Читать книгу Grundwissen Konfessionskunde - Gisa Bauer - Страница 20
3 Die personelle apostolische SukzessionSukzessionApostolische SukzessionApostolizitätApostolische Sukzession 3.1 Die Römisch-katholische Kirche
ОглавлениеKatholisch ist ein lateinisches bzw. griechisches Lehnwort und bedeutet ‚allgemein‘, ‚umfassend‘. In diesem Sinn versteht sich jede Kirche als katholisch. Der Mönch Vinzenz$Vinzenz von Lérins, gest. um 434/450, Mönch, Kirchenvater von Lérins (gest. um 434/450) formulierte im 5. Jahrhundert, was katholisch ist: „In eben jener katholischen Kirche selbst ist mit größter Sorgfalt dafür zu sorgen, dass wir halten, was überall, was immer, was von allen geglaubt wurde. Denn das ist wirklich und wahrhaft katholisch, was, wie der Name und Grund der Sache erklären, alle insgesamt umfasst.“
Dieses Selbstverständnis lebt in ganz besonderer Weise die Römisch-katholische Kirche. Der Zusatz römisch spezifiziert also die Bezeichnung katholisch und kennzeichnet eine Konfession, deren Selbstverständnis darin besteht, nicht eine Kirche neben anderen zu sein, sondern die Kirche. Henri Kardinal de Lubac SJ (1896–1991)$Lubac, Henri de, 1896–1991, römisch-katholischer Kardinal, Jesuit formulierte dazu:
Im Katholizismus eine ReligionReligion neben anderen, eine Lehre neben anderen zu sehen, hieße, sich über sein Wesen zu täuschen. Der Katholizismus ist die Religion. Er ist die Form, die die Menschheit annehmen soll, um endlich sie selbst zu werden. Er ist die einzige Wirklichkeit, die um zu sein, es nicht nötig hat, sich entgegenzusetzen. Die Kirche ist überall zu Hause, und jeder soll sich in der Kirche zu Hause fühlen können. (Lubac, 1970, 263).
Die Messe als Herz der KircheDie Römisch-katholische Kirche ist mit ca. 1,3 Milliarden Gläubigen die größte der Welt. Ihr Herz schlägt in der Feier der Messe. Das Feiern der LiturgieLiturgie bildet die Identität der Kirche. Sie verbindet Gläubige in der ganzen Welt zu einer Gemeinschaft. Überall auf der Welt finden sie in der Messe ihre Kirche vor. Die Einheitlichkeit der Liturgie entspricht dabei dem Bewusstsein der Gläubigen, einer Weltkirche anzugehören, die in und aus verschiedenen Ortskirchen besteht. Dieses Bewusstsein findet seinen deutlichsten Ausdruck im hierarchischen Aufbau der Kirche, an deren Spitze der BischofBischof von Rom steht. Der Papst ist das Zeichen der Einheit dieser Kirche. Innerhalb dieser Hierarchie und Einheit findet sich eine erstaunliche Vielfalt an Lebensformen und theologischen Strömungen, die dazu führen, dass die Römisch-katholische Kirche kein monolithischer Block, sondern in sich bunt und vielfältig ist.
Dieser scheinbare Gegensatz wird von dem französischen Schriftsteller Georges Bernanos$Bernanos, Georges, 1888–1948, Schriftsteller (1888–1948) exemplarisch ausgedrückt:
Nichts scheint besser geregelt, strikter geordnet, hierarchisiert, angeglichen als das äußere Leben der Kirche. Aber ihr inneres Leben überbordet von unwahrscheinlichen Freiheiten, fast möchte man sagen, von göttlichen Extravaganzen des Heiligen Gottes. (Heyer, 1977, 495)