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Frauenpower

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Als er seine Augen aufschlug, spürte er eine tiefe Wut in sich, denn er wusste, dass er und auch seine Leute sich viel zu schnell und viel zu einfach hatten überwältigen lassen. Doch alles ging so blitzschnell, dass er selbst nicht einmal genau hätte sagen können, was mit ihm geschehen war...und warum er am Hals so nass war, als hätte man ihm auf die Brust gepinkelt!

Mit einem wütenden Aufschrei brachte er sich zurück auf die Füße, wobei er noch deutlich wankte und sich an der Zimmerwand abstützen musste.

Als er zusätzlich noch sah, in welch widerlichem Unrat er lag, brüllte er nochmals und trat eines der zerbrochenen Seitenteile des Schrankes quer durch den Raum.

Dann atmete er einmal tief durch und wurde so wieder klar im Kopf.

Sofort handelte er. Er legte seine rechte Hand an das Mikrofon seines Headsets und befahl dem Trupp im Hinterhof, nach vorn zu kommen.

Dann wandte er sich um, schnappte sich seine Waffe vom Boden und rannte zur Fensterfront. Wütend riss er die Jalousien herunter und blickte auf die Straße, wo er gerade noch sehen konnte, wie einer seiner Leute auf dem Bürgersteig zu Boden ging. Im nächsten Moment erkannte er den Kerl und die beiden Frauen neben ihm.

Ohne zu zögern hämmerte er seine Waffe gegen die Fensterscheibe, die daraufhin natürlich mit einem lauten Knall zersplitterte, schob seinen Körper nach vorn und feuerte eine erste Salve auf den Bürgersteig.

Sie hatten einfach nur Glück, dass keine der Kugeln sie erwischte.

Entsetzt sprangen sie zurück in den Hauseingang und waren für eine Sekunde wie erstarrt, weil sie nicht realisierten, woher die Gefahr kam. Erst dann erkannte Talea, dass es sich um einen ihrer Gegner aus der Wohnung handelte, der offensichtlich wieder erwacht war.

Christopher überlegte fieberhaft nach einer Lösung für ihr Problem, als er Douglas zwischen den beiden Lieferwagen auf der anderen Straßenseite sah. Da er davon ausging, dass sein Freund seinen Job erledigt hatte, wartete er, bis sie Augenkontakt hatten, dann deutete er ihm an, nicht zu ihnen zu kommen, sondern in den Ford zu steigen, um sie hier abzuholen.

Als Douglas ihm zunickte und zur Beifahrertür zurückrannte, drehte er sich zu den beiden Frauen. „Ich brauche ein Handy!“ rief er.

Cynthia griff sofort in ihre Hosentasche und holte eines heraus. „Hier!“ Sie reichte es ihm.

Christopher nahm es entgegen. „Beobachte die Treppe!“ sagte er noch, dann ging er zwei Schritte weg, wandte sich von ihr ab und wählte eine Nummer. „Barney?“ rief er, nachdem die Verbindung hergestellt war. „Ja, Chris hier!...Was?...Ja, wir haben ein paar Probleme. Aber das muss euch nicht kümmern. Hör zu! Bring Francesca und Alfredo in die Garage. Hörst du? Sie sollen im Auto auf mich warten. Ich bin in ein paar Minuten bei ihnen!“ Oder nie, dachte er noch, dann sah er den grünen Ford über die Straße donnern und kappte die Verbindung.

Douglas hatte den bewusstlosen Fahrer über die Beifahrerseite auf den Bürgersteig gezogen, war dann in den Fond gesprungen und hatte den Motor gestartet. Er legte sofort den Rückwärtsgang ein und setzte ruckartig zwei Meter zurück, dann donnerte er den ersten Gang ins Getriebe und schoss aus der Parklücke.

Dabei war ihm klar, dass er jetzt nicht einfach längs neben den parkenden Wagen direkt vor dem Haus auf der anderen Straßenseite fahren konnte, denn dann hätten Cynthia und die drei anderen ihre Deckung aufgeben müssen. Das Risiko war zu groß.

Doch lange Zeit zum Überlegen hatte er keine, also nahm er die erstbeste Idee, die ihm einfiel und setzte sie um.

