Читать книгу Kreta Reiseführer Michael Müller Verlag - Eberhard Fohrer - Страница 14

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Östlich von Iráklion

Durch unattraktive Außenbezirke und im weiten Bogen vorbei am Flug­ha­fen und einem großen Militärgelände kommt man auf der Old Road zu den Badestränden Karterós und Am­nis­sós. Sie ge­hen fast ineinander über und sind nur durch ein felsi­ges Kap ge­trennt, wo man eine bedeutende Aus­gra­bung gemacht hat (→ Kasten).

Von der Stadt sieht und hört man hier nichts mehr, ein Felsrücken und der Flug­platz liegen dazwischen. Dafür sind die Silhouetten der einschwe­ben­den Ur­lau­ber­jets samt dazuge­höriger Geräuschkulisse „ein­drucks­voll“. Land­schaft­lich bie­tet die Re­gion wenig - eine teils landwirt­schaftlich genutzte Ebene ohne Flair, zwei Durch­gangs­straßen, felsige Phrygana- und Distel­öde. Einen Ort im eigent­lichen Sinn gibt es nicht.

Insel Día: Naturreservat und antike Fundstätte

Die Iráklion vorgelagerte, kahle und unbewohnte Felseninsel ist mit 5 km Länge und 3 km Breite nach Gávdos die zweitgrößte der Inseln um Kreta. Sie ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen, aber auch ar­chäologische Schutz­zo­ne, seit der französische Ozean­for­scher Jacques-Yves Cousteau in der gro­ßen Bucht Ágios Geórgios im Südwesten minoische Hafenanlagen und ver­sun­ke­ne Schiffe entdeckt hat. Im 10. Jh. n. Chr. nutzten die Byzan­tiner Ágios Geór­gios als Hafen, um von hier aus die Rückeroberung Kretas von den Sa­ra­ze­nen zu beginnen. Ob Schiffs­ausflüge an­ge­bo­ten werden, ändert sich von Jahr zu Jahr. Mögliche Abfahrtshäfen sind Irák­lion, Goúves und Limé­nas Chersonísou.

Strand von Karterós

Relativ wenig besuchter Strand, der nur punktuell ge­pflegt wird. Ein kleiner Fluss mündet am westlichen Strand­beginn ins Meer. Ein Stückchen weiter liegt der „Ak­ti Beach Club“, das Strand­bad von Irák­lion. Bus Nr. 7 hält vor der Tür.

Kirche der Heiligen Ioánnis und Níko­nos: Von Iráklion kommend pas­siert man an der Old Road gleich am Strand­beginn dieses selten schö­ne Kirch­lein. Unter einem überhängenden Fels­dach ist sie in den Berg ge­trie­ben und mit eleganten Bögen den Formen des Berg­hangs an­ge­passt. Hohe Euka­lyp­tus­bäume überschatten das Ganze, abends ist die Front erleuch­tet, im dämm­ri­gen Inneren fungiert das rohe Felsgestein als Decke.

Die beiden Namenspa­trone sind Johannes der Täu­fer und ein christli­cher Mär­tyrer, der während der frühen Christianisierung Kre­tas von den Römern ent­haup­tet wurde. Doch ei­gent­lich erbaut wurde die Ka­pelle, um an eine tragi­sche Epi­sode aus dem kreti­schen Freiheitskampf zu erin­nern. Nicht weit von hier hatten sich Ende des 19. Jh. 200 kretische Män­ner, Frau­en und Kinder in einer ab­gelege­nen Höhle vor den Türken ver­steckt. Sie wur­den entdeckt und an Ort und Stel­le er­mordet. Die Be­deu­tung des Platzes erkennt man daran, dass sich viele Vor­bei­fah­rende bekreuzigen.


Das Heiligtum des Zeus in Amnissós

Strand von Amnissós

Dieser Sandstrand schließt sich östlich des Kaps von Paleo­chóra an, wo Ruinen der Hafenstadt Amnissós ge­funden wur­den (→ Kasten).

Beherr­schend ist das große Minoa Palace Ho­tel, an mehre­ren Stellen wer­den Wassersportmöglich­keiten, Liege­stühle und Sonnen­schirme angebo­ten, am Ostende gibt es eine bekannte Fisch­ta­verne.

Anfahrt/Verbindungen Eigenes Fahr­zeug, die Old Road führt meist nahe an der Küs­te ent­lang, Beginn am Venezianischen Hafen von Iráklion. Wer es eilig hat, nimmt die wei­ter landeinwärts verlaufende New Road Rich­tung Ágios Nikólaos und kann an meh­re­ren Ab­fahrten zum Meer abzweigen. West­lich von Goúrnes treffen Old und New Road zu­sammen.

Bus, Linie 7 fährt ab Eleftherias-Platz zu den Strän­den, Haltestelle beim Kiosk gegenüber vom Hotel Astoria Capsis. Im Strandbereich gibt es mehrere Hal­te­stellen, man muss von der Old Road al­ler­dings noch ein Stück hinun­terlaufen.

Übernachten **** Minoa Palace, weit­läu­fi­ger Bau direkt am Strand von Am­nissós. Ge­schmackvoll ausgestattet, kühle Halle mit Marmor, großer Infinity Pool mit Pool­bar. Über viele Reise­ver­an­stalter, auch all in­clu­sive. Tel. 2810-380404, www.akshotels.com.

