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US-Wähler haben kaum Einfluss auf die Politik

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Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen diese Aussage des Ökonomen Roubini. Im April 2014 berichtete die BBC mit Bezug auf eine Studie der Universität Princeton, dass die USA »eine Oligarchie, keine Demokratie« mehr sind. Es war eine jener seltenen Meldungen, bei der die europäischen Medien die USA korrekt als Oligarchie bezeichneten. »Die USA werden durch eine reiche und mächtige Elite dominiert«, erklärte die BBC richtig. Die Autoren der Princeton-Studie, die Professoren Martin Gilens und Benjamin Page, hatten die Situation in den USA sehr systematisch untersucht. Sie hatten einen Zeitraum von zwei Dekaden (1981 bis 2002) ausgewertet, in welchem durch öffentliche Umfragen die Meinung der US-Bevölkerung zu insgesamt 1779 verschiedenen Sachfragen erhoben und dokumentiert worden war. Für jede der Sachfragen konnten Gilens und Page angeben, ob die US-Bevölkerung mehrheitlich dafür oder dagegen war. Zudem verwendeten die Forscher nur Umfragen, bei denen auch das Einkommen der Befragten erhoben worden war, also die Klassenzugehörigkeit. Diese Daten glichen sie mit den tatsächlichen Entscheidungen der US-Politiker ab und fanden heraus, dass die Entscheidungen der Politiker gar nicht mit den Wünschen der Masse der Bevölkerung übereinstimmten, und dass die Wünsche der Unterschicht und Mittelschicht ignoriert werden.74

»Die Wünsche des durchschnittlichen Amerikaners scheinen nur einen ganz kleinen, fast nicht vorhandenen und statistisch nicht signifikanten Einfluss auf die Politik zu haben«, fanden die Forscher der Universität Princeton heraus. Daher könne man nicht von einer Herrschaft des Volkes sprechen, so Gilens und Page. »In den USA, so zeigen unsere Resultate, regiert nicht die Mehrheit – zumindest nicht in dem Sinne, dass sie tatsächlich einen Einfluss auf politische Entscheidungen hätte. Wenn eine Mehrheit der Bürger eine andere Meinung hat als die wirtschaftliche Elite oder organisierte Lobbys, dann verliert sie in der Regel.« Es seien die Superreichen und ihre Lobbys, die in den USA über die Politik entscheiden: »Unsere Studie kommt zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Amerikaner wenig Einfluss auf die Entscheidungen hat, die unsere Regierung fällt. Wir Amerikaner zeichnen uns zwar durch viele Merkmale aus, die für ein demokratisches System kennzeichnend sind, darunter regelmäßige Wahlen, Rede- und Versammlungsfreiheit und eine breite Wahlberechtigung«, so Gilens und Page. »Aber wir glauben, dass, wenn die Politik durch mächtige Wirtschaftsorganisationen und eine kleine Zahl von sehr reichen Amerikanern dominiert wird, auch der Anspruch von Amerika, eine Demokratie zu sein, wirklich in Gefahr ist.«75

Weil in den USA die Redefreiheit garantiert ist, können sich auch die Kritiker der Superreichen öffentlich äußern. Und das tun sie auch, wenn auch nicht in den Massenmedien mit großer Reichweite, die ihnen verwehrt sind. Der amerikanische Historiker Eric Zuesse bedauert ausdrücklich, dass sich die USA in eine Oligarchie verwandelt haben, und kritisiert diese Entwicklung scharf. »Die amerikanische Demokratie ist nur ein Schwindel und Augenwischerei, egal wie oft die Oligarchen, welche unser Land regieren und auch die Medien kontrollieren, das Gegenteil behaupten«, so Zuesse in der kleinen Zeitschrift Counterpunch. »Die USA sind, mit anderen Worten, eigentlich sehr ähnlich wie Russland oder viele andere obskure ›Wahldemokratien‹. Früher waren wir das nicht, aber jetzt sind wir eine Oligarchie.«76

Große Unterschiede zwischen Reich und Arm existieren nicht nur in den USA, sondern in vielen Ländern, auch in China. Wird es im 21. Jahrhundert gelingen, eine gerechtere Welt aufzubauen? Dies ist zumindest denkbar, und viele engagierte Menschen setzen sich für dieses Ziel ein. Die Menschen gestalten das Miteinander selbst, gemäß ihrem Bewusstsein. »Die Grundbedürfnisse aller Menschen der Erde nach Nahrung, Wasser, Obdach und Kleidung könnten befriedigt werden, wenn nicht das irrwitzige, habgierige Verlangen nach mehr, die Gier des Ego, für ein solches Ungleichgewicht bei der Verteilung der Ressourcen sorgen würde«, erklärt der in Kanada wohnhafte deutsche Bestsellerautor Eckhart Tolle. Für den Frieden in der Welt sei es unabdingbar, so Tolle, dass durch Achtsamkeit die Identifikation des Menschen mit dem eigenen Ego und der Gier überwunden werde.77

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