Читать книгу Kreta Reiseführer Michael Müller Verlag - Eberhard Fohrer - Страница 19
ОглавлениеVon Iráklion nach Kastélli
Rundtour durch das Weinbaugebiet mit diversen Haltepunkten, z. B. das Kloster Angaráthos und das Töpferdorf Thrapsanó. Bis Pezá folgt die Route der Straßenführung, die auf S. 93 beschrieben ist. Über Kastélli kommt man in die Hänge des Díkti-Massivs und kann sogar bis zur Lassíthi-Ebene weiterfahren.
Episkopí
Das lang gezogene Dorf liegt nicht weit von Mirtiá (→ Link). Eine einstige Sehenswürdigkeit war hier das sog. Kriegs- und Ethnologische Museum von „Captain Michalis Argirakis“ (→ Foto) mit einem kunterbunten Sammelsurium von Relikten der Schlacht um Kreta aus dem Zweiten Weltkrieg. Der ehemalige Partisan ist 2011 gestorben, seitdem ist das Museum offiziell geschlossen, wird auf Nachfrage allerdings manchmal geöffnet (Tel. 2810-771501, www.argirakio.gr).
Interessant sind die Kirchen im Ort (allerdings nur selten alle geöffnet). In der Hauptkirche Ágios Minás am Dorfplatz sieht man unter drei Glasplatten im Boden ein Skelett und Gebeine. Von dort führt eine Gasse zur Einraumkapelle Agía Paraskeví aus dem 10. Jh., die einst völlig ausgemalt war und deren Fresken heute restauriert sind - in den Darstellungen des Jüngsten Gerichts, der Hölle und der Soldaten in den Szenen des Martyriums der heiligen Paraskevi sind westliche Einflüsse zu erkennen, die für die Entstehungszeit höchst ungewöhnlich sind.
An der ums Zentrum herum führenden Durchgangsstraße steht außerdem etwas erhöht die Kapelle Ágios Antónios mit restaurierten Fresken der „Kretischen Schule“.
Wenn man Episkopí nach Osten verlässt und in Richtung Chochlakiés fährt, trifft man auf die Beschilderung zum Kloster Ágios Geórgios in der Nähe des Fußballplatzes. Auch diese Kirche auf einer pinienbewachsenen Anhöhe besitzt Fresken, im Umkreis sind Überreste von Mönchszellen zu erkennen, es gibt eine Quelle mit fließendem Wasser und einen gemauerten Backofen sowie Tische und Bänke.
Kloster Angaráthos(Moní Angaráthou)
Große, bestens gepflegte Anlage nördlich der Straße nach Kastélli, zu erreichen von der Straße nach Episkopí. Gegründet bereits im 15. Jh., entwickelte es sich im 16. Jh. zum befestigten Wehrkloster und wurde wegen seiner zentralen Lage eins der wichtigsten und reichsten Klöster der Insel. Zeitweise lebten hier bis zu 60 Mönche und auch heute sieht man wieder viele, meist junge Mönche, die das Kloster zu einem wichtigen Zentrum der modernen Orthodoxie machen. Im Hof gedeihen Palmen, Orangenbäume, Zypressen und üppige Stauden, vor den Mönchszellen hängen die Trauben von Gestellen herunter. Vor der Kirche steht ein kleiner Granatapfelbaum, unter dem der Legende nach eine bedeutende Ikone gefunden wurde - Anlass für die Gründung des Klosters. Die reich ausgestattete Kirche wurde Ende der 1970er Jahre vollständig ausgemalt. Es gibt außerdem ein Museum und einen Shop, u. a. mit Olivenöl aus eigener Produktion.
Kastélli
Größere Provinzstadt in einer Ebene zwischen Weinplantagen. Wegen der günstigen Flachlage gibt es hier einen Militärflugplatz, der innerhalb der nächsten zehn Jahre zum neuen Flugplatz von Iráklion ausgebaut werden soll - er soll drei- bis viermal so groß werden und damit der zweitgrößte Airport Griechenlands sein. Bislang ist aber noch nichts passiert.
Die Bushaltestelle liegt an der großen Kreuzung in der Ortsmitte, dort gibt es auch mehrere Kafenia. Sehenswert ist der Mittwochsmarkt mit reichem Angebot an frischem Obst und Gemüse sowie Bekleidungsbasar. Die Festung, von der Kastélli seinen Namen hat, ist nicht mehr erhalten.
Übernachten ** Kalliopi, etwas abseits der Durchgangsstraße, ansprechend gestaltetes Hotel mit Gästehaus im Garten, 15 Zimmer, z. T. behaglicher Vorraum mit Sitzecke am offenen Kamin, zudem Pool mit Kinderbecken und Poolbar. Sehr nettes Personal. Ganzjährig geöffnet. DZ ca. 35-55 €, Frühstück ca. 5 €/Pers. Tel. 28910-32685, www.kalliopi-hotel.gr.
Essen & Trinken Irida, Familienbetrieb im westlichen Ortsbereich direkt an der Durchgangsstraße, freundliche Bedienung und leckeres Essen in reicher Auswahl (Speisekarte auch deutschsprachig). Ganzjährig geöffnet, im Winter Di geschl. Tel. 28910-32023.
