Читать книгу Dämon II - Alfred Broi - Страница 8
Ein kleines Geilchen
ОглавлениеDouglas war sichtlich überrascht, als er sah, dass vor dem Haus, in das die Kleine auf dem Rücksitz eingebrochen war, bereits mehrere Polizeiwagen standen und die Straße versperrten.
Die Warnlichter blitzten weithin sichtbar.
Auch konnte er die kleine Menschenmenge von sicherlich dreißig Personen - viele davon in Hausschuhen und Morgenmantel - sehen, die sich auf dem Bürgersteig vor dem Haus zusammengefunden hatte und die Arbeit der Polizei mehr oder weniger behinderte.
Douglas bremste den Mustang ab und lenkte ihn etwa zwanzig Meter die Straße runter in eine Parklücke. Dort überlegt er. Er hatte nicht vor, sich hier zu zeigen. Er wollte im Verborgenen bleiben. Schon gar nicht wollte er, dass er als völlig Unbeteiligter mit dem Privatdetektiv, der für die Sicherheit dieses Hauses verantwortlich war und mit der Person, die tatsächlich eingebrochen war, hier vorfuhr und damit einfach viel zu viel zu erklären hatte.
Nein, das konnte und wollte er nicht – und das durfte er auch gar nicht. Schließlich gab es einen Christopher Jeremiah Freeman hier in Los Angeles gar nicht – aus verständlichen Gründen.
Ein gemeinsames Auftreten von ihm und Douglas hier würde sehr schnell viel zu viel von Dingen offenbaren, die besser nicht an die Oberfläche treten sollten.
Dennoch war Douglas auch klar, dass er Christopher und die junge Frau irgendwie in die Nähe des Hauses bringen musste. Offensichtlich hatte doch irgendjemand irgendetwas gesehen und die Polizei verständigt, sodass klar war, dass sein Freund hinter dem Einbrecher her war. Wenn beide aber verschollen blieben, würde es eine Fahndung nach ihnen geben und Christopher unweigerlich in den Verdacht geraten, er wäre ein Komplize des Einbrechers. Nein, auch das durfte nicht geschehen.
Christopher musste sich als der Mann präsentieren, der den Einbrecher aufgespürt, verfolgt und überwältigt hatte. Nur so kam er sauber aus der Sache raus und war frei für andere Dinge.
Doch wie zum Geier sollte Douglas das anstellen, wenn Christopher noch immer bewusstlos war?
Nachdem er das Geschehen vor dem Haus noch eine weitere Minute beobachtet hatte, wusste er, dass er nur eine kleine Chance hatte, es sauber durchzubringen.
Er startete den Motor des Mustangs wieder und rollte dann ganz langsam in Schrittgeschwindigkeit aus der Parklücke. Die Scheinwerfer ließ er ausgeschaltet. Dann gab Douglas nochmals etwas Gas, bevor er den Motor wieder ausschaltete. Der Wagen hatte jedoch noch genügend Schwung und rollte beinahe geräuschlos auf die Straßensperre zu.
Etwa fünf Meter davor bremste Douglas den Wagen wieder vollständig ab. Während er sich umblickte und zufrieden feststellen musste, dass noch niemand Notiz von ihm genommen hatte, öffnete er leise die Fahrertür. Indem er sich selbst aus dem Wageninneren schob, zog er Christopher hinter das Steuer. Dann schloss er die Fahrertür leise und huschte unbemerkt in die nächste Parklücke am Straßenrand.
Dort wartete er darauf, dass die Anwesenheit des Mustangs bemerkt werden würde, doch nichts geschah. Keiner nahm Notiz von ihm.
Douglas brummte verärgert und atmete einmal tief durch. Es half nichts, er musste etwas tun. Plötzlich fiel ihm auch etwas ein.
