Читать книгу 100 Dinge, die jeder Golfer wissen muss - Kurt W. Zimmermann - Страница 15
009Welches sind die besten Golf-Ausreden?
ОглавлениеDer Putt meines Mitspielers war nicht schlecht. Aber kurz vor dem Ziel bog der Ball ab und zog links am Loch vorbei.
Mein Mitspieler schüttelte den Kopf. „Verdammte Erdkrümmung!“, rief er dem Ball hinterher.
Es war eine der besten Ausreden für einen missglückten Golfschlag, die ich je gehört habe. Die Ausrede ist darum so gut, weil sie universell anwendbar ist. „Verdammte Erdkrümmung“ geht immer, egal, ob der Putt danebengeht oder ob der Ball ins Gehölz rollt.
Golfer sind, wie wir wissen, ein kreatives Völkchen. Besonders kreativ sind sie, wenn sie eine Ausrede für das eigene Versagen finden müssen.
„Mein Hund hat meinen Handschuh gefressen“, sagte mir mal einer, „und mit dem Ersatz komme ich einfach nicht zurecht“.
„Genau in dem Moment, als ich auf den Ball schlug“, sagte mir mal einer, „hat sich eine Fliege auf den Ball gesetzt“.
In keiner anderen Sportart gibt es so viele Ausreden für eine Fehlleistung wie im Golf. Das hat zwei Gründe.
Der erste Grund liegt darin, dass Golf ein extremer Outdoor-Sport ist. Wir spielen mitten in der Natur. Anders als in Hallen und Stadien gibt es in der Natur Wind und Sonne und Regen und Fauna und Flora und damit ein riesiges Angebot an möglichen Entschuldigungen.
Der zweite Grund ist der wichtigere. Golf, so weiß die Sportpsychologie, ist ein besonderer Sport, weil jeder ganz allein für seine Leistung geradestehen muss. Golf ist rein eigenverantwortlich. Golfer können keine Mitspieler und keine Schiedsrichter für Niederlagen verantwortlich machen. Golfer sind immer ganz alleine schuld.
Wenn Du ganz alleine schuld bist, so schreibt die Sportpsychologie weiter, führt das mit der Zeit in einen Erklärungsnotstand. Du kannst nicht dauernd damit leben, dass Du ein Depp und ein Versager bist. Also müssen zur Stärkung der eigenen Psyche externe Argumente her. Dann verschiebt halt die Erdkrümmung den Putt, der Hund frisst den Handschuh und die Fliege setzt sich auf den Ball.
Wir können hier nicht alle Ausreden anführen, sonst hat dieses Buch 500 Seiten. Aber wir können sagen, worauf es ankommt. Die besten Ausreden sind die flexiblen Ausreden. Gute Ausreden sind jene, bei denen auch das Gegenteil eine gute Ausrede ist.
„Ich kam in den letzten Monaten überhaupt nicht zum Spielen“, ist eine gute Ausrede für schlechte Schläge. Oder: „Ich habe in den letzten Monaten viel zu viel gespielt“, ist auch nicht übel. Als Alternative geht: „Ich bin untergolft.“ Oder: „Ich bin übergolft.“
Gut ist immer auch die Materialfrage: „Mit diesen neuen Schlägern komme ich einfach noch nicht zurecht.“ Oder wechselweise: „Mit diesen alten Schlägern komme ich einfach nicht mehr zurecht.“
Das Timing hat auch seine beiden Seiten. „Der Flight vor uns ist so langsam. Ich kann nicht Golf spielen, wenn ich immer warten muss.“ Oder dann: „Der Flight hinter uns ist so schnell. Ich kann nicht Golf spielen, wenn ich immer gedrängt werde.“
Das ist das Grundmuster. Halte immer beide Optionen offen.
Ich hatte soeben eine Golflektion und darum klappt nichts mehr. Ich hatte schon lange keine Golflektion mehr und darum klappt nichts mehr.
Der Wind war stärker als ich dachte. Der Wind war schwächer als ich dachte.
Hier haben sie zu wenig gemäht. Hier haben sie zu viel gemäht.
Ich wollte das Neuner-Eisen nehmen und habe das Sechser-Eisen erwischt. Ich wollte das Sechser-Eisen nehmen und habe das Neuner-Eisen erwischt.
Ich habe zu viel getrunken. Ich habe zu wenig getrunken.
Wenn Sie alle Ausreden durchhaben, dann bleibt Ihnen nach einem schlechten Schlag immer noch das Universalrezept. Sagen Sie einfach: „Verdammte Erdkrümmung“.