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12. Kapitel Ein eigenartiges Erlebnis in Paris
ОглавлениеUm keine Zeit zu verlieren und um meine Luftreise nach London in Sicherheit zu bringen, nahm ich mir vor, noch an demselben Tage, mich nach der Rue des Italiens zu begeben, um dort über die Luftreisebedingungen zwischen Paris und London etwas Sicheres zu erfahren.
Bei dieser Gelegenheit erlebte ich wiederum ein recht eigenartiges und geheimnisvolles Abenteuer.
Als ich nämlich das Haus in der Rue de Vaugirard verlassen hatte und auf die Straße hinausgekommen war, schaute ich nach allen Seiten um, ein Auto zu entdecken.
Da kam plötzlich ein vornehm aussehender Herr in einem niedlichen kleinen Auto auf mich zugefahren, grüßte mich und sagte: „Mein Herr, Sie suchen ein Auto. Es ist aber keins hier zu finden. Könnte ich Ihnen vielleicht behilflich sein?“
„Sie sind sehr liebenswürdig, mein Herr“, entgegnete ich, „gewiß würde ich Ihnen dankbar sein, wenn Sie mir helfen könnten.“
„Wo wollen Sie hinfahren?“ fragte der Herr.
„Nach der Rue des Italiens.“
„Das freut mich aber sehr, denn ich muß nämlich selber gerade nach dieser Richtung fahren … Steigen Sie bitte hier bei mir ein.“
Ich nahm sofort das liebenswürdige Angebot an und wollte nun auf dem Rücksitz Platz nehmen. Der Herr bat aber, mich vorne neben ihn zu setzen, denn er saß selber am Steuer.
Unterwegs fingen wir an miteinander zu plaudern.
„Sie sind ja wohl ein Ausländer?“ fragte der Herr.
„Ja, mein Herr, ich bin aus Island.“
„Aus Island! So, das interessiert mich sehr. — Sie sind nämlich der zweite Isländer, den ich kennen gelernt habe.“
Nun wurde auch ich recht interessiert und hätte gern wissen wollen, wer der erste isländische Bekannte des französischen Herrn sei.
Ich fragte ihn daher: „Ist dieser Isländer, von dem Sie sprachen, auch hier in Paris?“
„‚Ich muß bekennen“, erwiderte er, „daß ich nicht weiß, wo er sich eben jetzt aufhält. Übrigens“, fügte er hinzu, „kenne ich ihn nicht persönlich. Ich habe ihn nie gesehen, nur einige seiner Bücher habe ich gelesen. Er ist nämlich Schriftsteller.“
Jetzt fuhr ich zusammen, und meine Neugierde nahm stark zu.
„Kennen Sie vielleicht seinen Namen?“ fragte ich gespannt.
„Gewiß, mein Herr. Er heißt Jón Svensson und nennt sich auch Nonni. Nonni soll sein Kindername sein.“
Es entstand jetzt eine Verlegenheitspause, denn ich wußte nicht recht, was ich tun sollte. Der Herr fuhr indessen bald fort und fragte: „Sie müssen ihn wohl kennen, denn er ist ja Ihr Landsmann.“
„Gewiß, mein Herr, kenne ich ihn, und zwar ganz gut … Aber wo könnte er jetzt sein?“
„Ich weiß es, wie gesagt, nicht. Ich weiß nur, daß er sich oft in Frankreich aufhält. Er ist auch häufig hier in Paris gewesen. Er hält öfters Vorträge hier und in der Umgebung.“
Wieder stockte das Gespräch … Auf einmal aber fuhr der Herr fort, indem er mich scharf ansah:
„Dürfte ich nach Ihrem eigenen geehrten Namen fragen?“
„Gewiß, mein Herr“, erwiderte ich. „Meinen Namen kennen Sie übrigens schon. Ich heiße nämlich genau so wie der Isländer, von dem Sie soeben sprachen.“
Der Herr schaute erstaunt … Ich fuhr aber fort und sagte: „Jón Svensson ist mein eigentlicher Name, und Nonni ist mein Kindername.“
Sprachlos schaute mich noch immer der Herr an. Schließlich aber sagte er: „Ist das nun aber doch nicht merkwürdig? Als ich Sie ganz gegen meine Gewohnheit einlud, in meinen Wagen einzusteigen, wußte ich selber nicht, warum ich es eigentlich tat … Durch unsere Unterhaltung aber wurde es mir immer klarer, daß Sie irgendwie zu meinen Bekannten, ja vielleicht sogar zu meinen Freunden gehörten … Wie das zu erklären ist, weiß ich nicht.“
Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Etwas Unbekanntes, Geheimnisvolles trieb und zwang mich dazu, metnen Wagen anzuhalten und Sie zum Mitfahren einzuladen.“
Diese Worte des sehr gebildeten Herrn machten einen geheimnisvollen Eindruck auf mich. Denn auch mir war es, wie wenn dieser mir gänzlich unbekannte Herr doch auf eine merkwürdige, unerklärliche Weise ein alter Bekannter von mir sei.
Unterdessen hatten wir die Rue des Italiens erreicht. Wir stiegen ab und gingen sofort in die Luftreise-Bureaus hinein.
Hier half mir der freundliche Herr, ohne daß ich ihn darum gebeten hätte, meine Luftreise von Paris nach London in bester Weise vorzubereiten.
Und nachdem ich über alle Einzelheiten dieser hochinteressanten Reise durch meinen neuen Freund unterrichtet worden war, ließ er es sich nicht nehmen, mich nach meiner Wohnung in der Rue de Vaugirard wieder persönlich zurückzuführen.