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Die Wechseljahre sind ein normaler Vorgang, keine Krankheit

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Das Wichtigste, was man sich im Hinblick auf die Wechseljahre immer vor Augen halten muss, ist, dass es sich dabei um einen vollkommen normalen Prozess handelt, nicht um eine Krankheit, die behandelt werden muss. Damit der weibliche Körper weiterhin Hormone in angemessenen Mengen produziert, um gesund zu bleiben, muss eine Frau, wenn sie in die Wechseljahre kommt, optimal gesund sein – körperlich, emotional, spirituell und was ihre Lebensumstände angeht. Mit anderen Worten, ihr zukünftiges Wohlergehen hängt nicht nur von der Gesundheit ihres physischen Körpers ab, sondern auch von ihrem nichtphysischen Gerüst; beide reflektieren, wie sie sich um sich selbst kümmert und wie sie bisher gelebt hat. Da die Wechseljahre in der Mitte unseres Lebens stattfinden, ist dies ein sehr guter Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen und sicherzustellen, dass wir alles tun, was uns möglich ist, um unsere Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen.

Auch wenn sich alle Medien auf das Thema Hormonsubstitution gestürzt haben – welche Hormone man nehmen sollte, in welcher Dosierung, ob lieber natürliche oder künstliche und so weiter –, ist es wichtig, eine Tatsache im Gedächtnis zu behalten, die oft vergessen wird: Der Körper einer Frau ist voll ausgerüstet, all die Hormone zu produzieren, die sie ihr ganzes Leben hindurch braucht. Alle sogenannten Geschlechtshormone (Östrogen, Progesteron und die Androgene) werden aus demselben, allgegenwärtigen Vorläufermolekül – Cholesterin – hergestellt.

Darüber hinaus vermag unser Körper die eine Form von Geschlechtshormon in eine andere umzuwandeln. So kann Östrogen zum Beispiel in Testosteron konvertiert werden und Progesteron in Östrogen. Ob diese Umwandlungen tatsächlich stattfinden, hängt vom aktuellen Bedarf Ihres Körpers, Ihrem Gemütszustand, Ihrem Ernährungszustand und einer ganzen Reihe weiterer Faktoren ab.

Das heißt, dass nicht alle Frauen eine Hormonsubstitution wünschen oder brauchen werden. In vielen Kulturkreisen sind Hormonsubstitutionen selten, doch die Frauen in diesen Kulturen leiden kaum unter unangenehmen klimakterischen Symptomen. Wie kommt das?

Erstens ist es so, dass die Eierstöcke ihre Hormonproduktion zwar zurückschrauben, sie aber nicht völlig einstellen. Überdies werden Östrogen, Progesteron und Testosteron auch an anderen Stellen im weiblichen Körper als in den Ovarien produziert, und der Körper ist willens und bereit, die Ausschüttung aus diesen »Hilfsproduktionsstätten« zu erhöhen oder anzupassen, wenn dies in mittleren Jahren notwendig werden sollte. Wie Untersuchungen gezeigt haben, werden Östrogen, Progesteron und Androgen beispielsweise im Fettgewebe, in der Haut, im Gehirn, in den Nebennieren und sogar in peripheren Nerven produziert! Ob die Produktion jedoch ausreicht oder nicht, hängt davon ab, was sich sonst noch im Leben einer Frau abspielt.

Wenn eine Frau beispielsweise unter starkem Stress steht – wenn sie überarbeitet ist, wenn sie sich falsch ernährt, wenn sie körperlich krank ist, wenn sie raucht und/oder trinkt, wenn sie spirituelle Probleme umgeht, mit denen sie sich beschäftigen müsste, oder wenn sie in einer Beziehung lebt, in der Energie-Input und -Output nicht im Gleichgewicht sind –, kann es sein, dass ihre Fähigkeit, mit den Bedürfnissen ihres endokrinen Systems Schritt zu halten, vermindert ist. Das wird so lange so bleiben, bis sie bereit ist, Veränderungen in den Bereichen ihres Lebens vorzunehmen, um die sie sich kümmern muss. Das führt unter Umständen in mittleren Lebensjahren zu einer Übergangsphase, die durch ihre eigene, individuelle Kombination von Symptomen gekennzeichnet ist – von Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Aufgeschwemmtheit und zurückgehender Libido bis zu Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen.

In unserem Kulturkreis mit seinem sich ständig beschleunigenden Lebensrhythmus leiden rund 75 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren unter klimakterischen Symptomen, die so unangenehm sind, dass sie Hilfe suchen, sei es durch Hormonsubstitution, Ernährungsumstellung, sportliche Betätigung oder alternative Therapien. Wenn eine Frau feststellt, dass sie zusätzliche Hormone braucht, um wieder in einen grünen Bereich zu kommen, in dem sie sich körperlich und emotional wohlfühlt, sollte sie dies nicht als persönliches Versagen ansehen. Vielmehr ist es ein Weckruf und eine Gelegenheit, notwendige Veränderungen in die Wege zu leiten.

Eine Frau in dieser Situation könnte überlegen, ob sie nicht einen »Hauch« Hormone akzeptieren möchte – gerade genug, um ihr die Unterstützung zu liefern, die sie braucht, um sich wohl und gesund zu fühlen, und nicht mehr.

Abbildung 7: Hormonproduktionsstätten des Körpers


Ein gesunder Körper ist dazu geschaffen, all die Hormone zu produzieren, die eine Frau im Leben braucht. Ob diese natürliche Fähigkeit gefördert oder unterdrückt wird, hängt vom Lebensstil und vom – physischen, emotionalen, spirituellen und situationsbedingten – Gesundheitszustand einer Frau ab.

Gleichzeitig wäre sie gut beraten, wenn sie der Botschaft ihres Körpers Aufmerksamkeit schenkte. Ihr Körper verlangt nach mehr als nur einer Verschreibung oder einer Substitution. Entscheidend ist Folgendes: Bevor Sie etwas einnehmen, um klimakterische Symptome zu lindern, sollten Sie auf die Weisheit Ihres Körpers hören und herausfinden, warum er diese Symptome zeigt. Diese Symptome sind eine Botschaft nur für Sie. Wie sich Ihre Hormone in den Wechseljahren verhalten und wie Ihr Körper und Ihr Geist auf hormonelle Veränderungen reagieren, ist so typisch für Sie wie Ihre Fingerabdrücke.

Weisheit der Wechseljahre

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