Читать книгу Kreta Reiseführer Michael Müller Verlag - Eberhard Fohrer - Страница 19

Оглавление

Von Iráklion nach Kastélli

Rundtour durch das Weinbaugebiet mit diversen Hal­te­punk­ten, z. B. das Klos­ter Angaráthos und das Töpfer­dorf Thrap­sanó. Bis Pezá folgt die Route der Stra­ßen­füh­rung, die auf S. 93 be­schrie­ben ist. Über Kas­télli kommt man in die Hänge des Díkti-Massivs und kann sogar bis zur Lassíthi-Ebene weiter­fahren.

Episkopí

Das lang gezogene Dorf liegt nicht weit von Mirtiá (→ Link). Eine einstige Sehenswürdigkeit war hier das sog. Kriegs- und Ethnolo­gische Mu­seum von „Captain Michalis Argirakis“ (→ Foto) mit ei­nem kun­terbunten Sam­mel­surium von Relikten der Schlacht um Kreta aus dem Zweiten Welt­krieg. Der ehe­ma­li­ge Par­ti­san ist 2011 gestor­ben, seitdem ist das Mu­seum offiziell geschlossen, wird auf Nachfrage aller­dings manch­mal geöff­net (Tel. 2810-771501, www.argirakio.gr).

Interessant sind die Kirchen im Ort (allerdings nur selten alle geöffnet). In der Hauptkirche Ágios Minás am Dorf­platz sieht man unter drei Glas­plat­ten im Boden ein Skelett und Gebeine. Von dort führt eine Gasse zur Einraum­kapelle Agía Paraskeví aus dem 10. Jh., die einst völlig aus­gemalt war und deren Fresken heute restauriert sind - in den Darstellungen des Jüngsten Ge­richts, der Höl­le und der Soldaten in den Szenen des Martyri­ums der heili­gen Pa­raskevi sind westliche Ein­flüsse zu erkennen, die für die Entste­hungs­zeit höchst un­gewöhnlich sind.

An der ums Zentrum herum führen­den Durchgangsstraße steht außerdem etwas erhöht die Kapelle Ágios An­tó­nios mit restaurierten Fres­ken der „Kre­ti­schen Schule“.

Wenn man Episkopí nach Osten verlässt und in Richtung Chochlakiés fährt, trifft man auf die Beschilderung zum Kloster Ágios Geórgios in der Nähe des Fuß­ball­plat­zes. Auch diese Kirche auf einer pinienbewachsenen Anhöhe be­sitzt Fres­ken, im Umkreis sind Über­reste von Mönchszellen zu erkennen, es gibt eine Quelle mit fließen­dem Was­ser und einen gemauerten Back­ofen sowie Tische und Bänke.

Kloster Angaráthos(Moní Angaráthou)

Große, bestens gepflegte Anlage nörd­lich der Straße nach Kastélli, zu errei­chen von der Straße nach Epis­kopí. Gegrün­det be­reits im 15. Jh., ent­wickelte es sich im 16. Jh. zum befes­tig­ten Wehrkloster und wurde wegen seiner zentra­len Lage eins der wich­tigsten und reichsten Klöster der Insel. Zeitweise lebten hier bis zu 60 Mön­che und auch heute sieht man wieder vie­le, meist junge Mönche, die das Klo­ster zu ei­nem wichtigen Zentrum der mo­der­nen Or­thodoxie machen. Im Hof ge­dei­hen Pal­men, Orangenbäume, Zypres­sen und üppige Stauden, vor den Mönchs­zellen hängen die Trau­ben von Gestellen herun­ter. Vor der Kir­che steht ein kleiner Granatapfelbaum, unter dem der Le­gende nach eine be­deu­ten­de Iko­ne gefunden wurde - An­lass für die Grün­dung des Klosters. Die reich aus­gestattete Kirche wurde En­de der 1970er Jahre vollständig ausgemalt. Es gibt außerdem ein Museum und einen Shop, u. a. mit Olivenöl aus eigener Produktion.

Kastélli

Größere Provinzstadt in einer Ebene zwi­schen Weinplantagen. Wegen der gün­sti­gen Flachlage gibt es hier einen Militärflugplatz, der innerhalb der nächsten zehn Jahre zum neuen Flug­platz von Iráklion ausgebaut wer­den soll - er soll drei- bis viermal so groß werden und damit der zweitgrößte Airport Griechenlands sein. Bislang ist aber noch nichts passiert.

Die Bushalte­stel­le liegt an der gro­ßen Kreu­zung in der Orts­mitte, dort gibt es auch mehrere Kafenia. Sehens­wert ist der Mitt­wochs­markt mit rei­chem Angebot an frischem Obst und Gemüse so­wie Be­klei­dungs­basar. Die Fes­tung, von der Kastélli seinen Namen hat, ist nicht mehr erhalten.

Übernachten ** Kalliopi, etwas abseits der Durchgangsstraße, ansprechend ge­stal­tetes Hotel mit Gästehaus im Gar­ten, 15 Zim­mer, z. T. be­hag­licher Vorraum mit Sitz­ecke am offe­nen Ka­min, zudem Pool mit Kinder­becken und Poolbar. Sehr nettes Per­sonal. Ganzjährig ge­öff­net. DZ ca. 35-55 €, Früh­stück ca. 5 €/Pers. Tel. 28910-32685, www.kalliopi-hotel.gr.

Essen & Trinken Irida, Familienbetrieb im west­lichen Orts­bereich di­rekt an der Durch­gangs­straße, freundliche Be­die­nung und lecke­res Essen in rei­cher Aus­wahl (Spei­se­kar­te auch deutsch­spra­chig). Ganz­jährig ge­öff­net, im Winter Di geschl. Tel. 28910-32023.

