Читать книгу Christmas Kochbuch: Weihnachten in den Alpen - Herbert Taschler - Страница 11
ОглавлениеFURCHTERREGENDE GESELLEN –
unterwegs mit Krampussen und Klaubaufen
Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger und dunkler werden, dann kommt die Zeit der Krampusse und Perchten, der teuflischen Schreckgestalten. Der Brauch hat seinen Ursprung im Heidentum, als wilde Gestalten mit Glockenlärm und Geschrei die Kältegeister aus den Wäldern locken sollten. Krampusse und Perchten sind im gesamten Alpenraum bekannt und gehören untrennbar zum Adventsbrauchtum. Der Nikolaus, der die braven Kinder mit Süßigkeiten beschenkt, kam erst viel später hinzu – meist in Gesellschaft dieser furchteinflößenden Gesellen. Einer der ältesten und größten Krampusumzüge geht im Südtiroler Hochpustertal über die Bühne, in Toblach. Bei Anbruch der Dunkelheit versammeln sich einige hundert Krampusse und ungeheuerliche Gestalten. Sie tragen kunstvoll geschnitzte Holzmasken, die furchterregende Fratzen mit gewundenen Tierhörnern und roten Zungen darstellen, und dazu zottelige Fellkostüme und schwere Glocken. Wild lärmend und ein höllisches Spektakel veranstaltend ziehen sie durch die Straßen – auf der Suche nach unartigen Kindern und Erwachsenen. Für weniger mutige Zuschauerinnen und Zuschauer und vor allem für die Kinder gibt es eine Krampusfreie Zone zum sicheren Beobachten des ausgelassenen Treibens.
Sobald sich der teuflische Umzug nach mehreren Stunden dem Ende zuneigt, tritt auch der Nikolaus in Erscheinung. Die braven und vor allem mutigen Kinder, die sich von den wilden Gestalten nicht haben abschrecken lassen, bekommen zur Belohnung ein kleines Geschenk.
DAS KLOSN IM KNAPPENDORF STILFS
Eine besondere Form der Umzüge findet man im Vinschgauer Knappendorf Stilfs. Hier lässt man jedes Jahr einen alten vorweihnachtlichen Brauch aufleben: Das Bergdorf verwandelt sich in ein buntes Farbenmeer, während ohrenbetäubender Lärm durch die Gassen hallt. Die Rede ist vom traditionellen »Klosn«, das am Samstag vor oder nach dem Festtag des Heiligen Nikolaus am 6. Dezember über die Bühne geht. Woher dieser farbenprächtige, lärmende Brauch stammt und wie er entstanden ist, kann heute nicht mehr mit Gewissheit gesagt werden. Die jungen Burschen und Männer des Ortes schlüpfen in rot-grüngelb-blau-orange-violett gefärbte Gewänder, ziehen sich furchteinflößende Masken über und hängen sich vorne am Körper mehrere möglichst große und schwere Glocken, die Schellen, um. Dann ziehen sie lärmend und schreiend in den Rollen von Klaubaufen, Schellern, Eseln und Tuifeln (Krampussen) durch die Straßen des Bergdorfs. Sie schellen, was das Zeug hält, ahmen das Geschrei von Eseln nach, wälzen sich zwischendurch am Boden und treiben ihre Späße mit den zahlreichen Schaulustigen.
Der Heilige Nikolaus, der »Santa Klos«, darf beim bunten und lauten Treiben natürlich nicht fehlen. In Begleitung von ganz in Weiß gekleideten Wesen folgt er – unbeeindruckt vom Treiben der jungen Wilden – dem bunten Zug. Ein Augenblick der Stille herrscht an diesem Tag in Stilfs nur für einen kurzen Moment: Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Glocken abgelegt und das ganze Dorf versammelt sich beim Ave-Maria-Läuten auf dem Platz vor der Kirche zum Gebet. Aber sofort nachdem das Amen gesprochen ist, erschallt wieder das Geläute. Mit Speis, Trank und Musik geht es bis in die späte Nacht hinein noch einmal laut und lustig zu.