Umgebung von Kastélli
Thrapsanó
Das Hügeldorf südwestlich von Kastélli ist neben Margarítes bei Réthimnon (Westkreta) das einzige Dorf Kretas, in dem noch Berufstöpfer arbeiten. Auf handgedrehten Scheiben werden hier vor allem hohe Vorratsgefäße gefertigt, die sog. „Píthoi“ und „Stamnas“, die in viele europäische Länder exportiert werden und ihren Weg sogar bis ins ferne China finden. 5000 Jahre alt ist die Technik, die hier im Wesentlichen noch angewandt wird, lediglich das Brennen geschieht z. T. in modernen Spezialöfen. Die Manufakturen liegen etwas außerhalb zu beiden Seiten des Orts, so z. B. die große Werkstatt von Familie Moutsakis (Tel. 28910-41717, www.creta-ceramic.gr), von Kastélli kommend kurz vor Thrapsanó links. Gerne darf man bei der Arbeit etwas zusehen.
Kloster Agía Marína (Moní Agía Marína): Die gepflegte Anlage auf einem Hügel zwischen Vóni und Galatás wird von Nonnen bewirtschaftet. Um den 17. Juli findet ein großes, zweitägiges Fest statt, bei dem viele Kinder getauft werden.
Ágios Pandeleímonas: Etwa 1 km nördlich von Kastélli zweigt von der Straße nach Liménas Chersonísou rechter Hand eine schmale Straße ab, die in steilen Kurven nach 1,5 km zu diesem reizvoll unter hohen Eichen und Platanen gelegenen byzantinischen Kirchlein führt - der wohl schönste Sakralbau in der Region um Kastélli. In der Fassade wurden antike Stücke verarbeitet, im dreischiffigen Innenraum sind teils ungewöhnliche Fresken des 12.-14. Jh. erhalten, darunter an der Nordwand die Darstellung der Anna, die Maria stillt, sowie eine Säule, die aus vier aufeinandergesetzten korinthischen Kapitellen besteht.
Káto Karouzanós: Die kleine Oase der Ruhe liegt etwa 1 km seitwärts der Straße von Kastélli nach Liménas Chersonísou und wird als „Museumsdorf“ vermarktet. Ausflugsbusse von der nahen Nordküste laden ihre Passagiere in der großen Taverne am Ortseingang ab, wo sie dann das „echte Kreta“ erleben sollen (www.karouzanos.gr). Im Örtchen selber liegt ein nettes Kafenion.
Von Kastélli auf die Lassíthi-Hochebene
Eine kurvige Asphaltstraße führt zunächst hinauf ins ruhige Dorf Lýttos, das halbhoch am Hang der Díkti-Berge liegt, die die berühmte Lassíthi-Ebene verbergen. Von hier hat man einen schönen Blick auf Kastélli und die umliegende Ebene samt Flugplatz. Am Kamm oberhalb des Orts stehen die Stümpfe von alten Windmühlen. Nach Besichtigung der Ruinen des antiken Lýttos (→ Kasten) geht es weiter in Richtung Askí und - mit stetigem Blick auf die Díkti-Berge - auf einsamer Straße weiter nach Avdoú an der Zufahrt zur Lassíthi-Ebene (→ Link).
Hoch in den Bergen: das antike Lýttos
Nur wenige Kilometer oberhalb von Lýttos liegen rechts der Straße nach Askí (ein schmaler Fahrweg führt hinüber) die Ruinen der einst bedeutenden dorischen Stadt Lýttos, deren Hafen das heutige Liménas Chersonísou an der Nordküste war. Laut Homer führte Lyttos die kretischen Truppen im Trojanischen Krieg an und war in klassischer Zeit eine der größten Städte der Insel. Das kann man heute kaum mehr erahnen, denn erhalten bzw. ausgegraben ist so gut wie nichts. Neben der Gipfelkirche Ágios Geórgios und einem Windmühlenstumpf sieht man lediglich ein etwa 10 x 10 m großes Areal von antiken Grundmauern, außerdem die überwucherten Reste einer Stadtmauer aus byzantinischer Zeit.
♦ Ständig geöffnet, Eintritt frei.
Von Iráklion nach Anógia
Eine Bergtour in die Randlagen des mächtigen Psilorítis-Massivs. Anógia ist das größte Bergdorf Kretas und bekannt für seine Schafwollteppiche, außerdem bester Ausgangspunkt für eine Besteigung des Tímios Stavrós (2456 m), neben dem Páchnes in den Lefká Óri der höchste Gipfel Kretas.
Von Iráklion fährt man durch das Chaniá-Tor auf die Old Road, die landeinwärts parallel zum Strand von Ammoudára verläuft. Kurz hinter Gázi (→ Link) passiert man ein einstiges venezianisch-türkisches Rasthaus, zu erkennen an den zwei Kuppeln, bald danach folgt das Museumsdorf Arolíthos (→ Link).
Tílissos
Ein Dorf inmitten von Weinreben. Ein Stopp lohnt wegen der Ausgrabung dreier großer minoischer Villen unmittelbar im Ortsbereich, aber auch, weil es ein typisch kretisches Bauerndorf ist - am schönsten vielleicht zur Weinlese, mit der der ganze Ort beschäftigt ist. Die runde Platia mit einigen Kafenia und einem türkischen Brunnen liegt etwas abseits, Touristen finden selten hierher.