Er beschleunigte den Ford auf der kurzen Strecke von vielleicht drei Wagenlängen so hoch es ging und blieb dabei auf der linken Straßenseite. Dann riss er das Steuer nach rechts, schoss über die Straße hinweg, rammte dann den parkenden Wagen direkt vor dem Haus frontal in Höhe der Einstiegstüren auf der Fahrerseite und schob ihn mit der Energie, die er besaß über den Bürgersteig durch den Hauseingang in den kleinen Eingangsflur des Hauses.

Dabei brüllte er und wurde derbe durchgeschüttelt. Doch am Ende gelang es ihm, wenngleich er angesichts der wüsten Zerstörung, die er an dem Haus hinterließ – die komplette Eingangsfront war zerfetzt worden, der Wagen, den er vor sich herschob, krachte wüst gegen die untersten Stufen der Treppe – schwer erschrak und schlagartig erkennen musste, welches verdammte Glück er gehabt hatte, dass seine Aktion gelungen und nicht erbärmlich gescheitert war.

Doch wie dem auch war, es hatte funktioniert und Cynthia und die drei anderen hatten sehr gut reagiert, indem sie sich noch rechtzeitig auf die Treppe hatten flüchten können.

„Hat Jemand ein Taxi bestellt?“ rief Douglas zufrieden.

Eine Sekunde später rannten die vier Personen über das Wrack des Personenwagens hinweg auf ihn zu. „Wurde auch Zeit!“ raunte Christopher und riss die Seitentür auf.

Während alle hineinstürmten, legte Douglas wieder den Rückwärtsgang ein und gab Vollgas. Mit einem erbärmlichen Quietschen und einem Ruck löste sich der Ford von dem anderen Wagen und schoss rückwärts aus dem Hauseingang zurück auf die Straße, wobei er das Lenkrad nach rechts riss, sodass sie parallel zum Straßenverlauf zum Stehen kamen.

Natürlich hatten die vier im Rückraum keine Chance sich schnell irgendwo festzuhalten und wurden derbe durchgeschüttelt. „Verdammter Idiot!“ raunte Cynthia mürrisch. „Wo hat der denn fahren gelernt?“ Sie schaute zu Christopher und hoffte auf eine Reaktion, doch ihr Freund schaute nur geradewegs aus dem Heckfenster und sein Blick war ziemlich ernst. Sie wirbelte herum, um die Ursache hierfür zu erkennen und musste dann mit ansehen, wie vier bewaffnete Schlipsträger um die Straßenecke gerannt kamen, sofort auf sie anlegten und feuerten. Als die Kugeln in die Rückfront einschlugen schrie sie kurz auf, doch zu ihrer Verwunderung, drang kein Geschoss in den Innenraum, selbst die Scheiben hielten ihnen stand. Verblüfft schaute sie wieder zu Christopher.

Und plötzlich hatte der ein Lächeln auf den Lippen. „Gepanzertes Fahrzeug! Geil!“

Cynthia, aber auch Talea und Karen atmeten erleichtert aus.

„Nützt uns aber nichts...!“ fügte Christopher wieder ernst hinzu und schaute besorgt auf die immer näher kommenden Kerle. „...wenn dieser schwarze Arsch nicht langsam losfährt!" Die letzten Worte brüllte er, drehte sich dabei um und hämmerte gegen die vordere Wand des Kastenaufbaus.

Doch diese Aufforderung brauchte er Douglas gar nicht zu machen, denn mittlerweile hatte er den ersten Gang eingelegt und einen Augenblick später schoss der Ford die Straße hinunter.

Douglas schob das kleine Sprechfenster in der Rückwand der Fahrerkabine auf. „Wohin?“ rief er.

„Nach links...!“ erwiderte Christopher, während er den Innenraum des Ford fieberhaft absuchte. „...und dann zur Rückseite des Blocks!“

„Was? Warum?“ Douglas war sichtlich irritiert.

„Du fährst mir zu unsicher! Ich will aussteigen!“ rief Christopher.

„Was?“ brüllte Douglas entgeistert. „Aber...?“

„Mann Doug, tu einfach, was ich sage und fahr!“ Christopher war jetzt etwas gereizt.

