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22.

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Rosenborg Studio. Vor den Fenstern Fliederzeit. Er und das Stavangerensemble im Haus. Es ist der Dreißigjährige Krieg. Nicht der große, über den die Geschichtsbücher schreiben, sondern der andere, der mit dem Alter zu tun hat. Er hatte es sich so sehr gewünscht, mit dieser Rockband zusammenzuarbeiten, sich von dem Erwarteten zu entfernen, ein härteres, aggressiveres Klangbild anzustreben, nicht so unverbindlich wie in der Welt des Jazz, weil die Akkorde weniger sind, die Melodien kürzer, die Refrains deutlicher. Monatelang hatte die kleine Fangemeinde unten auf Sandøya das Debütalbum des Stavangerensembles gespielt, Ta en kjangs, und sich über das Verspielte gefreut, über die Selbstsicherheit, die ungeheuer starken Melodien und Texte. Die vier Musiker, der Gitarrist Anders Bru, der Schlagzeuger Knut Køningsberg, der Bassist Øystein Eldøy und der Vokalist Frode Rønli, Froddi im Volksmund, füllten im ganzen Bezirk die Clubs. Abermals Stavanger. Er war zu ihnen gefahren, war mit ihnen zusammen gewesen und hatte über das Konzept geredet, das Doppelalbum. Eine Rockoper über Kasper, der ihm selbst zur Verwechslung ähnelte, im Handlungsverlauf aber vielleicht noch mehr Froddi, alle Geschichten, die Froddi ihnen unterwegs erzählte, die konstante Heimatlosigkeit, die dramatischen Erlebnisse in der Jugend, Dinge, von denen Froddi sagte, er könne unbesorgt darüber schreiben, was es für ein Gefühl war, aus einer Wohnung in ein kleines Auto umzuziehen. »Ich wohnte im Morris Mini / der ist wie ein Bikini.« Sie hatten unten im Korvetten gesessen, diesem reichlich alkoholisierten Lokal am Hafen, das die Ölarbeiter gern aufsuchten, wo er selbst 1971 die junge angehende Autorin Valgjerd getroffen hatte, als Ole Paus ihn mit auf Tour genommen hatte. Diese Jungs zu treffen war, wie in eine Wohnung heimzukehren, zu der er seit vielen Jahren Zugang hatte, ohne jemals darin gewohnt zu haben. Eine Wohnung in einem Block mit einer vielfältigen Personengalerie, wo alle, die durch das Treppenhaus gingen, schwere Koffer trugen, vollgestopft mit ihren eigenen Geschichten. Einige dieser Koffer wurden niemals geöffnet, Froddis Koffer aber war so voll von Geschichten und zudem durchlöchert von allen Reisen, Adressen, Menschen und Ereignissen in seinem Leben, dass das Schloss nicht mehr funktionierte. Die Geschichten strömten einfach heraus, wurden zu Liedern und Refrains. »Als ich geboren wurde, war niemand zu Hause. Alle arbeiteten an der neuen Zeit.« Er konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt so engen Kontakt zu jemandem gehabt hatte wie zu Froddi und den anderen Jungs. Man brauchte die Lieder kaum durchzuspielen, ehe man zur Aufnahme schritt. Bru, Eldøy und Køningsberg kannten einander in- und auswendig. Während die Begleitung nervös und lückenlos war, so, wie er es sich wünschte, so, wie er sich vorgestellt hatte, dass seine eigene Musik irgendwann klingen könnte, als er im Auto von Paul Karlsen saß und The Police hörte, hatte Anders Bru die verschiedenen Klänge aller seiner Gitarren im Kopf. Er begriff, wie wichtig die Melodien waren. Alles saß beim ersten oder zweiten Versuch. Froddi tanzte durch das Rosenborg Studio, als ob er in Det Røde Sjøhus auf der Bühne stünde. Es hätte keinen Sinn gehabt, auf der Vokalspur etwas korrigieren zu wollen, denn wie korrigiert man gelebtes Leben? Es war doch das Leben selbst, das die Geschichte war. Hier sollte nichts arrangiert werden.

