Читать книгу Die Welt, die meine war - Ketil Bjørnstad - Страница 25
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ОглавлениеDie Albträume dieser Zeit sind immer Anklagen gegen ihn selbst. Er ist die Ursache dafür. Das Negative kommt aus ihm. Er verirrt sich in etwas, geht in die dunkelsten Gassen, lässt sich verlocken. Schicht um Schicht von Versuchungen, finanziellen, materiellen und fleischlichen, denen er nicht widersteht. Die Tat braucht nicht ausgeführt zu werden, aber zum Beispiel dieses Dach. Er hat Ingar freie Hand gegeben. Seit so vielen Jahren hat er Oles Methoden für richtig gehalten: Geld ist nur ein Problem, wenn man anfängt, daran zu denken. Bisher war das Geld vorhanden. Und wenn nicht, konnte er Paul anrufen und um einen Auftritt bitten oder einen Artikel für Aftenposten schreiben. Aber alles, wozu er jetzt ja gesagt hat, für sich und für die Andere, sind große Investitionen, Ausgaben, mit denen er nicht gerechnet hatte, bis ihm ganz plötzlich eines Tages aufging, dass es schiefgehen würde, dermaßen schiefgehen, dass die 100 000 Kronen, die anfangs angedeutet worden waren, zu 120 000 werden sollten, zwei Wochen später 150 000 und jetzt, da sogar die Wirklichkeit in den Albtraum übergeht: 200 000 Kronen! Eine ungeheure Summe! Und dazu ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Beispiel versagender Urteilskraft. Er sieht sich selbst an der Tür von Bankdirektor Oddvar Pedersen kratzen und sagen, dass er, zusätzlich zu allem, was er ohnehin schon geliehen hat, noch 200 000 braucht. Pedersen wird ihn auslachen. Er muss ja gut informiert sein über die Zurück ins Grüne-Kultur auf Sandøya, wo man mit seinem Plumpsklo prahlt. Bei jedem Hammerschlag oben auf dem Dach denkt er, dass er jetzt hundert Kronen ärmer wird. Aber nicht daran müsste er denken. Sondern an den Roman, der zu allem Überfluss Bingo! heißt. Die Signale vom Verlag waren ausnahmsweise aufmunternd. Tom Kristensen, der Studienrat aus Berg, einer seiner Lieblinge in der Norwegisch-Redaktion, der für viele norwegische Autoren bereits von großer Bedeutung ist, hatte sich mit seinem ganzen Gewicht für dieses Manuskript eingesetzt und gesagt, es sei ein Zeitgemälde, das viele erreichen könnte. Diese Worte machen Eindruck. Er versuchte, den Gedanken an die Katastrophe zu verdrängen, von der er jetzt sicher war, dass sie kommen würde, dass er der Anderen sagen müsste, sie seien ruiniert, könnten ihre Rechnungen nicht bezahlen, müssten das schöne neue Haus verkaufen, müssten den Mietvertrag zu Hause bei den Eltern im Frognervei kündigen. In Norwegen müsse es billigere Wohnorte geben, Rjukan zum Beispiel, vielleicht Sulitelma, wo sie sich niederlassen, ein Haus, einen Webstuhl und ein schlichtes elektronisches Klavier mieten könnten. Vielleicht könne er ja anfangen, Erzählungen für Softpornomagazine zu schreiben.
Alles schien in die Brüche zu gehen. Und niemand außer ihm ahnte, wie sehr alles außer Kontrolle geraten war. Wenn Ingar zu seinen täglichen Nachmittagsbesuchen kam, versuchte er, so enthusiastisch und selbstsicher zu sein wie überhaupt nur möglich. Ob es auf dem Dachboden Parkett von Siljan geben solle? Die breitesten und teuersten Bretter? Natürlich! Ingar brauchte nicht einmal zu fragen.
»Wie gut«, sagte Ingar lächelnd. »Denn der Boden ist schon bestellt. Und morgen kommt die Treppe. Die wird sehr schön. Sie kostet zwar 50 000 und nicht 25 000, wie ich zuerst gesagt hatte, aber für dich, Ketil, spielt das doch sicher keine große Rolle?«
»Absolut nicht«, antwortet er.