Schnell huschte er zurück zur Beifahrertür des Fords. Er spähte kurz darüber hinweg, doch noch immer schaute niemand aus der Menge in ihre Richtung. Also zögerte er keine weitere Sekunde. Er richtete sich blitzschnell auf, warf sich förmlich mit dem Oberkörper über die Türkante, streckte dabei seine linke Hand aus, bis er mit ihr Christophers Hinterkopf erreichen konnte. Dann drückte er einmal kräftig dagegen und gab ihm so den nötigen Schwung, damit er – samt Oberkörper - vornüber kippte.
Während sein Kopf dabei nach vorn auf seine Brust fiel, zuckte Douglas wieder zurück in den Schatten.
Einen Wimpernschlag später schlug Christophers Stirn auf das Lenkrad und löste dabei die Hupe aus. Da er noch immer ohnmächtig war, blieb er trotz des entstehenden Lärms, wo er war.
Douglas war zufrieden und huschte durch eine Parklücke zurück auf den Bürgersteig, wo er eine Wagenlänge weiter lief, bevor er über den Kofferraum eines zweiten Wagens zurückspähte.
Sofort konnte er sehen, dass er sich um die nötige Aufmerksamkeit seines Freundes jetzt keine Sorgen mehr zu machen brauchte.
*
Sergeant Francis Blossom mochte es, wenn ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit gehörte. Doch er hasste es, wenn er beim Genuss dieser Macht unterbrochen wurde.
Und dieses infernalische Hupgeräusch sorgte ganz sicher dafür, dass alle Umstehenden nicht mehr an seinen Lippen hingen, sondern sich irritiert umwandten.
Sofort spürte er, wie die Adern in seinem fetten und kurzen Hals anschwollen und ein Hitzeschauer über sein Gesicht zuckte. Mit einem mürrischen Brummen atmete er einmal tief durch und wuchtete seinen deutlich übergewichtigen Körper in die entsprechende Richtung. Doch er konnte nichts erkennen, nur noch immer diesen widerlichen Lärm hören.
„Platz da Leute...!“ rief er kurzatmig, während er sich durch die Menge schob. „Lasst mich sehen, was da vor sich geht!“ Eine Sekunde später konnte er das Terrain in Richtung Straße überblicken. „Was zum Teufel...?“ Er hatte zunächst Mühe, etwas zu erkennen, doch als er einen der Streifenpolizisten sah, der auf einen in zweiter Reihe parkenden, schäbigen, alten Ford Mustang zu rannte, war er sicher, dass der Lärm von dort kam. Während er also weiter darauf zu walzte, hatte der junge Officer Christopher erreicht.
Im ersten Moment sichtlich verunsichert, ob der Mann vor ihm noch lebte, stupste er ihn im nächsten dennoch an.
Als Reaktion erntete er ein tiefes, mürrisches Brummen, was ja immerhin darauf hindeutete, dass sein Gegenüber nicht tot war. Also rüttelte er ein zweites Mal.
Christopher drehte daraufhin seinen Kopf zur Seite und schaute ihn aus kleinen, glasigen Augen an. „Häh! Was? Was ist los?“
„Sie..ähm...!“ Der junge Officer war etwas irritiert.
„Und was zum Geier ist das hier für ein Lärm?“ brummte Christopher sofort gereizt mit schmerzverzerrtem Gesicht. Er spürte, wie sein Kopf hämmerte und eine aufsteigende Übelkeit.
„Ihr...Kopf!“ meinte der Officer nur und starrte Christopher mit großen Augen an.
Christopher schien im ersten Moment nicht zu verstehen, dann drehte er seinen Kopf wieder und als er das Lenkrad ganz dicht vor sich sah und merkwürdigerweise erst jetzt spürte, dass sein Schädel direkt darauf lag und dadurch die Hupe betätigte, erschrak er sichtlich und sein Oberkörper schnellte ruckartig in die Höhe, wo er kerzengerade, stocksteif und schwer atmend verharrte.
„Was zum Teufel ist hier los?“ Blossom hatte, gefolgt von allen anderen, den Mustang erreicht und polterte sofort los.