Umgebung von Kastélli

Thrapsanó

Das Hügeldorf südwestlich von Kastélli ist neben Margarítes bei Ré­thim­non (West­kreta) das einzige Dorf Kre­tas, in dem noch Berufstöpfer arbei­ten. Auf hand­ge­dreh­ten Schei­ben werden hier vor allem hohe Vor­ratsgefäße gefer­tigt, die sog. „Píthoi“ und „Stamnas“, die in viele euro­päi­sche Länder expor­tiert wer­den und ihren Weg sogar bis ins ferne China finden. 5000 Jahre alt ist die Tech­nik, die hier im Wesentlichen noch angewandt wird, lediglich das Bren­nen ge­schieht z. T. in modernen Spezial­öfen. Die Manufakturen liegen etwas außer­halb zu bei­den Seit­en des Orts, so z. B. die große Werkstatt von Familie Mout­sa­kis (Tel. 28910-41717, www.creta-ceramic.gr), von Kas­télli kom­mend kurz vor Thrapsanó links. Gerne darf man bei der Ar­beit etwas zusehen.

Kloster Agía Marína (Moní Agía Marína): Die gepflegte Anlage auf einem Hügel zwischen Vóni und Galatás wird von Nonnen bewirt­schaf­tet. Um den 17. Juli findet ein großes, zweitägiges Fest statt, bei dem viele Kinder getauft werden.

Ágios Pandeleímonas: Etwa 1 km nörd­lich von Kastélli zweigt von der Straße nach Li­ménas Chersonísou rechter Hand eine schmale Straße ab, die in stei­len Kur­ven nach 1,5 km zu diesem reizvoll unter hohen Eichen und Plata­nen gelege­nen byzan­ti­ni­schen Kirch­lein führt - der wohl schönste Sakral­bau in der Region um Kastélli. In der Fas­sade wur­den antike Stücke verar­beitet, im drei­schif­figen In­nen­raum sind teils ungewöhnliche Fresken des 12.-14. Jh. erhalten, da­runter an der Nord­wand die Dar­stellung der Anna, die Maria stillt, sowie eine Säule, die aus vier auf­einandergesetzten korinthi­schen Ka­pitellen besteht.

Káto Karouzanós: Die kleine Oase der Ruhe liegt etwa 1 km seitwärts der Stra­ße von Ka­stélli nach Li­ménas Chersonísou und wird als „Mu­seums­dorf“ vermarktet. Ausflugs­busse von der na­hen Nord­küste laden ihre Passa­giere in der gro­ßen Taverne am Orts­ein­gang ab, wo sie dann das „echte Kreta“ erleben sol­len (www.karouzanos.gr). Im Örtchen sel­ber liegt ein nettes Ka­fe­nion.

Von Kastélli auf die Lassíthi-Hochebene

Eine kurvige Asphalt­straße führt zu­nächst hinauf ins ruhige Dorf Lýttos, das halb­hoch am Hang der Díkti-Berge liegt, die die berühmte Lassíthi-Ebene ver­bergen. Von hier hat man einen schö­nen Blick auf Ka­stélli und die um­liegende Ebene samt Flugplatz. Am Kamm ober­halb des Orts stehen die Stümpfe von alten Windmühlen. Nach Besichti­gung der Ruinen des antiken Lýttos (→ Kasten) geht es weiter in Richtung Askí und - mit stetigem Blick auf die Díkti-Ber­ge - auf einsamer Stra­ße weiter nach Avdoú an der Zu­fahrt zur Lassíthi-Ebene (→ Link).

Hoch in den Bergen: das antike Lýttos

Nur wenige Kilometer oberhalb von Lýttos liegen rechts der Stra­ße nach Askí (ein schmaler Fahrweg führt hinüber) die Ruinen der einst bedeu­ten­den dorischen Stadt Lýttos, deren Hafen das heu­ti­ge Li­ménas Chersonísou an der Nordküste war. Laut Homer führte Lyttos die kretischen Truppen im Trojanischen Krieg an und war in klassi­scher Zeit eine der größten Städte der Insel. Das kann man heute kaum mehr erahnen, denn erhalten bzw. aus­ge­graben ist so gut wie nichts. Neben der Gipfelkirche Ágios Geórgios und einem Wind­müh­lenstumpf sieht man lediglich ein etwa 10 x 10 m großes Areal von anti­ken Grundmauern, außer­dem die überwucherten Reste einer Stadtmauer aus byzantinischer Zeit.

♦ Ständig geöffnet, Eintritt frei.

Von Iráklion nach Anógia

Eine Bergtour in die Randlagen des mächtigen Psilorítis-Massivs. Anógia ist das größte Bergdorf Kretas und bekannt für seine Schaf­woll­teppiche, au­ßer­dem bester Ausgangspunkt für eine Besteigung des Tímios Stavrós (2456 m), neben dem Páchnes in den Lefká Óri der höchste Gipfel Kretas.

Von Iráklion fährt man durch das Chaniá-Tor auf die Old Road, die land­ein­wärts par­allel zum Strand von Ammou­dára verläuft. Kurz hinter Gázi (→ Link) passiert man ein einstiges venezianisch-türkisches Rast­haus, zu erkennen an den zwei Kuppeln, bald danach folgt das Museumsdorf Arolíthos (→ Link).

Tílissos

Ein Dorf inmitten von Weinreben. Ein Stopp lohnt wegen der Aus­gra­bung dreier großer minoischer Villen un­mittelbar im Ortsbereich, aber auch, weil es ein typisch kretisches Bauern­dorf ist - am schönsten vielleicht zur Wein­lese, mit der der ganze Ort beschäf­tigt ist. Die runde Platia mit eini­gen Kafenia und einem tür­kischen Brunnen liegt etwas ab­seits, Tou­risten finden selten hier­her.