** Prince of Lillies, einfaches, fa­mi­lien­ge­führ­tes Hotel am Strand von Kárteros, 10 Auto­minuten vom Flug­platz, von den Flug­zeu­gen hört man aber nur wenig. 38 Zim­mer, gute Taverne, schöner Gar­ten mit Pool, Kin­der­spiel­geräte. Strand in der Nähe, Bus­sta­tion eben­falls. Geeignet, wenn man einen frühen Flieger erreichen will. DZ ca. 40-70 €. Tel. 2810-381645, www.princeoflillies.gr.

Essen & Trinken Parasiris, alteingeses­se­ne Fischtaverne am östlichen Strand­en­de von Amnissós, große Terrasse mit licht­blau­en Stüh­len und Vorbau direkt am Strand. Bezüglich Qualität gemischte Le­ser­kom­mentare. Tägl. 12-24 Uhr. Tel. 2810-380151.

Grotte der Eileithýia (Spílio Eileithýia): Die Höhle liegt links un­terhalb der Stra­ße nach Epis­kopí, etwa 1,5 km landein­wärts der Old Road, kurz hinter ei­ner schar­fen Kurve (beschildert). Sie gilt als eins der ältesten be­kann­ten Heiligtümer auf Kreta. Bereits seit der Jungsteinzeit wurde sie über 3000 Jah­re lang (!) von den ver­schiedensten Reli­gionen als Kultstätte genutzt. Der Höh­len­schlund ist etwa 10 m lang und besitzt eine tief nach un­ten gewölb­te Decke. Vielleicht wegen ihrer gebär­mutterartigen Form verehr­ten die Minoer hier die große Muttergöt­tin, in mykenischer Zeit war sie der Ei­leit­hyía geweiht, der Göttin der Frucht­barkeit, Liebe und Geburts­hilfe. Zahl­lose schwan­ge­re Frauen kamen hier­her, um Beistand für die Geburt zu er­flehen. Heu­te ist die Höh­le ver­schlos­sen.

Das antike Amnissós

„In der gefährlichen Bucht von Amnissós entkam er dem Sturm kaum und an­kerte dort bei der Grotte der Eileithýia ...“ Schon Homer hat die windge­schüt­telte Bucht gekannt, wie diese Zeilen aus der Odyssee zeigen. Aber Am­nissós war bereits seit der Jung­stein­zeit besiedelt, wahrschein­lich wegen eben jener berühmten Grotte, die wenige Kilometer landein­wärts an der Stra­ße nach Episkopí liegt (siehe unten).

In minoischer Zeit war Amnissós der Hafen von Knossós. Hier erreich­ten die Athener Jünglinge und Mädchen Kreta, die dem Mino­tauros alle neun Jah­ren geopfert wurden (→ Geschichte), und auch sein Bezwinger The­seus soll hier an Land gegangen sein. Erst in späteren Zeiten lief Iráklion Am­nis­sós den Rang ab, die alten Anlagen verfielen und verschlammten. Reste der Ha­fenstadt hat man auf dem Felsenkap Paleochóra in der Mitte zwi­schen den beiden Stränden Karterós und Amnissós ausgegraben (Schild „Amnissos An­tiquities“). Au­ßer überwucherten Grundmauern ver­schiedener Epochen ist aber nichts zu se­hen, jedoch hat man einen schönen Blick auf beide Strand­hälften. Westlich vor dem Kap liegt das eingezäunte Heilig­tum des Zeus Thenátas, erhalten sind außer­dem die ebenfalls einge­zäun­ten Ruinen der minoi­schen Villa Épauli tou krínou (Villa der Lilien) östlich unterhalb des Kaps. Hier fand man zwei Lilienfresken, die zu den bedeutendsten Bei­spielen mi­noi­scher Mal­kunst gezählt werden.

Von Amnissós zur Bucht von Mália

Zersiedelte Küstenlandschaft ohne Höhe­punkte. Ein Hotel nach dem ande­ren, bis ein­schließlich Mália fest in der Hand des internationalen Pau­schal­tou­rismus. Zwar wurden kilometerlange Uferstraßen mit Fußgän­gerpromena­den neu an­gelegt, doch besonders reiz­voll ist das Spazieren­gehen nicht. In­te­res­san­ter ist das Hinterland mit der Höhle von Skotinó und der Schlucht Aposelémis.

Anfahrt/Verbindungen Die Old Road zieht sich z. T. nah am Meer entlang, z. T. einige Ki­lo­me­ter landeinwärts, dort führen Stich­stra­ßen zum Meer. Busse von Iráklion nach Má­lia fahren ab Busbahnhof alle 15 Min. von 6-22.45 Uhr, danach noch um 23, 24 und 1 Uhr (→ Mália).

Von Amnissós nach Goúrnes

Zunächst auf etwa 2 km Länge schroffe, schwar­ze Klip­penküste ohne Be­bau­ung. Anschließend der etwa 600 m lange und recht breite Strand von Vathianós Kámpos. Im ersten Teil be­liebte Badezone, da­nach die große All-inclusive-Anlage „Arina Beach Resort“ (Tel. 2815-308800, www.arinabeach.gr).

Et­was weiter östlich folgt das Stra­ßen­dorf Vathianós Kámpos, fast zu­sam­men­ge­wach­sen mit Kokkíni Cháni. Hier schrumpft der Strand zu kleineren Sand- und Kies­pas­sagen, unterbrochen von längeren Klip­penpartien. An der Durch­gangs­straße bal­len sich Auto­ver­mieter, Bars, Tavernen, Apart­ments und Ho­tels.

