Читать книгу DAS GEHEIMNIS DER 7 FEIGEN - ELIYA LOREN - Страница 24
ОглавлениеGLADIOLEN
17. August
Ich fühle mich so lebendig mit ihm. So viele sms hin und her – mit dem Aufschreiben komme ich nicht mehr hinterher. Wie wird das mit Fabiano und mir weitergehen? Erst einmal musste er ja „verschnaufen“ von seiner Beziehung mit Andrea, und außerdem soll er ja erst einmal das Gefühl der Freiheit genießen. Zwischen den beiden geht es ständig hin und her. Erst sagen sie, sie trennen sich, dann kommt Andrea und tut so, als sei nichts gewesen. Das Prozedere zieht sich jetzt schon seit Wochen hin.
Nori ist am 8. August abgefahren – auch er muss sich wohl vehement gegen Fabiano gerichtet haben – aufgehetzt von Andrea und betroffen von seiner eigenen Geschichte. Fabiano hatte gerade Freunde zu Besuch, die Andrea mit nach Venedig nehmen wollten – aber sie lehnte ab. Fabiano meinte, dass sie wohl Angst hatte, dass er sich in dieser Zeit mit mir treffen könnte. Und deshalb blieb sie.
So sind dann doch fast sechs Wochen vergangen, bis Fabiano gestern endlich vor meiner Tür stand. Es ist unglaublich, wie unbändig ich ihn vermisst habe! Die sechs Wochen kamen mir endlos vor.
Fabiano stand mit einem riesigen bunten Strauß Gladiolen vor meiner Tür – zu meinem Geburtstag, der letzte Woche war. Ich liebe Gladiolen! Er hatte sie in allen Farben ausgewählt. Hinter seinem Rücken zauberte er ein weiteres Geschenk hervor: eine schwarze, glänzende Obsidian-Kugel. Sie war schwerer, als man vermutete, und aus einem besonderen schillernden glatten Stein. Die kaum wahrnehmbare Maserung auf der Kugel strahlte etwas Geheimnisvolles aus. Zu guter Letzt überreichte er mir ein Buch mit Briefen von Frieda Kahlo.
Er war total fertig, hatte noch nichts gegessen. Ursprünglich hette er bereits um 9 Uhr losfahren wollen, doch dann kam Andrea dazwischen und es wurde leider 17 Uhr (!), bis er endlich bei mir eintraf. Meine Güte, seine Gegenwart ist immer elektrisierend.
Ich stellte die Gladiolen in eine große Vase. Schnell machte ich ihm etwas zu essen. Danach hielt uns nichts mehr.
Er küsste wie kein anderer. Sein Dasein rührte mich oft zu Tränen. Er zeigte mir, wie stark er in seinem Innersten berührt war. Genau das liebe ich so sehr an ihm. So wie seine endlose Weite, die sich in mir spiegelt und mich ihm vollkommen auslieferte. Ungestüm küsste er mich. Er lässt mich alles um mich herum vergessen. Wild und zügellos verschmelze ich mit ihm vollständig.
Später erzählte er mir von seinem Problem, dass er niemanden traurig sehen konnte. Aber Andrea inszenierte ständig Dramen, sodass Fabiano mir mitteilte: »Jetzt bin ich an meine Grenzen angekommen. Ich bin so klar wie nie mit der Beziehung zu Andrea und es deutet alles auf eine Trennung hin. Ich weiß, dass Andrea mit meinen Grenzen spielt, und ich habe ihr gesagt, wenn sie es übertreibt, dann bin ich weg!«
Auf Kosten seines Künstlertums nimmt er sich immer zurück. Doch er ist sich sicher, dass er so nicht mehr leben kann und will. Fabiano ist ein sehr gutmütiger Mensch.
Viel lieber aber hätte ich mit ihm über uns oder mein Musiktheater-Projekt gesprochen. Denn ich würde mich gerne mit ihm zusammen für ein Stipendium in Italien bewerben. Ich glaube, wir wären ein sehr gutes Team. Und zusammen wären wir noch viel stärker, weil wir beide zwei ausgeprägte Persönlichkeiten sind.
Alles, was mir Fabiano über Andrea erzählte, zeigte mir, dass zwischen ihr und mir ein gewaltiger Unterschied besteht. Es ist bestimmt nicht leicht für Fabiano, sich aus dieser langjährigen, aber doch für ihn so zerstörerischen und einengenden Beziehung zu lösen. Wir verplauderten unseren Nachmittag und den ganzen Abend.
Fabiano schmiss mich bäuchlings auf das Bett und nahm mich stürmisch und leidenschaftlich. Sein Becken bewegte sich kraftvoll auf und ab. Er bedeckte meinen Rücken mit unzähligen schauerrerregenden Küssen. In seiner Sprache und seinen poetischen Worten, während er mich liebte, zerfloss ich in alle Richtungen. Wir liebten uns, bis wir uns in unserem Höhepunkt verloren. Sanft drehte er mich zu sich um und schaute mich mit seinen dunklen Augen liebevoll an. Er liebkoste mich noch stundenlang, bevor er sich langsam und widerstrebend anzog.
Sein Duft hing noch im Raum und ich spürte ihn noch in mir, lange nachdem er weg war. Er machte mich glücklich, sanft und schön.
Wie immer rufe ich ihn an, wenn er auf dem Nachhauseweg ist, um ihn während der langen Fahrt zu unterhalten. Dann noch eine letzte sms für diesen Tag.
P.: Fabiano, deine bloße Präsenz führt mich zu meinem Goldschatz, der in meiner Mitte ruht. i.k.D.P.
°°°
Wieder einmal wollte Fabiano Andrea nach Venedig schicken und fragte mich: »Wann kann ich dich wiedersehen?«
P.: eine wundervolle ilusión27 dich bald sehen, küssen, spüren, hören, atmen, berühren – samtig, sinnlich, feurig mit Haut und Haaren … hoffentlich … keine Illusion! P.
F.: Leider doch eine Illusion.
P.: Schade.
P.: Der Schmetterling zählt nicht die Monde, sondern Augenblicke – und er hat Zeit genug. Wie war deine Ausstellung???
27 la ilusión = in spanisch „Wunsch“ oder „Wunschtraum“