Minoische Villen: Sie sind an der Durch­gangsstraße aus­ge­schil­dert und lie­gen im Ortsteil links der Straße unter mäch­tigen Pinien mit wei­tem Blick in die Weinberge. Bei der erholsam ruhi­gen Ausgrabungsstätte handelt sich um einen Kom­plex aus spät­minoischer Zeit (etwa 1600 v. Chr.), der wahr­schein­lich en­ge Be­zie­hungen zum nahen Knossós hat­te, wohl auch von ei­ner ganzen Sied­lung umge­ben war und an der wich­ti­gen Straße lag, die die mi­noischen Städ­te im We­sten und Os­ten Kretas ver­band. Die ur­sprüng­liche Anlage ist al­ler­dings teil­weise von spä­teren Bau­ten der My­ke­ner überlagert. Zu sehen sind Gänge und Mau­ern bis in 2 m Hö­he, auch Trep­pen­auf­gän­ge in die nicht mehr exis­tie­renden obe­ren Stock­wer­ke und - am nord­öst­lichen Rand der Aus­gra­bung - eine Zisterne, die mit­tels einer Was­ser­leitung von der noch heu­te exis­tie­ren­den Quelle Ágios Má­mas die Vil­len mit Was­ser versorgte.

Anfahrt/Verbindungen → Anógia, mit dem Bus etwa 30 Min. Zeitdifferenz.

Öffnungszeiten April bis Okt. Di-So 9-16 Uhr, sonst bis 15 Uhr, Mo geschl., Ein­tritt ca. 2 €. Man erhält leihweise ein deutsch­spra­chi­ges Heft mit Er­klä­run­gen.


Von Tílissos nach Anógia

Hinter Tílissos geht es durch silbrig-grüne Oliven­wäld­chen hinauf in die Ber­ge, besonders eindrucksvoll ist die Fahrt entlang der felsigen Go­niés-Schlucht (Gonianó Farángi) mit fast senkrecht abfallenden Wänden und dicht be­grün­tem Grund. Am Beginn der Schlucht steht links der Straße ein Denk­mal für die kretischen Partisanen, die hier am 21. August 1944 von der deut­schen Wehr­macht erschossen wurden.

Am Ausgang der Schlucht passiert man rechts den Abzweig nach Astiráki (→ Über­nachten), danach sieht man links der Stra­ße die Grund­mauern eines mi­no­i­schen Her­ren­hauses na­mens Slavokámbos (be­schil­dert), hier hat man u. a. Sie­gelabdrücke mit Stier­springer­mo­ti­ven ausge­gra­ben (Arch. Mu­seum Iráklion).

Bevor man Goniés erreicht, kann man vielleicht rechts nach Kamaráki ab­zwei­gen. Nach der Durch­querung des kleinen Dorfes führt eine Piste zur tiefen Tropf­stein­höhle Chaenó­spilios. Sie ist allerdings nicht erschlossen und schwer zu begehen, wir raten ab.

Nun kommt bald Goniés in Sicht, ein lang gezogenes Bergdorf mit markanter Kreuz­kuppel­kirche, dessen Häuser ter­ras­senförmig am Hang kleben. Auch hier oben wird noch über­all an den Hän­gen und in geschützten Mulden Wein angebaut.

Mit weiten Ausblicken schraubt sich die Straße nun hin­auf nach Anógia. Kurz nach dem Ortseingang zweigt links die Straße auf die Nída-Hoch­ebene ab, von wo eine relativ leichte Be­steigung des Tímios Stavrós (2456 m) möglich ist.

Übernachten Elena, im abge­le­ge­nen Dorf Astiráki vermieten Elena und Jannis Sarchia­nakis Zim­mer in einem traditionellen kre­ti­schen Haus. Zur Be­grü­ßung Obst, abends authen­tisches Abend­essen (bei Elena vorher bestellen), Gemüse, Olivenöl und Wein aus eige­ner Her­stel­lung. Sehr länd­lich und ruhig. DZ/F ca. 40-50 €, HP für 2 Pers ca. 65-70 €. Tel. 2810-510141.

Anógia

Glasklare Gebirgsluft, die Sonne hell und gleißend - das größte Bergdorf Kretas liegt in 800 m Höhe weit ausge­breitet zwischen einem Kranz kar­ger Bergrücken. Es besteht aus Ober- und Unterdorf und bietet einen Ein­blick in das raue kretische Berg­le­ben.

Selbst im Sommer sind die Tem­pe­ra­turen oft frisch, im Winter ver­sinkt das dann halb verlassene Dorf in Schnee- und Regenstürmen. Auch heute noch tragen viele der älteren Män­ner Anógias die traditionelle kre­tische Tracht mit fransigem Stirn­tuch, Stie­feln und schwarzem Hemd. Und dies nicht von ungefähr, denn Anógia gilt seit je­her als Hei­mat der unbeug­sams­ten und frei­heitsliebendsten Kreter, der Wider­stand gegen jeg­liche Besat­zer hat hier eine lange Tradition. Schon in der Türken­zeit galten die hie­si­gen Parti­sa­nen als die gefährlichsten und ent­schlos­sensten der Insel. Zwei­mal, 1822 und 1867, wurde das Dorf deshalb von den osma­nischen Besat­zern völlig zerstört.

