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008Wie gut muss ich die Golfregeln kennen?

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Im Jahr 1744 wurden erstmals Golfregeln schriftlich niedergelegt. Captain John Rattray formulierte sie im schottischen Edinburgh für ein Turnier seines Klubs, den „Gentlemen Golfers of Leith“.

Es waren dreizehn Regeln. Allein drei beschäftigten sich mit dem Abschlag, weil man damals noch keine Tees verwendete, sondern von kleinen Sandhaufen startete. Das musste detailliert geregelt sein.

Am amüsantesten war Regel sieben. Golfer, so schreibt die Regel vor, müssen ihren Ball in Richtung Green spielen und nicht auf die gegnerischen Bälle zielen, um sie wegzuschießen. Der Gedanke der sportlichen Fairness, so folgern wir, war bei den Schotten damals noch nicht übertrieben ausgeprägt.

Nur eine Regel, die zwölfte der dreizehn, legte den Ablauf des Spieles fest. Sie lautete: „He whose Ball lies farthest from the Hole is obliged to play first.“ Der Spieler, dessen Ball am weitesten vom Loch entfernt liegt, muss als Erster spielen.

Die Regel hielt 274 Jahre. Anfang 2019 verschwand sie spurlos. Seitdem gilt: Der Spieler, der gerade Lust darauf hat, spielt als Erster.

Viele Golfspieler sind mächtig stolz darauf, dass sie die Golfregeln exakt kennen. Sie werfen sich in die Brust und berufen sich auf eine jahrhundertealte Tradition. Das ist Humbug.

Golfregeln sind wie Steuer- oder Bauvorschriften. Sie ändern sich immer wieder. Ab 1899 bekam man beispielsweise einen Strafschlag, wenn man einen Ball zweimal traf. Das ist vorbei. Lange war beim Droppen Vorschrift, den Ball über die eigene Schulter zu werfen, dann musste man ihn auf Schulterhöhe und heute auf Kniehöhe fallen lassen. Nicht erlaubt war für zweihundert Jahre, im Wasserhindernis den Schläger auf den Boden zu setzen und Probeschwünge zu machen. Das ist nun erlaubt. Früher musste man beim Einlochen die Flagge aus dem Loch ziehen. Nun darf sie drinbleiben.

Der spanische Tour-Spieler Sergio Garcia sieht das darum locker: „Ich kenne nicht annährend alle Golfregeln – und ich mache das beruflich.“

Ich mache es nicht beruflich, aber ich sehe das ähnlich. Es genügt, wenn man auf dem Platz die wichtigsten vier, fünf Vorschriften kennt, etwa, was bei einem Treffer in den Teich zu tun ist oder wie man verfährt, wenn der Ball in eine Hecke oder ins Out rollt. Mehr braucht es nicht.

In den Golfklubs haben sie das noch nicht begriffen. Sie veranstalten dort immer noch die sogenannten Regelprüfungen. Selbsternannte Golf-Staatsanwälte unterziehen dann die Golf-Einsteiger mit irren Fragen aus der Irrealität. Die Prüfungsfrage lautet dann zum Beispiel: „Ein Golfer holt aus, und während des Rückschwungs bläst der Wind seinen Ball um einige Zentimeter nach vorn. Der Golfer schlägt dennoch zu. Welche Strafe ist nun fällig?“

Ist das irgendjemanden schon mal passiert? Natürlich nicht, und wenn, was soll’s.

Tröstlich daran ist, dass es die Regel-Behörden nur im deutschsprachigen Raum gibt. Wenn ich meinen Golffreunden aus Großbritannien, USA oder Asien erzähle, dass man bei uns zum Golfspielen eine Regelprüfung ablegen muss, dann lachen sie sich jeweils halb tot und vergleichen es mit einer ähnlich komplexen Sportart.

„Muss man bei Euch auch eine Prüfung ablegen, bevor man Sex hat?“, fragen sie zurück. Ich sage dann, dass wir auch in diesem Punkt auf bestem Weg sind.

100 Dinge, die jeder Golfer wissen muss

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