Читать книгу 100 Dinge, die jeder Golfer wissen muss - Kurt W. Zimmermann - Страница 21
015Was ist wichtiger, Richtung oder Länge?
ОглавлениеEs ist eine der beliebtesten Diskussionen im Klubhaus. Es stehen sich dabei zwei Lager diametral gegenüber.
Das eine Lager sind die Präzisions-Anhänger. Sie sagen: Die Richtung zählt. Je präziser Du spielst, umso besser spielst Du.
Das andere Lager sind die Distanz-Anhänger. Sie sagen: Die Länge zählt. Je weiter Du schlägst, umso besser spielst Du.
Wir können die Diskussion schnell beenden. Es gibt eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen darüber, ob im Golf die Präzision oder die Länge wichtiger ist. Das Resultat ist absolut eindeutig.
Präzision ist im Golf irrelevant.
Das mag nun manche überraschen, aber bevor ich das im Detail aufzeige, werfe ich Ihnen ein paar Namen zu. Die Namen sind Adilson da Silva, Siddikur Rahman, Terry Pilkadaris und Paul Peterson.
Nie gehört, werden Sie nun sagen. Da haben Sie Recht. Es sind die Namen der Spieler, die an den Turnieren in Europa die größte Präzision haben. Ihre Abschläge landen bis zu achtzig Prozent mitten auf dem Fairway. Aber alle haben noch nie ein Turnier gewonnen.
Die Turniere gewinnen die Spieler, die draufhauen und dann halt im Kraut liegen. Es gibt Sieger von großen Turnieren, die pro Runde nur fünf Fairways getroffen haben.
Die Länge ist viel wichtiger als die Richtung. Diese Erkenntnis verdanken wir vor allem Mark Broadie. Er ist Professor an der Columbia Business School. In den USA nennen sie ihn den „Statistik-Guru“. Broadie hat Zehntausende von Schlägen von Golfprofis und Golfamateuren analysiert. In seinem Buch mit dem Titel „Every Shot Counts“ hat er seine Resultate zusammengefasst. Das Buch dreht sich um Golf, aber es schaut mit all den Tabellen aus wie ein Mathematik-Lehrgang.
Das Resultat der Studie. Erstens: Entscheidend im Golf ist die Länge und nicht die Präzision. Zweitens: Noch entscheidender als bei den Profis ist die Länge bei den Freizeitspielern. Für uns Normalos ist nicht so wichtig, ob wir auf dem Fairway oder im Rough liegen, Hauptsache, wir liegen möglichst weit vorne.
Wenn es uns Alltagsgolfern gelingt, beim Abschlag auch nur schon 15 bis 20 Meter länger zu werden, so zeigt die Statistik glasklar, werden wir unser Handicap merklich verbessern.
Bei den Profis ist der Befund derselbe. Nur 20 Prozent der Turniere werden von Spielern gewonnen, die präzise und akkurat schlagen. Die sogenannten „Bomber“, wie man die lange Hau-Drauf-Truppe nennt, sind die großen Sieger. Bei uns Durchschnittsspielern ist noch wichtiger, dass wir beim Abschlag krachend draufhauen, weil unsere zweiten Schläge oft nicht die nötige Länge haben.
Vor dreißig Jahren wurden nicht 20 Prozent, wie heute, sondern noch 46 Prozent der Turniere von Spielern mit hoher Präzision gewonnen. Hier spiegelt sich der Wandel des Materials. Die neuen Schlägertypen, tolerante Eisen und Rescues, erlauben heute, den Ball auch aus schwierigen Lagen nahe an die Fahne zu spielen. Auch das spricht für vollen Kampfeinsatz, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn wir mit dem Monsterdrive dann halt im Kraut landen, dann halt mit einem weiteren Monsterschlag wieder raus aus dem Kraut.
Ich habe diese statistischen Längen-Studien jeweils mit großem Vergnügen gelesen. Ich dresche seitdem heftiger als früher drauf: Länge ist alles. Und ob Sie’s glauben oder nicht. Ich bin zwar nicht mehr der Jüngste, aber ich habe mit meiner neugefundenen Bomber-Mentalität mein Handicap wieder etwas heruntergespielt.
Der legendäre Arnold Palmer, um 1960 der populärste Golfer der Welt, hatte diese Weisheit schon immer verkündet. Sein Leitspruch war: „Hit it hard, go find it and hit it hard again.“ Auf Deutsch: Hau voll drauf, dann geh und finde ihn, und hau wieder voll drauf.