„Ich weiß nicht, Sir!“ erwiderte der Officer. „Dieser Mann...!“
„Was?“ rief Blossom sofort und starrte Christopher an. „Wer sind sie?“
Christopher war noch immer sichtlich verwirrt und versuchte sich selbst zu erklären, was geschehen war. Scheinbar konnte er das jedoch nicht in allen Einzelheiten. Er blickte daher mit großen Augen den Sergeant an. „Wer...ich bin?“
„Ja, verdammt!“ raunte Blossom.
„Das ist Peabody!“ rief plötzlich eine Männerstimme aus der Menge und eine Sekunde später hatte sich Thomas Fitch neben Blossom gedrängelt. Der windige Anwalt mit der Mafia-Connection war in einen feinen, teuren, dunkelgrauen Nadelstreifenanzug mit weißem Hemd und farbig perfekt abgestimmter Seidenkrawatte gekleidet. In seinem Gesicht war neben dem feinen, gestutzten Schnauzbart und jeder Menge sauteurer Gesichtspflege deutliche Nervosität erkennbar.
Neben ihm tauchte eine sicherlich einmal sehr hübsche, aber jetzt viel zu schrill aufgetakelte und damit fast unansehnliche Frau in seinem Alter auf und schaute mit großen Augen auf den Mustang und Christopher.
Daneben wiederum schob sich eine weitaus jüngere Frau in den Vordergrund. Sie mochte vielleicht Mitte Zwanzig sein und trug ein sündhaft teures, aber durchaus ansprechendes, sehr figurbetontes, rotes Abendkleid. Ihr schlanker, durchtrainierter Körper mit festen Formen, aber nur kleinen Brüsten, die in keinem BH steckten, zeichneten sich wirklich sehr deutlich unter dem dünnen, exklusiven Stoff ab. Ihre hellblonde, schulterlange Haarpracht war frisiert worden, dazu passte ein sinnlich, verführerisches Make-up. Auch diese junge Frau blickte direkt auf Christopher, doch war in ihrem Blick neben Vorwürfen und Ablehnung auch Neugier und Irritation zu erkennen.
Als Christopher sie wie durch einen Schleier wahrnahm, hatte er ein deutliches Deja-vu, das ihm die verdammten Ohren nur so klingelten und brummten.
„Wer?“ Blossom drehte sich zu Fitch und starrte ihn fragend an.
„Jeremiah Peabody! Er ist Privatdetektiv!“
Blossom brummte und atmete scharf ein. „Ein Privatdetektiv?“
„Ja...!“ Fitch nickte. „Ich hatte ihn engagiert, weil wir hier in letzter Zeit doch reichlich viele Einbrüche hatten!“
„Aber...!“ Blossom wollte schon wettern, doch dann zog er es vor, still zu bleiben. Er schaute Fitch nur scharf an, der ihm milde zulächelte, ihn gleichzeitig aber auch mit seinen eiskalten Augen musterte. Dann blickte er auf Christopher. „Ist er mit ...dem Peabody verwandt?“
„Was?“ Fitch war etwas überrascht. „Ach was, nein. Das kann ich mir nicht denken!“
„Nein, bin ich nicht!“ meinte plötzlich Christopher und richtete sich in seinem Sitz auf. Dabei erkannte er ein sanftes Lächeln in den Augen der jungen Schönheit. „Ich arbeite allein!“
„Schön!“ erwiderte Blossom, nachdem er ihn nochmals einen Moment gemustert hatte. „Und können sie mir sagen, weshalb sie dann nicht hier waren, als der Einbruch, den sie ja eigentlich verhindern sollten, ausgeübt...?“
Weiter kam er nicht, denn plötzlich konnten sie alle deutliches Stöhnen von der Rückbank des Mustangs vernehmen. Schon einen Moment später richtete sich die junge Frau, die in ihrer Ohnmacht komplett auf den Rücksitz gesunken war, wieder auf und öffnete ihre Augen. Während sie bemüht war, wieder klar im Kopf zu werden, wurde sie von allen angestarrt.