Minoische Villen: Sie sind an der Durchgangsstraße ausgeschildert und liegen im Ortsteil links der Straße unter mächtigen Pinien mit weitem Blick in die Weinberge. Bei der erholsam ruhigen Ausgrabungsstätte handelt sich um einen Komplex aus spätminoischer Zeit (etwa 1600 v. Chr.), der wahrscheinlich enge Beziehungen zum nahen Knossós hatte, wohl auch von einer ganzen Siedlung umgeben war und an der wichtigen Straße lag, die die minoischen Städte im Westen und Osten Kretas verband. Die ursprüngliche Anlage ist allerdings teilweise von späteren Bauten der Mykener überlagert. Zu sehen sind Gänge und Mauern bis in 2 m Höhe, auch Treppenaufgänge in die nicht mehr existierenden oberen Stockwerke und - am nordöstlichen Rand der Ausgrabung - eine Zisterne, die mittels einer Wasserleitung von der noch heute existierenden Quelle Ágios Mámas die Villen mit Wasser versorgte.
Anfahrt/Verbindungen → Anógia, mit dem Bus etwa 30 Min. Zeitdifferenz.
Öffnungszeiten April bis Okt. Di-So 9-16 Uhr, sonst bis 15 Uhr, Mo geschl., Eintritt ca. 2 €. Man erhält leihweise ein deutschsprachiges Heft mit Erklärungen.
Von Tílissos nach Anógia
Hinter Tílissos geht es durch silbrig-grüne Olivenwäldchen hinauf in die Berge, besonders eindrucksvoll ist die Fahrt entlang der felsigen Goniés-Schlucht (Gonianó Farángi) mit fast senkrecht abfallenden Wänden und dicht begrüntem Grund. Am Beginn der Schlucht steht links der Straße ein Denkmal für die kretischen Partisanen, die hier am 21. August 1944 von der deutschen Wehrmacht erschossen wurden.
Am Ausgang der Schlucht passiert man rechts den Abzweig nach Astiráki (→ Übernachten), danach sieht man links der Straße die Grundmauern eines minoischen Herrenhauses namens Slavokámbos (beschildert), hier hat man u. a. Siegelabdrücke mit Stierspringermotiven ausgegraben (Arch. Museum Iráklion).
Bevor man Goniés erreicht, kann man vielleicht rechts nach Kamaráki abzweigen. Nach der Durchquerung des kleinen Dorfes führt eine Piste zur tiefen Tropfsteinhöhle Chaenóspilios. Sie ist allerdings nicht erschlossen und schwer zu begehen, wir raten ab.
Nun kommt bald Goniés in Sicht, ein lang gezogenes Bergdorf mit markanter Kreuzkuppelkirche, dessen Häuser terrassenförmig am Hang kleben. Auch hier oben wird noch überall an den Hängen und in geschützten Mulden Wein angebaut.
Mit weiten Ausblicken schraubt sich die Straße nun hinauf nach Anógia. Kurz nach dem Ortseingang zweigt links die Straße auf die Nída-Hochebene ab, von wo eine relativ leichte Besteigung des Tímios Stavrós (2456 m) möglich ist.
Übernachten Elena, im abgelegenen Dorf Astiráki vermieten Elena und Jannis Sarchianakis Zimmer in einem traditionellen kretischen Haus. Zur Begrüßung Obst, abends authentisches Abendessen (bei Elena vorher bestellen), Gemüse, Olivenöl und Wein aus eigener Herstellung. Sehr ländlich und ruhig. DZ/F ca. 40-50 €, HP für 2 Pers ca. 65-70 €. Tel. 2810-510141.
Anógia
Glasklare Gebirgsluft, die Sonne hell und gleißend - das größte Bergdorf Kretas liegt in 800 m Höhe weit ausgebreitet zwischen einem Kranz karger Bergrücken. Es besteht aus Ober- und Unterdorf und bietet einen Einblick in das raue kretische Bergleben.
Selbst im Sommer sind die Temperaturen oft frisch, im Winter versinkt das dann halb verlassene Dorf in Schnee- und Regenstürmen. Auch heute noch tragen viele der älteren Männer Anógias die traditionelle kretische Tracht mit fransigem Stirntuch, Stiefeln und schwarzem Hemd. Und dies nicht von ungefähr, denn Anógia gilt seit jeher als Heimat der unbeugsamsten und freiheitsliebendsten Kreter, der Widerstand gegen jegliche Besatzer hat hier eine lange Tradition. Schon in der Türkenzeit galten die hiesigen Partisanen als die gefährlichsten und entschlossensten der Insel. Zweimal, 1822 und 1867, wurde das Dorf deshalb von den osmanischen Besatzern völlig zerstört.