Mitten in dieser touristischen Zone liegen unter einem Kunststoffdach direkt an der Straße die Ausgrabungen des Mégaron Nírou, einer weitläufigen minoi­schen Villa aus der Jüngeren Palastzeit (1700-1450 v. Chr.), die im Auf­bau den gro­ßen mi­noischen Paläs­ten ähnelt. In der Villa wurden vie­le Kultgegenstände gefunden, da­r­unter drei rie­sige Doppel­äxte, die im Ar­chäo­lo­gischen Museum von Iráklion aus­gestellt sind. Gegenüber liegt unterhalb der Straße ein ruhiger Strand.

Das große Spaßbad „Water City“ mit zahlreichen Rutschen, mehreren Pools, Wel­len­bad, Ja­cuzzi und zahlreichen weiteren Attraktionen liegt einige Kilo­me­ter land­ein­wärts bei Anópolis.

Öffnungszeiten Mégaron Nírou, nur nach telefonischer Vereinbarung Mi-Mo 8.30-15 Uhr, Di geschl., Ein­tritt frei. Tel. 2810-762761.

Water City, Juni bis Aug. tägl. 10-18.30, Mai u. Sept. bis 18 Uhr, Okt. bis 17.30 Uhr, Erw. 27 €, Kind 18,50 € (Online-Ermäßigung). Tel. 2810­781317, www.watercity.gr).

Essen & Trinken O Manousos, Ma­nou­sos und seine deutsche Ehefrau bieten in Kokkíni Cháni angenehme Atmosphäre und beste Qualität, sowohl bei den mezédes als auch bei den Menüs. Tel. 2810-762350.

To Kyma & Tzo, zwei Tavernen mit Meer­blick, genau gegenüber vom Mé­ga­ron Nírou.

Goúrnes

Von der Durchgangsstraße führen Stich­straßen zur ausgedehnten Hotel­zo­ne am Meer, wo auch der einzige Cam­pingplatz bei Iráklion liegt. Vor dem zent­ra­len Bereich der Promenade wurde Sand aufgeschüttet, Ver­leih von Son­nen­schir­men und Liegestühlen. Der einzige natürliche, aller­dings un­ge­pfleg­te Strand er­streckt sich einige hun­dert Meter weiter westlich vor einer ehe­maligen Militärbasis der US-Air-Force. Ein großer Anziehungspunkt ist dort das große Mee­res­aqua­rium (→ Kasten).

Übernachten *** Erato, an der Old Road, 900 m vom Meer. Familiär und freundlich ge­führt, 32 modern ein­gerichtete Zimmer. gutes griechisches Essen, sauberer Pool, Busstopp vor der Tür. DZ/F ca. 40-70 €. Tel. 2810-761277, www.hotelerato.gr.

Camping Creta, der einzige Zeltplatz in der Nä­he von Iráklion liegt neben dem einsti­gen US-Militärgelände (heute Meeres­aqua­rium) und gehört offiziell schon zum Nach­bar­ort Káto Goúves. Ausgedehnter, ebener Platz mit dün­ner Grasnarbe, Ta­maris­ken und Mat­ten­dächern. Sa­ni­tär­an­la­gen okay, Mar­ket, Bar und Self-Service-Res­tau­rant. Auch kleine Bungalows werden ver­mietet. An der Uferstraße vor dem Ge­län­de eine Strand­bar (in der Saison Musik bis nach Mit­ternacht). Der Platz liegt in der Ein­flug­schnei­se des Flug­hafens, es kann laut wer­den. Mai bis Sept. Tel. 28970-41400, www.cretacamping.com.

Von Goúrnes nach Liménas Chersonísou

Östlich der verlassenen US-Base kann man der neu angelegten Ufer­straße folgen. Obwohl es hier nur ver­einzelt schöne Strand­bereiche gibt, ist ein einziger Wildwuchs von Hotels, Apart­ment­anlagen und „Rooms to Rent“ ent­standen, der sich über Káto Goú­ves bis Análipsi zieht.

Análipsi: Der Touristenort zeigt sich als Miniatur­ausgabe von Mália (→ Link).

Cretaquarium Thalassokosmos

2005 wurde auf dem ehemaligen amerikanischen Militärgelände nah am Meer dieses moderne Mee­resaquarium eröffnet, angeblich das größte im öst­lichen Mittelmeer. Insgesamt sind in den 60 kleinen und gro­ßen Was­serbecken mit original Meeresambiente über 2500 Fische und an­de­re Tiere aus dem östlichen Mittelmeer zu bewundern. Die Namen der ver­schiedenen Spe­zies sind zu gro­ßen Tei­len in vier Spra­chen angegeben, so sieht man viele Bras­sen- und Barschar­ten, Seezungen, See­pferdchen, See­papagei und Mee­res­pfau, den schwar­zen Schlangenstern, pracht­volle Murä­nen, Nashorn-, Ad­ler- und Kaiser­fisch, das giftige Peter­männ­chen so­wie verschiedene Krebs­arten und sogar zwei aus­ge­wachsene Sand­tigerhaie. Ein eigenes Aqua­rium widmet sich der Welt der Qual­len und für Seesterne gibt es sogar einen „Streichel­zoo“. Be­son­ders hervorgehoben wird die Wander­bewegung tropi­scher Fi­sche vom Roten Meer durch den Suezkanal (sog. Les­sepssche Mig­ra­tion). Fürs leibliche Wohl gibt es ein Snack-Café und ein Restaurant. Hin­weis: Das Aquarium ist stark klima­tisiert, warme Kleidung mitbringen!