Auch im 20. Jh. überschattet eine Tragödie das Dorf: Am 13. August 1944 began­nen deutsche Soldaten auf Befehl von H. Müller, kommandierendem Ge­ne­ral der „Festung Kreta“, das gesamte Dorf bis auf die Grundmauern nie­der­zu­bren­nen. Alle 950 Häuser wurden zerstört und alles Vieh getötet, das nicht mit­ge­nom­men wer­den konnte. Die gesamte Aktion dauerte bis zum 5. Septem­ber. Der Be­fehl lau­tete weiter, alle männlichen Einwohner, derer man im Umkreis von 1 km hab­haft wer­den könne, zu erschießen. Die Männer wa­ren allerdings schon am Abend zu­vor in die Berge geflohen, doch wurden die Alten und Ge­brechlichen, die ihre Häu­ser nicht verlassen konnten, von den Deutschen ihrem Schicksal über­las­sen und ver­brann­ten. Wei­tere Bewohner wurden in der Umge­bung des Ortes exe­ku­tiert. Die offi­zi­elle Liste der Prä­fektur Réthimnon führt 117 getötete Bewohner Anógias auf.

Auf dem Dorfplatz ist der Wehr­machtsbefehl auf Griechisch ein­gra­viert: „Da die Stadt Anógia ein Zent­rum der englischen Spionage­tätigkeit auf Kreta ist, da die Einwohner Anó­gias den Sabotageakt von Damastá aus­geführt haben, da die Par­ti­sanen ver­schie­de­ner Wi­derstandsgruppen in Anógia Schutz und Unterschlupf fin­den und da die Ent­führer des Ge­nerals Kreipe ihren Weg über Anógia ge­nom­men haben, wobei sie Anógia als Stütz­punkt bei der Verbringung nutzten, befehlen wir, den Ort dem Erdboden gleichzuma­chen und jeden männlichen Einwohner Anó­gias hin­zurich­ten, der innerhalb des Dorfes oder in seinem Umkreis in einer Ent­fernung bis zu einem Kilometer angetroffen wird“.


Anógia, größtes Bergdorf Kretas

Zur Information: Der „Sa­bo­tageakt von Damastá“ meint die Tötung eines für seine Grau­sam­keit berüchtigten deut­schen Feldwebels sowie einiger deutscher und ita­lie­ni­scher Soldaten Anfang Au­gust 1944 durch kretische Parti­sanen. Und die Ent­füh­rung Gene­ral Kreipes war im April desselben Jahres mit maßgeblicher Hil­fe briti­scher Offizie­re vonstat­ten ge­gangen. Diese hatten zusammen mit kre­ti­schen Partisa­nen den Pan­zergeneral an einer Kreuzung nicht weit von Archánes in sei­nem Dienst­wa­gen gekidnappt. Mit geschickten Täuschungsmanövern (22 deut­sche Kon­trollpos­ten wurden pas­siert!) und einem Marsch quer durchs Ída-Gebirge konn­ten sie ihn bis an die Südküste bringen. Von dort trans­por­tierte ihn ein Schiff wei­ter nach Ägyp­ten (Näheres zu der spek­taku­lä­ren Ent­führung unter Archá­nes). Níkos Kazan­tzákis hat nach dem Krieg Anógia be­reist und die Zerstörung be­schrieben (www.explorecrete.com/history/WW2_Anogia_Destruction.html).

Nach dem Krieg wurde Anógia mit amerikanischer Hilfe wiederaufgebaut, in Bonn fühl­te sich damals niemand zuständig. Je­des Jahr am 13. August gedenkt der Ort des Ereig­nis­ses, von der deutschen Botschaft in Athen ist dazu noch nie­mand er­schie­nen - nach Aussage des bis 2005 tätigen Bot­schaf­ters Dr. Albert Spiegel wurde er aller­dings auch nie eingeladen und wäre einer Einladung gerne nachge­kom­men. Wie übe­rall auf Kreta wer­den deut­schen Ur­lau­bern heute jedoch kei­ner­lei Res­sen­timents ent­ge­gen­ge­bracht.

Anógia hat aber nicht nur als Hort der Freiheitskämpfer, sondern auch in Sa­chen Mu­sik einen hervorragenden Ruf auf Kreta. Einige der besten Musi­ker­fami­lien der Insel stammen von hier, darunter die Lyra spielenden Brü­der Níkos und Psa­rántonis Xiloúris und Vasilis Skoulas, der im Unterdorf das Museum sei­nes ver­storbenen Vaters weiterführt.

Sehenswertes

Armí (Oberer Ortsteil): Die lange Haupt­straße führt leicht abschüssig zum Rat­haus­platz hinunter, vorbei an der hübschen, kleinen Platia Meintani mit ihren Kafenia und dem Kirchlein Ágios Geórgios, dessen Gewölbe mit alten Fresken ausgemalt ist.

Am weiten, kahlen Rathausplatz steht das Denkmal eines kraftvollen Kre­ters mit Säbel und Muskete, der an die drei­malige Zerstörung Anó­gias er­in­nert: 1822, 1867 und 1944. Davor ist auf einer Ge­denktafel aus Ala­baster in Form eines auf­ge­schla­genen Bu­ches in grie­chi­scher, englischer und deutscher Spra­che der Be­fehl des Wehr­macht­kom­man­deurs Mül­ler ein­gra­viert, das Dorf nie­der­zu­brennen und alle Män­ner hin­zu­rich­ten.

An der Unterkante des Platzes steht das zweischiffige Kirchlein Ágios Ioán­ni Prodrómos, des­sen Inneres mit ver­gol­de­ter Holz-Iko­nostase und vielen Hei­li­gen­bildern präch­tig ge­schmückt ist (im nächsten La­den nach dem Schlüs­sel fra­gen). Im rück­wärti­gen Schiff sind Fresken erhalten mit Themen aus dem Leben Jesu, Kreuzi­gung, Grab­le­gung u. a.

Perachóri (Unterdorf): Durch enge Trep­penwege und schmale Gässchen, in de­nen Ba­silikum- und Blumenkübel vor den Türen stehen, kann man von der Haupt­stra­ße in den unte­ren Dorf­bereich hinabsteigen, wo am Orts­aus­gang in Rich­tung Axós das eigentliche Zentrum Anó­gias liegt.