Auch im 20. Jh. überschattet eine Tragödie das Dorf: Am 13. August 1944 begannen deutsche Soldaten auf Befehl von H. Müller, kommandierendem General der „Festung Kreta“, das gesamte Dorf bis auf die Grundmauern niederzubrennen. Alle 950 Häuser wurden zerstört und alles Vieh getötet, das nicht mitgenommen werden konnte. Die gesamte Aktion dauerte bis zum 5. September. Der Befehl lautete weiter, alle männlichen Einwohner, derer man im Umkreis von 1 km habhaft werden könne, zu erschießen. Die Männer waren allerdings schon am Abend zuvor in die Berge geflohen, doch wurden die Alten und Gebrechlichen, die ihre Häuser nicht verlassen konnten, von den Deutschen ihrem Schicksal überlassen und verbrannten. Weitere Bewohner wurden in der Umgebung des Ortes exekutiert. Die offizielle Liste der Präfektur Réthimnon führt 117 getötete Bewohner Anógias auf.
Auf dem Dorfplatz ist der Wehrmachtsbefehl auf Griechisch eingraviert: „Da die Stadt Anógia ein Zentrum der englischen Spionagetätigkeit auf Kreta ist, da die Einwohner Anógias den Sabotageakt von Damastá ausgeführt haben, da die Partisanen verschiedener Widerstandsgruppen in Anógia Schutz und Unterschlupf finden und da die Entführer des Generals Kreipe ihren Weg über Anógia genommen haben, wobei sie Anógia als Stützpunkt bei der Verbringung nutzten, befehlen wir, den Ort dem Erdboden gleichzumachen und jeden männlichen Einwohner Anógias hinzurichten, der innerhalb des Dorfes oder in seinem Umkreis in einer Entfernung bis zu einem Kilometer angetroffen wird“.
Anógia, größtes Bergdorf Kretas
Zur Information: Der „Sabotageakt von Damastá“ meint die Tötung eines für seine Grausamkeit berüchtigten deutschen Feldwebels sowie einiger deutscher und italienischer Soldaten Anfang August 1944 durch kretische Partisanen. Und die Entführung General Kreipes war im April desselben Jahres mit maßgeblicher Hilfe britischer Offiziere vonstatten gegangen. Diese hatten zusammen mit kretischen Partisanen den Panzergeneral an einer Kreuzung nicht weit von Archánes in seinem Dienstwagen gekidnappt. Mit geschickten Täuschungsmanövern (22 deutsche Kontrollposten wurden passiert!) und einem Marsch quer durchs Ída-Gebirge konnten sie ihn bis an die Südküste bringen. Von dort transportierte ihn ein Schiff weiter nach Ägypten (Näheres zu der spektakulären Entführung unter Archánes). Níkos Kazantzákis hat nach dem Krieg Anógia bereist und die Zerstörung beschrieben (www.explorecrete.com/history/WW2_Anogia_Destruction.html).
Nach dem Krieg wurde Anógia mit amerikanischer Hilfe wiederaufgebaut, in Bonn fühlte sich damals niemand zuständig. Jedes Jahr am 13. August gedenkt der Ort des Ereignisses, von der deutschen Botschaft in Athen ist dazu noch niemand erschienen - nach Aussage des bis 2005 tätigen Botschafters Dr. Albert Spiegel wurde er allerdings auch nie eingeladen und wäre einer Einladung gerne nachgekommen. Wie überall auf Kreta werden deutschen Urlaubern heute jedoch keinerlei Ressentiments entgegengebracht.
Anógia hat aber nicht nur als Hort der Freiheitskämpfer, sondern auch in Sachen Musik einen hervorragenden Ruf auf Kreta. Einige der besten Musikerfamilien der Insel stammen von hier, darunter die Lyra spielenden Brüder Níkos und Psarántonis Xiloúris und Vasilis Skoulas, der im Unterdorf das Museum seines verstorbenen Vaters weiterführt.
Sehenswertes
Armí (Oberer Ortsteil): Die lange Hauptstraße führt leicht abschüssig zum Rathausplatz hinunter, vorbei an der hübschen, kleinen Platia Meintani mit ihren Kafenia und dem Kirchlein Ágios Geórgios, dessen Gewölbe mit alten Fresken ausgemalt ist.
Am weiten, kahlen Rathausplatz steht das Denkmal eines kraftvollen Kreters mit Säbel und Muskete, der an die dreimalige Zerstörung Anógias erinnert: 1822, 1867 und 1944. Davor ist auf einer Gedenktafel aus Alabaster in Form eines aufgeschlagenen Buches in griechischer, englischer und deutscher Sprache der Befehl des Wehrmachtkommandeurs Müller eingraviert, das Dorf niederzubrennen und alle Männer hinzurichten.
An der Unterkante des Platzes steht das zweischiffige Kirchlein Ágios Ioánni Prodrómos, dessen Inneres mit vergoldeter Holz-Ikonostase und vielen Heiligenbildern prächtig geschmückt ist (im nächsten Laden nach dem Schlüssel fragen). Im rückwärtigen Schiff sind Fresken erhalten mit Themen aus dem Leben Jesu, Kreuzigung, Grablegung u. a.
Perachóri (Unterdorf): Durch enge Treppenwege und schmale Gässchen, in denen Basilikum- und Blumenkübel vor den Türen stehen, kann man von der Hauptstraße in den unteren Dorfbereich hinabsteigen, wo am Ortsausgang in Richtung Axós das eigentliche Zentrum Anógias liegt.