Anfahrt Auf der Schnellstraße von Irá­k­li­on nach Ágios Nikólaos ist das Aqua­ri­um gut aus­geschildert. Linienbusse von der Bus­station im Ha­fen von Irákl­ion fahren tags­über alle 15 Min. nach Li­mé­nas Cher­so­ní­sou und Mália, von der Hal­testelle Nr. 9 sind es noch 500 m Fußweg in Richtung Meer.

Öffnungszeiten April bis Okt. tägl. 9.30-16.30 Uhr, übrige Zeit 9.30-16 Uhr. Ein­tritt ca. 10 € (Nov. bis März 6 €), 5-17 J., Stud. u. über 65 J. 6 €, bis 4 J. frei. Tel. 2810-337788, cretaquarium.gr.

Um die lange Hauptstraße, die die Ufer­straße mit der Old Road verbindet, grup­pie­ren sich zahllose tou­ristische Anbie­ter. Der schmale Sandstrand ist einen guten Kilometer lang und geht in den Strand von Anissáras über (→ Link).

Tipp: Das große Strandhotel „Lyttos Beach“ ver­mietet Fahrräder und veranstaltet Moun­tain­bike-Touren (www.cyclingcreta.gr).

Old Road: Wenn man von Goúrnes die Old Road nimmt, passiert man etwas westlich von Li­mé­nas Cher­sonísou den beschilderten Abzweig zur Lassíthi-Hoch­ebe­ne (→ Link).

Danach überquert die Old Road eine Kuppe und plötz­lich öffnet sich der kilo­me­ter­weite Blick auf die Bucht von Mália. Kurz nach der Shell-Tankstelle zweigt links die Zu­fahrt zum lan­gen Sand­strand von Anissáras ab (→ Li­mé­nas Chersonísou).

Dinosauria Park: Ein Stück landein­wärts vom Cretaquarium liegt an der Old Road dieser Vergnügungspark mit etwa 60 Dinosaurierfiguren. Mit Kin­dern mag der Besuch interessant sein, billig ist er aber nicht, zumal alle Son­der­attrak­tionen wie Kino und Space-Ausstellung extra kosten.

♦ Mi-Mo 10-18 Uhr, Di geschl., Eintritt ca. 10 €, über 65 J. 8,50 €, Kind 3-12 J. 8 €. Tel. 2810-332089, www.dinosauriapark.com.

Kloster Ágios Ioánnis Theólogos (Moní Ágios Ioánnis Theólogos): Bei Anópoli, etwa 3 km landeinwärts von Goúrnes, steht das Kloster aus venezianischer Zeit et­was versteckt hinter einer klei­nen Anhöhe. Gegrün­det wurde es von Mön­chen, die sich vor Piraten­über­fällen von der Küste zurückgezogen hatten. Es war eins der ers­ten, das in den Jah­ren der osmanischen Herr­schaft eine Schule gründete. 1896 kam es zu einem Massaker, die Türken er­mor­deten 40 Einwohner der um­lie­gen­den Dör­fer, da­runter auch Mönche, die nach Zeit­zeugnissen bei lebendi­gem Leib auf Ikonen ge­legt und verbrannt wurden. Das gepflegte Kloster wird heu­te von zwei Mönchen be­wohnt, die große Kirche besitzt Fußboden­mosaike und Wandma­lereien, eine Ka­pel­le ober­halb davon ist vollstän­dig ausgemalt.

Goúves

Etwa 2 km landeinwärts der Old Road liegt das alte Dorf in steiler Hang­la­ge unterhalb eines felsigen Kaps. Im Um­kreis der Kirche kann man gemüt­lich es­sen, eine schöne Al­terna­tive zur über­laufenen Küste (Parkplatz gleich nach der Kirche links).

Essen & Trinken Efcaliptus, gemütliche Taverne direkt bei der Kirche. Nur eine Hand­voll Tische, leckere Fleisch- und Fischgerichte vom Grill, netter Wirt Stelios. Tel. 6946-771481.

Avli, kleine Taverne rechts oberhalb der Kir­che, ebenfalls sehr gastfreundliche At­mo­s­phäre und authentische Küche. Tel. 6936-768479.

Höhle von Skotinó(Spílio Skotinoú)

Vom Ort Skotinó führt eine etwa 2 km lange As­phaltstraße (die letzten 300 m Schotter) zur Höhle von Sko­tinó, in der der Ar­chäo­loge Paul Faure den Ur­sprung für das „Laby­rinth des Mino­tau­ros“ ge­fun­den zu ha­ben glaub­te. Bereits Arthur Evans hat sie untersucht und bei Gra­bun­gen im Jahr 1962 fand man Keramikscherben, Knochennadeln und spät­mi­noi­sche Bron­ze­sta­tuetten. In minoischer Zeit soll die Höhle ein­mal jährlich als Tanz­platz ge­dient haben.

Die Skotinó-Höhle gehört mit ihrer Tiefe von über 130 m zu den größten Kretas, ist aber touris­tisch nicht er­schlos­sen. Ein befestigter Weg führt unter Pi­nien und Ta­ma­ris­ken zum Ein­gang, von dem der Schlund schräg nach unten ab­fällt. Auf weiß mar­kier­tem Serpentinen­weg mit impro­visier­ten Stufen steigt man zwischen Ge­röll in den vorderen Höhlenraum hin­ein, wo man ei­nige Tropfstein­gebilde er­blickt, Tauben gurren und Wasser tropft. Wei­ter ins Höh­len­innere sollte man nicht vordringen, es geht steil hinunter! Gu­tes Schuh­werk und Ta­schen­lam­pe sind sinnvoll.