Die dortige Platia ist mit ihren urigen Ka­fenia ein ech­tes kretisches Idyll und wirkt fast wie eine Thea­ter­büh­ne. Die Haupt­kirche Ágios Chara­lámbos am Platz ist über und über mit teils äl­te­ren, teils mo­dernen Fres­ken ausgemalt. Da­ne­ben steht das Ge­burts­haus des be­rühm­ten Ly­ra­spie­lers Níkos Xiloúris, der An­fang der 80er Jah­re noch jung an Krebs verstarb. Es ist mit Fotos des Künst­lers und Erinnerungsstücken aus­ge­stat­tet und steht meist offen.


Im Geburtshaus von Níkos Xiloúris

Wenige Schritte sind es von hier zum Museum mit den Werken des 1902 geborenen und in den neunziger Jahren verstorbenen Künstlers Alkibíades Skoúlas, „Griliós“ (Grille) ge­nannt. Es wird nunmehr von seinem Sohn Giorgos geführt, der eben­falls ein guter Lyra-Spieler ist und sich bei Besucher­gruppen gerne musi­kalisch be­dankt. Es ist ab dem Platz beschildert, eine kleine Spende wird erwartet (falls geschlos­sen, Aus­kunft in den Lokalen an der Platia oder Tel. 28340-31593). Die mar­kant-naive Ma­lerei des Auto­di­dak­ten kann mit seinen plakativen Farben und For­men einen her­vor­ra­gen­den Zugang zur schwe­ren Geschichte Anógias und der In­sel geben. Im­mer wie­der­kehrende The­men Alkibíades’, der das Malen erst mit knapp 70 Jah­ren begann, sind die Kämpfe mit den Türken, außerdem die Zerstö­rung Anógias durch die Deut­schen, die er selbst als Widerstands­kämpfer er­lebte. Höchst de­ko­rativ sind auch die Skulp­turen aus Zypressen­holz, die er als Hirte gefertigt hat.

Praktische Infos

Anfahrt/Verbindungen Busse von Irák­lion nach Anógia fahren Mo-Do u. Sa 3 x tägl., Fr 4 x, So 1 x (Dauer ca. 1 Std.). Der Bus hält mehr­mals in Anó­gia, am besten am Rat­haus­platz (gro­ßer Platz mit Rathaus, Post und Denk­mal) aus­steigen und ins Unterdorf hi­nun­ter­laufen.

Übernachten In einer Parallelgasse zur Haupt­gasse im oberen Ortsbereich gibt es mehrere gute Unterkünfte (aus­ge­schildert):

*** Marina, Marina Dagianda führt dieses ge­schmackvoll eingerichtete und sau­bere Haus, Studios mit Küchenzeile, Balkon und wei­tem Blick, z. T. mit Ka­min, auch Fa­mi­lien­apart­ments gibt es. DZ ca. 35-50 €, auf Wunsch mit gutem Früh­stück (ca. 6 €/Pers.). Tel. 28340-31817.

*** Aristea, wenige Schritte weiter, das an­ge­nehme Hotel wird geführt von der lie­bens­würdigen Aristea. Es gibt mehrere DZ und Stu­dios, alles sehr sauber, jeweils mit Bal­kon und herrlicher Aussicht in die Berge. Früh­stück auf Anfrage (ca. 6 €/Pers.), auch Lunchpakete für die Besteigung des Tímios Stavrós möglich. DZ ca. 32-45 €, Studio (3-4 Pers.) ca. 50-60 €. Tel. 28340-31459, www.hotelaristea.gr.

Aris, ein Stückchen weiter die Straße hin­un­ter, drei einfache DZ, ein Single und ein Drei­bett­zim­mer im ersten Stock, ebenfalls herr­li­cher Blick. DZ ca. 35-45 €, Früh­stück ca. 6 €/Pers. Tel. 28340-31817.

Melissa, museal gestaltete Apartments bei der herzlichen Wirtin Popi, viele traditionelle Stücke, herrlicher Blick von der Veranda, das echt kretische Früh­stück wird gelobt. Preis ca. 50-60 €. Tel. 6936-346652.


An der Platia im Unterdorf

**** Delina Mountain Resort, große An­la­ge der Familie Skoulas am Beginn der Stra­ße zur Nída-Hochebene, ca. 1 km vom Ort. 13 groß­zügige und moderne Zimmer mit Kamin (Bäder z. T. mit Whirlpool), es gibt au­ßer­dem einen Innenpool und eine Sau­na (kos­ten­pflich­tig). Im Außen­be­reich liegt ein künstlicher See. Allerdings ist nicht immer alles gut in Schuss und das Früh­stück eher mager. Auch eine Taverne gehört zur Anlage. Lunch­paket für die Bergbesteigung möglich. DZ/F ca. 70-100 €. Tel. 28340-31701, www.delina.gr.

Essen & Trinken Von Irák­lion kommend rei­hen sich am Ortseingang mehrere Ta­ver­nen, die auf touristische Lauf­kund­schaft warten. Zu­dem gibt es im oberen Ortsteil einige Tavernen mit prächtigem Panoramablick.

Aetos, urige Grillta­verne an der Haupt­stra­ße im oberen Ortsbe­reich, dekoriert mit Wurzeln, ge­trock­neten Pflanzen, Folklore und Waffen. Zubereitet wird einfache Bergküche, z. B. antí­christo (Lammfleisch vom holzbefeuerten Dreh­grill). Service ebenfalls rustikal. Tel. 28340-31262.

Im unteren Ortsbereich gruppiert sich alles um den stimmungsvollen Platz mit der Pla­tane, hier liegen mehrere gemütliche Ka­fe­nia und Tavernen mit holzbefeuerten Drehgrills, z. B. die freundlich geführte und authentisch kre­tische Psi­sta­ria Xylouris mit dem über­dimensionalen Konterfei des Musikers.

