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2.6 Die Reformation

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Die westliche Kirche wurde durch das Wirken des Wittenberger Mönches Martin Luther (1483–1546)$Luther, Martin, 1483–1546, evangelischer Theologe, Reformator, Namensgeber der Lutheraner grundlegend verändert. Sein Ziel, die römische Kirche zu reformieren, führte dazu, dass sich in Westeuropa mehrere Konfessionen manifestierten.

Die Wittenberger ReformationMartin Luther entdeckte als Professor für biblische Exegese in Wittenberg im Zuge der Auslegung des Römerbriefs, dass die Gerechtigkeit Gottes kein distributiv-strafendes Handeln Gottes meint, sondern eine heilschaffende Kraft ist. Allein der Glaube an Jesus ChristusJesus Christus als den Retter und Erlöser rechtfertigt den Menschen. Keine guten Taten, keine verdienstvollen Werke, kein AblassAblass, nicht einmal die Vermittlung der Kirche sind für die Erlangung des Heils notwendig, lediglich das gnädige Handeln Gottes. Mit dieser Theologie geriet Luther in Widerspruch zu seiner Kirche. Er stieß eine kirchliche Reformbewegung an, der sich sowohl große Teile des Kirchenvolkes als auch Fürsten anschlossen. Die Reformation nahm politische Dimensionen an.

Auf dem Augsburger Reichstag 1530 überreichten die „neugläubigen“ Stände Kaiser Karl V.$Karl V., 1500–1558, 1520–1556 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs (1500–1558; König seit 1516 /1519, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs seit 1520, 1556 Niederlegung aller ÄmterAmt) das bis heute grundlegende GlaubensbekenntnisGlaubensbekenntnis der evangelischen Kirchen, die Confessio AugustanaConfessio Augustana (CA), das ‚Augsburger BekenntnisBekenntnis‘.

Eine der wesentlichen Veränderungen, die die neue Lehre kirchenrechtlich auf den protestantischen Gebieten bewirkte, war die Übernahme der Verantwortung für die neue religiöse Ordnung durch die Landesherren, die die Rolle der Bischöfe einnahmen. In den Jahren 1526 bis 1532 bildete sich das protestantische LandeskirchentumLandeskirchentum heraus.

Die Zürcher ReformationEin Zweig der Reformation neben dem, der sich in Wittenberg herausbildete, entstand in Zürich unter dem Einfluss des vom HumanismusHumanismus geprägten Huldrych Zwingli (1484–1531)$Zwingli, Huldrych, 1484–1531, evangelisch-reformierter Theologe, Reformator, der um 1516 zu der Einsicht kam, dass die Klarheit der Schrifterkenntnis im Erfassen des buchstäblichen Sinns der Schrift liege. Zwingli wurde 1519 an die bedeutendste Kirche des Stadtstaates Zürich, an das Großmünster, berufen und setzte in dieser Position seine Ideen einer Reform der Kirche durch. In der Perspektive reformierter Kirchen stellt seine Berufung den Beginn der oberdeutschen Reformation dar.

So entwickelten sich im frühen 16. Jahrhundert parallel zwei Hauptstränge der Reformation: Einmal durch das Wirken Zwinglis in Zürich, zum anderen unter Luthers$Luther, Martin, 1483–1546, evangelischer Theologe, Reformator, Namensgeber der Lutheraner Führung in Wittenberg. Aus diesen Zweigen der Reformation entwickelten sich die Lutherischen Kirchen und die Reformierten Kirchen.

Wesentlich unterschieden sich beide bei der Interpretation des AbendmahlsAbendmahl, eines der beiden SakramenteSakrament der evangelischen Konfession. Während Luther die reale Präsenz Christi „in, mit und unter“ den Elementen vertrat, war für Zwingli$Zwingli, Huldrych, 1484–1531, evangelisch-reformierter Theologe, Reformator Christus im Abendmahl in der Erinnerung präsent.

Die TäuferbewegungDie Zürcher Reformation war die Wiege einer weiteren BewegungBewegung(en), die auch als der „radikale Flügel der Reformation“ bezeichnet wird: die Täuferbewegung. Den Namen „Täufer“ erhielten die Anhänger dieser aus der Reformation hervorgegangenen Strömung, weil sie die TaufeTaufe als das Siegel der bewussten Bekehrung zum Christentum ansahen und deshalb die Kindertaufe ablehnten. Als WiedertäuferTaufeWiedertäufer (,Anabaptisten‘) erlitten sie grausame Verfolgungen. Aus ihrer Bewegung gingen unter der Führung des ehemaligen römisch-katholischen Priesters Menno Simons$Simons, Menno, 1496–1561, römisch-katholischer Priester, Theologe, führende Persönlichkeit der Täuferbewegung, Namensgeber der Mennoniten (1496–1561) Gemeindegründungen hervor, die sich als Mennoniten eine Struktur gaben. Weitere aus der Täuferbewegung hervorgegangene religiöse Gemeinschaften sind die in Nordamerika verbreiteten HuttererHutterer und die AmischenAmischen.

Die Genfer ReformationNeben Huldrych Zwingli$Zwingli, Huldrych, 1484–1531, evangelisch-reformierter Theologe, Reformator ist Johannes Calvin (1509–1564) ein für die reformierten Kirchen bedeutender Reformator. Er gehörte der zweiten Generation der Reformatoren an und wirkte seit den späten 1530er Jahren in Genf. Da für ihn die Sorge um die Gestalt der Gemeinde und um die Übereinstimmung von Lehre und Leben im Mittelpunkt der theologischen Überlegungen stand, wollte er die Kirche nach der Ordnung des EvangeliumsEvangelium erneuern. Dazu gehörte eine strenge KirchenzuchtKirchenzucht, die kennzeichnend für den Calvinismus wurde, der sich in den folgenden Jahrzehnten erfolgreich in Europa, v.a. in Frankreich, England, Schottland und den Niederlanden, ausbreitete und in Nordamerika Fuß fasste. Einen direkten Einfluss hatte der Calvinismus sowohl auf den französischen Protestantismus, dessen Anhänger, die Hugenotten, von der Römisch-katholischen Kirche verfolgt wurden, als auch auf den sich der anglikanischen StaatskircheStaatskirche in England widersetzenden PuritanismusPuritanismus. Die presbyterianische Kirche von Schottland wurde ebenfalls stark vom Calvinismus beeinflusst. In Deutschland war der Calvinismus nur schwach vertreten, hatte aber Berührungspunkte mit dem PietismusPietismus, der über die ErweckungsbewegungErweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts in die Gemeinschaftsbewegung hineinwirkte.

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