Während sein Freund am Steuer brummte, seinen Anweisungen aber folgte, beugte sich Cynthia zu Christopher. „Was suchst du?“

Christopher hob einen Moment später seinen Kopf und grinste. Neben jeder Menge bestimmt noch super zu gebrauchenden Waffen aller Art und Größen, die an den Seitenwänden in Regalen aus Drahtgeflecht gelagert waren, fand er auch das, was er suchte und hielt Cynthia einige Headsets hin. „Die hier!“

Cynthia nickte zufrieden. „Wir sind ziemlich gut ausgerüstet, findest du nicht?“ Sie nahm Christopher ein Headset ab und legte es sich um.

Ihr Freund nickte und gab Talea ein weiteres Gerät. „Könnt ihr damit umgehen?“

Cynthia nickte sofort, Talea ebenfalls. „Klar!“ Sie grinsten breit.

„Gut!“ Christopher war zufrieden und legte sich sein Headset um. „Ich habe nämlich so eine Ahnung, dass wir das alles noch gut werden gebrauchen können!“

Cynthia nickte ihm zu. Im nächsten Moment wurde der Ford scharf abgebremst.

„Nehmt Kanal 2 und passt auf euch auf!“ Christopher riss die Seitentür auf und warf den drei Frauen einen aufmunternden Blick zu. „Bis gleich!“ Er sprang auf die Straße und schloss die Tür sofort wieder.

„Wohin jetzt?“ rief Douglas aus dem Fond.

Christopher trat zur Beifahrertür und warf ihm ebenfalls ein Headset zu. „Die Straße runter, dann rechts direkt zum Freeway Richtung Süden!“

Douglas setzte das Headset auf und nickte.

„Kanal 2! Und jetzt ab mit euch!“ Er nickte Douglas zu. „Ich bin in zwei Minuten wieder bei euch!“

„Das musst du auch!“ erwiderte sein Freund. „Die werden bald wie die Schmeißfliegen an uns hängen!“

„Keine Sorge, wir kriegen das schon hin!“ Christopher lächelte breit, schlug gegen die Beifahrertür, drehte sich um und rannte zur Rückseite von Barneys Lokal, wo sich einige Garagen befanden.

„Verdammt...!“ stieß Douglas säuerlich und mit einem gequälten Gesichtsausdruck hervor. “...ich hab befürchtet, dass er so was sagt!“ Dann fuhr er mit Vollgas davon.

Christopher hörte die Reifen des Fords quietschen und war zufrieden, dass seine Freunde losgefahren waren.

Er selbst rannte so schnell er konnte zu den Garagen an der Rückfront von Barneys Bar.

Eine Tür im Garagentor verschaffte ihm Einlass. Während er eintrat, konnte er seinen blaugrauen, beinahe nagelneuen Ford-Mustang chromglänzend und strahlend gewienert erkennen. Barney hatte das Licht eingeschaltet und wartete neben der Fahrertür mit besorgter Miene auf ihn.

Francesca und Alfredo saßen im Wagen. Der Sohn hatte dabei der Mutter den Platz auf dem Beifahrersitz überlassen, da es auf der Rückbank nicht besonders bequem und geräumig war.

Dann drehte Christopher sich um und wollte die Tür schon wieder schließen, als er das Aufheulen eines starken Motors hörte und gleich darauf einen alten Mercedes die Straße hinab sausen sah, an dessen Steuer der blonde Schlipsträger saß, den Cynthia in seiner Wohnung umgehauen hatte.

Der Feind war also schon dichtauf.

Umso mehr durfte er jetzt nicht zögern. Er rannte zur Fahrertür. „Leb wohl Barney!“ Er drückte ihn kurz, aber kräftig. Der Alte erwiderte seine Geste nicht, denn er war schlichtweg viel zu überrascht davon. „Danke für alles!“

„Du kommst nicht zurück!“ Das war keine Frage.

Christopher hatte die Tür schon geöffnet, als er innehielt und den Alten mit einem traurigen Lächeln ansah. „Nein!“ sagte er dann aber nur und setzte sich schnell hinter das Steuer.

„Hier wartet immer ein Freund auf dich!“ Barney drückte die Fahrertür zu, dann trat er einen Schritt zurück.

