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Spezifika in der Neuzeit

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Das KonzilKonzil / Konziliarismus von TrientKonzil / KonziliarismusKonzil von Trient (Tridentinum)Auf die theologischen und ekklesiologischen Herausforderungen der Reformation reagierte die römische Kirche durch das KonzilKonzil / Konziliarismus von TrientKonzil / KonziliarismusKonzil von Trient, das in mehreren Tagungsphasen zwischen 1545 und 1563 stattfand und die katholische Identität in einer gegenwärtig noch prägenden Weise bestimmte. Die Bedeutung dieses Konzils für den heutigen Katholizismus ist sehr hoch anzusetzen. Erst durch dieses Konzil wurde die alte Reichskirche zur „römisch-katholischen“ Kirche. Insofern ist die Römisch-katholische Kirche ebenfalls eine Kirche, die durch die Reformation entscheidend geprägt wurde und entscheidende Impulse für ihre ekklesiologische Formung erhielt.

Die römische Kurie stand lange Zeit einem KonzilKonzil / Konziliarismus ablehnend gegenüber, da sie den Höhepunkt des Konziliarismus und dessen Implikationen für das PapsttumPapsttum noch deutlich vor Augen hatte. Allerdings war der Druck auf die gesamte Kirche durch die fortschreitende Reformation so hoch geworden, dass auch die Kirchenführung die Notwendigkeit eines Konzils und von Reformen einsah. Es war deutlich, dass sich die Kirche selbst reformieren musste, um sich in den Auseinandersetzungen mit den reformatorischen Ideen und Forderungen zu behaupten und der Ausbreitung des Protestantismus etwas entgegen setzen zu können. Auch das Papsttum musste sich neu finden und der ganzen Kirche eine zeitgemäße Form geben, denn durch die Reformation wurde der alten Reichskirche verdeutlicht, dass die katholische Kirche eine Kirche war, die im Wesentlichen durch das Papsttum repräsentiert wurde.

Ignatius von Loyola

Eine tragende Säule der katholischen Reformen wurde der spanische PriesterPriester Ignatius von Loyola (1491–1556)$Ignatius von Loyola, 1491–1556, römisch-katholischer Priester, Mitbegründer der Societas Jesu (Jesuiten), der 1540 den Jesuitenorden, die „Societas JesuSocietas Jesu“, gründete. Er verband das Bild des Frommen mit dem des Ritters und schuf damit einen Typ des Glaubenskämpfers, der in der Welt für den Papst und die katholische Sache stritt. Die Jesuiten wurden zur Mission ausgesandt und standen für eine unbedingte Erneuerung der Kirche ein. Sie etablierten das katholische Bildungswesen, dienten als Seelsorger und konnten große Erfolge bei der Rekatholisierung protestantischer Gebiete verzeichnen, z.B. in Polen. Ausgangspunkt der sogenannten Gegenreformation bildete das KonzilKonzil / Konziliarismus von TrientKonzil / KonziliarismusKonzil von Trient.

Theologische WeichenstellungenAuf dem KonzilKonzil / Konziliarismus wurden mehrere theologische Positionen der Scholastik zu DogmenDogma erhoben. Thomas von Aquin$Thomas von Aquin, 1225–1274, Theologe, Dominikanermönch wurde zum ersten Kirchenlehrer seit der Antike ernannt. Theologisch bearbeitete das Konzil die von der Reformation aufgeworfenen Fragen. Als Grundlage der Diskussionen wurde die VulgataVulgata zum authentischen Text der BibelBibel erklärt und der KanonKanon der Bibel endgültig festgelegt. Gegenüber der Reformation betonte das Konzil, dass nur die Kirche selbst die Bibel auslegen dürfe. So heißt es im Originaltext:

Außerdem beschließt es [das KonzilKonzil / Konziliarismus], um leichtfertige Geister zu zügeln, daß niemand wagen soll, auf eigene Klugheit gestützt in Fragen des Glaubens und der Sitten, soweit sie zum Gebäude christlicher Lehre gehören, die heilige Schrift nach den eigenen Ansichten zu verdrehen und diese selbe heilige Schrift gegen jenen Sinn, den die heilige Mutter Kirche festgehalten hat und festhält, deren Aufgabe es ist, über den wahren Sinn und die Auslegung der heiligen Schriften zu urteilen, oder auch gegen die einmütige Übereinstimmung der Väter auszulegen, auch wenn diese Auslegungen zu gar keiner Zeit für die Veröffentlichung bestimmt sein sollten. (DH 1507)

Damit immunisierte sich die Kirche gegen Auslegungen der Schrift, die gegen sie ins Feld geführt werden könnten.

