Читать книгу Was wirklich zählt - Barbara Stöckl - Страница 17
F r o h e sL e b e n
Оглавление2008 feierte die damals älteste Österreicherin ihren 110. Geburtstag. Hermine Dunz wurde im Februar 1898 geboren, im Todesjahr von Kaiserin Elisabeth. Sie war Kindermädchen, arbeitete in Ungarn, Italien, der ehemaligen Tschechoslowakei – mein Gott, Grenzen, die haben sich doch laufend verändert! 110 Jahre – zwei Jahrhundertwenden hat sie erlebt und all die Ereignisse, die wir nur aus Geschichtsbüchern kennen: Ein junges Mädchen von 20 war sie, als der Erste Weltkrieg endete. Welche schmerzlichen Verluste hat er ihr wohl beschert?
»Ich hab gerne die Männer geküsst«, verrät sie heute. Ihr Herz hat sie nur ihrem Ehemann geschenkt, mit dem sie 22 Jahre verheiratet war. Eine Frau von 40 Jahren war sie, als Hitler im März 1938 in Österreich einmarschierte. Dann der Krieg, Zusammenbruch und Wiederaufbau, ein neues Österreich. Wie viele Regierungen sie kommen und gehen und streiten gesehen hat? Da kann Hermine nur müde lächeln. Als sie 70 Jahre alt war, erlebte die Welt die 68er-Generation, die sexuelle Revolution, die Pille, den ersten Menschen am Mond. Noch einmal gute 20 Jahre sollte es dauern, bis der Eiserne Vorhang fiel, da war Hermine schon über 90. Und 110 musste sie werden, um sich über den ersten Oscar für einen österreichischen Film zu freuen!
Wie man so alt wird? Keine Medikamente, jeden Tag ein kleines Bier und mäßig leben, rät sie. Den Männern nicht nachhängen. 110 Jahre, ein Gesicht wie ein Bilderbuch. Ganz weich wird ihr Ausdruck, wenn sie zu erinnern sich beginnt. Und manche Erinnerung ist wohl so gut verräumt, dass sie sie selbst nicht mehr findet. »Ich war immer ein froher Mensch«, sagt sie. Das ist wohl die Kunst: ein frohes Leben leben, egal was auf der Welt passiert!