Christopher startete den Motor, der sofort bärenstark aufbrüllte und dann kraftvoll und tief brummend tuckerte. Sofort danach betätigte er die Fernbedienung für das Garagentor. „Das weiß ich…!“ Noch einmal warf er dem Alten ein Lächeln zu, dann war das Garagentor vollständig in die Höhe gefahren und Christopher jagte mit Vollgas zur Straße.

Die Auffahrt auf den Long Beach Freeway zu finden, war nicht das Problem. Auch nicht mit hoher Geschwindigkeit durch den morgendlichen Verkehr zu jagen.

Die Probleme begannen kurz nachdem sie die Autobahn erreicht hatten, denn da konnte Douglas im Rückspiegel zwei Wagen erkennen, die so wie sie fuhren, als wäre der Teufel persönlich hinter ihnen her – und leider auch schneller zu ihnen aufschlossen, als ihm das lieb war.

„Sie kommen!“ sprach er in sein Headset und eine Sekunde später konnte er im Rückspiegel sehen, dass Cynthia und Talea die Seitentür öffneten, um ihre Verfolger gebührend zu empfangen.

Sofort machte sich Douglas Sorgen um die beiden Frauen. „Seid vorsichtig!“ sagte er.

„Halt bloß den Rand!“ zischte Cynthia jedoch sofort zurück und ergriff die Uzi in ihren Händen fester.

Wenige Augenblicke später hatten ihre Gegner zu ihnen aufgeschlossen.

Eines der beiden Fahrzeuge war ein Mercedes älteren Baujahrs, der jedoch einen äußerst kraftvollen Motor besitzen musste, denn obwohl Douglas das Gaspedal des Ford vollkommen durchgetreten hatte, schien es ihm als würde er nicht von der Stelle kommen. Der Fahrer, den Douglas aus der Nähe gesehen dann als den Kerl identifizierte, der aus Christophers Wohnung auf die Straße gefeuert hatte, lenkte den Wagen auf der Fahrerseite immer dichter an sie heran, um den beiden anderen Insassen ein gutes Schussfeld zu liefern.

Das zweite Fahrzeug war ein Lieferwagen wie der Ford, doch schien er brandneu. Er war komplett schwarz, hatte verdunkelte Scheiben rundum und ebenfalls einen viel stärkeren Motor als ihr Wagen, mit dem er sich – natürlich – auf der Beifahrerseite näherte. Auch bei ihm war die Seitentür geöffnet und mindestens vier Kerle hatten ihre Waffen auf sie angelegt.

Obwohl Cynthia und Talea sie sofort mit einem konsequenten Sperrfeuer belegten, mussten sie immer wieder zurückzucken, denn auch ihre Gegner kamen viel zu oft zum Schuss.

Douglas musste einige abrupte Lenkbewegungen ausführen, um das Schlimmste zu verhindern. Dennoch wusste er, als sich die beiden Kerle im Mercedes aus dem Wagen beugten und auf sie anlegten, dass sie sich nicht lange gegen diese Übermacht würden halten können und er schrie innerlich aus Leibeskräften nach Christopher.

Cynthia machte sich nichts vor. Sie hatten zwar ausreichend Waffen, aber sie waren nur zu zweit. Karen saß in der hintersten Ecke des Laderaums und tat keinen Mucks. Sie war keine große Hilfe, aber zumindest nervte sie nicht, indem sie jammerte oder gar weinte. Und das war wohl auch schon mehr, als man erwarten durfte, wenn man bedachte, dass ihnen hier beinahe sekündlich Kugeln um die Ohren flogen.

Denn ihre Gegner waren zu viert und hatten scheinbar ebenfalls keinen Mangel an Waffen und Munition.

Und auf Christopher, der weit und breit nicht zu sehen war, zu warten, war ebenfalls keine Lösung.

Nein, über sehr kurz und überhaupt nicht lang, würden sie hier den Kürzeren ziehen…

Es sei denn, sie konnten ihre Gegner mit einer überraschenden Aktion ernsthaft aus dem Konzept bringen oder gar gänzlich ausschalten.

Und diese Panzerfaust, die sie da in einem der Regale erspähte, sah wie geschaffen dafür aus.

Da sie keine Zeit zu verlieren hatte, griff sie ohne zu zögern zu.

„Was hast du vor?“ fragte Talea schwer gestresst zwischen zwei Feuerstößen.