Kafenia Stimmungsvoll sitzt man an der Pla­tia Meintani mit schattigen Platanen und der Kirche Ágios Ge­ó­rgios, et­wa 150 m ober­halb vom Rat­hausplatz. Hier treffen sich Alt und Jung, die Männer le­sen Zei­tung oder spie­len Távli.

Fast schon museal eingerichtet ist das Kafenion Platia tou Syn­tagmatos am unteren Dorf­platz.

Shopping Um den unteren Dorfplatz wer­den von den Frauen des Dorfes jede Men­ge Webteppiche, -decken und -ta­schen ange­boten, außerdem Spitzen­decken und Sti­cke­reien, das meiste zwischen 10 und 30 €. Da­zu kommen die traditionellen schwarzen Stirn­tücher namens Sariki (ca. 7-10 €).

Tarrha Glass, von Iráklion kommend gleich am Ortseingang. Marios kreiert hier sehr schö­ne und originelle Stücke, sehenswert.

Eine Käserei liegt an der Straße zur Nída-Hochebene. Ver­suchen Sie die ver­schie­denen Sor­ten und kaufen Sie ein für ein Picknick auf der Nída-Hochebene, Kilo­preis ca. 5-8 €.

Feste Die Yakinthia-Festspiele, benannt nach dem Märtyrer Yakinthos (gest. 98 n. Chr.), finden seit 1997 alljährlich Ende Ju­li in Anógia statt. Geboten sind Musik-, Film-, Li­teratur- und Theatervorführungen auf ho­hem Niveau (www.yakinthia.gr). Die meisten Ver­an­staltungen fin­den im Am­phitheater am Ortseingang statt. 2020 fiel das Festival wegen Corona erstmalig aus.

Von Anógia nach Westen

Auf guter Asphaltstraße kann man über Axós nach Mourtzaná fahren, wo man auf die Old Road nach Réthimnon trifft. Über die grö­ße­re Provinzstadt Pérama geht es zur New Road an die Küste öst­lich von Ré­thim­non. Aus­führ­liche Infos zu dieser Route wie zur gan­zen Region (Axós, Töp­ferdorf Mar­garítes, Höhle von Melidóni, Kloster Arkádi u. a.) unter Umgebung von Réthim­non.

Nída-Hochebene und Psilorítis

Das Psilorítis-Massiv (oder Ída-Gebirge) ist das Dach Kretas. Noch im Juni liegen hier oben ausgedehnte Schneefelder. Höchster Gipfel ist mit 2456 m der Tímios Stavrós. Seine Besteigung ist von der Nída-Ebene aus in 4:30 Std. zu machen, der Abstieg dauert ca. 3 Std.


Die Nída-Hochebene im Psilorítis-Gebirge

Die Nída-Hochebene ist eine rundum abgeschlossene Hochebene in knapp 1400 m Höhe mitten im Psilorítis, etwa 22 km südlich von Anógia. In der nahen Höhle Idéon Ándron soll Götter­vater Zeus aufgewachsen sein.

Die An­fahrt mit Pkw ab Iráklion und wieder zurück schlägt mit vier Stun­den zu Buche. Die ganze Aktion ist also ab Iráklion an ei­nem früh be­gon­ne­nen Tag zu schaf­fen. Nachteil: Man darf sich auf dem Gipfel maximal eine Stun­de aufhal­ten, um beim Abstieg nicht in die anbrechende Dun­kelheit zu kom­men. Man kann je­doch die Zeit auf dem Gipfel ausdehnen, in­dem man bei­spiels­weise in Anó­gia über­nach­tet und kurz vor Son­nen­auf­gang zum Auf­stieg aufbricht. Die reizvoll­ste Va­rian­te ist aber zweifellos die Über­nach­tung (mit Schlaf­sack und Verpfle­gung) auf dem Gip­fel selbst.

Tipp: Eine weitere, etwas kürzere Auf­stiegsvariante.

Anfahrt mit eigenem Fahrzeug Von Anó­gia auf die Nída-Ebene sind es etwa 22 km. Die vollständig asphaltierte Straße zweigt kurz vor dem östlichen Ortseingang von Anógia von der Straße aus Iráklion ab (beschildert). 30 Min. sollte man für die Fahrt ver­an­schla­gen, auf der man außer Hir­ten mit ihren Her­den kaum jemanden trifft. Aus 800 m Höhe (Anógia) steigt die Straße bis zu einem Pass in 1500 m Höhe, von dem man einen überwältigenden Blick auf die Ebene hat. Dann folgt die Abfahrt in die Ní­da-Hoch­ebene (1370 m), die Straße zieht sich um die halbe Hochfläche und endet an einem Parkplatz bei einem unvollendeten Gästehaus mit Ta­verne.

Anfahrt ab Gérgeri von Süden (→ Link).

Anfahrt ohne eigenes Fahrzeug Taxis ver­langen ab Anógia ca. 30 €, Bus­se gibt es nicht. Morgens zwischen 6 und 8 Uhr fahren jedoch die Hirten von Anó­gia zu ihren Herden in die Berge hinauf, abends geht es bei Son­nenuntergang wie­der zu­rück. Wenn man rechtzeitig an der Ab­zwei­gung zur Nída-Hochebene steht, wird man oft mit­ge­nom­men. Allerdings fah­ren nicht al­le Hirten bis zur Hochebene, des­halb muss man eventuell in mehreren Etap­pen fah­ren bzw. ein Stück laufen.

Von Anógia zur Nída-Hochebene

Anfangs noch recht grün, wird die Land­schaft zusehends wilder und fel­si­ger. Im­mer wieder passiert man Zie­gen­pfer­che und die charakte­ristischen steiner­nen Rund­hütten (mitáto) der Hir­ten. Lin­ker Hand passiert man etwa 2 km ab Orts­aus­gang einen kleinen Stau­see, der der Bewässerung dient. In der Berg­welt ringsum kann man hin und wieder Gänsegeier und Adler krei­sen se­hen.

