Читать книгу 100 Dinge, die jeder Golfer wissen muss - Kurt W. Zimmermann - Страница 17

011Ist Golf ein Sport?

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Etwas verdächtig ist es ja schon, wenn wir Golfer gegenüber Dritten unseren Sport beschreiben. Verdächtig daran ist, dass wir andauernd betonen, bei Golf handle es sich um Sport.

Wir betonen dann, dass wir – wie bei einem richtigen Sport – auf einer Runde eine Distanz von acht Kilometern zu Fuß hinter uns bringen. Wir betonen dann, dass wir – wie bei einem richtigen Sport – hundert oder zweihundert verschiedene Muskeln einsetzen müssten. Wir betonen dann, dass es – wie bei einem richtigen Sport – im Golf eine Menge von Wettkämpfen gibt.

Gut, es gibt auch Turniere für Halma und für Legosteine.

Wir Golfer, wenn wir unseren Sport beschreiben, fühlen uns oft in einer Abwehrsituation. Wir verteidigen uns gegenüber der nichtgolfenden Bevölkerung auch dann, wenn wir von keiner Menschenseele angegriffen werden.

Wir sagen „Golf ist ein richtiger Sport“, obschon gar niemand das Gegenteil behauptet hat. Wir sagen „Ich spiele Golf, aber ich habe noch Sex“, obwohl gar niemand diesen alten Witz strapaziert hat. Wir sagen „Ich spiele Golf, aber beziehe noch keine Rente“, obschon niemand sich für unser Alter interessiert.

Wir sind gegenüber Außenstehenden in der permanenten Verteidigung, weil wir die Vorurteile der nichtgolfenden Bevölkerung nur zu gut kennen. Machen wir uns nichts vor, wir sind außerhalb unserer Spezies keine strahlenden Vorbilder der Jugend. Wir gelten eher als arbeitsscheue und trinkfeste Freizeittruppe, die als Alibi für ihr Partyleben ein paar Bälle über den Rasen scheucht und dann behauptet, das sei Sport.

Nun, ist es Sport?

Es ist eine Frage der Perspektive. Meine Freundin Susanna zum Beispiel, eine Raumgestalterin, geht jeden Morgen eine Stunde laufen. Über Mittag schwimmt sie eine Stunde, gegen Abend folgt Fitnesstraining. Als ich sie erstmals auf den Golfplatz mitnahm, war sie nicht sehr beeindruckt. Wenn wir nun manchmal eine Runde spielen, bleibt ihre Herzfrequenz im Ruhepuls. Sie hält Golf für eine Art Spaziergang mit gelegentlichen artistischen Einlagen.

Wenn ich hingegen mit Erwin spiele, schwitzt er schon nach drei Löchern wie ein Pferd. Sein Atem pfeift. Erwin ist von Beruf Datenanalyst. Seine einzige anstrengende Tätigkeit neben Golf ist das Sitzen. Am Morgen setzt er sich ins Auto, dann auf seinen Bürostuhl, dann sitzt er in der Kantine, dann wieder in Büro und Auto und dann auf der Couch. Er hält Golf für einen harten Hochleistungssport, der den Körper an die Grenzen des menschlichen Leistungsvermögens zwingt.

Golf ist nicht Golf. Es ist für jeden etwas anderes. Für die einen ist es Sport. Für andere ist es ein Spaziergang mit ein paar Freiübungen dazwischen.

Golf ist nicht Golf. Es kann täglich etwas anderes sein. Vor einigen Tagen spielte ich zum Beispiel gegen Martin in der Matchplay-Klubmeisterschaft. Wir spielten aggressiv und schnell und nach zweidreiviertel Stunden fiel die Entscheidung erst am letzten Loch. Das war echter Sport.

Etwas später war ich auf der Runde mit den „Ugos“, den „United Golfers of Swing“. Niemand kann sich noch erinnern, wie unser Männerverein zu diesem dummen Namen kam. Egal, wir spielten wie immer „Garbage“, eine Golfrunde auf der ständig gewettet wird, wer am nächsten bei der Fahne liegt, wer den weitesten Abschlag hat und wer am besten mit dem Driver puttet.

Wir wetteten also ununterbrochen und dazu tranken wir Bier. Nach über vier Stunden wechselten erst ein paar Geldscheine die Hand, dann wechselten wir ins Klubhaus und bestellten Pizza, erneut Bier und Zigarren.

Mit Sport hatte das rein gar nichts zu tun. Aber lustig war es trotzdem.

100 Dinge, die jeder Golfer wissen muss

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