„Wieso, was hat sie denn vor?“ rief Douglas sofort besorgt.

„Du sollst deinen Rand halten!“ zischte Cynthia. „Du fährst, wir ballern!“ Sie betrachtete die Panzerfaust, drückte dann einen Knopf und schon konnte sie die Waffe, die ja eigentlich nicht anders aussah, als ein Ofenrohr, auf die doppelte Länge ausziehen. „Und um deine Frage zu beantworten…!“ Sie schaute Talea ernst an. „Wie lange werden wir uns wohl hier noch halten können, wenn wir nicht…!“

„Wenn wir nicht was?“ rief Douglas.

„…was Größeres auffahren?“

Was Größeres?“

„Du hast Recht!“ Talea nickte. „So sind wir bald erledigt!“

„Was bitte schön meinst du mit größer?“ Douglas gab nicht auf. „Ein Maschinengewehr?“

„Nein, eher eine Panzerfaust!“ Cynthia legte die Waffe auf ihre rechte Schulter und testete ihre Handhabung.

Was?“ Douglas war sofort entsetzt.

„Und wenn du nicht gleich still bist, richte ich sie nicht auf unsere Gegner, sondern auf deinen Arsch!“

„Aber..?“

„Ich gebe dir Feuerschutz!“ rief Talea, sprang an das hintere Ende der Seitentür und feuerte, was die Uzi hergab, sodass von ihren Gegnern zunächst nichts zurückkam.

„...das geht nicht...!“

Talea gab Cynthia mit ihrer Aktion die Chance, sich im vorderen Teil der Öffnung auszurichten, was sie auch sorgfältig tat.

„...der...!“

Dann drückte sie ab.

„...Rückstoß!“

Was immer Cynthia sich von der Benutzung der Panzerfaust erhofft hatte, geschah auch.

Als sie den Auslöser drückte, zischte die Granate innerhalb eines Wimpernschlages aus dem Rohr und jagte die wenigen Meter zu dem anderen Fahrzeug, das eine halbe Wagenlänge hinter ihnen fuhr. Der Fahrer des schwarzen Lieferwagens hatte nicht den Hauch einer Chance, zu reagieren. Die Granate schlug an der Hinterachse ein und gab ihre Energie blitzschnell frei, zerfetzte sie, riss ein riesiges Loch in die Seitenwand und die Druckwelle sorgte dafür, dass das Heck dort in die Höhe geschleudert wurde und zur anderen Fahrbahnseite driftete.

Nur Glück hatten es die Insassen zu verdanken, dass der Wagen sich nicht der Länge nach überschlug und auf dem Dach landete, sondern sich auf die Beifahrerseite neigte und auf die Leitplanken krachte, wo er funkenschlagend noch etliche Meter entlang rutschte, bevor er zum Erliegen kam.

Ja, eindeutig. Das, was Cynthia mit ihrer Aktion erreichen wollte, hatte sie erreicht. Ihre Gegner auf dieser Seite waren vollkommen ausgeschaltet worden.

Doch es geschah noch viel mehr, als sie den Abzug gedrückt hatte – und das war etwas, womit sie nicht gerechnet hatte.

Das letzte Wort ihres Mannes hatte sie dabei noch deutlich in ihren Ohren: Rückstoß!

Und der war so enorm, dass Cynthia absolut keine Chance hatte, entsprechend zu reagieren. Die Panzerfaust riss sie nach hinten und glitt ihr aus den Händen, als wäre sie mit Öl eingeschmiert.

Während die Granate in den schwarzen Lieferwagen einschlug und dort das absolute Chaos verursachte, donnerte die Panzerfaust selbst kaum weniger schnell gegen die Seitenwand auf der Fahrerseite, drückte dort das Blech nach außen, als habe ein Riese mit seiner Faust dagegen gehauen und sorgte so dafür, dass der Ford vom Boden abhob und sich dabei bedrohlich zur Seite neigte. Wie der Fahrer des anderen Wagens hatte Douglas ebenfalls keine Chance, etwas dagegen auszurichten. Der Ford flog durch die Luft und kippte über die Fahrerseite nach links. Doch sie hatten mehr Glück, als ihre Gegner, denn der alte Mercedes, der sie auf der Fahrerseite verfolgte, war in diesem Moment so dicht neben ihnen, dass der Ford halb auf sein Dach fiel und es dabei auf der Beifahrerseite derbe eindrückte.