„Wer ist das?“ raunte Blossom. Plötzlich erkannte er die dunkle Schwellung im Gesicht der Frau. „Und was zum Teufel...?“ Er blickte Christopher verärgert und hasserfüllt an. „...haben sie mit ihr gemacht?“
„Mit...was?“ Christopher war sichtlich geschockt, doch da er sehen konnte, dass alle hinter ihn schauten, drehte er sich ebenfalls um. „Ich...!“ Sofort erkannte er die junge Frau wieder, die noch immer nicht wirklich bei Bewusstsein war. „...oh!“
„Ich hasse es, wenn Kerle sich während ihrer Arbeit mit Nutten vergnügen!“ zischte Blossom.
„Aber...!“ Christopher warf seinen Kopf herum, was seine Kopfschmerzen sofort nur noch verstärkte. „...das ist...keine Nutte!“
„Dann hasse ich Kerle, die sich erst besaufen und dann ihre Frauen schlagen!“
„Was?“ Christopher war erneut geschockt.
Die junge Frau auf dem Rücksitz stöhnte ein weiteres Mal auf und wollte ihre Arme nach vorn ziehen. Doch das konnte sie aufgrund der Handschellen natürlich nicht. Das bemerkte auch der junge Officer. „Sie ist mit Handschellen gefesselt!“ stellte er sogleich fest und starrte erst Blossom, dann Christopher mit großen Augen an.
„Verdammter Perverser!“ Blossom atmete mit hasserfüllter Miene tief durch und streckte seinen gewaltigen Bauch dabei extra weit nach vorn. „Jetzt haben sie aber wirklich eine Menge zu erklären Mister!“
„Äh...!“ Christopher war sichtlich verwirrt. „Hab ich?“
Blossom nickte mit einem mürrischen Brummen. „Und wenn ihre Geschichte nicht wirklich gut ist, dann wandern sie für Jahre in den Bau...Mr. Schnüffler!“ Bei den letzten Worten hatte er sich zu Christopher herabgebeugt, um ihnen mehr Gewicht zu verleihen. Doch als er den penetranten Geruch nach Schweiß, Alkohol und Erbrochenem riechen musste, stöhnte er angewidert auf und sein Oberkörper zuckte schnell wieder in die Höhe. „Sie stinken wie ein ganzer Pumakäfig!“ meinte er noch derbe angeekelt, dann starrte er ihn nur noch an und wartete – wie alle anderen auch – auf Christophers Erklärung.
„Ich...bin Jeremiah Peabody...und ich arbeite...als Privatdetektiv!“ begann Christopher vorsichtig und schaute die Umstehenden unsicher an, während er innerlich fieberhaft die Bruchstücke seiner Erinnerung an die Geschehnisse des heutigen Abends zusammenzusetzen versuchte.
„Wissen wir!“ brummte Blossom.
„Mister...!“ Er nickte dem Anwalt zu. „...Fitch hat mich...beauftragt, sein Haus...zu überwachen...!“ Der Anwalt nickte. „...weil hier in letzter Zeit...!“ Christopher war in Gedanken gerade auf dem Grundstück angelangt, wo er den Einbrecher letztlich gestellt hatte, als Blossom ihn unterbrach.