Die dortige Platia ist mit ihren urigen Kafenia ein echtes kretisches Idyll und wirkt fast wie eine Theaterbühne. Die Hauptkirche Ágios Charalámbos am Platz ist über und über mit teils älteren, teils modernen Fresken ausgemalt. Daneben steht das Geburtshaus des berühmten Lyraspielers Níkos Xiloúris, der Anfang der 80er Jahre noch jung an Krebs verstarb. Es ist mit Fotos des Künstlers und Erinnerungsstücken ausgestattet und steht meist offen.
Im Geburtshaus von Níkos Xiloúris
Wenige Schritte sind es von hier zum Museum mit den Werken des 1902 geborenen und in den neunziger Jahren verstorbenen Künstlers Alkibíades Skoúlas, „Griliós“ (Grille) genannt. Es wird nunmehr von seinem Sohn Giorgos geführt, der ebenfalls ein guter Lyra-Spieler ist und sich bei Besuchergruppen gerne musikalisch bedankt. Es ist ab dem Platz beschildert, eine kleine Spende wird erwartet (falls geschlossen, Auskunft in den Lokalen an der Platia oder Tel. 28340-31593). Die markant-naive Malerei des Autodidakten kann mit seinen plakativen Farben und Formen einen hervorragenden Zugang zur schweren Geschichte Anógias und der Insel geben. Immer wiederkehrende Themen Alkibíades’, der das Malen erst mit knapp 70 Jahren begann, sind die Kämpfe mit den Türken, außerdem die Zerstörung Anógias durch die Deutschen, die er selbst als Widerstandskämpfer erlebte. Höchst dekorativ sind auch die Skulpturen aus Zypressenholz, die er als Hirte gefertigt hat.
Praktische Infos
Anfahrt/Verbindungen Busse von Iráklion nach Anógia fahren Mo-Do u. Sa 3 x tägl., Fr 4 x, So 1 x (Dauer ca. 1 Std.). Der Bus hält mehrmals in Anógia, am besten am Rathausplatz (großer Platz mit Rathaus, Post und Denkmal) aussteigen und ins Unterdorf hinunterlaufen.
Übernachten In einer Parallelgasse zur Hauptgasse im oberen Ortsbereich gibt es mehrere gute Unterkünfte (ausgeschildert):
*** Marina, Marina Dagianda führt dieses geschmackvoll eingerichtete und saubere Haus, Studios mit Küchenzeile, Balkon und weitem Blick, z. T. mit Kamin, auch Familienapartments gibt es. DZ ca. 35-50 €, auf Wunsch mit gutem Frühstück (ca. 6 €/Pers.). Tel. 28340-31817.
*** Aristea, wenige Schritte weiter, das angenehme Hotel wird geführt von der liebenswürdigen Aristea. Es gibt mehrere DZ und Studios, alles sehr sauber, jeweils mit Balkon und herrlicher Aussicht in die Berge. Frühstück auf Anfrage (ca. 6 €/Pers.), auch Lunchpakete für die Besteigung des Tímios Stavrós möglich. DZ ca. 32-45 €, Studio (3-4 Pers.) ca. 50-60 €. Tel. 28340-31459, www.hotelaristea.gr.
Aris, ein Stückchen weiter die Straße hinunter, drei einfache DZ, ein Single und ein Dreibettzimmer im ersten Stock, ebenfalls herrlicher Blick. DZ ca. 35-45 €, Frühstück ca. 6 €/Pers. Tel. 28340-31817.
Melissa, museal gestaltete Apartments bei der herzlichen Wirtin Popi, viele traditionelle Stücke, herrlicher Blick von der Veranda, das echt kretische Frühstück wird gelobt. Preis ca. 50-60 €. Tel. 6936-346652.
An der Platia im Unterdorf
**** Delina Mountain Resort, große Anlage der Familie Skoulas am Beginn der Straße zur Nída-Hochebene, ca. 1 km vom Ort. 13 großzügige und moderne Zimmer mit Kamin (Bäder z. T. mit Whirlpool), es gibt außerdem einen Innenpool und eine Sauna (kostenpflichtig). Im Außenbereich liegt ein künstlicher See. Allerdings ist nicht immer alles gut in Schuss und das Frühstück eher mager. Auch eine Taverne gehört zur Anlage. Lunchpaket für die Bergbesteigung möglich. DZ/F ca. 70-100 €. Tel. 28340-31701, www.delina.gr.
Essen & Trinken Von Iráklion kommend reihen sich am Ortseingang mehrere Tavernen, die auf touristische Laufkundschaft warten. Zudem gibt es im oberen Ortsteil einige Tavernen mit prächtigem Panoramablick.
Aetos, urige Grilltaverne an der Hauptstraße im oberen Ortsbereich, dekoriert mit Wurzeln, getrockneten Pflanzen, Folklore und Waffen. Zubereitet wird einfache Bergküche, z. B. antíchristo (Lammfleisch vom holzbefeuerten Drehgrill). Service ebenfalls rustikal. Tel. 28340-31262.
Im unteren Ortsbereich gruppiert sich alles um den stimmungsvollen Platz mit der Platane, hier liegen mehrere gemütliche Kafenia und Tavernen mit holzbefeuerten Drehgrills, z. B. die freundlich geführte und authentisch kretische Psistaria Xylouris mit dem überdimensionalen Konterfei des Musikers.