Ober­halb der Höhle stehen eine alte Kapelle und eine erst 2004 errichtete Kir­che. Ge­weiht sind sie der Agía Paraskeví. Am 26. Juli wird hier der Namenstag der Hei­li­gen gefeiert.

Schlucht Aposelémi(Farángi Aposelémi)

Die längste Schlucht in der Umgebung von Iráklion verläuft zwi­schen Goúves und Liménas Chersó­nisou in Nord-Süd-Richtung und kann durch­wandert werden. Teil­weise erreichen die Steil­wän­de eine Höhe von bis zu 200 m, die Talsohle ist aber weit­gehend eben, es gibt einen ange­leg­ten Weg und Holz­bänke am Anfang und Ende. Stre­cken­länge ca. 8-9 km, durch­aus anspruchs­voll, aber für jeden halbwegs geübten Wanderer mach­bar. Der Ein­stieg liegt hinter Kaló Chorió in Richtung Lassíthi-Hoch­ebene. Man muss etwa 2 km nach dem Ort links abbiegen und passiert bald die Taverne „Xerokama­res“ und eine kleine Brücke. Un­mittel­bar danach beginnt linker Hand der Weg (Hinweisschild).

Von Kaló Chorió aus kann man auf wenig befahrener Straße ein ein­sames Tal ent­lang in die größere Stadt Kastélli fahren (→ Link).

Bucht von Mália → Link.


Im Palast von Knossós

Hinterland von Iráklion

Iráklions hügliges Hinterland ist ein einziges Weinfeld - überall be­de­cken grü­ne Reben die Hänge, gut geschützt vor den heißen Som­merwinden aus Sü­den.

Von geradezu magischer An­ziehungs­kraft ist natürlich der mino­ische Palast von Kno­s­sós, wenige Kilometer südlich von Iráklion. Aber auch die archäologi­schen Ent­deckungen bei Archánes (die in Fach­kreisen als Sensation gewertet wur­den), das Töpferdorf Thrapsanó, das Weinstädtchen Pezá und das Kazant­zákis-Mu­seum in Mirtiá sind besu­chenswert.

Die sanfte Weinlandschaft liegt ein­ge­bettet zwischen zwei Gebirgen: im We­sten der mäch­tige Psilorítis, im Osten die steilen Hänge des Díkti-Massivs mit der be­rühm­ten Lassíthi-Ebene. Ein oder zwei ausgiebige Touren lohnen auch hier: Eine schö­ne Fahrt führt beispielsweise ins hoch gelegene Bergdorf Anógia, Ausgangs­punkt ei­nes Ausflugs zur Nída-Hochebene mit der Höhle Idéon Ándron, in der Göttervater Zeus aufgewachsen sein soll. Von hier aus kann man außerdem den Tímios Stavrós (2456 m) besteigen, der zu­sam­men mit dem Páchnes im Westen der höch­ste Berg Kretas ist.

Knossós

Die Palastanlage der sagenhaften minoischen Könige liegt nur we­nige Kilo­meter südöstlich von Iráklion und ist eins der bedeu­tends­ten Bau­denk­mä­ler der Frühgeschichte.

In über 30 Jahren mühevoller Kleinst­arbeit wurde das riesige Areal An­fang des 20. Jh. freigelegt - eine Trümmer­wüste mit verkohlten Grund­mauern, zer­stör­ten Innenräumen und leeren Säu­len­stümpfen, aber von un­schätz­barer Be­deu­tung für Archäologie und Al­ter­tumswissenschaft. Was hier tief in der Erde Kretas ge­ruht hatte, war eine Sensation und übertraf die kühnsten Erwartun­gen aller For­scher: der schla­gen­de Beweis für die Existenz ei­ner hoch entwickelten Zivilisa­tion lan­ge vor der klassischen Antike Griechen­lands!


Die Bronzebüste des Ausgräbers

Dass sich ein Besuch von Knossós auch für fachlich nicht vorgebildete Besucher lohnt, ist das Ver­dienst des Aus­grä­bers, Sir Arthur Evans. Mit viel Fantasie, En­thu­sias­mus und großer Ein­bil­dungs­kraft machte er aus dem Palast, was er heute ist - die wohl um­strittenste Re­kons­truk­tion eines ge­schicht­lichen Bau­werks, die es gibt.