Das KonzilKonzil / Konziliarismus erkannte im Hinblick auf die reformatorische RechtfertigungslehreRechtfertigung / Rechtfertigungslehre und ihrem Kerngedanken allein aus GnadeGnade an, dass die göttliche Gnade in Gestalt der Verkündigung des EvangeliumsEvangelium den rechtfertigenden Prozess in Gang setze. Allerdings habe der Mensch dieser zuzustimmen und wirke insofern an dem Heilsgeschehen mit. Allein aus Gnaden geschieht sie in katholischer Sicht nicht.

Auch der Glaube allein ist für die Heilsgewinnung nicht ausreichend. Nur innerhalb der Kirche und mit ihrer Hilfe kann Heil gewonnen werden. Kirche und SakramenteSakrament sind heilsnotwendige Institutionen. Die Siebenzahl der Sakramente und ihre Wirkung aufgrund des äußeren Vollzuges wurden festgeschrieben (ex opere operato).

Katholische IdentitätDas KonzilKonzil / Konziliarismus schuf eine einheitliche LiturgieLiturgie: das Missale RomanumMissale Romanum, den sogenannten Tridentinischen Ritus von 1570, eine gemeinsame Lehrgrundlage durch einen römischen Katechismus. Die Ämterhäufung im Bischofsamt wurde verboten. Die Gründung von Priesterseminaren zur besseren Ausbildung der Geistlichen wurde angeregt, das Ablasswesen reformiert und gegen die reformatorische Kritik die Heiligenverehrung verteidigt.

Aufgrund einer Vielzahl weiterer Dekrete schuf das KonzilKonzil / Konziliarismus die theologische Basis der Gegenreformation und gab der Kirche das nötige Selbstbewusstsein, um sich den neuen, reformatorischen Lehren nicht nur militärisch und politisch entgegenzustellen, sondern auch theologisch. Das Konzil von TrientKonzil / KonziliarismusKonzil von Trient bildete die Basis für die weltweite Mission der Kirche und definierte für lange Zeit die „katholische“ Identität.

Vom Tridentinum zum I. Vatikanischen KonzilKonzil / KonziliarismusI. Vatikanisches KonzilDas PapsttumPapsttum ging innerkirchlich gestärkt aus der Reformation hervor, allerdings war sein Verhältnis zu den weltlichen Herrschern stets aufs Neue spannungsreich. In Frankreich und Österreich kam es durch Gallikanismus (staatliches System in Frankreich, das die Römisch-katholische Kirche von Rom unabhängig machen wollte) und Josephinismus (Versuch, die AutoritätAutorität der Kirche für die habsburgische Monarchie zu nutzen) zu je eigenen Auseinandersetzungen zwischen König und Papsttum in den jeweiligen Herrschaftsgebieten.

Neben den Fragen nationaler Verankerungen des Katholizismus in Europa entwickelte sich im Zuge der Mission eine Fülle von Inkulturationen des Katholizismus auf der ganzen Welt. Die im 18. und 19. Jahrhundert entstandenen Vorstellungen des Katholischen prägten die Länder der südlichen Hemisphäre. Da diese die größten Wachstumsraten innerhalb der Weltkirche aufweisen, bestimmen sie auch gegenwärtig das Bild der gesamten katholischen Kirche.

Die Bedeutung des PapsttumsPapsttum als dem wichtigsten Bezugspunkt des Katholizismus nahm zu. Das kam nicht zuletzt in den DogmenDogma zum Ausdruck, die das I. Vatikanische KonzilKonzil / Konziliarismus 1869/70 verabschiedete. Das Papsttum wurde mit einer umfassenden geistlichen Machtfülle ausgestattet. Dadurch konnte es die Einbuße seiner weltlichen Macht angesichts der Bedrohung des Kirchenstaates durch die Einigung Italiens, der Gründung des italienischen Königshauses und der Eroberung Roms 1870 durch Giuseppe Garibaldi$Garibaldi, Giuseppe, 1807–1882, italienischer Guerillakämpfer, Nationalheld (1807–1882) kompensieren. Papst Pius IX.$Pius IX., Pontifikat 1846–1878, römisch-katholischer Papst (Pontifikat: 1846–1878) fühlte sich seit Verlust des Kirchenstaates 1870 als „Gefangener im Vatikan“.

