Читать книгу Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft - Simone Stöhr - Страница 5
Sonntag, 17.02.2008, Quincy, 14:39 Uhr
ОглавлениеSie stiegen bei der T-Station aus und machten sich auf den Weg zu Matthews Haus. Catherine rechnete nicht mehr mit einer Konversation seitens Jasmins und malte sich bereits in Gedanken aus, welches Leben sie in Wellington erwartete, als Jasmin sie schließlich konfrontierte.
„Wenn diese Laura dir aus heiterem Himmel, ohne dich zu kennen einfach so 10.000 $ geben will. Was glaubst du, ist sie dann bereit für deine Mutter zu zahlen?“
„Was erzählst du da für einen Scheiß?“, erwiderte Cathy verwundert.
„Na überleg doch mal, wie liebevoll sie von deiner Mutter gesprochen hatte. Als wäre es ihre eigene Mutter oder so. Was glaubst du würde sie für sie locker machen, sagen wir mal, wenn sie entführt werden würde?“, präzisierte Jasmin ihre Gedanken.
„Spinnst du jetzt völlig? Warum sollten wir meine Mutter entführen?“
„Weil wir mit einem Schlag mehr Geld haben würden, als wir je erarbeiten könnten. Stell dir doch mal vor, nie mehr irgendwelche Freier, nie mehr hungern, immer genug Geld und sogar die Möglichkeit auszuwandern, an einen viel schöneren Ort, wie die Karibik beispielsweise oder auch Brasilien, da wollte ich immer schon mal hin.“
„Ich werde sicherlich nicht meine Mutter und die Carringtons da mit reinziehen, nur damit du dich am Strand wälzen kannst. Morgen habe ich das Geld und dann ist die Sache für mich erledigt.“
„Was heißt das, die Sache ist dann für dich erledigt?“, hakte Jasmin irritiert nach.
„Ich werde Lauras Angebot annehmen und versuchen von den Drogen loszukommen. Ich denke mit deren Hilfe könnte ich es wirklich schaffen.“
„Und was soll aus mir werden? Hast du dir darüber auch schon Gedanken gemacht?“, fragte Jasmin anklagend.
Darauf wusste auch Cathy keine Antwort. Natürlich konnte sie Jasmin nicht mit nach Wellington nehmen, das war ausgeschlossen und auch sonst sah Catherine keine Möglichkeit, wie sie Jasmin helfen konnte. Es tat ihr zwar um Jasmin leid, aber immerhin musste sie auch selbst sehen, wo sie blieb. An diesem Punkt würde sich ihr beider Schicksal wohl trennen.
„Wenn du diese Chance bekommen würdest, würdest du sie doch auch ergreifen? Oder würdest du mir zuliebe, es bleiben lassen?“
„Das ist nicht das Gleiche!“, widersprach sie bockig.
„Warum ist es nicht das Gleiche? Warum soll ich darauf verzichten, nur dass ich so ende, wie du?“
„Ach so siehst du mich jetzt? Die letzten Jahre war ich dir gut genug, aber schon schnippt so eine verwöhnte Tussi und du bist sofort auf ihrer Seite, weil sie mit ein paar Geldscheinen winkt. Du bist so erbärmlich, Candy.“
„Hör auf mich dauernd so zu nennen! Ich heiße Catherine und daran wird sich auch nichts ändern. Diese blöden Nuttennamen kannst du dir abhaken. Ab morgen bin ich den Scheiß endgültig los.“
„Das werden wir ja noch sehen!“
Cathy war es zu blöd, weiter mit Jasmin darüber zu diskutieren, da sie sowieso nicht objektiv dabei blieb. Auch wenn ihr die Drohung von Jasmin unbedenklich nach dem heutigen Tage vorkam, war da doch eine gewisse Unruhe, die sich in ihrer Bauchgegend breit machte. Mit schnellen Schritten hängte sie Jasmin ab und rannte die letzten hundert Meter zum Haus. Matthew lag auf der Couch und zog sich eine Sitcom und sein Bier rein, was höchstwahrscheinlich gerade sein Frühstück darstellen sollte, wie Cathy dachte. Anfangs bemerkte er sie nicht, doch als sie sich vor den Fernseher stellte, konnte auch er sie nicht übersehen.