Woher kommt dieser idiotische Stolz? Die dümmsten Menschen, die er kannte, waren doch die, die über ihre Verhältnisse lebten. Für wen spielte er hier den reichen Mann? Er hatte weniger als 100 Kronen auf dem Konto. Einmal hatte er den Überziehungskredit von 10 000 für reichlich gehalten und sich nicht vorstellen können, ihn jemals in Anspruch zu nehmen. Jetzt musste er, aber wofür? Der Einzige, der bei diesem wahnwitzigen Projekt Sicherheit gab, war Zimmermann Harald. Er hatte Vorschuss, Nachzahlungen und alles bekommen. Das wäre ja auch noch schöner gewesen. Er war ein enger Freund. Ingar war ebenfalls bezahlt worden. Was wirklich kostete, waren die Materialien. Konnte er sich damit trösten, dass Siljan sicher eine große Firma war, dass ein einzelner Konkurs auf Sandøya in deren Bilanz am Ende keine Rolle spielen würde? Aber was war mit der Treppenfabrik? Und was mit den vielen anderen kleinen Lieferanten? Er hatte die Einsamkeit immer als Freundin betrachtet. Aber diese Einsamkeit hier war krank. Es war die Einsamkeit des Betrügers. Die Einsamkeit des Mörders in den Stunden vor der Hinrichtung, wenn der Galgen bereitgemacht wird.
Nachts, oft gegen vier Uhr morgens, wälzt er sich im Bett von einer Seite auf die andere, in dem Haus, von dem er weiß, dass er es im Laufe des Sommers verlassen muss, vielleicht schon im Juni, warum nicht am Johannisabend, wenn alle anderen ihre Holzboote mit Birkenzweigen schmücken und nach Kvernskjær hinaustuckern, mit billigem Bier, Wein und selbstgekochtem Proviant in ihren Körben. Ja, gerade dann werden er und die Andere die Insel verlassen müssen, ein riesiger Möbelwagen wartet schon auf der Hagefjordbrygge und Männer in den Uniformen der Umzugsfirma holen den schwarzen Flügel, die Bücher und die Schallplatten. Was hatte er denn geglaubt? Dass die LP mit Lill Lindfors so viel verkaufen würde wie ABBA? Dass er sich eine Villa auf Mallis und eine Wohnung in New York zulegen könnte? Zwei Polizisten aus Tvedestrand passen auf, während die Zwangsauktion durchgeführt wird, damit alle Besitztümer in das Lager für Konkursmassen gebracht werden, ein großes, hässliches Gebäude irgendwo bei Østerkleiv. Die Verhandlung ist für August anberaumt. Dann wird entschieden, ob er im Schuldgefängnis landet. Wird er es wagen, in der Poco-Loco-Hose vor Gericht zu erscheinen? Die Jacke von Yves Saint Laurent, für deren Anschaffung Ole die Verantwortung übernehmen muss, 7500 Kronen bei Øyvind Dahl, ist ohnehin schon beschlagnahmt worden. Es war aber auch ein lächerlicher Kauf. Strickjacke. Zu gar nichts zu gebrauchen. Man wurde mit so etwas nicht einmal ins Noble Dancer oder in eines der anderen neuen Lokale gelassen, auch wenn es dreimal so viel gekostet hatte wie die neuen Billigsmokings, in denen die allerdümmsten und unerfahrensten Bankleute und Makler glaubten, die unechtesten Blondinen verführen zu können. Als ob Fliegen und weiße Hemden etwas Erotisches an sich hätten! Fliegen! Er schwitzt und träumt halb vor sich hin, spinnt weiter an diesem Gedankenfaden, der ihn in Verbitterung und Größenwahn führt. Er denkt an Mozart, an nichts Geringeres. Mozart, ja! Er wird in einen Zustand der Erregung versetzt, wenn er nur daran denkt, was dieser Meister an Demütigungen ertragen musste, dass Mozart niemals die Anstellung am Hof erlangte, von der er geträumt hatte, dass er fast seine gesamte Musik, diese geniale, göttliche Musik, in tiefer finanzieller Not schreiben musste. Ja, sogar das berühmte Requiem hatte er für Geld geschrieben, weil