Wechseljahre für Dummies - Theresa Hansen-Rudol - Страница 52
Der Mythos des altersbedingten Verfalls
ОглавлениеWas ist mit anderen Quälgeistern, die während und nach der Menopause auftreten? Aus Sicht der Wissenschaft sind hier die Zusammenhänge komplexer, als allgemein angenommen wird. Die nachlassende Östrogenproduktion ist nicht die primäre Ursache von Symptomen wie Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen oder Herz-Kreislauf-Problemen. Verantwortlich ist unser genetisch-biologisches Altersprogramm. Und alles, was auch sonst die Gesundheit und das Wohlgefühl beeinflussen kann, etwa die Stressbelastung, der Lebensstil oder das familiäre, soziale und berufliche Umfeld. In der Lebensmitte wird vieles anders. Vergesslichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gemütsschwankungen beispielsweise nehmen auch bei Männern ab 50 zu, von grauen Haaren und der unentbehrlich werdenden Lesebrille ganz zu schweigen.
Ohne gesicherten wissenschaftlichen Hintergrund vertraten die meist männlichen Wechseljahresexperten lange die Ansicht, dass künstliche Östrogengaben vor den Folgen der Menopause – Knochenschwund, Herzinfarkt und Alzheimer – schützen. Unabhängig davon, ob sie Beschwerden hatten oder nicht: Die Hormonpillen wurden jeder zweiten Frau zwischen 50 und 60 in Deutschland ärztlich verordnet, oft bis ins hohe Alter. Als Heilsversprechen gefeiert, sollten sie Wohlbefinden, Stimmung und sexuelle Bereitschaft steigern, glatte Haut, glänzende Haare und straffe Brüste garantieren – und den leidigen Alterungsprozess aufhalten.
Dass wir nach der Menopause gleichsam dahinsiechen, ist ein Zerrbild der Wirklichkeit. Das Klimakterium ist nicht Auslöser, sondern Teil des Altersprozesses, der, genau betrachtet, schon früher beginnt. Wir Menschen sind mit etwa 19 Jahren ausgewachsen. Um diese Zeit erreichen auch die meisten unserer Organe und Körperfunktionen den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit. Das Gewicht der Eierstöcke sinkt schon ab Mitte 30, der männliche Testosteronspiegel ab 25. Die Fruchtbarkeit bei Frau und Mann lässt nach. Die positive Nachricht: Sexualtrieb und Denkvermögen können bis ins hohe Alter funktionieren.
Vermutlich fühlen Sie sich wie die Mehrzahl aller Frauen im mittleren Alter: Sie stehen mit beiden Beinen fest im Leben und haben noch viel vor. Von dem Gedanken, demnächst auf Stützkorsett und Rollator angewiesen zu sein, können Sie sich getrost verabschieden. Statistisch gesehen dürfen Sie sich auf eine noch lange Lebensspanne freuen. Auch wenn die Menopause selbst kein Gesundheitsrisiko ist, sie kann die kluge Überlegung anstoßen, wie sich das kostbare Gut Gesundheit erhalten oder verbessern lässt.