Der Fahrer des Mercedes brüllte, wie alle anderen Insassen beider Fahrzeuge auch, entsetzt auf. Im selben Moment tauchte ein quietsch-gelber Honda vor ihm auf und instinktiv riss er sein Steuer nach rechts, um ihm trotz seines Dachgepäcks auszuweichen.

Durch das zusätzliche Gewicht aber kaum zu lenken, gelang ihm dieses Manöver nur schwerlich. Im letzten Moment konnte er einen Frontalzusammenprall gerade noch verhindern, doch schrammte der Mercedes mit der Fahrerseite letztlich so böse an der Beifahrerseite der Honda entlang, dass bei beiden Fahrzeugen dabei so ziemlich alles Blech zerfetzt wurde.

Für Douglas aber war dieses Manöver ein Segen, denn durch die ruckartige Lenkbewegung nach rechts, wurde der Ford wieder aufgerichtet und landete schließlich hart, aber sauber auf seinen vier Rädern, wo Douglas zwar alle Mühe hatte, ihn in der Spur zu halten und für die nächsten Sekunden beinahe die komplette Breite des Freeways benötigte, um einen Unfall zu vermeiden, ihn aber letztlich doch unbeschadet unter Kontrolle brachte.

Christopher konnte den grünen Ford-Lieferwagen etwa einhundert Meter vor ihnen sehen, aber natürlich auch den schwarzen Lieferwagen rechts und den Mercedes links neben ihm.

Unschwer war zu erkennen, dass die Action dort bereits in vollem Gange war.

Christopher wusste, das er ihnen in ihrem Kampf beistehen musste, und das wollte er auch, doch bevor er überhaupt nahe genug an sie herankam, musste er zunächst erst einmal die zwei weiteren schwarzen Lieferwagen, die etwa zehn Meter hinter den anderen Verfolgern fuhren, vorbeikommen und ausschalten.

„Alfredo?“ rief er deshalb nach hinten.

„Ja?“

„Klappen sie mal die Rückbank hinter mir nach vorn!“

Der Italiener tat, wie ihm geheißen. Als er die Rücklehne nach vorn umgeklappt hatte, hielt er jedoch mit großen Augen inne und stieß einen überraschten Aufschrei aus. „Mann!“ rief er mit dem Blick auf das kleine Waffenarsenal, dass dort fein säuberlich an der Rückenlehne und an den Kofferraumseiten festgemacht war. „Wo haben sie denn die her?“

„Das wollen sie nicht wirklich wissen!“ erwiderte Christopher. Mittlerweile hatten sie die beiden schwarzen Lieferwagen vor ihnen fast erreicht. „Sehen sie die beiden Lieferwagen vor uns?“ Er deutete zusätzlich noch in die entsprechende Richtung.

Alfredo nickte. „Ja, ich sehe sie!“

„Die gehören zu denen! Also schnappen sie sich eine der Maschinenpistolen und ballern sie sie weg!“

„Was?“ Alfredo war sofort entsetzt. „Ich soll?“ Dann schüttelte er den Kopf. „Ich habe noch nie eine Waffe in den Händen gehabt, Chris!“

„Was?“ Jetzt war Christopher sichtlich geschockt. „Aber, ich dachte...?“

„Ich will helfen!“ entgegnete Alfredo sofort. „Von Schießereien hab ich nichts gesagt!“

Christopher blies die Luft aus den Lungen und überlegte kurz. „Okay!“ Es hatte ja keinen Sinn, sich jetzt zu grämen. „Dann kommen sie rüber und klemmen sich hinter das Steuer. Dann mach ich das mit der Wumme!“

„Was?“ Wieder war Alfredo sofort entsetzt. „Das kann ich nicht!“

„Wieso?“ Jetzt war Christopher doch etwas genervt.

„Alfredo...!“ Francesca sah ihn mit einem Lächeln an. „...hat nicht einmal einen Führerschein!“

„Was?“ Er starrte den Italiener für einen Moment vollkommen entgeistert an. „Und was machen wir jetzt?“

„Ich fahre!“ erwiderte Francesca immer noch mit einem Lächeln.