Am vorletzten Tag im Studio kommt Anne Lise von der Polygram in den Kontrollraum. Im Sommer ist sie immer so schön, denkt er. Vielleicht legt sie sich nach Feierabend draußen bei Bygdøy auf einen Felsen. Das Blasse, etwas Britische an ihr ist dann nicht mehr zu sehen. Dann ist sie so norwegisch wie Synnøve Solbakken. Draußen blüht noch immer der Flieder. Sie hört sich zwei Lieder an und sagt: »Sachen.«

Das ist ein Ausdruck, den sie übernommen hat vom Arbeitskumpel Audun Tylden. Er hat sich in der Musikszene ausgebreitet wie ein Lauffeuer. Möglicherweise war es Audun selbst oder einer seiner Künstler, der in Nordnorwegen durch einen Hotelkorridor ging und an einer offenen Tür vorbeikam, hinter der ein Paar im Bett am Werk war. So, wie die Geschichte erzählt wurde, ließ die Frau einen knallenden Furz los, als beide gerade den Höhepunkt erreichten, und der Mann rief überaus beifällig: »Sachen!« Auf diese Weise wurde der Ausdruck noch Jahrzehnte später benutzt, um etwas besonders Gutes zu loben, ob es sich nun um Åge Aleksandersens neuestes Album handelte oder eine frisch gebratene Gänseleber im Restaurant Tre Kokker.

Aber er sieht, dass Anne Lise eigentlich nicht gekommen ist, um zuzuhören und mit Superlativen um sich zu werfen. Sie ist gekommen, um etwas zu sagen. Sie ist Sekretärin, aber eigentlich zur Chefin geschaffen, denkt er. Zusammen mit Audun, Mikkel, Totto, Aase und allen anderen hat sie dazu beigetragen, eine Plattenfirma aufzubauen, die ihren Künstlern große Freiheit einräumt. Obwohl eine multinationale Firma dahintersteckt mit Hauptniederlassung in Hamburg, wo Helge Westbye schon als Wonderboy platziert ist, wird nicht von Verkaufszahlen geredet, auch wenn die Champagnerkorken knallen, wenn eine LP Gold holt. Es ist die Mischung von Ernst und Verspieltheit, die auf die Künstler übergreift, wie dann, wenn die Jonas Fjeld Band ein Album namens Take two Aspirins and Call me in the Morning lanciert. Auduns Geist ist bei all diesen Veröffentlichungen zu spüren. In den Augen des Bjørnstad-Jungen gibt es keinen Kontinentaleren als Audun. Seine Liebe zu Voss, Trondheim und Sogndal wird nur übertroffen von seinem Hunger auf Hammeleintopf, Schafskopf, Lutefisk, geräuchertes Hammelfleisch und Schweinerippe. Oder Graubrot mit Ziegenkäse und einem Glas Milch nach einer Nacht auf der Piste mit einer zweistelligen Anzahl Gin and Tonic. Wenn er über San Francisco oder über die Wasserflugzeugabgänge von Miami nach wohin auch immer redet, ist er international wie der schlimmste Schurke in einem James-Bond-Film, und dann liebt man ihn am meisten. Das Staunen über das Leben, das auf alle anderen übergreift, nicht zuletzt auf Anne Lise, wie sie dort steht mit allen finanziellen Vollmachten von ihrem verrückten Chef und sagt: »Heute Abend spielt Elton John in Oslo.«

»Ach?«

Sie lächelt fröhlich. »Sein Management erzählt, dass er nach dem Konzert gern essen gehen möchte.«

»Ach? Casino? Dovrehalle? Olympen? Larsen?«

»Mach keine Witze. Wir haben uns auf das d’Artagnan geeinigt.«

»Nicht Tre Kokker?«

»Das d’Artagnan ist gerade total angesagt.«

Sicher, denkt er. Noch ein Beispiel für das kontinentale neureiche Gehabe. Gänseleber und Sauterne. Kalbsbries und Puligny-Montrachet.

»Aber was hat das mit uns zu tun?«

»Wir wollen euch dabeihaben.«

»Uns?«

»Ja, euch. Und noch andere Künstler. Elton John will nicht erkannt werden, ihr wisst schon. Die Polygram lädt zum Essen und zu den feinsten Weinen ein. Das Einzige, was wir im Gegenzug von euch verlangen, ist, dass ihr kein Getue macht, wenn irgendwann Elton John ins Lokal kommt und sich an einen Tisch setzt.«

