Читать книгу Aetheris Band 1-3 - Alec J. Archer - Страница 52
Heckenschützen
ОглавлениеDer Warnruf stammte von Adriël. Über der Senke fielen dichte braune Ætherschlieren vom Himmel. Chan konnte nicht erkennen, woher der gespenstische Nebel stammte.
“Rasch”, Toshira zog sie mit sich, in den Bannkreis. Die Gefährten flüchteten sich hinein. Keiner fehlte. Chan kletterte auf einen Baum, der in der Mitte des Kreises stand.
“Was hast du vor?”, fragte Ladhar. “Komm sofort wieder da runter. Ich weiß nicht, wie hoch der Bann reicht.”
“Ich möchte herausfinden, wo der Æther herkommt.”
“Bitte Chan, lass das jemand anders erledigen.” In Toshiras Tonfall lag ein Flehen.
“Ich bin doch schon fast oben”, entgegnete Chan.
Sie erreichte die Baumkrone. Vor dem Sternenhimmel zeichneten kleine dunkle Gestalten ab. Æther strömte wie ein samtener Schleier von ihnen herab. Sie sahen aus, wie die Ætherlarven im Pritschenwagen des Dæmonenverstecks. Nur dass diese Exemplare über seltsam geformte Schwingen verfügten. Ähnlich denen von Fledermäusen.
Dafür entführten sie also Menschen. Sie zogen ihnen Erd-Æther ab, um ihn verströmen zu können. “Diese verfluchten Ausgeburten der Hölle!”
Sie hatte laut gerufen ohne weiter nachzudenken. Ein Pfeil schwirrte dicht an ihrem Ohr vorbei. Eilig kletterte Chan nach unten. Ein Ast brach. Sie stürzte.
Tarodrim fing sie auf. “Langsam, Welpe.” Der Leodar stellte sie auf ihre Füße.
Chan dankte dem Löwengesichtigen. “Vielleicht können wir diese fliegenden Larven abschießen.” Sie zeigte nach oben. Die Baumwipfel versperrten die ohnehin durch die Dunkelheit erschwerte Sicht.
Vendira schüttelte den Kopf. “Selbst ein Schütze, der bei Sternenlicht zu treffen vermag, könnte hier nichts ausrichten. Vergiss nicht, ich kann sie nicht sehen.”
Es sirrte. Chan drehte sich. Etwas hatte sie angesprungen. Sie sah auf ihre Schulter. Ein Pfeil steckte darin. Ihr wurde übel. Sie fiel. Bevor die Schwärze sich vollends über sie ausbreitete, hörte sie Luritris Stimme. “Wir greifen an. Zange bilden.”
Ein Ruck ging durch Chans Körper. Sie schlug die Augen auf. Es war dunkel. Über sich sah sie ein von Flammen beschienenes Gesicht. Der Medicus, Menon. Er hielt den Schaft eines Pfeiles in der Hand, dessen vorderes Ende abgebrochen war. Sie lag auf der Seite. Es ruckte noch einmal. Ihre Schulter explodierte vor Schmerz. Sie wandte den Kopf. Ein weiteres Gesicht. Lormun. Eine Orc-Hand. Sie hielt eine glitzernde Pfeilspitze.
Menon hantierte, drückte etwas aus Stoff auf ihre Schulter. Chan schrie auf. Wehrte sich. Wurde von Lormun auf den Boden gepresst.
“Sachte, Lador Orc.” Menon legte seine Hand auf einen muskelbepackten Orcarm. Ihr sollt sie nur ruhig halten, nicht die Luft aus ihren Lungen pressen.”
Lormun grinste. “Das war doch sanft.”
“Ihr wisst schon, dass ihr über eine Anwesende redet?” Chan versuchte sich aufzurichten. Der Orc drückte sie zurück. “Du musst liegen bleiben. Ihr Menschen seid etwas empfindlich gegen Pfeile.”
“Ich glaube ich komme jetzt allein zurecht.” Der Medicus schob den Orc beiseite. Lormun zuckte mit den Schultern. “Wenn du unbedingt mit ihr allein sein willst.”
Er lachte, als er sich einen anderen Platz suchte.
Als Chan in der Lage war, sich an einen Baum zu lehnen, erklärte Adriël, was geschehen war. “Drei Späher. Sie hatten darauf gesetzt, dass wir uns im Bannkreis verschanzen. Die Burschen lernen schnell. Zum Glück hatte Luritri den richtigen Riecher.” Er tippte sich mit dem Zeigefinger an den Nasenflügel. “Wir haben einen Ausfall riskiert. Zwei sind tot, einer ist entkommen.”
“Wie habt ihr sie getötet?”
“Wir haben sie in den Bannkreis gezogen, nachdem Vendira ihnen je eines ihrer Kurzschwerter in den Hals gebohrt hatte. Es ist zwar eine grausame Taktik, aber sie funktioniert. Ich schätze, das geht in Ordnung. Aber es gefällt mir dennoch nicht.”
Chan nickte. “Mir gefällt es auch nicht, zu töten. Noch weniger will ich meine Freunde sterben sehen.”
Adriël legte ihr eine Hand auf die gesunde Schulter. “Das geht uns allen so. Vielleicht abgesehen von dem Orc.
Er seufzte. “Ich bin froh, dass es nicht dein Herz war, das durchbohrt wurde. Menon sagt übrigens, alle Sehnen sind heil.”
Wenig später schilderte Chan den anderen ihre Beobachtungen. Wie sie im Fort und auch vorhin beobachtet hatte, wie die Tiere, die sie Æthervögel taufte, braunen Erd-Æther verströmten. Und was sie in Bezug auf die Ætherlarven im Lager mit den Pritschenwagen geschlossen hatte: dass sie als Larven auf der Brust ihrer “Wirte” lagen und diese aussaugten, um den gespeicherten Æther später zu verströmen.
Ladhar nickte. “Das ergibt einen Sinn. Sie könnten eine Art Stadium durchmachen, wie Schmetterlinge.”
Araneon, ihr Anführer, legte dem Gelehrten eine Hand auf die Schulter.
“Gut kombiniert. Der Æther ist ihr Trumpf. Und ihre Schwachstelle. Vielleicht können wir das eines Tages zu unserem Vorteil nutzen.”