„Geh vom Fernseher weg! Mann, ich verpasse doch noch alles!“, regte er sich auf und rülpste im gleichen Moment, als Cathy einen Schritt beiseite ging.
„Ich habe das Geld“, erklärte Cathy freudestrahlend.
„Wo zum Teufel hast du 10.000 $ so schnell herbekommen? Ich schätze mal nicht, dass dir die Bank Geld gibt, außer du hättest sie überfallen!“, lachte er ordinär in die Runde, die nicht zum spaßen aufgelegt war.
„Nun ja, ich habe etwas mehr als 5000, den Rest bekomme ich gleich morgen früh. Du kannst Jasmin fragen, sie war dabei.“
„Und das soll ich dir jetzt glauben?“
„Du kannst sie fragen. Sie war dabei und kann dir alles bezeugen. Schau hier“, sie hielt ihm die neuen 100 $ Noten unter die Nase, die sie von Laura bekommen hatte. „Den Rest bekomme ich morgen früh, wenn Laura bei der Bank war.“
„Und wer zum Teufel ist diese Laura schon wieder?“
„Die Freundin eines früheren Bekannten.“
Mitten in die Diskussion mischte sich nun auch Jasmin ein, die gerade eingetroffen war.
„Bekannten ist ein wenig untertrieben, meinst du nicht? Es handelt sich dabei um einen der Carringtons, der regelrecht in Geld schwimmt. Und unsere Candy ist doch tatsächlich mit ihm aufgewachsen, da ihre Mutter die Haushälterin der Carringtons war.“
„Du willst mich verscheißern, oder?“
Matthew robbte sich vom Sofa auf und traute seinen Ohren nicht. „Du willst mir jetzt nicht ernsthaft sagen, dass Cathy die Hotel-Carringtons kennt?“
„Doch genau das! Und mir nichts, dir nichts, zahlt die Tussi einfach so 5.000 $ und will morgen nochmal das gleiche zahlen.“
„Du hast uns vorgespielt, dass du arm bist und nicht weißt, wo du hinsollst und wir haben dich hier kostenlos wohnen lassen, dir Drogen gegeben und du hast kein einziges Wort gesagt, dass du diese Bonzen kennst? Wann hattest du denn vor das zu erwähnen? Nach 5 Jahren oder erst nach 10 Jahren?“, warf Matt ihr entsetzt vor.
„Das ist noch lange nicht alles!“ schüttete Jasmin weiter Öl ins Feuer. „Nach allem, was wir für sie getan haben, will sie ab morgen einfach in die schicki-micki Villa einziehen und dort ein neues Leben beginnen.“
„Cathy, stimmt das was Jasmin sagt?“, fragte er ruhig und sachlich an sie gerichtet.
„Sie haben mir das Geld gegeben und mir das Angebot unterbreitet bei ihnen wohnen zu dürfen. Warum sollte ich das ablehnen?“
„Weil wir deine Freunde sind und du uns etwas schuldig bist und das hast du erst einmal abzuarbeiten!“, sagte er in ruhigen und harten Worten.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst! Ich habe doch gesagt, dass ich das Geld besorgen werde und morgen kannst du es haben. Willst du jetzt mehr oder was soll das Ganze?“, regte sich Cathy auf.
„Ich hätte da eine viel bessere Idee!“, schaltete sich Jasmin dazwischen. „Dem Vermögen der Carringtons tut es sicherlich keinen Abbruch, wenn sie ein wenig an uns abgeben. So einfach, wie sie Candy heute das Geld gegeben haben, würden sie sicherlich noch viel mehr für ihre Mutter geben. Wir hätten ausgesorgt und der Strich wäre Vergangenheit.“
„Das klingt durchaus einleuchtend, Süße. Soviel Cleverness hätte ich dir gar nicht zugetraut und mit Cathys Hilfe ist das ein Kinderspiel!“, spann Matthew den Faden bereits weiter.