Die Spannung im Restaurant knistert geradezu, als wir einige Stunden später das d’Artagnan betreten. Erschöpft, aber guter Dinge nach dem Tagewerk im Studio. Jetzt steht nur noch die Abmischung aus, und die werde ich teilweise mit Inge und Hans Petter übernehmen, wenn das Stavangerensemble am nächsten Tag nach Rogaland zurückkehrt. Ich lasse meine Blicke von Tisch zu Tisch wandern. Sitzen da hinter der Säule nicht Jahn Teigen und Anita Skorgan? Das neue Superpaar, das die Klatschzeitschriften mit Spekulationen und Gratulationen füllt? Und dahinten am Fenster, sind das nicht Kristin und Trond-Viggo? Dag Spantell? Gro Anita Schønn? Alf Cranner ein Stück weiter hinten in der Ecke? Lillebjørn und Åse Kleveland? Inger Lise Rypdal? Finn Kalvik? Åge und Sambandet? Jonas Fjeld? Es sieht aus wie der Garderobenbereich des NRK vor einer der allergrößten Samstagssendungen. Gesichter, die man kennt, und andere, die einem nur vage bekannt vorkommen. Da kommt Ole zusammen mit Dag Frøland. Der Bjørnstad-Junge winkt ihnen zu, steht auf, umarmt Ole und begrüßt Frøland, der einen langen Zobelpelz trägt, sogar jetzt, mitten im Sommer.

»Ich freue mich ja schon so auf Roger Whittaker«, erklärt Frøland.

»Whittaker ist nicht hier«, sagt der Bjørnstad-Junge höflich.

»Nein, noch nicht«, erwidert Frøland. »Aber der kommt schon noch. Deshalb sind wir doch hier. Um ihm zu huldigen.«

Ole wirft ihm einen vielsagenden Blick zu, »Komm, Dag.«

Er zieht seinen Freund zu einem freien Tisch weiter.

Die meisten sind schon in die Speisekarten vertieft und informieren sich über das Menü dieses Tages mit sieben Gängen. Andere haben sich in die Weinkarte vertieft. Viele Weine kosten mehrere tausend Kronen pro Flasche. Château Petrus, Latour, d’Yquem. Namen, die ich nur vom Hörensagen kenne. Ich sehe, dass Froddi, Anders, Øystein und Knut überrascht lächeln, während Zigaretten angezündet werden und Anne Lise von Tisch zu Tisch geht und allen versichert, dass sie bestellen können, was sie wollen, dass in weniger als einer Stunde Elton John eintreffen wird, und was sollen wir dann tun? Ganz einfach, weiter essen und trinken und rauchen und uns nichts anmerken lassen. Zigarren? Natürlich. Das d’Artagnan hat echte kubanische auf Lager. Fragt einfach Freddy, den Chef. Wir entscheiden uns für Kammmuscheln, Hummerbisque, gebratenen Seeteufel, Wachteln, Milchlamm, Spanferkel, Frühgemüse, Topinambur und Schwarzwurzelpüree. Das Essen wird hinuntergespült mit einem Meursault Jahrgang 78 und einem fünf Jahre älteren Figeac Grand Cru. Froddi und wir anderen kommen in Stimmung. Die Anekdoten reihen sich zu einer Kette aus witzigen Erinnerungen und Episoden, so viele gemeinsame Bezugspunkte, obwohl wir aus sehr unterschiedlichen Szenen kommen. Die Musik verbindet uns, sie hat uns einst gefesselt und dann festgehalten, und wer von uns hätte geglaubt, dass wir hier landen könnten, als gut erzogene Statisten in Elton Johns Universum. Er kommt ungefähr in der Mitte des XO-Cognacs. Ein hörbares Luftschnappen, sofort gedämpft vom warnenden Blick von Anne Lise, die jetzt in der Tür steht und aufpasst. Niemand hier wird jetzt Your Song anstimmen. Und auch nicht Yellow Brick Road. Wir werden nicht mit unseren Autogrammheften zu ihm hinstürzen. Er setzt sich, zusammen mit den Leuten vom Management. Wer sind die Norweger? Rune Lem? Petter Sandberg? Gunnar Eide? Uns nichts anmerken lassen, sagen wir zueinander mit Blicken, und alle starren etwas anderes an als den Weltstar. Wo waren wir gerade? Richtig, bei Sola. Die Geschichte von dem betrunkenen Flugkapitän, der behauptete, mit einer DC 9 einen Looping beschrieben zu haben. Aber wir fangen ihn ein, Elton John, wie er da an einem Wandtisch sitzt und so tut, als wäre er ebenso normal wie wir. Wir haben denselben Ausgangspunkt. F-Dur, G-Dur, a-Moll, C-Dur. Der Unterschied ist nur, dass er genau die Kombination gefunden hat, mit der er Millionen von Kronen verdienen, einen Bentley fahren und in einem Schloss wohnen kann, und dass die ganze Welt, sogar weit draußen in einem Dorf in Bangladesch, weiß, wer er ist.