Wo an­dere Archäologen al­les pein­lichst ge­nau im Originalzu­stand be­lassen hät­ten, zog Evans Zwi­schen­de­cken ein, ver­vollstän­dig­te ab­ge­brö­ckelte Mauern mit Beton, stell­te neue Säulen auf die Stümp­fe, mal­te die Räu­me mit knal­ligen Far­ben aus. Kurz, er tat alles, um we­nigs­tens Tei­le des Palas­tes so wie­der­her­zu­stel­len, wie sie ge­wesen sein könn­ten. An­de­rer­seits ließ er Mau­ern, die nicht in sein Bild vom Palast pass­ten, ri­goros ver­schwin­den, ja kartogra­fier­te sie nicht ein­mal. Vor allem dies wird ihm heu­te schwer an­gekrei­det. Was Evans an stren­ger Wiss­en­schaft­lich­keit zu we­nig hatte, hatte er zu viel an Intui­tion und Spe­ku­lation. So schloss er aus dem Vor­handensein ei­ner schlich­ten Ton­wan­ne gleich auf die Funktion des Rau­mes - na­tür­lich ein Badezim­mer. Der feh­len­de Abfluss stör­te ihn da­bei nicht. Ein ein­ge­stürztes Oberge­schoss (Piano No­bile) richtete er wie­der völ­lig her - ob es wirk­lich je­mals so aus­sah, wissen die (minoi­schen) Göt­ter ... Jedoch muss man fai­rer­weise be­rück­sichtigen, dass die ar­chäologi­sche Wis­sen­schaft damals noch in den Kin­der­schu­hen steckte. So dachte Evans, er kön­ne die kost­ba­ren Reste der Ori­gi­nal­räume mit Stahl­beton­decken vor hef­ti­ger Son­nen­ein­strah­lung und Re­gen­fäl­len schützen. Eben dieser schwe­re Beton ge­fährdet aber heu­te die ur­al­ten Grund­mau­ern durch sein Ge­wicht auf be­denk­li­che Weise.

Wie dem auch sei, Evans’ gewagte und originelle Rekonstruktionen ha­ben je­den­falls dazu beigetragen, Knossós „attraktiv“ zu machen. Sie sind bis heute nahezu un­verändert, obwohl die Wissenschaft mittlerweile vieles an­ders sieht - und die meisten Besucher freu­en sich daran, auch wenn Knossós die zweitteuerste ar­chäo­lo­gische Stätte Griechenlands ist (nach der Akropolis in Athen).

Geschichte

Der Palasthügel von Knossós war schon während der Jungsteinzeit besiedelt - un­ter dem Zentralhof hat man Reste von Wohnhütten gefunden. Nach 2000 v. Chr. ent­stand dann der erste Palast, gleichzeitig mit den Palästen von Festós und Mália. Be­reits damals muss um den Hügel herum eine größere Sied­lung exi­stiert haben.

Um 1700 v. Chr. wurden Knossós und die anderen Paläste wahrschein­lich durch ein Erdbeben zerstört, bereits um 1600 aber wiederauf­gebaut - noch schöner und we­sentlich grö­ßer als vorher. Die Blütezeit der minoischen Kul­tur fällt in diese Zeit. Knossós war der Mittelpunkt der In­sel, mit sei­nen beiden Hä­fen und weit über 100.000 Einwohnern hatte die Stadt um den Palast wohl annäh­ernd so viele Ein­wohner wie das heutige Iráklion! Von Knossós aus sollen der sagen­hafte König Mí­nos und seine Nachfolger die ganze Insel und das östliche Mittel­meer be­herrscht ha­ben.

Das Labyrinth des Minotauros

Laut Arthur Evans war Knossós der Schauplatz des grausigen Mythos um den Minotauros (→ Ge­schichte). Imponierend in seiner Größe und Viel­fältigkeit wirkt der Pa­last auch heute noch. Aber wie mögen ihn erst die Fest­landsgriechen emp­fun­den haben, als sie ihn nach der rätselhaften Brand­katastrophe von 1450 v. Chr. durchstöberten? Eingestürzte Licht­schäch­te und Mau­ern, lange rät­sel­hafte Gänge, verschüttete Etagen, Trep­pen ins Dun­kel ... Evans vermutete, dass sie ihn damals nach den zahllo­sen Dop­peläx­ten (= labrys), die überall in die Wände und Pfeiler ge­ritzt wa­ren, „La­byrinthos“ nann­ten. Allmählich wur­de dieses Wort gleich­bedeutend mit Chaos und Irrgarten, in dem sich kein ge­wöhn­licher Sterblicher mehr zu­rechtfindet - das Wort Labyrinth war ent­standen. So weit die Theorie von Evans, aller­dings gibt es dagegen gewich­tige Einwände und die Vermutung, dass sich das Labyrinth von Kreta ganz woanders befand (→ Link).

1450 v. Chr. bricht eine bis heute rätselhafte Katastrophe über Kreta her­ein, nach äl­te­ren Theorien verur­sacht durch einen gewaltigen Vulkan­aus­bruch auf der Insel San­toríni, der eine un­ge­heure Flut­wel­le erzeugt, die wenig später die kretische Nord­küste er­reicht und furchtbare Ver­wüstungen anrich­tet. Neuere Unter­su­chun­gen stel­len den Zu­sam­menhang zwi­schen Vulkanaus­bruch und Zerstörung der Paläste jedoch entschieden in Frage (→ Ge­schich­te). Was auch immer die Ursa­che gewesen sein mag, der Pa­last brennt jedenfalls bis auf die Grund­mau­ern nie­der. Brandspuren sind noch heu­te an der Westfront zu er­kennen. An­ders als die übrigen Paläste wird Knossós aber zum zwei­ten Mal wieder­auf­ge­baut, wahr­schein­lich von den My­kenern, die da­mals Kre­ta eroberten. Aus die­ser Zeit stam­men auch die be­rühm­ten Linear-B-Schrift­tä­fel­chen, die man auf Kreta nur hier ge­funden hat - wahr­scheinlich die älte­ste Form des mykeni­schen Grie­chisch. In den 1950er Jahren konnte ein Brite die Schrift entzif­fern (→ all­ge­meiner Teil/Geschichte).

