Читать книгу Rio Grande Charly Sammelband 5 Western Romane - W. K. Giesa - Страница 14

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Charly erwachte mit dem Gefühl drückender Enge. In seinem Kopf dröhnte und schmerzte es, und er verspürte beginnende Atemnot. Als er die Augen öffnen wollte, drückte etwas dagegen, und er schloss sie hastig wieder, aber es war ihm bereits etwas hereingekrümelt. Durch heftige Zwinkerreaktionen wurde das auch nicht besser. Er wollte vorsichtig reiben, schaffte es aber nicht, sich zu bewegen!

Tonnengewichte lasteten anscheinend auf ihm!

Er wollte hoch, schaffte es nicht. Als er nach Luft schnappte, drang Erdreich in seinen Mund. Er würgte, wollte ausspucken. Sein Körper verkrampfte sich. Ein Erstickungsanfall packte ihn, aber er konnte sich nicht einmal zusammenkrümmen. Schweiß brach ihm aus allen Poren, und immer wieder kam der grelle Schmerz von der Kopfverletzung.

Er begriff, wo er sich befand, aber das Begreifen machte es nicht weniger furchtbar: man hatte ihn begraben! Lebendig! Einfach in ein Loch geworfen und zugeschaufelt!

War er nur deshalb wieder erwacht, um jetzt hier zu ersticken?

Panik! Todesangst! Wieder bäumte sich alles in ihm auf. Diesmal schaffte er es, sich etwas zu bewegen. Die Erde war nicht richtig festgestampft. Charly bekam etwas Platz. Vor allem für seinen Kopf! Er hustete, spuckte Erde aus, und durch die Erschütterungen rutschte sie sofort wieder nach. Himmel!, dachte er. Lieber Gott, hilf mir …

Am liebsten hätte er geschrien. Aber das nützte ihm nichts.

In dieser letzten Anstrengung hatte er alle Reserven, die er noch besaß, verpulvert. Er erschlaffte. Die Sinne begannen ihm zu schwinden.

Und dann war da plötzlich Luft.

Luft!

Mit einem japsenden Schrei soff er sie in seine Lungen, hustete, spuckte wieder Erdkrumen. Das Loch über ihm wurde größer. Er sah Sterne, sah Himmel und einen Engel über sich, der ihn befreite … einen Engel mit schwarzem Haar … und dann verlor er wieder die Besinnung.

Als er zum zweiten Mal erwachte, hatte das Mädchen ihn fast freigelegt. Sie grub mit den Händen. Ein Spaten lag neben ihr, aber den hatte sie wohl nur anfangs eingesetzt. Schließlich wollte sie ihn damit nicht verletzen.

Patsy …

Charly versuchte sich aufzurichten, stützte sich auf die Ellenbogen. Wieder hustete er. Seine Worten waren ein kaum verständliches, heiseres Krächzen. „Was … ist passiert?“

„Später“, stieß Patsy hervor, selbst über und über mit Erde beschmutzt. „Kannst du aufstehen und gehen? Bist du in Ordnung?“

Charly nickte. Aber dann kam er doch nicht allein auf die Beine. Patsy stützte ihn. Vor seinen Augen tanzten schwarze Flecke. „Was …“, wollte er wieder fragen, aber Patsys Zeigefinger legte sich auf seine Lippen. „Später“, wiederholte sie.

Sie half ihm ins Haus, eine Treppe hinauf, und dann fand er sich auf dem bekannten Korridor wieder. Patsy

führte ihn in ihr Zimmer, das ihm vorhin zum Verhängnis geworden war, und setzte ihn auf einen Stuhl.

Immer noch brannten nur die beiden Kerzen.

Jetzt, wo er saß, fühlte er sich wieder etwas besser. Aber da war dennoch eine Übelkeit, die aus der Tiefe kam und hochsteigen wollte. Er kämpfte dagegen an.

„Das war eine Falle, nicht wahr?“, stieß er hervor. Er konnte wieder halbwegs klar denken. „Du hast ihnen geholfen, ich hab‘s in deinen Augen gesehen. Wer war es?“

„Zwei Männer“, sagte sie leise. Sie kniete jetzt vor ihm, fasste nach seinen Händen. „Charly bitte, … hör mich an! Ich musste es tun. Sie hätten mich getötet. Die ganze Zeit war ein Revolver auf mich gerichtet. Sie standen hinter der Tür, da …“ Sie deutete auf die Stelle, wo Memphys gestanden hatte.