Die Mahlzeit ging weiter. Obwohl es einigen von uns nun schwerfiel, die Konsonanten zu finden, mussten wir sitzenbleiben und durften uns nichts anmerken lassen. Elton John hatte jetzt die erste Vorspeise vor sich stehen. Wir pressten französischen Käse in uns hinein und tranken uns langsam zurück zum Rotwein, als ein Kollege an einem anderen Tisch plötzlich mit der Stirn im Aschenbecher lag. Sein Tischnachbar versuchte aufzustehen, um ihn hochzuziehen, kippte aber um und lag bewusstlos und mit einer aufgeplatzten Augenbraue auf dem Boden. Wir ließen uns nichts anmerken. Niemand ließ sich etwas anmerken. Wir waren hergekommen, um normal zu sein, uns an einer Normalität zu berauschen, die es zu diesem Zeitpunkt an einem Juniabend ganz selbstverständlich machte, dass Elton John ein paar Tische weiter saß. Und zugleich, dachte ich, sind wir außergewöhnlich. Wir schaffen es, nicht zu Elton John hinüberzugehen, um uns in seinem Glanz zu sonnen, unsere Demos feilzubieten und ihn anzuflehen, unsere Lieder zu singen. Svart fortid, denke ich plötzlich. Das ist doch ein Stück von Elton John. Warum komme ich erst jetzt auf diesen Gedanken? Inger Lise Rypdal und Lill Lindfors haben für dieses arme Lied getan, was sie konnten. Es ist nicht ihre Schuld, dass sie keinen Erfolg hatten. Es war doch ein Elton-John-Stück! Ich halte Ausschau nach Trond-Viggo. Wo ist er? Ist nicht auch sein Komponist, Georg Keller, gekommen? Höre ich da nicht das perlende Lachen von Kristin, irgendwo hier im Lokal? So viele Freunde in diesem Raum, denke ich, getragen von einer Welle aus Alkohol und Euphorie. Svart fortid dröhnt in mir, lullt mich ein in das gleiche Hokksund-Englisch, das Trond-Viggo benutzt hatte, um Hjalmar zu schreiben. Das war doch wirklich ein Elton-John-Stück, denke ich und habe Froddi gleich vor mir irgendwo in meinem Blickfeld. Der Englischlehrer in Trond-Viggos Lied: »Du versuchst zu sprechen wie Elton John, aber niemand redet so.« So what, dachte ich. Es war trotzdem ein Elton-John-Stück. Besser als alles, was er selber hätte schreiben können. Was, wenn Trond-Viggo, Georg Keller und ich gleichzeitig aufständen und zu seinem Tisch gingen, von unseren phantastischen Liedern erzählten, die doch, in unserem gemeinsamen Unterbewusstsein, für ihn geschrieben worden waren, für den Meister. Den, der vor nur wenigen Stunden in der Drammenshalle, oder war es die Ekeberghalle, für Tausende von ekstatischen Norwegern seine Hits geliefert hatte? Jetzt saß er jedenfalls hier, gleich neben uns. Anne Lise konnte doch nicht in vollem Ernst meinen, dass wir im Laufe des Abends kein einziges Mal zu ihm hinübergehen dürften? Waren nicht alle fast schon so betrunken, dass das Förmliche an diesem Fest sich auflösen und dass wir alle hin und her laufen würden, bald, in der neureichen und kreativen Ekstase, die gerade in diesem Sommer durch das Land fegte? Ein einziger Satz könnte ausreichen: Do you want to listen to a song I actually wrote for you, Mr Elton John? I have been your most humble and dedicated admirer for years. Yes, würde er sagen. Und es würde nicht das eiskalte Urteil der befreundeten Lehrerin von Sandøya sein, sondern ein tieferes Verständnis für Hjalmar und Svart fortid. Und da Trond-Viggo und Georg ein Zweiergespann waren, brauchte ich mir keine Sorgen mehr um sie zu machen. Sie würden auf jeden Fall zurechtkommen. Jetzt ging es um Svart fortid. Die Freundin auf Sandøya, die gesagt hatte, mein Lied hätte beim Grand-Prix-Finale höchstens den sechsten Platz verdient, würde wirklich in den sauren Apfel beißen müssen, wenn sie unten am Skagerrak saß und hörte, wie der NRK zum ersten Mal Elton Johns neuen Welthit spielte, Men with black stories. Ach, wie unvorstellbar stark würde das sein. Da sitzt er doch, weniger als vier Meter von mir entfernt, und redet Banalitäten mit den schleimigen und anämischen Managern, die nach Betrug und Doppelbuchung stinken, egal, was sie anfassen. Soll ich jetzt zu ihm gehen und sagen, dass auch ich Pianist bin? Dass ich schwierigere Stücke gespielt habe als er. Oder was? Bartok mit den Osloer Philharmonikern? Alle Chopin-Balladen? Hä? Hö? Und warum hat sein Flügel immer so einen verdammt schlechten Klang? Warum spielt er mit geschlossenem Deckel, selbst wenn er auf der Bühne ein Steinway-D-Modell hat? Warum begnügt er sich nicht mit einer Farfisa-Orgel? Ja, genau. Ich werde nicht sagen, was dieses Wort auf Norwegisch bedeutet. Father farted. Sachen. Sakes and things. Why does your piano always sound like a remote fart, Mr Elton John? What? What? Don’t you ever feel any kind of solidarity with the hard-working piano-builders? Do you know how much time it takes to build a brandnew Steinway? More than a year, my friend! You didn’t know that? Oh my gosh. Your piano technique is embarrassing, don’t you know? Your bam-bam-chords, without any dynamics. You have much to learn, even though you are world-famous. And honestly, you aren’t that clever. Al Jarreau’s version of Your Song is much better than yours. He makes a real song! The song itself is suddenly the least interesting. So, don’t you actually need a NEW song now, to peak the Top 10? N’as pas besoin de faire quelque chose de nouveau? Passé noir. Öh? Öh? People like you, mis-treating innocent persons all over the world, isn’t that correct? Your private life, for example. How many boyfriends have you had in your life? You sonofabitch! Confess now! Confess! Men with black stories?