„Das wissen wir schon!“ raunte der Sergeant genervt. „Erzählen sie was Neues, Mann!“
„Ich...!“ Christopher wusste noch, dass er gegen den Einbrecher gekämpft – und verloren hatte. Dann aber war er aus einer Ohnmacht erwacht und...Douglas?...war plötzlich bei ihm und hatte den Einbrecher, von dem er sagte, es sei eine Frau, überwältigt. Dann war da ein Streit und dann war alles wieder dunkel in ihm. Verdammt, heute hatte der Alkohol wohl wirklich schlechten Einfluss auf ihn und sorgte für ziemlich heftige Halluzinationen, denn mochte der Rest auch stimmen, eines konnte ganz sicher nicht real gewesen sein: Das sein ehemaliger Partner Douglas hier war! „...habe das Haus überwacht...!“ fuhr er jedoch weiter fort. „...und es wurde heute tatsächlich hier eingebrochen!“
„Verdammt richtig, Mann...!“ rief Blossom sofort erbost aus. „Misses Fitch...!“ Er schaute zu der unansehnlich aufgetakelten Frau neben ihm. „...wurde ihr kostbarer Familienschmuck gestohlen!“
„Mag sein!“ erwiderte Christopher sofort. „Auf jeden Fall aber habe ich den Einbrecher gestellt, doch...!“ Er schaute zu der jungen Frau, die allmählich zurück in die Wirklichkeit kehrte. „...er hat mich überwältigt, sodass ich ihm im Auto hinterher jagen musste!“
„Dabei wurden sie beobachtet!“ meinte Blossom und deutete auf einen alten, gekrümmt stehenden Mann mit Glatze in einem dunklen, dicken Morgenmantel. „Von Mister Merrick. Er hat daraufhin die Polizei gerufen!“ Der Alte schob mit entschlossener Miene sein Kinn vor und nickte.
Christopher lächelte ihm dünn zu. „Na ja, ich habe den Einbrecher also verfolgt und konnte ihn letztlich stellen!“
Blossom und alle anderen schauten ihn überrascht an. „Und? Wo ist er?“
Christopher grinste jetzt etwas breiter. „Da!“ Er deutete auf die junge Frau, die sich urplötzlich versteifte und ihn hasserfüllt anstarrte.
„Das ist der Einbrecher?“ rief Blossom. „Aber...das ist ja ein Mädchen!?“
„Ja! Und?“ raunte Christopher gereizt zurück. „Wo liegt das Problem?“
„Verdammt Mann, sie sind ein Kerl. War es nötig, sie so zuzurichten?“
„Ja...!“ Er schaute die junge Frau nochmals an. „War es! Sie war widerspenstig und äußerst zickig. Sie hat sich der Festnahme widersetzt und ich musste ihr Handschellen anlegen. Dabei...muss sie wohl gestolpert sein und...!“ Er deutete auf ihre Schwellung im Gesicht und blickte dann zu Blossom, wobei er mit seinen Schultern zuckte. „Shit Happens!“
„Das können sie laut sagen!“ brummte der Sergeant jedoch ungerührt. „So wie ich das sehe, wird sie diese Scheiße mindestens ihre Lizenz kosten!“ Er grinste kurz bösartig.
„Moment bitte!“ Das war Mr. Fitch, der sich wieder neben Blossom schob und Christopher mit großen Augen anschaute. „Haben sie auch die Beute aus dem Raub...sicherstellen können?“
Christopher wollte schon wieder mit den Achseln zucken, denn woher zum Teufel sollte er das wissen, wenn er ja nicht einmal richtig wusste, wie er die Kleine überwältigt und mit ihr zusammen hierhergekommen war, als er sich plötzlich an den Rucksack erinnerte, den sie bei der Flucht getragen hatte. Er drehte sich schnell zurück und sein Blick huschte über den Rücksitz. Dort fand er nichts, doch im Fußraum erkannte er das, was er suchte. „Ja...!“ Er beugte sich hinab und fischte den Rucksack hervor. „...hab ich!“
