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Оглавление5.Nordamerika ist nicht genug
Der noch junge Staat USA hatte nach seiner Unabhängigkeitserklärung 1776 in nur hundert Jahren zwischen Kanada im Norden und Mexiko im Süden den ganzen Raum zwischen Atlantik und Pazifik erobert, dabei die dort lebenden Indianer vertrieben oder getötet und dem Nachbarstaat Mexiko große Gebiete abgenommen. Doch das war den USA noch nicht genug. Reiche Unternehmer und Politiker trachteten danach, noch weitere Gebiete zu erobern. Ihr Blick fiel auf die Inselgruppe Hawaii im Pazifik, die Inseln Kuba und Puerto Rico in der Karibik sowie die Inselgruppe der Philippinen vor der Küste Chinas. Mit der sogenannten Monroe-Doktrin hatten die USA 1823 den Europäern untersagt, in Nordamerika oder Südamerika zu intervenieren, während sie versprachen, dies auch nicht in Europa zu tun. Als die USA erkannten, dass die europäische Kolonialmacht Spanien, die damals Kuba und die Philippinen beherrschte, Schwächen zeigte, entschloss sich Washington, die Spanier zu verdrängen. »Amerikanische Fabriken produzieren mehr, als die amerikanische Bevölkerung benutzen kann, amerikanischer Boden produziert mehr, als sie konsumieren können«, erklärte Senator Albert Beveridge aus Indiana im Jahre 1897. »Das Schicksal hat unsere Politik vorbestimmt. Der Handel der Welt muss und wird unserer sein.«121
Die Explosion der Maine 1898
Als auf Kuba 1895 ein Aufstand der lokalen Bevölkerung gegen die Kolonialmacht Spanien ausbrach, die das Land seit Jahrhunderten ausbeutete, schürten die USA die Spannungen und belieferten die kubanischen Rebellen mit Waffen. Das Weiße Haus wollte Krieg, und die Öffentlichkeit wurde durch Kriegspropaganda aufgeheizt. Die Journalisten William Hearst vom New York Journal und Joseph Pulitzer von der New York World leiteten die Hetzkampagne. Hearst schickte den Zeichner Frederic Remington nach Havanna. »Nichts zu berichten. Alles ruhig. Es gibt keinen Krieg hier. Würde gern heimkehren«, telegraphierte Remington aus Kuba an Hearst. Dieser antwortete: »Bitte bleiben Sie. Liefern Sie Bildmaterial, ich liefere den Krieg.«122
Die Zeitungen New York Journal und New York World erzählten ihren Lesern daraufhin von erfundenen und übertriebenen spanischen Gräueltaten an der kubanischen Bevölkerung, um die US-Bevölkerung aufzuschrecken: »Blut auf den Straßen, Blut in den Feldern, Blut vor den Haustüren, Blut, Blut, Blut! … Gibt es kein Volk, das so weise, so tapfer ist, diesem vom Blutrausch befallenen Land zu helfen?«, schrieben die Kriegstreiber. Hearst wusste, dass es bei der Kriegspropaganda nicht entscheidend ist, ob etwas wahr ist, sondern nur, dass es dauernd wiederholt und aus vielen Medien auf die Bevölkerung einwirken muss.123
Die USA brauchten nun nur noch einen dramatischen Zwischenfall, und dieser kam prompt. Am 25. Januar 1898 lief das amerikanische Kriegsschiff USS Maine trotz spanischer Proteste im Hafen von Havanna ein und ging dort vor Anker. Um nicht als Aggressor gebrandmarkt zu werden, verbot der US-Kommandant seiner Besatzung, an Land zu gehen und kubanischen Boden zu betreten. Nicht alle in den USA hielten es angesichts der angespannten Lage für eine gute Idee, ein Kriegsschiff nach Kuba zu schicken. Senator Mark Hanna, ein Republikaner aus Ohio, kritisierte: Die USS Maine nach Havanna zu schicken sei »wie wenn man zum Spaß ein Streichholz in einem Ölbohrloch anzündet.«124