dieser Idiot von einem Grafen aus Stuppach es selbst aufführen und so tun wollte, als habe er es geschrieben. Dass Mozart sich auf so etwas überhaupt hatte einlassen können, zeigt nur, wie unselig und unschön die Motive für neue künstlerische Schöpfungen sein konnten. Dostojewski, der seine Romane als verzweifelte Fortsetzungsgeschichten für russische Zeitschriften schrieb, um seine Spielschulden zu bezahlen. Aber was kann er tun, während er sich im Bett von einer Seite auf die andere wälzt? Bingo! von Aschehoug zurückziehen und als Fortsetzungsroman einer der Illustrierten anbieten, die seine Mutter so liebte? Wie viel könnte er dann bekommen? 3000 pro Woche? Für insgesamt 10 Kapitel? Das wären dann nicht mehr als 30 000 Kronen, nicht genug, um das Haus auf Sandøya zu retten. Und das alles muss er denken, wie er sich so im Bett von einer Seite auf die andere wälzt, und Movitz hat sich nicht einmal herabgelassen, an der Schlafzimmertür zu kratzen und seinen Schmusebedarf kundzutun. Merkt auch der Kater, dass es abwärts geht?
Der Anruf kommt überraschend. Er kommt vom liebenswerten Menschen Knut Brandstorp, dem Chefdesigner von Aschehoug, der so viele seiner Umschläge gestaltet hat, nachdem der noble Rolf Andersson aufgehört hatte, sich mit Romanvorderseiten zu befassen. Brandstorp hat ein maskulines Auftreten, das ihm anfangs das Gefühl gab, sie hätten einander nichts zu sagen. Aber dann kam es ganz anders. Und Knut, der immer seinen weißen, halblangen Mantel trägt und wie ein Mensch mit konkreten Kenntnissen wirkt, ruft just an dem Tag an, an dem er alles aus dem Griff zu verlieren scheint, als der Flieder blüht, als Sandøya so schön ist, dass der Schriftsteller Roy Jacobsen beim bloßen Anblick dieser strotzenden Idylle entlang der autolosen Wege kotzen würde. Und hier hatte er wohnen wollen!
»Aber es eilt«, sagt Knut.
»Was eilt?«, fragt er.
»Der Umschlag für deinen Roman. Der Buchclub Nye Bøker will das Buch im September bringen.«
»Nye Bøker?«
»Ja. Hat die Redaktion dir das nicht gesagt?«
»Ich hab keinen Mucks gehört.«
»Hauptbuch, du Scharlatan. Deshalb müssen wir ein Foto von dir machen. Ich denke an die alberne Jacke von Saint Laurent, mit der du vorige Woche im Verlag warst. Sie kann die Vorstellung der Laien davon unterstützen, wie ein großer Autor wirklich da draußen auf den Schären lebt, mit Katze und Kaninchen.«
Er hört sich diesen Scherz an, lässt sich nichts anmerken. Aber innerlich ist er erschüttert. Hauptbuch? Fünf Jahre lang, seit Pavane, 1976, hat er versucht, nicht daran zu denken. Stattdessen hat er stumm genickt, wenn er die Namen der Autoren hörte, die in all diesen Jahren die Auserwählten waren. Und weil er auch Musiker war, dachte er nicht so oft daran, während er zugleich wusste, dass hier eine literarische Klassengesellschaft entstand. A-Autoren und B-Autoren. Aber wie sollte man durchschauen, nach welchen Maßstäben die Mächtigen draußen in Lysaker einen Autor auswählten? Er war kein Stratege. Sein voriger Roman, Das Land auf der anderen Seite, war so introvertiert, dass die meisten Kritiker es nicht einmal bemerkt hatten. Während der langen Arbeit an Bingo! hatte er keine Sekunde lang gewagt, an den Buchclub zu denken. Die Geschichte war möglicherweise schon an sich zu haarsträubend. Außerdem spielte sich ein Großteil der Handlung in Oslo-West ab. Norwegische Literatur hatte kein Interesse an Oslo-West. Nach Johan Borgen und Axel Jensen waren ganz andere Orte in der Stadt und im Land überhaupt zur literarischen Arena geworden.
