Читать книгу Triathlon - Erfolg auf der Langdistanz - Mario Schmidt-Wendling - Страница 54
5.2Das Prinzip der Superkompensation: Ist das überhaupt praktikabel anwendbar?
ОглавлениеSeit grob einem halben Jahrhundert hat sich in der Trainingslehre das Prinzip der Superkompensation etabliert. An diese schematische Darstellung und an die Wunschvorstellung einer sicheren Planbarkeit von Training sind unzählige Bücher, Vorträge und Sportlerkarrieren gekoppelt gewesen bzw. sind es auch heute noch. Bevor ich dieses Modell etwas entwaffne, möchte ich alle Leser auf den gleichen Wissensstand heben und dieses Modell kurz erklären.
Die Idee hinter diesem Prinzip war es, den Zusammenhang zwischen der Beanspruchung und der daraus abgeleiteten Trainingswirkung zu erklären. Training bedeutet bewusst kalkulierter Stress, der den menschlichen Organismus aus dem Gleichgewicht, der sogenannten Homöostase, bringen soll. Die Reaktion des Körpers auf diesen Stress und das Gewappnetsein für einen zukünftig vergleichbaren Stress soll demnach die Leistungssteigerung bezeichnen.
Mit diesem Modell soll der Zeitpunkt für ein erneutes Training und eine systematische Leistungssteigerung oder auch einen Leistungsabfall aufgezeigt werden, je nachdem, ob die Be- und Entlastung im richtigen Verhältnis geplant wurde. Das Hauptproblem an diesem theoretischen Modell liegt jedoch im komplexen Zusammenhang der unterschiedlichen Anpassungsreaktionen im gewünschten Prozess.
Zu erwartende Reaktionen und Anpassungen auf muskulärer Ebene, in neuronalen Strukturen, im Herz-Kreislauf-System und in der Biochemie des Athleten reagieren verwoben miteinander und dabei auch noch in zeitlich unterschiedlichen Phasen und Zeiträumen. Dieses Modell differenziert in seinem Aufbau ferner nicht nach Geschlecht, Muskelfaserverteilung, maximaler Sauerstoffaufnahme, Körpergewicht usw. und stellt daher ein sehr stark vereinfachtes Wunschdenken nach Planbarkeit dar, das so in der Arbeit als Trainer nur wirklich sehr bedingt Anwendung finden sollte.
Die nachfolgende Grafik soll die zeitlich unterschiedlichen Verlaufskurven der differenten Reaktionen auf den zuvor erfolgten Reiz darstellen.
Abb. 15: Prinzip der Superkompensation und seine Schwächen