Kafenia Stimmungsvoll sitzt man an der Platia Meintani mit schattigen Platanen und der Kirche Ágios Geórgios, etwa 150 m oberhalb vom Rathausplatz. Hier treffen sich Alt und Jung, die Männer lesen Zeitung oder spielen Távli.
Fast schon museal eingerichtet ist das Kafenion Platia tou Syntagmatos am unteren Dorfplatz.
Shopping Um den unteren Dorfplatz werden von den Frauen des Dorfes jede Menge Webteppiche, -decken und -taschen angeboten, außerdem Spitzendecken und Stickereien, das meiste zwischen 10 und 30 €. Dazu kommen die traditionellen schwarzen Stirntücher namens Sariki (ca. 7-10 €).
Tarrha Glass, von Iráklion kommend gleich am Ortseingang. Marios kreiert hier sehr schöne und originelle Stücke, sehenswert.
Eine Käserei liegt an der Straße zur Nída-Hochebene. Versuchen Sie die verschiedenen Sorten und kaufen Sie ein für ein Picknick auf der Nída-Hochebene, Kilopreis ca. 5-8 €.
Feste Die Yakinthia-Festspiele, benannt nach dem Märtyrer Yakinthos (gest. 98 n. Chr.), finden seit 1997 alljährlich Ende Juli in Anógia statt. Geboten sind Musik-, Film-, Literatur- und Theatervorführungen auf hohem Niveau (www.yakinthia.gr). Die meisten Veranstaltungen finden im Amphitheater am Ortseingang statt. 2020 fiel das Festival wegen Corona erstmalig aus.
Von Anógia nach Westen
Auf guter Asphaltstraße kann man über Axós nach Mourtzaná fahren, wo man auf die Old Road nach Réthimnon trifft. Über die größere Provinzstadt Pérama geht es zur New Road an die Küste östlich von Réthimnon. Ausführliche Infos zu dieser Route wie zur ganzen Region (Axós, Töpferdorf Margarítes, Höhle von Melidóni, Kloster Arkádi u. a.) unter Umgebung von Réthimnon.
Nída-Hochebene und Psilorítis
Das Psilorítis-Massiv (oder Ída-Gebirge) ist das Dach Kretas. Noch im Juni liegen hier oben ausgedehnte Schneefelder. Höchster Gipfel ist mit 2456 m der Tímios Stavrós. Seine Besteigung ist von der Nída-Ebene aus in 4:30 Std. zu machen, der Abstieg dauert ca. 3 Std.
Die Nída-Hochebene im Psilorítis-Gebirge
Die Nída-Hochebene ist eine rundum abgeschlossene Hochebene in knapp 1400 m Höhe mitten im Psilorítis, etwa 22 km südlich von Anógia. In der nahen Höhle Idéon Ándron soll Göttervater Zeus aufgewachsen sein.
Die Anfahrt mit Pkw ab Iráklion und wieder zurück schlägt mit vier Stunden zu Buche. Die ganze Aktion ist also ab Iráklion an einem früh begonnenen Tag zu schaffen. Nachteil: Man darf sich auf dem Gipfel maximal eine Stunde aufhalten, um beim Abstieg nicht in die anbrechende Dunkelheit zu kommen. Man kann jedoch die Zeit auf dem Gipfel ausdehnen, indem man beispielsweise in Anógia übernachtet und kurz vor Sonnenaufgang zum Aufstieg aufbricht. Die reizvollste Variante ist aber zweifellos die Übernachtung (mit Schlafsack und Verpflegung) auf dem Gipfel selbst.
Tipp: Eine weitere, etwas kürzere Aufstiegsvariante.
Anfahrt mit eigenem Fahrzeug Von Anógia auf die Nída-Ebene sind es etwa 22 km. Die vollständig asphaltierte Straße zweigt kurz vor dem östlichen Ortseingang von Anógia von der Straße aus Iráklion ab (beschildert). 30 Min. sollte man für die Fahrt veranschlagen, auf der man außer Hirten mit ihren Herden kaum jemanden trifft. Aus 800 m Höhe (Anógia) steigt die Straße bis zu einem Pass in 1500 m Höhe, von dem man einen überwältigenden Blick auf die Ebene hat. Dann folgt die Abfahrt in die Nída-Hochebene (1370 m), die Straße zieht sich um die halbe Hochfläche und endet an einem Parkplatz bei einem unvollendeten Gästehaus mit Taverne.
Anfahrt ab Gérgeri von Süden (→ Link).
Anfahrt ohne eigenes Fahrzeug Taxis verlangen ab Anógia ca. 30 €, Busse gibt es nicht. Morgens zwischen 6 und 8 Uhr fahren jedoch die Hirten von Anógia zu ihren Herden in die Berge hinauf, abends geht es bei Sonnenuntergang wieder zurück. Wenn man rechtzeitig an der Abzweigung zur Nída-Hochebene steht, wird man oft mitgenommen. Allerdings fahren nicht alle Hirten bis zur Hochebene, deshalb muss man eventuell in mehreren Etappen fahren bzw. ein Stück laufen.
