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Briefe im Studium

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Meine Brieffreundschaft zu Elisabeth hielt ich während des Studiums aufrecht. Außer meinen Eltern und meiner Schwägerin Heidi sowie meiner Studienfreundin erzählte ich wenigen Menschen davon. Es war zwar nicht verboten, ins westliche Ausland Briefe zu schreiben, aber es war nicht gern gesehen. Für mich wurde es für einige Zeit eine angenehme Übung, um nicht alles aus dem Französischunterricht zu vergessen. Weder im Alltag noch in absehbarer Zeit gab es für diese Sprache in der DDR kaum eine Anwendung. Heidi erklärte mir nur, dass im Postwesen und vor allem im diplomatischen Bereich gerade Verträge international in Französisch aufgesetzt wurden. Das fand ich interessant.

Während meines Studiums von 1970 bis 1974 kam ich nicht ganz so oft zum Schreiben mit Elisabeth. Es hatte sich alles etwas abgeklärt. In meiner Verwandtschaft konnte ich nicht allzu viel über meine Brieffreundin erzählen. Es bestand kein großes Interesse an Menschen außerhalb Deutschlands. Mein Bruder sah das sogar etwas argwöhnisch. Als Offizier der NVA (Nationalen Volksarmee) hatte er sich verpflichtet, keinen Kontakt mit Menschen aus dem westlichen Ausland aufzunehmen. So wurde mir manchmal das Gefühl vermittelt, etwas „Unrechtes“ im Sinne der DDR-Politik zu tun.

Erst als ein Brief bei mir nicht ankam, wurde ich besonders stutzig. Es waren viele von frankierten Umschlägen abgeweichte Briefmarken aus Frankreich darin. Daraufhin schickte ich in den nächsten Briefen weniger Marken an meine Freundin. Einmal legte sie Farbfotos von Mireille Mathieu und Milva mit in den Umschlag. Die waren sehr schön. Mir gefielen besonders die großartig genähten Kleider der beiden.

Unsere Themen in den Briefen hatten sich ein wenig verändert. So schrieb mir Elisabeth einmal typische französische Rezepte auf, beispielsweise ein Schnitzel mit einer Speckscheibe darunter, damit es so richtig saftig bleibt. Aber mir war das alles zu fettig. So habe ich nie wieder nach einem Rezept bei Elisabeth nachgefragt.

Wir schrieben uns teilweise über Ausflüge, die wir im Land unternommen hatten. Meine Freundin war an Geschichte und Geografie interessiert. So kamen auch zahlreiche farbige Ansichtskarten mit im Umschlag an. Da ich ähnliche Interessen hatte, schickte ich viele farbige Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten aus der DDR.

Einmal formulierte ich einen außergewöhnlichen Wunsch und fragte Elisabeth nach einer modischen Hose aus Frankreich. Man hatte ja beim Lernen der französischen Sprache erfahren, dass es in Frankreich besonders guten Käse, mediterrane Speisen, die neueste Mode und Champagner gibt. Sie schickte mir auch eine tolle braune Hose aus einem Wollstoff, den es in der DDR wirklich nicht gab. Allerdings bekam ich daraufhin auch eine Rechnung vom Zoll und musste etwa 58 Mark der DDR bezahlen, um das Paket in Empfang nehmen zu können. Daran hatte ich vorher nicht gedacht. Die Hose trug ich häufig, sie passte wunderbar. Leider hielt der Stoff nicht lange, sodass der Traum schon nach einem Jahr verschlissen war.

Eine außergewöhnliche Freundschaft

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