Zóminthos

1982 entdeckte der bekannte Archäo­loge Iánnis Sakella­rá­kis (→ Archá­nes) in 1187 m Höhe an der Straße auf die Ní­da-Hochebene (etwa 9 km oberhalb von Anógia) einen weit­läufigen Kom­plex aus mittel­minoischer Zeit mit bis zu 3 m hohen Mauern. Vom einst wahr­scheinlich dreistöckigen Zentral­bau wur­den 50 Räume frei­gelegt. Neben Wand­malereien, Waffen und Keramik hat man hier säuberlich aus­einan­dergeschnittene Kin­der­knochen ent­deckt - möglichweise ein Hinweis darauf, dass die Minoer Menschen opferten.

Skínakas-Observatorium: Sternbeobachtung im kretischen Hoch­ge­birge

We­nige Kilometer bevor man die Nída-Hochebene erreicht, zweigt links eine sehr schmale, nur teilweise asphaltierte Piste ab, die nach Gérgeri an der Straße nach Zarós (Südkreta) hinun­terführt (→ Link). Von dieser Piste zweigt nach 3 km die Zufahrt zur Stern­warte ab, ist aber in der Regel mit einer Drahtseil­kons­truk­tion abgesperrt und nur zu den offiziellen Be­su­chs­zeiten zu­gäng­lich. In Serpentinen (aufpassen, Steine!) führt sie bis zum Gipfel des 5 km ent­fern­ten Skí­na­kas (1760 m), von wo man bei klarem Wetter bis zur Mes­sa­rá-Ebe­ne im Sü­den Kretas bli­cken kann. In völliger Einsamkeit ste­hen hier oben die Bau­ten ei­nes Ob­ser­vatori­ums mit zwei Beobachtungstür­men. Erbaut wur­de es von der Uni­ver­si­tät Kre­ta zu­sammen mit dem Max-Planck-Ins­titut für Ext­ra­ter­res­trische Phy­sik, um den Hal­leyschen Kometen zu be­obach­ten. Die kla­re Luft, die isolierte Hö­henlage und die vielen wol­ken­lo­sen Näch­te Kretas ma­chen diesen Standort zu einem der bes­ten für die Sternenbe­o­bach­tung in Europa.

♦ Von Mai bis Sept. ist das Ob­ser­va­to­ri­um je­weils einen Sonntag im Monat von 18-23 Uhr für Inte­res­sierte ge­öffnet (skinakas.physics.uoc.gr, Tel. 2810-394238). Man kann einen geführten Rund­gang machen und durch das Te­les­kop schauen, aller­dings wird da­bei nur Griechisch ge­sprochen. Bedingt durch Covid-19 kann es allerdings zu Schlie­ßun­gen kommen.

Sa­kellarákis war in Anógia auf die Worte eines Hirten aufmerksam ge­wor­den, der er­zählt hatte, er wolle seine Schafe „in Zóminthos“ weiden las­sen. Das Wort er­schien ihm vor­grie­chischen Ursprungs, er fuhr hin­auf und fand auch prompt das Haupt­haus der Anlage. Wichtigste Erkennt­nis: Die Minoer hatten ihre Anla­gen auch in den unwegsamen Gebirgen Kretas er­baut. Vielleicht han­delte es sich bei dem Gebäudekomplex um eine Art Herberge für Höhlenpilger zur „Idéon Ándron“.


Die Ausgrabung von Zóminthos

Das Gelände ist heute eingezäunt und nicht zugänglich. Zwischen den Bäumen kann man nur einen Blick auf die Mauern erhaschen, die ein gutes Stück von der Straße entfernt sind. Sakellarákis liegt seit 2010 hier in seiner letzten großen Entdeckung begra­ben, sein Grab sieht man im linken Bereich der Einzäunung, nur wenige Meter von der Straße.

Nída-Hochebene

Das etwa 2,5 x 1,5 km große und völlig flache Plateau wird in der warmen Jahreshälfte von zahlreichen Hirten zum Weiden ihrer Herden ge­nutzt (im Herbst ziehen sie in die küstennahen Ebenen hinunter). Von der Straße aus erkennt man die weit verstreuten Her­den, die helle Muster ins Grün zaubern. Das Bimmeln von Glöckchen dringt herüber, sonst ist kaum ein Laut zu hören. Die Straße endet auf einem Park­platz bei einem seit Jahren unfertigen Gästehaus mit Taverne, die gelegentlich geöffnet ist.

Mehrere Fahrwege durchziehen die weite Fläche, auf einem kommt man bis in die Nähe des „Andartis“, eines ungewöhnliches Monuments für den Freiheitskampf der kre­tischen Par­ti­sa­nen auf der anderen Seite der Ebene. Auch zur Höhle Idéon Ándron kann man mit dem Pkw auf einer schlechten Piste hinauffahren - man geht aber besser zu Fuß. Die Piste, die vom Gäs­tehaus nach Sü­den führt, endet nach einigen Ki­lo­metern, eine Weiter­fahrt ist dort nicht mög­lich.

Análipsi-Kapelle und Umfeld

Die schlichte Kapelle steht auf einem kleinen Pla­teau an der Piste zur Höhle Idéon Ándron. Im Umkreis findet man Viehtränken und ei­nige Gräber, da­runter das des Michális Vréntzos, der am 3. September 1943 im Alter von 26 Jah­ren von deutschen Sol­da­ten er­schos­sen wurde, sowie den Ge­denk­stein für einen seiner Verwandten, der 1866 gegen die Türken ums Leben kam.