„Sie...?“ Christopher war überrascht.

„Wenn sie mir das zu trauen!?“

„Ich...! Aber...! Sind sie sicher?“

„Natürlich! Ich liebe schnelle Sportwagen! Und diese Dinger wurden doch auch erst durch uns Italiener erfunden!“ Sie grinste breit.

Wieder überlegte Christopher, doch wusste er schnell, dass er keine andere Wahl hatte. „Also gut!“ Er nickte und schob sich schon auf den Beifahrersitz. Francesca drückte sich über seine Beine hinweg auf den Fahrersitz. Das Ganze ging überraschend schnell und problemlos über die Bühne, denn Francesca war sehr leicht und für ihr Alter erstaunlich beweglich.

Und es dauerte nur eine kurze Sekunde, bis die Alte sich mit dem Mustang und seinen Armaturen vertraut gemacht hatte und sie deutlich langsamer wurden, dann hatte ihr rechter Fuß das Gaspedal schon wieder komplett durchgetreten und der Sportwagen peitschte über den Asphalt.

Christopher warf ihr einen unsicheren und nervösen Blick zu, doch als er das breite, zufriedene und selbstsichere Grinsen in ihrem Gesicht sah, zuckte er nur mit den Schultern und wandte sich wieder ihrer Aufgabe zu. „Geben sie mir...!“ Er drehte sich zu Alfredo und deutete auf zwei schwarze Maschinenpistolen. „...die beiden da!“

Alfredo nickte, löste sie aus ihrer Befestigung und reichte sie ihm.

Christopher nahm sie entgegen. „Und die da!“ Er deutete auf zwei Magazine, die silbern glänzten und mit einem roten Totenkopf verziert waren.

Alfredo gab sie ihm mit großen Augen. „Gott, was soll das denn?“

„Spezialmunition!“ erwiderte Christopher, während er die beiden Waffen bestückte. „Die...! Ach was, sie werden es ja gleich sehen!“ Er hatte die beiden Waffen geladen und entsichert. „Fertig!“ Er blickte zu Francesca. „Das Beste ist, wenn sie...!“

Die Alte drehte ihren Kopf zu ihm. „Ich weiß schon, was zu tun ist...! Sie lächelte kurz. „Ich fahre. Sie schießen!“

Christopher war sprachlos, doch dann nickte er. „Abgemacht!“

Francesca nahm den kürzesten Weg, so, wie es auch Christopher getan hätte.

Als der Mustang so schnell wie ein heißes Messer durch warme Butter zwischen den beiden schwarzen Lieferwagen hindurch schoss, ohne auch nur einmal anzuecken, wobei die Lücke, die sie bildeten, kaum breiter als der Mustang selber war, musste Christopher kurz breit grinsen.

Die Alte war ganz nach seinem Geschmack. Silvia hatte wirklich nie gelogen.

Dann aber konzentrierte er sich auf ihr Vorhaben. Er wollte sich gerade umdrehen und ihre Gegner attackieren, als ihn Francesca zurückhielt. „Ich mach das!“ Und noch bevor Christopher irgendetwas denken konnte, zog sie die Handbremse des Mustangs ruckartig an und gleichzeitig das Steuer nach rechts. Der Wagen wirbelte blitzschnell um die eigene Achse. Fast schon instinktiv richtete Christopher die Waffe in seinem rechten Arm auf den linken Lieferwagen und drückte ab. Ein lautes Mähgeräusch war zu hören und sofort danach schien es, als würde der Motorblock des Lieferwagens Funken schlagen. Zumindest aber flog die Motorhaube in tausend Fetzen auseinander, der Wagen wurde merklich langsamer und brach aus. Die Reifen platzten und das Chassis krachte auf den Asphalt.

Mittlerweile hatte der Mustang eine halbe Drehung vollführt. Francesca löste die Handbremse wieder, legte den Rückwärtsgang in die Automatik, stellte das Lenkrad gerade und gab wieder Vollgas.

Christopher warf die leergeschossene Waffe in seiner rechten Hand achtlos über die Schulter auf den Rücksitz, ersetzte sie durch die zweite Waffe aus seiner linken Hand und feuerte sofort auf den rechten Lieferwagen. Bevor der Fahrer dort reagieren konnte, donnerten die Kugeln in den Motorblock und zerfetzten ebenfalls alles, sodass auch dieser Wagen eine Sekunde später mit Totalschaden zurück blieb.