Von Anógia zur Nída-Hochebene
Anfangs noch recht grün, wird die Landschaft zusehends wilder und felsiger. Immer wieder passiert man Ziegenpferche und die charakteristischen steinernen Rundhütten (mitáto) der Hirten. Linker Hand passiert man etwa 2 km ab Ortsausgang einen kleinen Stausee, der der Bewässerung dient. In der Bergwelt ringsum kann man hin und wieder Gänsegeier und Adler kreisen sehen.
Zóminthos
1982 entdeckte der bekannte Archäologe Iánnis Sakellarákis (→ Archánes) in 1187 m Höhe an der Straße auf die Nída-Hochebene (etwa 9 km oberhalb von Anógia) einen weitläufigen Komplex aus mittelminoischer Zeit mit bis zu 3 m hohen Mauern. Vom einst wahrscheinlich dreistöckigen Zentralbau wurden 50 Räume freigelegt. Neben Wandmalereien, Waffen und Keramik hat man hier säuberlich auseinandergeschnittene Kinderknochen entdeckt - möglichweise ein Hinweis darauf, dass die Minoer Menschen opferten.
Skínakas-Observatorium: Sternbeobachtung im kretischen Hochgebirge
Wenige Kilometer bevor man die Nída-Hochebene erreicht, zweigt links eine sehr schmale, nur teilweise asphaltierte Piste ab, die nach Gérgeri an der Straße nach Zarós (Südkreta) hinunterführt (→ Link). Von dieser Piste zweigt nach 3 km die Zufahrt zur Sternwarte ab, ist aber in der Regel mit einer Drahtseilkonstruktion abgesperrt und nur zu den offiziellen Besuchszeiten zugänglich. In Serpentinen (aufpassen, Steine!) führt sie bis zum Gipfel des 5 km entfernten Skínakas (1760 m), von wo man bei klarem Wetter bis zur Messará-Ebene im Süden Kretas blicken kann. In völliger Einsamkeit stehen hier oben die Bauten eines Observatoriums mit zwei Beobachtungstürmen. Erbaut wurde es von der Universität Kreta zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik, um den Halleyschen Kometen zu beobachten. Die klare Luft, die isolierte Höhenlage und die vielen wolkenlosen Nächte Kretas machen diesen Standort zu einem der besten für die Sternenbeobachtung in Europa.
♦ Von Mai bis Sept. ist das Observatorium jeweils einen Sonntag im Monat von 18-23 Uhr für Interessierte geöffnet (skinakas.physics.uoc.gr, Tel. 2810-394238). Man kann einen geführten Rundgang machen und durch das Teleskop schauen, allerdings wird dabei nur Griechisch gesprochen. Bedingt durch Covid-19 kann es allerdings zu Schließungen kommen.
Sakellarákis war in Anógia auf die Worte eines Hirten aufmerksam geworden, der erzählt hatte, er wolle seine Schafe „in Zóminthos“ weiden lassen. Das Wort erschien ihm vorgriechischen Ursprungs, er fuhr hinauf und fand auch prompt das Haupthaus der Anlage. Wichtigste Erkenntnis: Die Minoer hatten ihre Anlagen auch in den unwegsamen Gebirgen Kretas erbaut. Vielleicht handelte es sich bei dem Gebäudekomplex um eine Art Herberge für Höhlenpilger zur „Idéon Ándron“.
Die Ausgrabung von Zóminthos
Das Gelände ist heute eingezäunt und nicht zugänglich. Zwischen den Bäumen kann man nur einen Blick auf die Mauern erhaschen, die ein gutes Stück von der Straße entfernt sind. Sakellarákis liegt seit 2010 hier in seiner letzten großen Entdeckung begraben, sein Grab sieht man im linken Bereich der Einzäunung, nur wenige Meter von der Straße.
Nída-Hochebene
Das etwa 2,5 x 1,5 km große und völlig flache Plateau wird in der warmen Jahreshälfte von zahlreichen Hirten zum Weiden ihrer Herden genutzt (im Herbst ziehen sie in die küstennahen Ebenen hinunter). Von der Straße aus erkennt man die weit verstreuten Herden, die helle Muster ins Grün zaubern. Das Bimmeln von Glöckchen dringt herüber, sonst ist kaum ein Laut zu hören. Die Straße endet auf einem Parkplatz bei einem seit Jahren unfertigen Gästehaus mit Taverne, die gelegentlich geöffnet ist.
Mehrere Fahrwege durchziehen die weite Fläche, auf einem kommt man bis in die Nähe des „Andartis“, eines ungewöhnliches Monuments für den Freiheitskampf der kretischen Partisanen auf der anderen Seite der Ebene. Auch zur Höhle Idéon Ándron kann man mit dem Pkw auf einer schlechten Piste hinauffahren - man geht aber besser zu Fuß. Die Piste, die vom Gästehaus nach Süden führt, endet nach einigen Kilometern, eine Weiterfahrt ist dort nicht möglich.
Análipsi-Kapelle und Umfeld
Die schlichte Kapelle steht auf einem kleinen Plateau an der Piste zur Höhle Idéon Ándron. Im Umkreis findet man Viehtränken und einige Gräber, darunter das des Michális Vréntzos, der am 3. September 1943 im Alter von 26 Jahren von deutschen Soldaten erschossen wurde, sowie den Gedenkstein für einen seiner Verwandten, der 1866 gegen die Türken ums Leben kam.