Um 1400 folgt dann die endgültige Zerstörung des Palastes, vielleicht durch wieder neue Ero­be­rer. Die Sied­lung Knossós bleibt jedoch bestehen, ebenso wie ihre Häfen. Die Do­rer bewoh­nen fortan die noch immer mäch­tige Stadt. Sie überdauert so­gar die Be­set­zung durch Römer und Byzan­tiner, bis sie im 9. Jh. n. Chr. von den Sara­zenen zer­stört und geplündert wird. 1271 wird sie erstmals urkund­lich er­wähnt und ist mit Unterbrechungen bis heute bewohnt.

Die Ausgrabungen

Das Vorhandensein einer mächtigen Stadt Knossós war schon lange be­kannt. Ho­mer hatte in seiner Odyssee von ihr als Hauptstadt Kretas und Sitz des sagen­haften Kö­nigs Mínos berich­tet. Aber den uralten Mythen hatte jahr­hun­dertelang nie­mand Glau­ben geschenkt - bis der deutsche Hobby­archäo­loge Heinrich Schlie­mann Ende des 19. Jh. auf Grund seiner Homer-Studien Troja fand und mit seinen Aus­gra­bung­en in Mykéne und Tíryns das Vorhanden­sein einer glänzenden Kul­tur lan­ge vor der Zeit des „Klassischen“ Hellas bewies.

Schliemann war es schließlich auch, der dem Palast von Knossós auf der Spur war. Auf dem Hügel von Kephála, nahe bei Irák­lion, sollte Knossós auf Grund der Über­lie­fe­rung liegen. Hier waren auch schon eine Men­ge Funde gemacht worden - der Be­sit­zer des Ge­län­des, der kretische Kauf­mann Minos Kalokairinos, hatte schon seit 1878 Pro­begrabungen vorgenommen und da­bei mächtige Tonpithoi und Steine mit Stein­metz­zeic­hen entdeckt. Aber die da­ma­li­gen tür­ki­schen Behör­den unter­banden die Aus­gra­bungen. 1886 kam Schliemann nach Iráklion und wollte das ganze Gelände kau­fen. Der gefor­derte Kaufpreis er­schien ihm jedoch zu hoch, zumal er skep­tisch war, was den Fund­ort anging. Da er au­ßer­dem alle Funde den grie­chi­schen Be­hör­den hätte ab­liefern müs­sen, reiste er ab - und beging damit den größten Fehler sei­ner Lauf­bahn!

1894 kam Arthur Evans nach Knos­sós. Er war der Sohn eines ver­mö­gen­den Al­ter­tums­liebhabers, finanziell un­ab­hängig und ein be­geisterter Hobby-Ar­chäo­lo­ge. Sein besonderes Interesse galt eigenartigen Siegel­stei­nen mit merk­wür­digen, nie ge­se­henen Schrift­zei­chen, die er bei ei­nem Anti­qui­täten­händler in Athen ent­deckt hatte. Auf die Frage, woher er die­se Stei­ne habe, ant­wortete ihm der Händ­ler: „Aus Kreta.“ Auf Kreta an­ge­langt, ent­deckte Evans die rätselhaften Schrift­zei­chen auf den ver­schie­densten Zu­falls­funden auf der ganzen Insel. Vor al­lem aber be­merkte er, dass viele Frau­en in länd­lichen Gegenden diese ur­al­ten, durch­lochten Sie­gel­stei­ne um den Hals tru­gen. Jetzt war sein Inte­resse gänz­lich ge­weckt. Als er sah, was auf dem Hügel Kephá­la gefunden wor­den war, witterte er seine Chance. Er er­warb einen Teil des Geländes und si­cherte sich damit das Recht, ein Veto ge­gen jegliche Aus­gra­bungen von an­de­rer Seite ein­zu­le­gen. Vier Jahre später ver­ließen die Tür­ken Kreta und er konn­te das ge­sam­te Ge­lände kaufen.

Im März 1900 begannen die Aus­gra­bun­gen. Noch im selben Monat wurde ihm klar, dass ein ganzes System von Ge­bäuden unter der Hügelkuppe ru­hen muss­te. In sei­nem Tagebuch no­tier­te er: „Nichts Griechisches, nichts Rö­mi­sches finden wir hier - viel­leicht eine ein­zige Scherbe unter zehntau­sen­den Bruch­stü­cken viel älterer Kera­mik. Nicht einmal Vasen­fragmente aus der geo­me­tri­schen Zeit (7. Jh. v. Chr.) - ein blü­hen­des Knossós muss hier minde­stens in früh­my­ke­ni­schen Zeiten existiert ha­ben!“

Am 5. April die erste Sensation - zwei Stücke eines Kalkfreskos kommen zum Vor­schein. Der erste „Minoer“ ist ent­deckt: bronzefarbene Schultern, dich­tes, schwarz ge­locktes Haar, unna­türlich enge Taille - der „Rhytonträger“ aus dem Pro­zessi­ons­kor­ri­dor ist heute im Archäologischen Museum von Irák­lion zu sehen. Am 13. April die nächs­te Über­ra­schung: Ein an­fangs als „Bade­zim­mer“ angese­hener Raum ent­puppt sich als gro­ßes Kultbad. Daneben wird ein großer rechteckiger Raum entdeckt, der an drei Sei­ten von stei­ner­nen Bänken und kunstvollen Farb­fres­ken ein­gerahmt ist. Vor al­lem aber steht hier ein kunst­voll ge­fer­tigter Thron aus Ala­baster - 2000 Jahre älter als jeder andere Thron Europas! Kein Zweifel: Der Thron­saal des Mínos und sei­ner Nachfolger ist ent­deckt, das in­ners­te Zentrum des Palastes!


