Читать книгу Nonnis Reise um die Welt - Jón Svensson - Страница 16

11. Kapitel Vorbereitung meiner Luftreise von Paris nach London

Оглавление

Nach diesem kleinen italienischen Abstecher, den wir übrigens nur im Geiste gemacht haben, wollen wir wieder zu meiner Weltreise zurückkehren.

Meine Tage in Paris waren jetzt bald gezählt. Die nächste Strecke war Paris—London. Es gibt nun aber viele Wege, die von Paris nach London führen.

Mir kam es aber darauf an, einen schönen, interessanten und wenn möglich einen etwas ungewöhnlichen Weg zu wählen. Denn ich gehe nicht gern ausgetretene Pfade.

Mein Absteigequartier in Paris war in der Rue de Vaugirard neben der Place de la Convention. Dort hatte ich lauter gute und liebe Freunde. Es waren dort eine große Schule und ein bedeutendes Internat, wo viele frische und fröhliche Pariser Schüler und Schülerinnen erzogen und unterrichtet wurden.

Den jungen Studierenden des Hauses mußte ich zuweilen Vorträge halten und ihnen allerlei Interessantes erzählen.

Eines Tages, kurz vor meiner Abreise, nachdem ich den Schülern eine Geschichte erzählt hatte, blieb ich noch eine Weile mit ihnen zusammen, um über meine Weltreise mit ihnen zu plaudern.

Wir saßen alle in einem schönen, geräumigen Versammlungssaal des Hauses. Mitten im Gespräche fragte ich meine jungen Zuhörer, wie ich wohl am besten und einfachsten von Paris nach London fahren könne.

Sie dachten einige Augenblicke nach. Dann schlug einer der Jungen vor: „Am besten fahren Sie mit der Eisenbahn von Paris nach Calais. Von Calais mit einem Schiff über den Kanal nach England. Dann wieder in einem englischen Zug nach London.“

„Und wie lange dauert wohl so eine Reise?“ fragte ich.

„Sie dauert ungefähr einen Tag“, meinten die Jungen.

„Gibt es aber nicht einen kürzeren Weg, so daß man diese Reise etwas schneller machen könnte?“ fragte ich die Kinder.

Ein kleiner Junge erwiderte: „Doch, man kann die Strecke Paris—London viel schneller und viel einfacher machen.“

„Und wie das?“ fragte ich.

„Auf dem Luftweg!“ riefen alle Kinder auf einmal.

„Wie muß man aber diese Luftreise machen?“ fragte ich weiter.

Einer der Großen, der sehr auf dem laufenden zu sein schien, sagte: „Man fährt mit einem Auto von hier bis nach dem Zentrum von Paris. Dort hält man in der Rue des Italiens. Dann besteigt man einen Autobus, der bis zu dem großen Pariser Flugplatz Le Bourget fährt. Von dem Flugplatz Le Bourget fliegen oftmals im Tag Flugzeuge nach London und umgekehrt.“

„Das wäre ja gerade meine Sache“, sagte ich. „Und wie lange dauert diese Fahrt durch die Lüfte von Paris bis London?“

„Ungefähr zwei Stunden.“

Der Junge, der diese Auskünfte gab, schien sehr gut Bescheid zu wissen.

Jetzt aber meldete sich ein anderer Schüler und sagte: „Die Reise durch die Luft ist zwar schön, kurz und interessant, aber sie ist teurer als die Reise über Land und Wasser.“

„Das sieht nur so aus“, fuhr der erste Junge fort, „in Wirklichkeit ist sie nicht teurer.“

Alles wurde still im Saal. Alle waren gespannt. Auch ich war gefesselt. Denn es schien mir, daß diese jungen Pariser Schüler ihre Ansichten mit ungewöhnlicher Tüchtigkeit vorbrachten und zu verteidigen verstanden.

Jetzt stand einer auf und richtete an den, der zuletzt gesprochen hatte, die Frage: „Kannst du das, was du eben behauptet hast, beweisen, daß nämlich die Reise von hier nach London durch die Luft nicht teurer ist als die Reise mit der Eisenbahn und Dampfer?“

„Ja, das kann ich“, erwiderte rasch der junge Gegner. Und dann fuhr er fort: „Wenn man auf die gewöhnliche Weise diese Fahrt macht, mit Eisenbahn und mit Dampfer, dann kosten die Fahrkarten zwar weniger als die Fahrkarte mit dem Flugzeug, aber es kommen mehrere andere Ausgaben hinzu, von welchen man im Flugzeug befreit ist. Im Flugzeug hat man nichts anderes zu bezahlen als nur die Fahrkarte. Auf der anderen Reise ist es ganz anders, da muß man zwei Mahlzeiten einnehmen. Das ist eine Extraausgabe. Dann verliert man dazu noch den ganzen Tag, und diese verlorene Zeit hat ja doch auch einen Wert. Bei der Luftreise dagegen verliert man nur zwei gute Stunden und braucht keine Mahlzeiten einzunehmen.“

„Wenn es so ist“, sagte ich, „dann wähle ich doch am liebsten den Luftweg.“

Jetzt bat einer der Kleineren um das Wort. Er erhob sich und sagte: „Es ist wahr, daß der Luftweg viel schneller und schließlich auch billiger ist als der andere, aber man darf dabei nicht vergessen, daß er eine große Schattenseite hat: er ist nämlich gefährlich, ja sehr gefährlich, viel gefährlicher als der gewöhnliche Landweg. — Es ist viel sicherer auf der Erde zu bleiben, auch wenn es langsamer geht und vielleicht etwas teurer sein sollte, als mit Lebensgefahr hinauf zu den Wolken zu steigen.“

Die Jungen wußten zuerst nicht, was sie auf diese Einwände erwidern sollten.

Es entstand also eine Pause …

Da erhob sich aber einer der großen Jungen und sagte: „Mein Vater, der bei der Luftfahrt angestellt ist, hat mir gesagt, daß die Reisen im Flugzeug nur im Anfang gefährlich waren. Jetzt sei es aber nicht mehr der Fall. Er sagt, es sei sogar bewiesen worden, daß jetzt bei den Luftreisen weniger Gefahr ist als bei den gewöhnlichen Reisen mit Eisenbahnen und Dampfschiffen.“

Hiermit wurden unsere Beratungen geschlossen.

Mein Entschluß aber stand fest, nämlich mit einem Flugzeug von Paris nach London zu fliegen.

Das war das Ergebnis der kleinen „parlamentarischen Sitzung“ in dem Pariser Internat der Rue de Vaugirard.

Nonnis Reise um die Welt

Подняться наверх