Vorne rechts liegt der Andártis
Andártis - mnimío giá tin Iríni
„Der Partisan - ein Monument für den Frieden“, so nennt die Berliner Künstlerin Karina Raeck die 32 x 9 m große, geflügelte Steinskulptur, die sie unter Mithilfe der Schäfer von Anógia mit großem persönlichem Einsatz Anfang der 90er Jahre in die Nída-Ebene gelegt hat. Der Andártis besteht vollständig aus einzelnen unbehauenen Felsblöcken, die aus der ganzen Ebene herangeschafft und dicht nebeneinander im Erdreich versenkt wurden. Diese Blöcke waren im Weltkrieg großteils von den Bewohnern Anógias über die Ebene verteilt worden, um die deutschen Flugzeuge am Landen zu hindern.
Die geflügelte Partisanenfigur liegt genau diagonal gegenüber der Zeus-Höhle am Ostrand der Ebene. Von der Straße bzw. vom Gästehaus aus kann man sie allerdings kaum mehr ausfindig machen, denn mittlerweile ist das Denkmal stark überwuchert und wird allmählich der Natur zurückgegeben - nur Idee und Erinnerung werden bleiben. Man kann problemlos hinübergehen (sogar fahren, wovon wir aber abraten).
Das Friedensmonument erinnert an die lange Tradition der kretischen Freiheitskämpfer („Andártes“), vor allem aber an die Tragödie Anógias vom 13. August 1944. Es will ein Symbol deutsch-griechischer Versöhnung sein und ein Versuch, der Betroffenheit über die Verbrechen Ausdruck zu geben, die hier in deutschem Namen verübt wurde. Die anregende Dokumentation zur Entstehung des „Friedenspartisanen“ wurde 2006 aufgelegt (→ Lesetipps).
Idéon Ándron(Idäische Höhle)
Das mächtige, dunkle Loch, in dem die Mythologie den jungen Zeus verortet (→ Kasten), öffnet sich etwa 20 Fußminuten oberhalb vom Gästehaus in einer fast senkrechten Felswand. 1982 begann Sakellarákis mit systematischen Ausgrabungen, beendete sie aber fünf Jahre später, obwohl er noch nicht zur untersten Schicht gelangt war, um die Funde auszuwerten. In den letzten Jahren wurden die Höhle und ihre Umgebung mit EU-Mitteln neu gestaltet. Am Eingang bekommt man ein Infoblatt und kann über eine neue Treppe hinuntersteigen, mehrere Schautafeln geben Hinweise. In etwa 8 m Höhe erkennt man in der rückseitigen Wand ein Loch zu einer weiteren Höhlenkammer, dort wurden die wertvollsten Funde gemacht.
Anfahrt/Hinkommen Gegenüber vom Gästehaus zieht sich eine schlechte Piste den Berghang hinauf zur Höhle, dort wurde ein Parkplatz eingerichtet. Nach einigen Kurven auf dieser Piste erreicht man ein kleines Plateau mit der Análipsi-Kapelle (s. o.). Ein wenig oberhalb davon beginnt der viereinhalbstündige Aufstieg auf den Tímios Stavrós (s. u.).
Tipp: Ein ausgeschilderter Fußweg kürzt die Kurven der Piste ab, zur Grotte sind es ca. 580 m steil bergauf (ca. 20 Min.).
Öffnungszeiten in der Regel nur Juni bis Sept. bis ca. 15 Uhr. Der niedrige Zaun stellt kein Hindernis dar.
Auch Zeus war einst jung
Die Idäische Höhle hat den hohen Anspruch, Aufenthaltsort des jungen Zeus gewesen zu sein. Hier soll ihn seine Mutter Rea nach der Geburt in der berühmten Höhle von Psichró in der Lassíthi-Hochebene vor seinem schrecklichen Vater Kronos versteckt haben. Dieser wollte alle seine Kinder verschlingen, um vor Thronneidern sicher zu sein. Immer wenn Baby-Zeus schrie, schlugen die Kureten, die Priester der Rea, ihre schweren Bronzeschilde aneinander, um die verräterischen Geräusche zu übertönen (ausführlicher zum Mythos unter Kreta/Geschichte). Gemäß dieser überragenden Bedeutung war die Ída-Höhle schon in minoischer Zeit ein wichtiges Kultheiligtum. Noch in römischer Zeit pilgerten Wallfahrer zu dem Ort, wo Zeus seine Kindheit verbracht hatte. Und auch Schatzgräber taten sich immer wieder um, denn in der geheimnisvollen Höhle vermutete man märchenhafte Reichtümer aus der Antike. Archäologische Expeditionen begannen schon Ende des 19. Jh., die Höhle zu durchforsten. Doch erst 1955 brachten neue, von Paul Faure geleitete Ausgrabungen greifbare Ergebnisse. Faure entdeckte die oben erwähnte Seitenkammer der Haupthöhle und fand darin zahlreiche minoische Opfergaben, vor allem aber große Bronzeschilde aus der archaischen Epoche (650-500 v. Chr.), die den Mythos der Kureten thematisieren (heute im Arch. Nationalmuseum von Iráklion).