Читать книгу Weisheit der Wechseljahre - Christiane Northrup - Страница 90
MUTTERSCHAFT MIT ÜBER 40
ОглавлениеAus vielerlei Gründen nimmt die Zahl der älteren Mütter rasant zu. Einer davon ist der karrierebedingte Aufschub der Geburt. In den letzten dreißig Jahren ist die Zahl der Frauen, die nach 40 ihr erstes Kind bekommen, von eine unter 600 auf eine unter 77 gesprungen. Wenn eine Frau die Menopause durchlebt, wendet sie sich nach innen. Dann für ein Fünfjähriges zu sorgen, kann zur Herausforderung werden, wenn sie sich am liebsten in eine Höhle zurückziehen und meditieren würde. Interessant für ältere Mütter ist Hot Flashes, Warm Bottles: First-Time Mothers over Forty [Celestial Arts, 2001] von der Therapeutin Nancy London. Die Harvard-Professorin Ellen Langer in ihrem Buch Die Uhr zurückdrehen? Gesund alt werden durch die heilsame Wirkung der Aufmerksamkeit (Paderborn 2011) aufgedeckt, dass ältere Mütter tatsächlich länger leben. Langer erklärt das damit, dass sie durch ihre Umgebung und ihre Reize dazu gebracht werden, sich jugendlich zu fühlen und zu verhalten. Schließlich sind sie immer mit jungen Leuten zusammen. Bei diesem Konzept gilt umgekehrt aber auch, dass wenn Leute von uns erwarten, alt und minderbemittelt zu sein, wir es auch werden!
Wenn Sie nicht aufgrund eines chirurgischen Eingriffs oder einer medikamentösen Behandlung abrupt in die Wechseljahre kommen, können Sie sich die Wechseljahre als das andere Ende eines Prozesses vorstellen, der begonnen hat, als Sie zum ersten Mal Ihre Periode bekamen. Auf diese erste Menstruation folgt im Allgemeinen eine Zeitspanne von fünf bis sieben Jahren mit relativ langen Zyklen, die oft unregelmäßig und häufig anovulato risch (das heißt ohne Eisprung) sind. Gegen Ende der Teenagerjahre oder in den frühen Zwanzigern verkürzt sich die Zykluslänge schließlich, und der Zyklus wird, wenn eine Frau den Gipfel ihrer Fortpflanzungsfähigkeit erreicht, die etwa die nächsten zwanzig Jahre andauert, regelmäßiger. In unseren Vierzigern beginnt sich der Zyklus wieder zu verlängern. Obwohl man den meisten von uns glauben gemacht hat, dass 28 Tage die normale Zykluslänge sind, haben Untersuchungen gezeigt, dass nur 12,4 Prozent aller Frauen tatsächlich einen 28-tägigen Zyklus haben. Die große Mehrheit hat Zyklen, die zwischen 24 und 35 Tage dauern, und bei 20 Prozent aller Frauen sind die Zyklen unregelmäßig.3
Zwei bis acht Jahre vor der Menopause beginnt der Eisprung bei den meisten Frauen hin und wieder auszusetzen. In diesen Jahren gehen die Eierstockfollikel, in denen jeden Monat die Eizellen heranreifen, zunehmend schneller zur Neige, bis der Follikelvorrat schließlich erschöpft ist. Untersuchungen sprechen dafür, dass dieser beschleunigte Follikelverlust zumindest in unserem Kulturkreis im Alter von etwa 37 bis 38 Jahren einsetzt. Inhibin, eine Substanz, die in den Eierstöcken produziert wird, nimmt ab, was zu einer steigenden Konzentration von FSH führt, dem Follikel stimulierenden Hormon, das in der Hypophyse produziert wird. (Das heißt jedoch nicht, dass Sie nicht schwanger werden können. Mehr Information über die Fruchtbarkeit in dieser Zeit finden Sie in meinem Buch Frauenkörper, Frauenweisheit (Überarbeitete Neuausgabe, ZS Verlag 2017).
Im Gegensatz zu dem, was gemeinhin angenommen wird, bleibt unser Östrogenspiegel in den Wechseljahren relativ stabil oder erhöht sich sogar. Er geht erst weniger als ein Jahr vor der letzten Periode zurück.4 Bis zur Menopause produziert der Körper einer Frau vorwiegend das Östrogen Östradiol. In den Wechseljahren beginnt der Körper jedoch, vermehrt ein anderes Östrogen herzustellen, das sogenannte Östron, das in den Eierstöcken und im körpereigenen Fettgewebe produziert wird.
Der Testosteronspiegel sinkt während der Wechseljahre in der Regel nicht stark ab. Tatsächlich sondern die Ovarien vieler (nicht aller) Frauen nach der Menopause mehr Testosteron ab als in der Prämenopause.
Andererseits beginnt der Progesteronspiegel in den Wechseljahren abzunehmen, und zwar oft schon lange, bevor es zu Veränderungen beim Östrogen oder beim Testosteron kommt. Dies für die Mehrheit der Frauen das bedeutendste Problem in den Wechseljahren.
Halten wir also Folgendes fest: Auch wenn es nicht länger um Fortpflanzung geht, spielen diese sogenannten Geschlechtshormone weiterhin eine wichtige vitalitäts- und gesundheitsfördernde Rolle, die nichts mit der Pro duktion von Babys zu tun hat. Das zeigt sich schon darin, dass man Steroidhormon-Rezeptoren in fast allen Organen des Körpers findet. Östrogen und Androgene (wie Testosteron) tragen zum Beispiel dazu bei, das Gewebe der Knochen stark und gesund und dasjenige von Scheide und Harnröhre elastisch und widerstandsfähig zu erhalten. Und sowohl Östrogen als auch Progesteron sind wichtig, wenn es darum geht, die Kollagenschicht in der Haut straff und gesund zu erhalten.