„Nein, auf keinen Fall. Ich werde das nicht zulassen und sicher auch nicht dabei mithelfen“, stellte sich Catherine stur.
„Ich glaube da gibt es überhaupt keinen Zweifel daran. Du bist uns etwas schuldig und es ist das Mindeste, was du tun kannst, um deine Schulden wieder abzuarbeiten. Deiner Mutter wird dabei sicherlich nichts passieren, falls das deine Bedenken sind!“
Catherine war der Ohnmacht nahe. Als Jasmin davon angefangen hatte, hatte sie es noch als Blödsinn abgetan, doch jetzt war das Thema wieder aktuell und akuter denn je. Was würde Mike von ihr halten, wenn sie ihre Mutter entführen ließe, geschweige denn, wenn sie ihn, nach allem was die Carringtons für sie getan hatten, um sein Vermögen erleichtern würde? Er würde ihr das nie verzeihen! Sie musste genau das um jeden Preis verhindern. Sie flehte Matthew an und ging auf ihn zu.
„Bitte Matthew, ich mache alles, aber bitte lass die Carringtons und meine Mutter da raus!“
„Ich finde es eine geniale Idee von Jasmin ohne große Anstrengung das schnelle Geld zu machen. Jaz, was meinst du? Wie viel würden wir bei einer Entführung bekommen?“
„Da sind locker ein oder zwei Millionen drin, wenn nicht noch mehr!“, meldete sich Jasmin zu Wort, die schon den Strand von Rio de Janeiro im Kopf hatte.
„Du hast es gehört! Wie stellst du dir vor mir das Geld zu ersetzen, wenn ich deine Mutter nicht entführe?“
„Du spinnst doch! Ich habe mich auch an den Haushaltskosten beteiligt und geholfen, wo ich konnte. Das ist einfach nicht fair!“
„Tja meine Süße, aber das ist jetzt der Preis, den du bringen würdest, wenn du dich nicht so anstellen würdest! Aber du kannst ja gerne mit Jaz die Männer beglücken, wenn dir das lieber liegt.“
„Versprichst du mir dann meine Mutter und die Carringtons in Ruhe zu lassen?“
„Du gehst lieber anschaffen, als eine saubere Entführung ohne Risiko durchzuziehen? Das ist aber nicht die Cathy, die ich kenne! Aber wie du willst. Wenn du dafür bis zu deinem Verfallsdatum anschaffen gehst, soll mir das recht sein. Jaz wird dir alles erklären und vor allem was dein tägliches Pensum an Freiern betrifft. Dafür kannst du mein Wort haben, dass ich deine Mutter nicht anfassen werde.“
Cathys Zuversicht vom Vormittag war jetzt endgültig dahin. Alles was sie erreicht hatte, war mit einem Schlag vernichtet und das, was sie am meisten vermeiden wollte, dem hatte sie nun bereitwillig zugestimmt, um Schlimmeres zu vermeiden. Es gab keinen schlimmeren Moment in ihrem Leben, als jetzt vor einem Trümmerhaufen zu stehen, der kein Ende zu nehmen schien. Ihr Schicksal war besiegelt und sie hatte keinen Einfluss mehr darauf, es ändern zu können. Matthew hatte sie in der Hand und er hatte einen Trumpf, den er jeder Zeit gegen sie ausspielen könnte.
„Geh dich ausruhen, die Nacht wird für dich sicher noch lange genug dauern. Und jetzt lasst mich in Ruhe fernsehen.“
Selbst wenn Matthew das nicht gesagt hätte, wäre sie dennoch gegangen. Die Tränen standen ihr schon in den Augen, aber die Blöße vor Matthew zu weinen, wollte sie sich wirklich nicht geben. Es reichte schon, dass er sie gerade gedemütigt und zur Prostitution auf Lebzeiten verdonnert hatte. Da wollte sie sich noch einen letzten Rest an Stolz behalten. Aber wofür denn? Seit ein paar Minuten war ihr Leben sowieso nichts mehr wert.