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6. Kapitel Ratschläge meiner Freunde
ОглавлениеIm Sommer 1936 war ich endlich mit den wichtigsten Reisevorbereitungen fertig, und nun stand meine Abfahrt bevor.
Ich muß sagen, daß ich eigentlich nicht daran gedacht hatte, ein Buch über meine Erlebnisse auf dieser Reise zu schreiben. Denn ich war damals schon bedenklich nah an mein achtzigstes Lebensjahr herangekommen, und es schien mir, daß ich wegen meines Alters für eine solche Arbeit nicht mehr recht tauge.
Aber diese Rechnung hatte ich ohne die Leser der bisherigen Nonnibücher gemacht.
Kaum hatten sie nämlich von meiner bevorstehenden großen Reise gehört, da kamen auch schon von vielen Seiten her dringende Briefe an mich. Einige erreichten mich noch vor meiner Abreise, andere gingen mir nach bis ins Land der aufgehenden Sonne.
Ein junger Leser aus Italien stellte sich so eine Reise um die Welt sehr einfach vor und schrieb mir:
„Lieber Nonni!
Du mußt alles aufschreiben, was Du siehst. Und dann mußt Du ein Buch daraus machen. Ich warte schon darauf.“
Ein anderer aus Frankreich schrieb:
„Lieber Nonni!
Bist Du schon zurück von Deiner Weltreise? Ich suche in allen Schaufenstern nach Deinem Buch. Ich warte darauf. Jules Verne ging auch rund um die Erde und machte das in der kurzen Zeit von achtzig Tagen.“
Ein sehr geweckter kleiner Schuljunge aus der Schweiz schrieb mir ebenfalls einen Brief, während ich in Japan war. Als Adresse standen auf dem Umschlag folgende Worte:
„An Jón Svensson (Nonni)
der so schöne Bücher schreibt
Reykjavik Island“.
Eine so lustige Adresse hatte ich noch nie in meinem Leben bekommen.
Dieser freundliche Junge hatte offenbar auch schon etwas von dem tüchtigen Jules Verne gehört und gemeint, es ginge bei mir ebenso rasch wie bei diesem, und ich sei schon wieder von Japan nach Island zurückgekehrt. Aber die Post muß ich bewundern. Die isländische Post, die nicht wußte, wo ich war, sandte den Brief nach Norwegen.
Von Norwegen wurde er dann an meinen Verleger Herder in Freiburg im Breisgau geschickt. Von dort wanderte er nach Japan, wo ich ihn richtig erhielt.
Briefe dieser Art kamen oft dutzendweise in meine Hände. Ja es ging kaum ein Tag vorüber, ohne daß ich von meinen Freunden aus allen Ländern Briefe bekam, in welchen ich dringend gebeten wurde, alle meine Erlebnisse aufzuschreiben und sie in einem Reisebuch zu erzählen. Sollte hinter diesen Wünschen am Ende wiederum Jules Verne stecken? Er war inzwischen in Amiens gestorben. Aber seine Bücher lebten weiter. Das eine führte zum Mittelpunkt der Erde, ein anderes spielte 20 000 Meter unter dem Meer.
Das waren ja schöne Aussichten für mich. Die Jungen werden doch nicht so etwas von mir erwarten, dachte ich.
Nun schrieben sie mir auf das genaueste, wie das von mir erwartete Reisebuch ausschauen sollte:
„Vor allem, lieber Nonni, kein gelehrtes Buch, in dem so viele Zahlen und Namen sind und das so sehr nach Schule riecht. Auch keines, das nur von solchen Dingen berichtet, wie sie in der Zeitung stehen. Das würde nur den Politikern und den Professoren gefallen, nicht aber uns und den vielen anderen einfachen Leuten!“
Einer, der mich sicher schon einmal gesehen oder gehört hat bei den vielen Vorträgen, und der sich nun freuen wird, wenn er dieses Buch in die Hände bekommt, schrieb folgende überaus liebenswürdige Ermahnungen:
„Lieber Nonni, schreiben Sie bitte besonders die kleinen und kleinsten Einzelheiten, die Ihnen auf Ihrer Reise begegnen und die so schön sind. Ich weiß nicht warum. Ich weiß nur, daß es angenehm ist, zuzuhören, wenn Nonni erzählt, und daß ich mich wohl fühle, wenn ich in den Nonni-Büchern lese. Ich meine dann immer, ich sei bei ihm und reise selber mit ihm durch die Welt.“
Immerfort wiederholten meine Freunde — die kleinen und die großen — dieselbe Bitte.
Ich aber versprach, mich so gut wie möglich nach diesen Winken und Wünschen zu richten. Vor allem versicherte ich ihnen hoch und heilig, daß ich nicht den Versuch machen werde, sie langweilig zu belehren über die Geschichte und Geographie der Völker und Länder, die ich besuchen werde. „Das alles wird uns mehr als genug in der Schule beigebracht“, schloß der gleiche Junge seinen freundlichen Brief. Ich konnte es verstehen, und entschloß mich darum gern dazu, alle meine Freunde aus Nord und Süd, Ost und West im Geiste mit mir zu nehmen in die große weite Welt hinaus.