Fitch grinste breit. „Das ist ja prima!“ Er streckte seine Hand aus und wollte ihn Christopher abnehmen, doch Blossom kam ihm zuvor und riss dem Privatdetektiv die Tasche aus der Hand. „Sorry, aber das nehme wohl besser ich!“
„Aber?“ Fitch war sofort ziemlich entsetzt und starrte Blossom an. „Warum?“
„Das ist Beweismittel!“ erklärte er ungerührt. „Das muss erst auf Fingerabdrücke und so untersucht werden!“
„Ähm!“ Fitch schien fieberhaft nachzudenken. Dabei schaute er Blossom direkt an und atmete einmal tief durch. „Das verstehe ich natürlich!“ Er grinste kurz. „Aber...!“ Er legte dem Sergeant seine linke Hand auf die Schulter und drehte sich in ihn hinein, sodass ihre Köpfe dicht zusammen standen. „...Francis...!“ Blossom hob den Kopf und schaute ihn überrascht an, als der Anwalt ihm beim Vornamen nannte. Es war nicht das erste Mal, dass er das tat. Und jedes Mal, wenn er es getan hatte, war Blossom kurz darauf auf eine schöne Urlaubsreise gegangen. „...auf ein Wort!“ Er schaute den Sergeant direkt und mit eiskalten Augen an, dann grinste er wieder. Während Blossom nach einer Sekunde nickte, nahm ihm der Anwalt bereits den Rucksack aus den Händen. Dann wollte er ihn ein wenig beiseite schieben, um mit ihm in Ruhe zu reden, doch Christopher kam ihm dazwischen.
„Hey, Leute!“ rief er, denn in ihm klingelten alle Alarmglocken. „Was wird denn das jetzt für ein Scheiß? Der Bulle hat völlig Recht: Das ist Beweismaterial!“
Fitch hielt inne und drehte sich zu Christopher herum. Er lächelte ihn freundlich an, dann wandte er sich an seine Frau. „Kümmere dich um ihn!“ Er sah, dass sie nicht gerade begeistert von diesem Gedanken war. „Bitte!“ fügte er deshalb noch mit einem mahnenden Blick hinzu. Daraufhin nickte sie ihm zu.
„Kümmert euch um das Mädchen!“ rief Blossom seinen Leuten zu. „Bringt sie aufs Revier. Aber wartet mit dem Verhör, bis ich da bin, verstanden?“
Der junge Officer nickte ihm zu und machte sich sofort daran, die junge Frau vom Rücksitz des Fords zu holen.
Dann drehten sich Fitch und Blossom um und gingen ein paar Schritte beiseite, sodass man nicht mehr hören konnte, was gesprochen wurde.
„Was zum Teufel geht denn jetzt hier ab?“ Christopher starrte die beiden Männer an, dann warf er Ms Fitch einen mürrischen Blick zu, als sie zu ihm trat.
„Kommen sie Mr. Peabody!“ Sie rang sich ein Lächeln ab. „Sie sind sicher müde und geschafft von ihrem Einsatz. Sie haben bestimmt Durst. Vielleicht eine Coke...oder ein Bier...oder auch etwas anderes?“ Sie öffnete die Fahrertür.
Christopher aber reagierte nicht auf sie, sondern er wandte sich zu der jungen Frau auf dem Rücksitz um. „Was zum Teufel haben sie denen geklaut?“
„Das ist doch nicht mehr wichtig, nicht wahr?“ säuselte Ms Fitch. „Hauptsache es ist wieder da!“
Die junge Frau zuckte mit den Schultern. „Geld! Vierzig tausend Dollar schätze ich, vielleicht auch ein bisschen mehr!“ Dann wurde sie von dem jungen Officer vom Rücksitz gezogen.
Doch Christopher brauchte auch gar nicht mehr Informationen. Er hatte bereits verstanden und nickte mit einem Lächeln. „Sieh mal an! Gar kein Schmuck, sondern Kohle! Und dann auch noch soviel!“ Er schaute Ms Fitch an. „Wo er die wohl herhat, was?“
Ms Fitch verlor ihr Lächeln und war sichtlich verunsichert.