Er tastete nach seinem Gesicht, betrachtete seine Hände. Alles war verschmiert.

„Was wird hier gespielt?“, fragte er. „Was waren das für Kerle?“

„Die Fremden“, sagte sie. „Die heute Nachmittag kamen. Ihr Boss ist ein Mann namens Crocket, mehr weiß ich nicht. Die beiden Kerle waren schon hier, als ich heraufkam. Sie zwangen mich, mich auszuziehen. Dann kamst du. Sie schlugen dich nieder. Einer holte einen Stern aus deiner Tasche. Sie hielten dich für tot und gingen hinaus, um dich zu begraben. Aber ich sah, dass du einmal mit den Augenlidern gezuckt hast. Das schafft kein Toter. Da bin ich hinterher und habe dich wieder ausgegraben, kaum dass sie weg waren.“

„Wie … wie lange war ich …“

„Ganz kurz nur“, sagte sie.

Draußen erklang Hufschlag. Erst ein Pferd, dann drei, fünf, viele. Charly konnte sie nicht mehr auseinanderhalten. Eine ganze Truppe von Reitern trabte am Saloon vorbei. Er wollte aufstehen, aber Patsy drückte ihn auf den Stuhl zurück. „Du kannst doch nichts sehen. Das Fenster geht nach hinten“, sagte sie.

Die Männer im Saloon, dachte Charly. Crocket … den Namen hatte er nie gehört. Warum hatten sie ihn niedergeschlagen?

Er sah seinen Deputy-Stern auf dem Boden neben dem Bett liegen. Hatte jemand gewusst, dass Charly für Richter Parker ritt? Aber wer? Der Texaner versuchte immer, so unauffällig wie möglich zu arbeiten. Wenn er sich den Stern an die Brust heftete, gingen ihm Galgenvögel aus dem Weg. Oder sie schossen schneller aus dem Hinterhalt, als er sie entdecken konnte.

Trotzdem war er sicher, dass ihn jemand erkannt hatte.

Wieder versuchte er sich zu erheben und schaffte es auch. Aber ihm wurde schwindlig. Er war doch stärker angeschlagen, als er gedacht hatte.

Er musste sein Vorhaben, den Männern nachzureiten, aufgeben.

„Du bist verletzt und schmutzig“, sagte Patsy leise. „So kommst du mir nicht ins Bett. Warte, ich helfe dir.“ Sie schaffte aus einer Zimmerecke eine Wasserschüssel und einen Lappen herbei und begann Charly auszuziehen. „Die Sachen müssen dringend gewaschen werden“, sagte sie. Dann säuberte sie Charly und legte ihm einen Verband an. Er ließ es sich gefallen wie ein kleines Kind. Es war ein angenehmes Gefühl, umsorgt zu werden, und Patsy war ganz nah bei ihm. Schließlich half sie ihm, zu ihrem Bett zu gehen und sich hinzulegen. Augenblicke später flog ihr Kleid in eine Ecke, und dann war sie neben ihm, warm und weiblich.

Charly lächelte.

„Es hat keinen Sinn“, sagte er leise. „Patsy, ich habe mein eigenes Zimmer hier. Ich bin … jetzt nicht in der Lage und in der Stimmung …“

„Du bleibst hier“, sagte sie entschieden. Patsy lächelte in der Dunkelheit und kuschelte sich an den großen Texaner. Sie hatte diesen Mann gewollt, als sie ihn unten im Saloon sah, und sie war glücklich, dass sie ihm hatte helfen können. Durch das offene Fenster konnte sie die funkelnde Sternenpracht sehen. Da dachte sie wieder an den Stern, der neben dem Bett lag und Charly Wash gehörte. Sie wusste, dass sie diesen Mann nicht halten konnte. Sie konnte nur die Stunden mit ihm genießen. Er gehörte nicht ihr, auch nicht einer anderen Frau, sondern dem Gesetz.

Rio Grande Charly Sammelband 5 Western Romane

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