Gleichzeitig brachte das 19. Jahrhundert eine Stärkung des PapsttumsPapsttum mit sich, da es in der Bedrängnis durch die politischen, sozialen und geistigen Umwälzungen zur Orientierung für viele Katholiken wurde. Es entstand der UltramontanismusUltramontanismus (lat.: ultra mons = ‚der Blick über die Alpen auf Rom‘).

Für das PapsttumPapsttum wurde der Kampf gegen den ModernismusModernismus, eine HäresieHäresie in den Augen der Kirche, zum Stellvertreterkrieg gegen eine Welt, die zunehmend ohne Kirche und Christentum auskam.

Bereits 1864 hatte Pius IX$Pius IX., Pontifikat 1846–1878, römisch-katholischer Papst., dem die politischen Freiheitsbestrebungen seiner Zeit fremd waren, in der Enzyklika „Quanta Cura“ Forderungen der modernen Gesellschaft, wie Religionsfreiheit oder die grundsätzliche Trennung von Kirche und Staat, verurteilt. Im „Syllabus errorum“ (1864) verurteilte der Papst weitere „Irrtümer“ der Moderne, wie Pantheismus und Rationalismus, Sozialismus, Freimaurerei, Protestantismus und Pressefreiheit oder die Aufwertung der Vernunft, die sich selbst Gesetz sei. Außerdem unterstrich er, dass nur in der römisch-katholischen Kirche das Heil zu finden sei.

Mit dem Antimodernismus hatte Pius IX.$Pius IX., Pontifikat 1846–1878, römisch-katholischer Papst die Weichen für den Weg des Katholizismus in die Moderne gestellt, der erst im II. Vatikanischen KonzilKonzil / KonziliarismusII. Vatikanisches Konzil eine Neujustierung erfuhr.

Das I. Vatikanische KonzilKonzil / KonziliarismusDas 1869/70 einberufene I. Vatikanische KonzilKonzil / Konziliarismus sollte ebenfalls dem Abwehrkampf gegen die Moderne dienen. Begrüßt wurde es v.a. von den konservativenKonservativ Strömungen, die eine Bestätigung des Syllabus und eine Verstärkung des UltramontanismusUltramontanismus anstrebten. Die Mehrheit der rund 700 Teilnehmer des Konzils war für die Verabschiedung der Unfehlbarkeitslehre, die Ergebnis des Konzils wurde, und meinte, wenn der Papst „als Lehrer aller Christen“ ex cathedra eine Glaubensüberzeugung zum DogmaDogma erklärt, gilt diese als verbindlich und irrtumsfrei. Es können jedoch nur solche Glaubensüberzeugungen zum Dogma erklärt werden, die nicht im Widerspruch zur BibelBibel und zur apostolischen TraditionTradition stehen, wie sie in der katholischen Kirche geglaubt werden.

Antimodernismus1910 stärkte Papst Pius X.$Pius X., Pontifikat 1903–1914, römisch-katholischer Papst (Pontifikat: 1903–1914) die antimoderne Haltung der Kirche, indem er alle Geistliche auf den AntimodernisteneidAntimodernisteneid verpflichtete. Pius X. legte so Grundlinien katholischer Glaubenslehre fest: Jeder, der diesen Eid leistete, bekannte sich zur Wahrheit, wie sie die Kirche, konkret das päpstliche LehramtLehramt, festhält und überliefert. Die Irrtümer der Moderne standen für Pius X.$Pius X., Pontifikat 1903–1914, römisch-katholischer Papst ursächlich im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Protestantismus. In der Enzyklika „Pascendi dominici gregis“ von 1907 hielt er fest: „Der Protestantismus war der erste Schritt; dann folgt der ModernismusModernismus; das Ende ist der Atheismus.“ (Neuner, 2009, 39)

Durch die Einführung dieses Eides wurden diejenigen katholischen Kräfte unterdrückt, die sich um einen Ausgleich mit der modernen Welt bemühten, was den Katholizismus in eine Erstarrung führte.