Aber er wusste, was das in klingender Münze bedeutete.
Über 300 000 Kronen. Fast drei normale Jahresgehälter.
Ihm wurde schwindlig. Er bereute, zum Frühstück nicht mehr gegessen zu haben, dann könnte er jetzt kotzen.
War er nun gerettet?
Das Fragment ist keine Nebenspur. Das Fragment ist das Leben selbst. John Lennons berühmte Zeilen aus Beautiful Boy: »Life is what happens to you while you are busy making other plans.« In den größten Mahler-Symphonien sind die Fragmente die eigentlichen Tragbalken. Noch einmal der erste Satz in der dritten Symphonie. Den er von allen am meisten schätzt. Die chaotischen Militärmärsche des ersten Satzes, im direkten Kontrast zu den Fragmenten von Glück, fast schon Ekstase. Die lange Exposition, für die die Solovioline die Hauptverantwortung trägt, die Wollust der Harfen, die fast verbotenen Abstecher von Gesetz und Ordnung, von der militärischen Kontrolle, von der jedes Land abhängig ist. Eine Denkweise, die auf die Einwohner übergreift. In seinem Leben existiert diese Hierarchie noch immer. In seinem Gehirn kämpfen zwei Generäle um die Macht, zwei Leutnants und danach ein Heer von gemeinen Soldaten, die sich, weil es sein muss, zum Morgenappell aufstellen, die aber vor allem davon träumen, zu desertieren.
Er schreibt einen Roman, weil er sich das belletristische Erlebnis der Erinnerung wünscht. Er braucht die Freiheit der Repliken, die Verbindlichkeiten der Sprache. Einen Menschen zu beschreiben, ohne sich den ästhetischen Anforderungen des Romans zu nähern, wird zu einer eiskalten und seelenlosen Übung. Ja, er nennt es Seele. Zugleich verabscheut er Gefühlsduselei, das sentimentale Hätscheln des eigenen Schicksals.
Die langen Linien, unsichtbar sogar dort oben am historischen Hof, der aus Präsidenten, Königen, Königinnen, Hofmarschällen und Henkern besteht. Annexionen. Die Sudetenlinie. Oder-Neiße. Die Krim. Während er schreibt, liest er, dass Norwegen einen Grenzzaun zur Sowjetunion einen Meter zu weit nach Osten gesetzt hat. Der Zaun muss abmontiert und neu aufgestellt werden.
In ihm gibt es etwas Hartes, das kann er sehen. Diese Monate. Diese Jahre. Ein Expansionswille, der ihm Angst macht. 35 Jahre später. Er kennt diesen jungen Schlingel. Aber er ist nicht sicher, ob er ihn leiden kann. Wenn er jetzt, im Jahre 2016, dem Bjørnstad-Jungen in einem Restaurant begegnete, würde er denken: Mit dem möchte ich aber nicht reden müssen. Dieser dünne Kerl mit den angesagten Klamotten, das Quasizerzauste, das doch nur Geckentum ist. Erinnert er nicht zum Verwechseln an diese Hurenböcke aus seiner eigenen Jugend, die niemals genug kriegten? Die mit beiden Händen rauchten und tranken und immer wieder zugriffen. Die gestohlenen Blicke in alle Richtungen, zu allen Menschen und allen neuen Möglichkeiten. Er denkt an die Musik, die er damals gehört hat. Immer Klassik und Jazz, aber auch Elvis Costello, Blondie und Talking Heads. Costello und David Byrne ähnelten den neuen Maklern auf den Straßen von Oslo wie ein Ei dem anderen, mit ihren schwarzen oder hellblauen Anzügen. Das Aggressive, das diese Männer ausstrahlten. Watching the Detectives oder Burning Down the House. Er liebte Costello, wenn der sang Shoot, shoot, shoot. Und er verspürte Erregung, wenn Debbie Harry sang The Tide is High. »I’m not the kind of girl …« Damals wollte er wirklich alles, denkt er. Einige Wochen ehe der Dachboden auf Sandøya fertig sein soll, kauft er eine zweistöckige Wohnung ganz oben an der Ecke Thomas Heftyes gate und Bygdøy allé, gegenüber dem Immobilienmakler Tom Stabe, der diesen Verkauf vermittelt. Zusammen mit der Anderen war er an den Fenstern mit den vielen Immobilienangeboten vorbeigegangen und hatte Bilder dieser Wohnung gesehen, und die hatten ihm einen Stoß versetzt. Das große Wohnzimmer im obersten Stock. Der Balkon mit Blick auf Bygdøy allé und Odins gate. Die beiden Zimmer einen Stock tiefer. Ein Schlafzimmer und ein Arbeitszimmer/Gästezimmer.