Vorne rechts liegt der Andártis

Andártis - mnimío giá tin Iríni

„Der Partisan - ein Monument für den Frie­den“, so nennt die Berliner Künst­lerin Karina Raeck die 32 x 9 m große, geflü­gelte Stein­skulp­tur, die sie unter Mithilfe der Schäfer von Anógia mit großem per­sön­li­chem Ein­satz Anfang der 90er Jahre in die Nída-Ebene gelegt hat. Der Andártis besteht voll­ständig aus einzelnen un­be­hau­enen Fels­blö­cken, die aus der gan­zen Ebene heran­geschafft und dicht ne­ben­ein­an­der im Erdreich versenkt wurden. Diese Blö­cke waren im Welt­krieg großteils von den Bewohnern Anó­gias über die Ebe­ne verteilt worden, um die deut­schen Flug­zeu­ge am Landen zu hindern.

Die geflügelte Partisanenfigur liegt genau dia­gonal ge­genüber der Zeus-Höhle am Ostrand der Ebene. Von der Straße bzw. vom Gästehaus aus kann man sie allerdings kaum mehr aus­findig machen, denn mittlerweile ist das Denkmal stark überwuchert und wird allmählich der Na­tur zu­rück­ge­geben - nur Idee und Erin­nerung wer­den bleiben. Man kann problemlos hinü­bergehen (sogar fahren, wovon wir aber abraten).

Das Friedensmonument erinnert an die lange Tradition der kretischen Freiheits­kämp­fer („An­dár­tes“), vor allem aber an die Tragödie Anó­gias vom 13. August 1944. Es will ein Sym­bol deutsch-griechischer Versöhnung sein und ein Ver­such, der Be­trof­fen­heit über die Ver­bre­chen Ausdruck zu geben, die hier in deut­schem Na­men ver­übt wur­de. Die anre­gen­de Do­ku­men­ta­tion zur Entstehung des „Friedens­par­tisanen“ wurde 2006 aufgelegt (→ Lese­tipps).

Idéon Ándron(Idäische Höhle)

Das mächtige, dunkle Loch, in dem die Mythologie den jungen Zeus verortet (→ Kasten), öffnet sich etwa 20 Fuß­minuten oberhalb vom Gäs­te­haus in einer fast senk­rech­ten Fels­wand. 1982 begann Sakellarákis mit sys­te­ma­ti­schen Aus­gra­bun­gen, been­de­te sie aber fünf Jahre später, obwohl er noch nicht zur un­tersten Schicht ge­langt war, um die Funde auszuwerten. In den letzten Jahren wurden die Höhle und ihre Um­gebung mit EU-Mitteln neu gestaltet. Am Eingang be­kommt man ein Info­blatt und kann über eine neue Treppe hinuntersteigen, meh­rere Schau­tafeln geben Hinweise. In etwa 8 m Hö­he erkennt man in der rück­sei­ti­gen Wand ein Loch zu einer wei­te­ren Höh­len­kam­mer, dort wurden die wert­voll­sten Funde ge­macht.

Anfahrt/Hinkommen Gegenüber vom Gäste­haus zieht sich eine schlechte Piste den Berg­hang hi­nauf zur Höhle, dort wurde ein Parkplatz ein­ge­rich­tet. Nach einigen Kur­ven auf dieser Piste erreicht man ein klei­nes Plateau mit der Análipsi-Ka­pel­le (s. o.). Ein wenig oberhalb davon beginnt der vier­einhalb­stündige Aufstieg auf den Tímios Stavrós (s. u.).

Tipp: Ein ausgeschilderter Fußweg kürzt die Kurven der Piste ab, zur Grotte sind es ca. 580 m steil bergauf (ca. 20 Min.).

Öffnungszeiten in der Regel nur Juni bis Sept. bis ca. 15 Uhr. Der niedrige Zaun stellt kein Hindernis dar.

Auch Zeus war einst jung

Die Idäische Höhle hat den hohen Anspruch, Aufenthaltsort des jungen Zeus gewesen zu sein. Hier soll ihn seine Mutter Rea nach der Geburt in der be­rühmten Höhle von Psichró in der Lassíthi-Hochebene vor seinem schreck­lichen Vater Kronos versteckt ha­ben. Dieser wollte alle seine Kin­der ver­schlin­gen, um vor Thron­neidern sicher zu sein. Immer wenn Baby-Zeus schrie, schlu­gen die Kureten, die Priester der Rea, ihre schwe­ren Bron­ze­schil­de an­ein­ander, um die verräterischen Geräusche zu über­tönen (aus­führ­li­cher zum Mythos unter Kreta/Geschichte). Ge­mäß die­ser über­ra­gen­den Bedeutung war die Ída-Höhle schon in minoischer Zeit ein wichtiges Kult­heiligtum. Noch in rö­mischer Zeit pilgerten Wallfah­rer zu dem Ort, wo Zeus seine Kind­heit verbracht hatte. Und auch Schatzgräber ta­ten sich immer wie­der um, denn in der ge­heimnisvollen Höhle vermutete man mär­chen­hafte Reich­tümer aus der Antike. Archäologische Expeditio­nen begannen schon En­de des 19. Jh., die Höhle zu durchfor­sten. Doch erst 1955 brach­ten neue, von Paul Faure geleitete Ausgrabungen greif­bare Er­geb­nis­se. Faure entdeckte die oben er­wähn­te Seiten­kammer der Haupt­höhle und fand darin zahlreiche mi­no­i­sche Opfer­gaben, vor allem aber gro­ße Bronzeschilde aus der archai­schen Epo­che (650-500 v. Chr.), die den Mythos der Kure­ten the­ma­tisieren (heute im Arch. Nationalmuseum von Iráklion).

Kreta Reiseführer Michael Müller Verlag

Подняться наверх