Im Zuge der Frontstellung gegen die Moderne unternahm die Kurie Anstrengungen zur innerkirchlichen Konsolidierung und widmete sich unter Papst Benedikt XV$Benedikt XV., Pontifikat 1914–1922, römisch-katholischer Papst. (Pontifikat: 1914–1922) der Vollendung und Inkraftsetzung des allgemeinen Kirchenrechts durch den Codex Iuris CanoniciCodex Iuris Canonici.

Die Lösung der römischen FrageUnter dem Pontifikat von Pius XI.$Pius XI., Pontifikat 1922 bis 1939, römisch-katholischer Papst 1922 bis 1939 konzentrierte sich die Kirche ganz auf ihre religiöse und moralische Kraft und verzichtete auf weltlichen Einfluss.

1929 erhielt sie durch die Lateranverträge mit dem faschistischen Italien unter Benito Mussolini$Mussolini, Benito, 1883–1945, italienischer faschistischer Diktator (1883–1945) den Kirchenstaat als 44 Hektar großes Gebiet im Zentrum von Rom zurück. Darüber hinaus erhielt die Römisch-katholische Kirche als Kompensation für den 1870 erlittenen Verlust Geldzahlungen und die Zusicherung der religiösen Vormachtstellung in Italien. So erhielt sie einen großen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben.

Nicht unproblematisch war die Haltung des Vatikans während des Zweiten Weltkrieges. Die Frage, ob sich Papst Pius XII.$Pius XII., Pontifikat 1939–1958, römisch-katholischer Papst (Pontifikat: 1939–1958) genug für den Schutz verfolgter Juden eingesetzt habe, wird bis heute kontrovers diskutiert.

Das II. Vatikanische KonzilKonzil / KonziliarismusDie Ankündigung des II. Vatikanischen KonzilsKonzil / KonziliarismusII. Vatikanisches Konzil war eine Überraschung. Papst Johannes XXIII.$Johannes XXIII., Pontifikat 1958–1963, römisch-katholischer Papst (Pontifikat: 1958–1963) entschied sich dafür, ein KonzilKonzil / Konziliarismus einzuberufen, um den Dialog, den er anstrebte, sichtbar zu machen. Sein wichtigstes Ziel war die ‚Heutigwerdung‘ (ital.: Aggiornamento) der Kirche. Der Papst wollte die Fenster zur Welt öffnen und die Kirche in die Moderne führen. Darüber hinaus lag ihm die Förderung der Einheit aller Christen am Herzen.

Im Oktober 1962 wurde das KonzilKonzil / Konziliarismus eröffnet. Seine Beschlüsse bilden bis in die Gegenwart die wesentlichen Grundlagen der katholischen Glaubenslehre. Das Konzil legte die katholische EkklesiologieEkklesiologie dar und erstrebte die innere Erneuerung der Kirche, indem es z.B. die LiturgieLiturgie reformierte und den Laien mehr Raum einräumte. Es nahm das Gespräch mit der Moderne auf und wandte sich den getrennten Kirchen zu. Vor allem die vier Konstitutionen zur OffenbarungOffenbarung, zur Kirche, zur Liturgie, zur Kirche im Verhältnis zur Welt sind grundlegend. Auch die Dekrete zur Religionsfreiheit und zur ÖkumeneÖkumene spielten für das Außenverhältnis der Kirche eine wichtige Rolle.

Ein bedeutendes Ergebnis des KonzilsKonzil / Konziliarismus war die Rücknahme des Bannes von 1054, der das SchismaSchisma von Ost- und Westkirche symbolisierte. 1967 wurde der AntimodernisteneidAntimodernisteneid abgeschafft.

Mit dem II. Vatikanischen KonzilKonzil / KonziliarismusII. Vatikanisches Konzil legte die Römisch-katholische Kirche ihre Abwehrhaltung gegenüber anderen ReligionenReligion und Konfessionen ab, beendete die sogenannte nachtridentinische Epoche und legte die Basis dafür, wie sie sich heute darstellt.

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