»Du hast doch Lust darauf«, sagte die Andere. Sie kannte ihn so gut. War seinen Gedanken oft weit voraus.
»Absolut nicht«, antwortete er. »Außerdem können wir uns das nicht leisten.«
Zwei Wochen später. Er steht in der leeren Wohnung und sieht, dass er zu Ikea muss, um Möbel und Teppichboden zu kaufen. Noch kann er solche einfachen Dinge schaffen: Teppiche zurechtschneiden, Bilder aufhängen und Sessel auf dem Rücken tragen. Die Andere ist auf Sandøya in dem anderen Zuhause. Aber sie kann solche Dinge viel besser als er. Ihre Loyalität macht ihm Angst. Hat sie wirklich solches Vertrauen zu ihm? Dass er die Finanzen im Griff hat? Dass dieses Geld vom Buchclub in alle Ewigkeit halten wird? Er hat vier verschiedene Kreditkarten, die er überzieht. Für dieses Geld kauft er Bilder von Leonard Rickhard, Bjørg Holen und Gunnar Torvund. Gleichzeitig hält er jetzt Ausschau nach billigen Kleiderläden. Er geht Ole aus dem Weg, wenn der aus seinem Reihenhaus im Ostadalsvei kommt und in Einkaufsstimmung ist. Jetzt keine weiteren Jacken von Yves Saint Laurent.
Allein in der Wohnung. Er geht zur Gegensprechanlage an der Eingangstür, nimmt den Hörer ab, lauscht dem Rauschen unten auf der Straße. Hier, denkt er, genau hier.
»Da«, sagt er. »Gleich unten in der Straße, in der Bygdøy allé.«
Die Mutter hatte ihn angesehen. Das war die endgültige Abnabelung. Obwohl er auf Sandøya wohnte, hatte er die ganze Zeit den ersten Stock im Haus der Eltern in Frognervei gehabt. Wusste sie, dass der Vater ihn auf die Idee gebracht hatte? Er hatte die Miete erhöhen müssen. Das war nur recht so. »Aber für zweitausend Kronen pro Monat kannst du ein größeres Darlehen bedienen, weißt du. – Wie wäre es mit einer Wohnung?«
»Ich wüsste da eine Wohnung«, hatte er geantwortet.
Wollte der Vater den Sohn aus dem Haus haben, damit der endlich ganz selbstständig werden könnte?
Aber an das Gesicht der Mutter wird er sich erinnern. Die Trauer darüber, dass er nicht mehr in ihrem Haus sein wird. Als sich ihre Blicke begegneten, sah er das. Warum sollte man jemals wünschen, zu einer Mutter auf Distanz zu gehen?
»Ich bin doch nicht weit weg, Mutter.«
»Nein«, sie nickte.
»Eigentlich doch gleich um die Ecke. Du kannst auf dem Balkon sitzen und den Sonnenuntergang genießen.«
»Der Balkon schaut nach Osten, Ketil.«
»Von mir aus. Aber du kannst trotzdem kommen. Du kannst immer kommen.«
Sie lächelte ihn an. Streichelte seine Wange. »Das wird sicher schön«, sagte sie. »Ich freue mich für dich.«