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2.2.4 Rückbindungen ans Biologische
ОглавлениеDie Institutionalisierung der Geschlechtlichkeit lässt sich an bestimmbare biologische Merkmale rückbinden. Der Verankerungsprozess biologischer Differenz ist aber in allen seinen Schattierungen sozial. Obwohl die kulturellen Ausdrucksformen des Männlichen und des Weiblichen kaum etwas mit der Biologie zu tun haben, liefert diese dennoch die Grenzlinien, woran Semiotiken rückgekoppelt werden. Der Code des Geschlechts prägt die Vorstellungen der Menschen von ihrer Natur, nicht umgekehrt. Genau diesen Gedanken schreibt Butler (1988) sich originär selbst zu. Insofern entspricht Goffmans Sicht auch derjenigen postmoderner Theorien. Universal beobachtbar ist die Tatsache, dass Menschen sich eine Natur konstruieren. Beobachtbar ist auch, dass natürliche Phänomene (Schwangerschaft, Alter, Körpergröße, Geburt, Tod) in diese Konstruktionen eingehen. Goffman gibt diese Begriffe nicht auf und verleugnet auch nicht ihre Materialität. Damit unterscheidet er sich von Butlers frühen Arbeiten. Sie hatte zunächst die Performanz des sozialen Geschlechts als so zentral gesetzt, dass auch das biologische Geschlecht als von dieser Performanz gestaltet gesehen wurde (Butler 1991, zur Kritik daran siehe Kotthoff/Wodak 1997). Auch bei Goffman werden Geschlecht und Gender einander nicht dichotomisch gegenübergestellt. Das biologische Geschlecht wird auch hier nicht für das Substrat gehalten, woran die Konstruktion von Gender anknüpft.
Goffman (1977, 1979) und Garfinkel (1967) arbeiteten kulturgebundene Methoden der GeschlechterstilisierungStilisierung (Selbst- und Fremd-S.) empirisch so heraus, dass der Beschreibung der Phänomenbereiche viel Raum gegeben wird, z.B. derjenige der höflichen Etikette, der Frauen als das zartere Geschlecht symbolisiert und Männer als das robustere. Wie nebenbei gerät das robustere Geschlecht eher an die Schalthebel der Macht. Daran konnte die Genderlinguistik anknüpfen. Mit ihren historischen Analysen dazu, dass Männernamen und -bezeichnungen in der Entstehung der GroßschreibungSubstantivgroßschreibung von Substantiven eher groß geschrieben wurden als Frauenbezeichnungen (Kap. 4), oder Studien dazu, dass Väter in der Familie mehr ImperativeImperativ von sich geben als Mütter (Kap. 10), absolviert sie dabei vornehmlich ein sozialwissenschaftlich-rekonstruktives Programm, kein philosophisch-dekonstruktives.