Ich merke, dass ich versuche, vom Tisch aufzustehen. Und gerade dieser bewusste Reflex macht mir klar, dass ich mich der Promillegrenze nähere, die ich einmal in den siebziger Jahren hatte, als ich mit Ole und Finn Strømsted im Theatercafé saß und mich danach auf der Toilette erbrechen musste.

Aber ich habe Elton John im Blick. Ich sehe ihn so deutlich. Deutlicher und deutlicher sogar. Er sitzt gleich da drüben. Niemand hält mich auf, darf mich aufhalten. Zwischen mir und dem Weltruhm liegen nur einige Schritte und zwei Sätze. Die Jungs vom Stavangerensemble werden mich unterstützen. Blyge Harry ist ebenfalls ein potenzielles Elton-John-Stück. Er hat Zeit, natürlich hat er Zeit, um morgen ins Rosenberg Studio zu kommen. Was er dort hören wird, wird ihn umwerfen. Er hat vielleicht nicht geglaubt, dass Norwegen mehr zu bieten hat als schwachsinnig kreischende Fans? Sieht er nicht die Eastlake-Ausstattung des frisch renovierten Studios? Den Kork an den Wänden? Hört er den Klang nicht? Den Steinway-Flügel? So hat das zu klingen!

Aber im Raum ist jetzt viel Wasser. Er hat das Gefühl, schwimmen zu müssen, die Arme zu heben, sie zu bewegen, um näher an Elton John heranzukommen, der dort hinten sitzt, ein Glas Wasser trinkt und ein verdammtes vegetarisches Gericht isst, was immer das sein mag.

»Elton!«, ruft er. »Elton! Jetzt hörst du verdammt noch mal zu!«

Er ist so nah, so dicht dabei. Da steht plötzlich Froddi vor ihm, lächelt verständnisvoll, streichelt ihm die Wange. Aber was zum Henker? Was ist hier los? Soll er nicht mit Elton John reden dürfen? Ist das nicht das Mindeste, was man verlangen kann? Sollte das nicht möglich sein? Scheiß, das muss doch möglich sein!!!

Und nun sieht er Dag Frøland, der nicht ganz sicher auf den Beinen an ihm vorbeigeht und in einer herzlichen Umarmung über Elton John hereinbricht.

»Roger Whittaker! My dearest Roger Whittaker! What a pleasure to say hello to you!«

Die Welt, die meine war

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