Im selben Moment aber beugte sich die junge blonde Frau in ihrem wundervollen roten Abendkleid zu Christopher und gewährte ihm einen deutlichen Einblick in ihr Dekolleté. Sie strahlte ein offenes Lächeln und schaute ihm direkt in die Augen. „Sie sehen so aus, als könnten sie auch eine Dusche vertragen!“ Sie zwinkerte ihm zu. „Was meinen sie?“
„Ich...!“ Christopher konnte seinen Blick nicht von der jungen Frau nehmen und war sichtlich verwirrt. Er schluckte. „Eine Dusche?“
Die Frau nickte. „In unserem Poolhaus!“
„Ja...!“ Christophers Dämme brachen. Was scherten ihn die illegalen Machenschaften dieses miesen Anwalts, wenn selbst die Polizei die Augen darüber verschloss? „...eine Dusche wäre sicherlich nicht schlecht!“
Die junge Frau strahlte wieder. „Na sehen sie. Und dann müssen wir beide uns ja auch noch über ihr Honorar unterhalten. Nicht wahr?“
Deja-vu, Deja-vu, Deja-vu! rief es im Chor in seinem Kopf. „Wir beide?“ fragte er aber stattdessen.
Die junge Frau nickte. „Mein Vater vertraut mir in finanziellen Dingen! Ich kann gut verhandeln!“ Wieder zwinkerte sie ihm zu.
„Also gut...!“ meinte Christopher dann äußerlich zögernd, obwohl er ihr innerlich schon die Kleider vom Leib riss. Warum sollte sein Preis für sein Schweigen in dieser Sache nicht ein heißer, harter Ritt mit diesem geilen Luder sein? Der Tausch schien ihm durchaus annehmbar. „Aber danach...!“
„Natürlich!“ unterbrach ihn die junge Frau, während sie ihn aus dem Auto zog. „Wenn sie mit mir fertig sind und noch Bedarf besteht, werden sie mit meinem Vater reden können!“
„Na, dann...!“ Christopher grinste sie an. „Ab unter die Dusche!“
„Fröhlichen Orgasmus!“ rief die Einbrecherin ihm noch zu, während sie zu einem Streifenwagen gebracht und dort auf die Rückbank verfrachtet wurde. Christopher drehte sich überrascht zu ihr um. Die junge Frau neben ihr brummte verächtlich. „Wenn es Sex gewesen wäre, um sie umzustimmen: Den hätten sie auch von mir nach einer Dusche kriegen können...!“ Sie schien frustriert und sträubte sich etwas gegen den Druck der Officer. Christopher wiederum musste lächeln. Der Gedanke missfiel ihm absolut nicht und er fand es schade, dass ihr Angebot nicht früher gekommen war.
„Zu spät Schätzchen!“ rief die junge Frau und grinste breit. Christopher blickte sie an und sah ihren herrlichen, schlanken Körper unter dem dünnen Kleid und wusste, dass er hier doch die bessere Wahl getroffen hatte.
„Von mir aus!“ rief die Einbrecherin. „Aber sieh zu, Süße, dass er sich richtig wäscht. Wer weiß schon, was du dir sonst einfängst!?“ Mehr konnte sie nicht mehr sagen, dann wurde die Tür des Streifenwagens geschlossen.
Christopher war etwas nervös und verunsichert. Als er sich zurück zu der jungen Frau drehte, hatte er das Gefühl, als müsse er etwas sagen. „Sie hat Unrecht!“ Er schüttelte den Kopf und lächelte sie an. „Ich bin sauber!“
„Natürlich!“ stimmte sie ihm zu.
„Schatz bist du dir sicher...?“ fragte ihre Mutter besorgt, als sie neben sie trat.
„Ja Mutter, bin ich...!“ Ohne ihre Mutter anzuschauen, nahm sie Christopher am linken Oberarm und zog ihn die Einfahrt hinauf in das Poolhaus.
*
Douglas war drauf und dran, seine Deckung hinter dem parkenden Wagen aufzugeben und über die Straße zu hechten.
Himmel Arsch und Zwirn, was zum Geier hatte er denn da eben miterleben müssen?