Christopher war sichtlich zufrieden und wollte Francesca schon sagen, sie solle den Mustang wieder wenden, damit sie Douglas und den anderen zur Hilfe eilen konnten, als plötzlich rechts neben ihm der alte Mercedes auftauchte. Höchst verwundert blickte er auf das stark eingedellte Dach. Der Fahrer saß tief geduckt hinter dem Steuer, die beiden Männer auf der Rückbank versuchten krampfhaft sich so zu setzen, dass sie wieder angreifen konnten.

Innerlich belustigt, blickte er mitleidlos auf den Wagen, erinnerte sich daran, dass in seiner Waffe noch etwas Munition war, richtete sie ohne zu zögern darauf aus und drückte ab. Eine Sekunde später hatte er die beiden Reifen auf der Beifahrerseite und Teile der Achsen zerschossen, sodass jetzt auch der Mercedes funkensprühend über den Asphalt schlidderte.

Dann sorgte Francesca wieder für eine blitzschnelle Wende und der Mustang raste den Freeway hinab.

Christopher war sofort überrascht, dass der dritte schwarze Lieferwagen nicht mehr neben dem Ford war. In den Augenwinkeln sah er ihn seitlich auf der Leitplanke liegen und konnte nur beeindruckt erahnen, was geschehen sein musste.

„Chris?“ Das war Douglas über Headset.

„Ja?“

„Siehst du noch Jemanden?“

Christopher blickte sich um. „Nein! Das waren alle!“

„Prima!“ Douglas war sichtlich erleichtert.

„Wie habt ihr den Lieferwagen auf die Leitplanken gekriegt?“

„Mit einer Panzerfaust!“ erwiderte Cynthia ungerührt.

„Wow!“ Christopher war sofort wieder beeindruckt. „Und wie habt ihr das Dach des Mercedes so platt gemacht?“

„Mit der selben Panzerfaust!“ Wieder antwortete Cynthia, dieses Mal etwas säuerlich.

Christopher blies die Luft in die Wangen. „Also ehrlich, Doug, deine Frau wird mir langsam unheimlich!“

Douglas lachte leise auf. „Na, frag mich erst mal!“

Mittlerweile hatte Francesca zu dem Ford aufgeschlossen.

Als Douglas den Sportwagen sah, war er sofort beeindruckt. „Wie zum Teufel bist du an diesen Wagen gekommen?“

„Das willst du nicht wirklich wissen!“ erwiderte Christopher trocken.

„Ein wunderbares Auto!“ meinte Francesca. „Sollten sie auch mal fahren!“

Douglas erstarrte in seinem Sitz, denn er erkannte erst jetzt, dass Silvias Großmutter fuhr. In seinem Gesicht war totale Verblüffung zu sehen. „Francesca, aber...?“

„Was?“ fragte die Alte sofort. „Darf ich keinen Sportwagen mehr fahren, nur weil ich über siebzig bin?“

„Nein, es ist nur...!“

„Und mal ganz unter uns, Doug!“ meinte Christopher und schaute Francesca direkt an. „Großmama fährt einen echt heißen Reifen!“ Damit zauberte er ein breites Grinsen auf ihre Lippen. „So, und nun genug der Plauderei! Francesca würden sie bitte die Führung übernehmen?“ Die Alte nickte ihm zu und setzte den Mustang vor den Lieferwagen.

„Wohin willst du?“ fragte Douglas.

„Zum Hafen. Ich kenne da eine Lagerhalle, da finden wir erst mal Schutz und können uns neu ausrichten!“

„Ja!“ Douglas stöhnte gestresst auf. „Und ausruhen!“

„Ha!“ Christopher lachte laut auf. „Das könnte dir so passen, was? Aber du weißt doch ganz genau...!“

„Was weiß ich?“ fragte Douglas voller böser Vorahnungen.

„Wir beide und Friede, Freude, Eierkuchen, das passt doch einfach nicht!“

„Ja...!“ presste Douglas gequält hervor und nickte. „...leider!“

Dämon II

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