Читать книгу 15 Jahre länger leben - Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk - Страница 16

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DHEA: MUTTER ALLER HORMONE

Neben den klassischen Geschlechtshormonen, also den Östrogenen, dem Progesteron und den Androgenen, werden auch noch einige weitere Botenstoffe als Anti-Aging-Hormone verwendet. Hier ist an erster Stelle sicherlich das Dehydroepiandrosteron (DHEA) zu nennen.

Das Hormon DHEA wird hauptsächlich in der Nebennierenrinde gebildet. Seine Hauptfunktion ist die eines Vorläuferhormons, es stellt eine Art Reservedepot sowohl für die weiblichen wie für die männlichen Sexualhormone dar. Insofern ist es nicht nur die »Mutter aller Hormone«, sondern auch der Botenstoff mit der höchsten Konzentration im menschlichen Körper.

Kontrovers diskutiert wird noch immer die Frage, ob DHEA neben seiner Funktion als Vorläuferhormon auch eigenständige Wirkungen im menschlichen Körper hat. Eine zunehmende Zahl von Studienergebnissen weist darauf hin. Auch die Tatsache, dass viele Zellen und Gewebe – nicht zuletzt im Gehirn – spezielle DHEA-Rezeptoren besitzen, spricht für diese Vermutung.

Wie bei kaum einem anderen Hormon sinkt der Spiegel von DHEA im Laufe des Lebens ab. Bereits mit 40 bis 50 Jahren hat er sich normalerweise halbiert. Ein 70- bis 80-Jähriger verfügt nur noch über zirka 10 Prozent der Werte, die ein junger Erwachsener aufweist. Wichtige Altersstudien, wie etwa die Boston Longitudinal Study of Aging, konnten zeigen, dass Menschen, die noch im fortgeschrittenen Alter über hohe DHEA-Spiegel verfügen, offensichtlich eine besonders hohe Lebenserwartung haben. DHEA ist also ein klassischer »Biomarker für Langlebigkeit«. Eine Tatsache, die nicht wenig zur Popularität von DHEA als Anti-Aging-Hormon beigetragen hat.

Bedarf sorgfältig ermitteln

Wenn wir über DHEA als Vorläuferhormon für Geschlechtshormone sprechen, so gilt es allerdings einen Umstand zu beachten. Männer und Frauen verstoffwechseln DHEA unterschiedlich. Männer machen aus DHEA hauptsächlich Östrogene, Frauen verwandeln DHEA bis zu 80 Prozent in Androgene. Daraus folgt: Es ist wenig sinnvoll, DHEA nach dem Gießkannenprinzip als allgemeines Anti-Aging-Hormon zu verordnen. Entscheidend ist, neben den gemessenen Blutwerten, vor allem der klinische Aspekt. Auch Männer können unter Östrogenmangel leiden. Die meisten Männer haben im Alter jedoch eher zu hohe Östrogenspiegel. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass sie mit zunehmenden Lebensjahren häufig an Gewicht zulegen (siehe >). Hier ist also durchaus Vorsicht geboten, die Östrogenspiegel solcher Männer durch die Gabe von DHEA noch weiter anzuheben.

Umgekehrt ist ein Androgenmangel bei Frauen keine Seltenheit. Neben Östrogen und Progesteron ist Androgen ja das dritte – und häufig vergessene – Geschlechtshormon der Frau. Zeichen eines Androgenmangels sind im Wesentlichen eine allgemeine Antriebsarmut, insbesondere aber der Libidoverlust, also das Nachlassen des sexuellen Interesses. Zur Behandlung eines moderaten Androgenmangels gibt es daher bei Frauen kaum eine bessere Methode als die Gabe von DHEA.

ICH BESCHÄFTIGE MICH NICHT MIT DEM, WAS GETAN WORDEN IST. MICH INTERESSIERT, WAS GETAN WERDEN MUSS.

MARIE CURIE (1867-1934)

Allerdings gibt es bei Frauen durchaus auch die gegenteilige hormonelle Situation, also zu hohe Androgenspiegel. Zeichen einer derartigen Hyperandrogenämie sind vor allem Haarausfall, vermehrte Körperbehaarung und eine zunehmend unreine, fettige Haut (Seborrhoe). Eine derartige Symptomatik würde durch die Gabe von DHEA noch weiter verstärkt – was verständlicherweise bei den betroffenen Frauen wenig Begeisterung auslösen würde. Auch hier gilt also die Regel: Erst die gemessenen Hormonspiegel zusammen mit einem entsprechenden klinischen Bild ergeben die Diagnose. Nur wenn beides zusammenpasst, sollte auch entsprechend therapiert werden.

Wie bereits erwähnt verfügt DHEA über seine Funktion als Vorläuferhormon hinaus offenbar auch über weitere eigenständige Wirkungen. Dazu gehören immunstimulierende und antientzündliche Effekte. Vor allem aber ist DHEA der hormonelle Gegenspieler des Kortisols, das für die chronische Stresssituation im Körper verantwortlich ist. Bei absinkendem DHEA-Spiegel kommt es somit zu einem »relativen Hypercortizismus« und damit zu überhöhten Stresshormonspiegeln.

Für den Alterungsprozess ist das alles andere als günstig. Die Gabe des Antistresshormons DHEA ist also auch Teil des Gesamtkonzeptes bei der gezielten Stressreduktion.

Wie messen?

Für die Praxis empfiehlt sich nicht die direkte Messung von DHEA, sondern die Bestimmung seiner Sulfatformen, des sogenannten DHEAS. Dies ist nicht nur in deutlich höherer Konzentration vorhanden und erlaubt damit eine exaktere Messung. Es unterliegt auch weniger tageszeitlichen Schwankungen als DHEA selbst. Die Normwerte sind stark altersabhängig, sie sollten bei Frauen allerdings nicht unter 2000 ng / ml und bei Männern nicht unter 4000 ng / ml liegen.

Wie therapieren?

Es gibt in Deutschland keine marktgängigen, zugelassenen DHEA-Präparate. Dies hat im Wesentlichen damit zu tun, dass der Patentschutz für DHEA ausgelaufen ist und die großen Pharmafirmen damit kein Geld mehr verdienen können. Umgekehrt dürfen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln DHEA nicht anbieten, da es als Hormon – zumindest in Deutschland – der Rezeptpflicht unterliegt.

In den USA, wo diese Rezeptpflicht nicht besteht, sind entsprechende Präparate für wenig Geld in jeder Drogerie erhältlich. In Deutschland müssen sie entweder vom Apotheker hergestellt werden – was zumeist relativ teuer ist – oder aber man bezieht sie über das Internet. Hier gibt es eine Vielzahl von Anbietern, die leider nicht alle seriös sind. Im Zweifelsfall kann jedoch der Apotheker entsprechende Bezugsquellen nennen. Für die – immer ärztlich kontrollierte! – DHEA-Substitution ist bei Männern zumeist eine Dosierung von 25 bis 100 mg erforderlich. Frauen benötigen selten mehr als 10 bis 25 mg täglich.

Als Zielbereich sollte bei Frauen ein Serumspiegel von 1500 bis 2500 ng / ml angestrebt werden. Bei Männern sind Werte von 3000 bis 4000 ng / ml ideal. Die Einnahme erfolgt in Form von Kapseln und sollte morgens durchgeführt werden. Um die entsprechenden Blutwerte zu kontrollieren empfiehlt sich eine Blutentnahme drei bis fünf Stunden nach der Einnahme.

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