Der monumentale Südeingang des Palastes

Weitere spektakuläre Funde folgen - das gro­ße Treppenhaus im Ostflügel, anschlie­ßend die weiträumigen Königs­suiten, der ge­pflasterte Zentralhof und immer wieder präch­tige Fresken. Vor allem aber stoßen Evans und seine Mit­ar­beiter ständig auf Stier­abbil­dun­gen auf Fresken, auf Siegel­stei­nen, als Skulpturen. Am bedeutendsten ist das großartige Stierspringer-Fresko, das einen jungen Mann beim Salto über einen an­stür­menden Stier zeigt (Arch. Mu­se­um von Irák­lion). Der rätsel­haf­te Stier­kult rückt da­mit in den Mittel­punkt des In­te­res­ses. Wa­ren die­se todes­mutigen Sprin­ger viel­lei­cht die athe­nischen jungen Män­ner und Frau­en, die dem Minotaúros je­des Jahr zum Fraß vor­ge­worfen wurden? Oder wa­ren es Ak­ro­ba­ten, die hier zirkusähnliche Schau­spie­le vor ver­sam­meltem Hof­staat vor­führ­ten? Hing der Stier­mythos mit den häufigen Erd­be­ben der Region zusammen, ver­such­ten die Mi­noer mit den Spielen, die un­ter­ir­dische Gott­heit, die Erdmutter, zu be­sänftigen? Fra­gen über Fragen, die bis heu­te nicht geklärt sind ...

Allmählich erkennt Evans, was hier auf ihn wartet, nämlich die voll­stän­dige Aus­gra­bung und Rekonstruk­tion eines der bedeutendsten Paläste der Früh­ge­schichte. Da­zu kommen die Re­gis­trierung der Funde sowie die Erfor­schung und Datie­rung der bisher fast unbekannten minoischen Kultur. Über 30 Jahre ver­bringt Evans mit diesen gewaltigen Aufgaben - und ver­wendet einen Gutteil seines Vermögens da­für. Ob archäologische Gesellschaf­ten oder der eng­lische Staat so viel Mittel und En­thusiasmus aufgebracht hätten, mag be­zweifelt wer­den. Archi­tek­tonisch ent­puppt sich der Palast als Juwel, denn über 1200 Räume le­gen Evans und seine Leute im Lauf der Jahre frei. Ein Höhepunkt wird die Ent­de­ckung des schon erwähnten groß­artigen Trep­pen­hauses, das zu den Königs­ge­mä­chern hinun­terführt.

Aber mit der Freilegung der Mauern, die Jahr­tausende unter Erdmassen ver­borgen wa­ren, kommen erst die eigent­lichen Pro­b­le­me. Zur Kon­struktion des Palastes von Mi­nos war nämlich viel Holz verwendet wor­den. Schwere Bal­ken hatten große Mau­er­mas­sen getra­gen, teilweise dem heu­tigen Fach­werk ähnlich. Dazu kamen die zahllosen Säu­len, die ebenfalls aus Holz wa­ren - Zy­pres­senstämme, mit der Wur­zel nach oben, nach unten sich ver­jün­gend. Al­le diese Holzteile waren im Feu­er­sturm von 1450 v. Chr. verbrannt worden. Die spär­li­chen Reste waren durch Feuch­tig­keit und Luft längst ver­fault. Kurz, der gan­ze Bau droh­te zu­sam­menzustürzen und die zahl­lo­sen Wun­der der Minoer un­ter sich zu begra­ben.

Evans und sein Architekt ver­suchen alles - erst nehmen sie hölzerne Pfos­ten und Bal­ken, aber diese verfaulen viel zu schnell. Dann versuchen sie es mit Back­stein­mau­ern und sorgfältig ein­gepassten Steinsäulen - aber das wie­derum ist zu teuer (so­gar für Evans). In den 20er Jahren wird schließ­lich der Stahl­beton er­funden - er ist dauerhaft und stark und man kann ihn pro­blemlos in alle Fugen und Hohl­räu­me ein­füllen. Er scheint das ideale Restaurie­rungsmittel zu sein. So erset­zen die Aus­gräber alle ehemaligen Holz­teile durch Beton und be­malen ihn noch dazu hell­braun, um das Holz zu imitie­ren. An vielen Stellen im Palast sieht man noch heute die­se Beton­fas­sun­gen.

Am schwierigsten wird die Rettung des großen Treppenhauses. Um den drohen­den Zu­sammensturz zu ver­mei­den, müssen die unteren Stock­wer­ke mit soliden Beton­fun­damenten ab­ge­stützt werden, dazu muss noch eine ganze Wand aus der Schräg­la­ge wieder in die Senkrechte gerückt werden.

Aber Evans will mehr: eine an­schau­liche, für das Auge interes­sante Rekon­struk­tion der ganzen An­lage. Keinen Trümmerhaufen, sondern das schaf­fen, was man sonst mit Fanta­sie dazu­den­ken muss. So geht er daran, die Räume wieder mit De­cken zu ver­sehen, er lässt auf Grund der Original­frag­mente groß­flächige Wand­ge­mälde mit leuch­ten­den Farben herstellen, lässt die Schäfte der einge­fügten Be­tonsäulen rot, die Kapitelle und Sockel schwarz bemalen u. Ä. Das „Dis­ney­land für Archäolo­gen“, wie es Spötter gerne nennen, nimmt seinen An­fang ...

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