Waren denn hier alle – einschließlich seines sauberen Herrn Ex-Partners – vollkommen verrückt geworden oder hatte irgendjemand Gesetz, Moral und Ordnung hier an der Westküste des Landes abgeschafft, ohne ihn davon in Kenntnis zu setzen?
Anders jedenfalls ließ sich das, was hier abging doch wohl kaum noch erklären, oder?
Da gab es den feinen Herrn Anwalt, der gerade dabei war, vehement auf den Sergeant – ein schmieriger, widerlicher, fetter und fettiger Drecksack, den Douglas nicht leiden konnte und zuhause in New York liebend gern in der Pfeife geraucht hätte – einzureden, was diesem scheinbar sehr gefiel, denn er nickte immer mal wieder. Wahrscheinlich versprach ihm dieser windige Advokat gerade einen Haufen Nutten zum Nulltarif.
Und da waren die dämlichen Officers, die entweder zu blöde waren, um zu wissen, was hier abging oder es wussten und hofften, dass am Ende auch ein Stück des Kuchens für sie abfallen würde. Jedenfalls waren sie gerade dabei, die Einbrecherin in den Streifenwagen zu setzen.
Außerdem gab es da noch die feine Ms Fitch, die ihrem Mann jede nur erdenkliche Schützenhilfe gab, weil sie wohl ganz sicher wusste, was sich in dem Rucksack befand. Und das war garantiert nicht der Familienschmuck, wie Mister Fitch anfangs behauptet hatte.
Und mitten drin, wie ein Quietsche-Entchen in der Badewanne sein reizender Ex-Partner Christopher, rettungslos verloren in den zugegeben ziemlich geilen, aber doch deutlich sichtbar nymphomanen Fängen der jungen Fitch-Tochter, die ihn hinter das Haus zog.
Douglas war innerlich ziemlich mit den Nerven runter und zweifelte ernsthaft an diesem Land und seinen Menschen.
Fast wäre er versucht gewesen, Mitleid mit der Einbrecherin zu haben, denn sie schien hier die einzig wirklich ehrliche Gesetzlose zu sein.
Dann aber zwang sich Douglas zum Durchatmen und zur Ruhe.
Er war nicht hierher nach Los Angeles gekommen, um für Recht und Ordnung zu sorgen.
Den Polizisten Douglas Maroon hatte er in La Guardia zurückgelassen, hier und jetzt zählten andere Dinge jenseits der normalen Zeitrechnung.
Also musste am Ende nur das bleiben, was für ihn wirklich zählen durfte – und das war nach wie vor die Tatsache, dass er Christopher gefunden hatte – der erste von unzähligen mühsamen und gefährlichen Schritten auf ihrer langen Reise ins Ungewisse.
Und sein Ex-Partner hatte noch immer die Chance – sicherlich auch anders, als er sich das gedacht und gewünscht hätte – sauber aus der Sache herauszukommen.
Alles, was es dafür noch bedurfte, war ein Schäferstündchen mit Miss Geilchen, was aber angesichts der superfeuchten Muschi, die dieses Miststück unzweifelhaft hatte, wohl kaum ein Problem für Christopher werden dürfte.
Also brauchte Douglas nur noch Geduld, dann würde er zum zweiten Teil seines Vorhabens übergehen können.
Aber wie er Christopher kannte, würde er schon einige Stunden warten müssen, denn in sexuellen Dingen war er ja schier unersättlich.
Also beschloss er, zunächst den Leihwagen zu holen und sich dann hier auf die Lauer zu legen, bis Mister Freeman genügend Rohre verlegt hatte und die Pipeline versiegt war.
Bis dahin hatte er also noch Ruhe vor dem Sturm, von dem niemand wusste - und auch nicht wissen konnte - wie gewaltig er werden und welche Opfer er wohl dieses Mal fordern würde – außer, dass er kommen würde.
So sicher wie das Amen in der Kirche!